Spreewaldkonferenz in Lübbenau - Bremsen verschlammte Spreewald-Fließe den Tourismus aus?

Mi 08.05.24 | 15:55 Uhr
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Archivbild: Auf der Spree in Lübben fährt ein Kahn. (Quelle: dpa/Hammerschmidt)
Video: rbb24 Brandenburg aktuell | 08.05.2024 | Aspasia Opitz und Sebastian Schiller | Bild: dpa/Hammerschmidt

Der Spreewald verschlammt zusehends. An manchen Orten beträgt die Wassertiefe nur noch rund 20 Zentimeter. Das könnte den Tourismus spürbar ausbremsen. Nun könnte eine Lösung wieder aufgegriffen werden, die bereits zu DDR-Zeiten geholfen hat.

Lehde, ein Ortsteil von Lübbenau (Oberspreewald-Lausitz), ist ein typisches Beispiel für Spreewaldidylle. Der Ort ist nur mit dem Kahn erreichbar und zieht jährlich tausende Besucher an. Noch.

Denn unter der Wasseroberfläche sieht es trüb aus in Lehde. In den Fließen befindet sich so viel Schlamm, dass die Wassertiefe zum Teil nur noch 20 Zentimeter beträgt. Zu wenig für Paddelboote oder gar für Spreewaldkähne. Die Fließe waren deshalb ein Thema bei der Spreewaldkonferenz am Mittwoch in Lübbenau.

Nicht nur Tourismus betroffen

Dass der Schlamm zum Problem wird, merkt vor allem Steffen Franke von der örtlichen Kahnfährgenossenschaft. Er stakt unzählige Touristen durch den Spreewald. Doch der Schlamm wird nicht nur zur Gefahr für den Tourismus. Ein höherer Wasserstand sei nötig, um Niedrig- oder Hochwassersituationen bewältigen zu können. "Da braucht man eine gewisse Gewässertiefe, um Wasser abzuführen oder eben speichern zu können", so Franke.

In einem Dorf wie Lehde ist der Fließschutz außerdem zugleich Katastrophenschutz. Auf verschlammten Fließen kann der Feuerwehrkahn nicht fahren.

Auch die Fische leiden unter dem fauligen Schlamm am Boden. Der ist allerdings kein neues Problem, sagt Rainer Schloddarick vom Wasser- und Bodenverband Oberland Calau. Jedes Jahr falle im Herbst das Laub in die Spree. "Wir haben keinen reißenden Gebirgsbach, der das Laub abtransportiert", so Schloddarick. Stattdessen sinken die Blätter auf den Boden und verfaulen dort.

Schlamm könnte Fische sterben lassen

Es sei wie in einem Gartenteich, so der Experte. Wenn dort Laub am Boden verfaule, entziehe das dem Gewässer den Sauerstoff. Mittelfristig könnten auch im Spreewald Fische daran sterben. "Also, das Sediment muss raus", so Schloddarick.

Zu DDR-Zeiten waren regelmäßig Bagger auf den Fließen unterwegs. Der ausgehobene Schlamm wurde dann auf den Wiesen und Feldern versprüht. In den vergangenen Jahrzehnten war das nicht mehr möglich, weil der Schlamm als Sondermüll deklariert wurde und teuer abtransportiert werden musste. Immer seltener ist der Schlamm deshalb in den letzten Jahren entfernt worden.

Hoffnung auf baldiges Ausbaggern

Schloddarick will sich dafür einsetzen, dass dieses Verfahren wieder genutzt wird. Auf einem 500 Meter langen Fließabschnitt ist deshalb wieder Schlamm entlang der Fließe abgelagert worden. Fünf Jahre ist das jetzt her - mittlerweile ist die Fläche wieder bewachsen. "Das Zeug ist halt nicht giftig, es ist natürlich entstanden und wird natürlich verwertet", sagt Schloddarick.

Das muss allerdings erst durch mehrere Untersuchungen bestätigt werden. Schloddarick hält dennoch an seinem Ziel fest. Dies sei die billigste Variante, den Schlamm aus den Fließen zu bekommen.

Hoffnung machte ihm am Mittwoch Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel bei der Spreewaldkonferenz. Noch in diesem Jahr könnte es demnach eine Lösung geben. "Wir gehen davon aus, dass die Sedimente im Spreewald unbelastet sind", so der Grünen-Politiker. Das müsse zwar zunächst noch aufwendig beprobt werden, wenn sich das Verfahren aber eingespielt habe, könnte es wieder "Verhältnisse wie früher" geben, sagte Vogel.

Ein Bauer aus der Region hat bei der Konferenz bereits sein Interesse am Sedimente-Schlamm bekundet.

Sendung: rbb24 Brandenburg aktuell, 08.05.2024, 19:30 Uhr

24 Kommentare

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  1. 23.

    Ihr habt recht. Das muß aufhören, das Stechen und Rudern im flachtrüben Gewässer. Tourismus bringt nicht nur Geld, sondern auch Unheil! Die Spree würde, konnte sie sprechen/schreien sich selbst wehren. Kann sie nicht!

  2. 22.

    Natürlich ist es falsch, wenn Sie das hier schreiben, wer hätte Zweifel an Ihrer Aussage?

    Gegenteil beweisen wäre auf Augenhöhe. Bin gespannt auf einen faktenreichen Austausch.

  3. 21.

    >“ Bedingt durch die Stechruder und deren tiefes Eindringen in den Boden, werden die Strukturen des Bodens zerstört. Dabei gewährt die hohe Frequenz des Kanubetriebs keine Möglich kein der Erholung des Schlammbodens!“
    Waren Sie schon mal im Spreewald?
    1. Es ist kein Stechruder, sondern ein Rudel.
    2. Kanus haben ein Paddel. Von ihnen gemeint ist ein Spreewaldkahn. Der wird mit dem Rudel gestakt und gelenkt.
    3. Die Rudel versinken im Schlamm des losen Sediments. Weil eben dieses Sediment nicht mehr ausgebaggert wird bis zum festen Fließgrund.
    Gaaanz früher, so richtig gaaanz früher… wurde das Sediment von Bauern herausgeschöpft und als Dünger genutzt.

  4. 19.

    Ja und? Nur weils immer so war kann/muß es geändert werden! Zum Schutz der Fließhewässer samt Böden!

  5. 18.

    In den Gewässern rund um Bitterfeld und Leuna konnte man seine Filme selbst entwickeln und musste nicht umständlich zur Komplexannahmestelle fahren.

  6. 17.

    Die Spätfolgen des Kohlebergbaus in der Region sind ja nicht erst seit heute bekannt. 150 Jahre Braunkohleabbau hinterlässt seine Spuren. Die Spree ist mit Eisen überlastet und bei Hochwasser schwappt alles in den Spreewald, mit katastrophalen Folgen. Als das Grundwasser abgesenkt war, siehe Tagebau, gab es kein Problem, aber jetzt, mit steigendem Grundwasserspiegel, werden tatsächlich Sulfat und Eisen in die Fließe gebracht. Die braune Brühe schreckt Touris ab.
    Sulfat ist übrigens ein Problem bei der Trinkwassergewinnung für Berlin und Potsdam. Wenn man übrigens den Schlamm nicht richtig entsorgt, ihn auf Felder bringt, auf Bauland bringt, gibt es den PASS-Boden, der beispielsweise in Verbindung mit Sauerstoff tatsächlich oxidiert und auch Beton zerfressen kann. Schwefelsäure wird freigesetzt.

  7. 16.

    Was für ein Quatsch! Die Kähne sind kulturelles Erbe & gibt‘s nicht erst seit gestern!

  8. 15.

    Gilt das auch für Fundamente von Offshore-Windrädern?
    Der Spreewald ist eine Tourismusregion und viele Menschen dort leben vom Tourismus.
    Der Rangsdorfer See wurde schon oft entschlammt und nach meinem Kenntnisstand stippt da niemand mit dem Rudel rum.
    Menschen, die dort seit Generationen wohnen, werden auf ihren Schatz an Erfahrungen zurückgreifen können und besser als jeder Andere wissen, wie man solchen Problemen beikommen kann.
    Die Betonung liegt auf Erfahrungen - nicht auf theoretischen Vorstellungen.

  9. 14.

    Lehde ist nicht nur mit dem Kahn, selbstverständlich auch zu Fuß, Fahrrad und mit dem Auto erreichbar.

  10. 13.

    Reinfahren bedeutet eben nicht jedes Gehöft erreichen. Und da dürften in Lehde weit mehr als 50% nur mit Boot, Fahrrad, zu Fuß erreichbar sein.

  11. 12.

    Bedingt durch die Stechruder und deren tiefes Eindringen in den Boden, werden die Strukturen des Bodens zerstört. Dabei gewährt die hohe Frequenz des Kanubetriebs keine Möglich kein der Erholung des Schlammbodens! Mit gravierenden Schäden für die dortige Fauna und Flora. Deshalb ist die Einstellung des Kanu/-Bootbetriebes unerläßlich! Leider!

  12. 11.

    Bin letztens auch reingefahren. Muss wohl ein anderes Lehde im Spreewald gewesen sein....

  13. 10.

    Man könnte Tagebaue damit füllen. So giftig wie die Mulde wird's schon nicht sein

  14. 9.

    Genauso war es, kann ich nur bestätigen, bin in Bitterfeld geboren und bei der Oma in Ronneburg aufgewachsen. Ich hatte eine strahlende Kindheit.

  15. 8.

    Na klar, die Umwelt- und Naturschutzstandards der damaligen Zeit allgemein und in der DDR speziell haben nie wieder erreichte Maßstäbe gesetzt. Gewässer hatten Trinkwasserqualität und von den Ablagerungen haben sich die Köpenickerinnen Schlammpackungen gemacht.

  16. 7.

    Das klingt sehr einleuchtend, so furchtbar es in seinen Konsequenzen auch ist. Man sollte mit diesen Kanufahrten sofort aufhören.

  17. 6.

    Bauen sie einen Teich daheim und stechen jeden Tag mit einem Rudel 100 mal in diesen Teich. Irgendwann haben sie nur noch Schlamm drin, denn dieses stechen in den Grund zerstört diesen !!!

  18. 5.

    Es gibt Leute, die erklären einem Bauern das Schlamm Sondermüll ist. Ist er es nicht, muss es ausreichend beprobt werden... :-(
    Finde den Fehler... des gönnerhaften Erlaubens.

  19. 4.

    Woher wollen Sie wissen, dass die Sedimente damals nicht belastet waren, sondern »Bio«? Es steht nicht im Text. Es gab womöglich einen Grund dafür, schließlich sammelt sich Sediment über mehrere Jahre, die vielleicht kontaminiert waren. Bevor man sich wieder aufregt, vielleicht das erst einmal bedenken.

  20. 3.

    „ Das muss allerdings erst durch mehrere Untersuchungen bestätigt werden. “
    Na is doch klar, es kann nicht sein, dass man Dinge, die zu DDR-Zeiten gemacht wurden und gut und erfolgreich waren, einfach so übernimmt …

  21. 2.

    Seit wann ist Lehde nur mit dem Kahn erreichbar? Wurde die Straße dorthin kürzlich abgerissen, die Fuß-/Radwege auch?

    Etwas gründlichere Recherche wäre angeraten.

  22. 1.

    Deutschland - Wunderland, biologischer Schlamm ist Sondermüll, wenn man es dann mal verstanden hat….
    Probleme schaffen und verkomplizieren, prima weiter so!

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