Mit Abstand und Gesuchtsmasken warten Schülerinnen und Schüler der Comenius Grundschule auf ein Zeichen einer Lehrerin. (Quelle: dpa/Paul Zinken)
Audio: JOURNAL | 05.06.2020 | K. Buchmann | Bild: dpa/Paul Zinken

Stichprobenartige Corona-Tests - Neue Teststrategie beginnt in Berlin an Schulen und Kitas

Künftig sollen in Berlin Corona-Tests auch bei Menschen ohne Symptomen durchgeführt werden. Das sieht die neue Teststrategie vor, die ab Montag umgesetzt werden soll. Der Senat hat jetzt Details zu den genauen Abläufen bekannt gegeben.  

Mit stichprobenartigen Corona-Tests bei Personal in Schulen und Kitas beginnt in Berlin bald die Umsetzung der neuen Corona-Teststrategie. Von der kommenden Woche an würden für Beschäftigte von insgesamt 48 Einrichtungen eigene Testzeiten eingerichtet, teilten die Senatskanzlei und die Charité am Donnerstag mit.

Getestet werden sollen zunächst Menschen ohne Symptome, die an 24 Grund- und Sekundarschulen sowie in 24 Kitas arbeiten. In der ersten Phase können den Angaben zufolge rund 1.000 Menschen im Monat getestet werden. Die Teilnahme sei freiwillig. "Dies ist der Start einer breit angelegten Corona-Teststrategie, die die Universitätsklinik im Auftrag des Berliner Senats entwickelt hat", hieß es. Angestrebt werde, Infektionen früh zu erkennen und etwaige Ausbrüche einzudämmen.

Amtsarzt Larscheid kritisiert Aufgabenverteilung

Neben den Stichproben ist eine Schulstudie über einen Zeitraum von einem Jahr geplant, um das Infektionsgeschehen zu überwachen, wie die Charité weiter mitteilte. Ab Mitte Juni sollen demnach an 24 zufällig ausgewählten Schulen je 20 Kinder und Jugendliche sowie fünf Erwachsene in regelmäßigen Abständen getestet werden. Hierbei sollen neben den Tests mittels Abstrichen (PCR) auch Antikörpertests durchgeführt werden. Diese gelten als Hinweis auf eine bereits überstandene Infektion. Der PCR-Test hingegen gilt als Momentaufnahme und kann nur eine aktuelle Infektion anzeigen.

Durch die wiederholten Checks derselben Menschen sollen der Anteil an aktiven und durchgemachten Sars-CoV-2-Infektionen bestimmt und Rückschlüsse auf den gesamten Infektionsstand der Bevölkerung gezogen werden.

Reinickendorfs Amtsarzt Patrick Larscheid zeigte sich überrascht, dass nun augenscheinlich die Wissenschaftsverwaltung die Federführung der Teststrategie für Kitas und Schulen übernommen habe. Bisher gehörte das zur Aufgabe der Gesundheitsverwaltung. "Das alles sind Neuigkeiten, die den Amtsärzten so bisher nicht kommuniziert wurden", kritisierte Larscheid. Ursprünglich seien für die genaue Ausarbeitung der Teststrategien Arbeitsgruppen eingerichtet worden. Dort sei in Sachen Schulen und Kitas bisher aber noch nichts auf den Weg gebracht worden. Manche Gruppen hätten noch nicht einmal getagt.

Tests in Kliniken, Pflegeheimen in der Justiz und Gastronomie

Die neue Strategie sieht auch Tests in anderen Bereichen wie Kliniken und Pflegeheimen vor, zudem etwa in Justiz und Gastronomie. "Diese Testungen werden voraussichtlich Ende Juni starten", hieß es auf Anfrage. Die Screenings und die Studie seien langfristig ausgelegt,
ihre Dauer hänge "entscheidend mit der Entwicklung der Pandemie zusammen", teilte der Sprecher mit.

Regierungschef Michael Müller (SPD) sagte im Abgeordnetenhaus: "Wir sind noch nicht über den Berg, wir haben gemeinsam noch etwas zu tun, um diese Pandemie zu beherrschen." Deshalb sei geplant, die Testkapazitäten in Berlin deutlich stärker zu nutzen. "Wir müssen
gerade beim Thema Kita und Schulen besonders sensibel sein." Das habe man in Göttingen gesehen, wo nach zahlreichen Neuinfektionen Schulen geschlossen worden seien. Er möchte nicht zurückfallen in eine Situation, in der flächendeckend wieder Einrichtungen geschlossen
werden müssten. "Wir müssen wachsam und sensibel bleiben."

Scheeres: Verantwortung gegenüber Personal, Kinder und Eltern

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) erklärte: "Mit der neuen Teststrategie wollen wir unserer Verantwortung gegenüber dem pädagogischen und nichtpädagogischen Personal, gegenüber den Kindern und Jugendlichen sowie deren Eltern gerecht werden. Die Ergebnisse
werden uns zusätzliche Sicherheit bringen."

Unklar blieb zunächst, nach welchen Kriterien die Schulen für das Screening und die Langzeitstudie ausgewählt werden. Experten betonen, große Brennpunktschulen seien etwas anderes als eine kleine Privatschule in einem gutbürgerlichen Stadtteil. Eine Studie müsse
gut konzipiert sein und erfordere möglicherweise auch ein Votum des Ethikrats. Zufalls-Stichproben ohne Wiederholung und Konzept halten manche Kritiker darüber hinaus für sinnlos.

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16 Kommentare

  1. 16.

    Wenn ich diese Schüler auf dem Foto da sehe, stehen mir die Harre zu Berge. Das ist der reinste Horror. Das ist die neue Welt. Die Schüler stehen richtig hilflos da und warten auf Hilfe. Fragen sich was ist jetzt los. Das ist beängstigen.
    "Kein Normalbetrieb in Schulen bis zu den Sommerferien auch nach den Ferien. " Hygieneplan- Die Schüler werden größtenteils nur damit beschäftigt sein. Es ist noch ein sehr, sehr, sehr langer weiter Weg, bis hin zum gewohnten Schul-Alltag. Sommerferien, da passiert auch nicht weiter. Corona Zeit (verlorene Generation) Leider sieht es so aus. Wie sollen die noch den Lehrstoff aufholen. Jedes Kind ist anders gestrickt. Das ist schrecklich, was hier passiert. Es wird gerade die Zukunft unserer Kinder verspielt. Meine Kinder sind Kinderlos zum glück. Eine Sorge weniger.

  2. 15.

    Corona-Teststrategie?! Ernsthaft??? Die verkaufen uns 1000 Test/Monat als eine Teststrategie. Es leben 4 Mio. Menschen in Berlin, davon 366 000 Schüler der allgemeinbildenden Schulen, im nächsten Jahr wird diese Zahl noch steigen. Demnach werden 0,27% aller Schüler pro Monat getestet. Typische politische Entscheidung: die eigenen Kinder gehen in Potsdam auf Privatschulen mit Skipe-Unterricht, bzw. 7 Schüler pro Unterrichtsstunde und den Berlinern wirft man wie einem hungrigen Hund nen kleinen Knochen zu verpackt in eine schöne Überschrift. Das zeigt wieder wie heuchlerisch und entscheidungsarm unsere Politiker sind.

  3. 14.

    Corona-Teststrategie?! Ernsthaft??? Die verkaufen uns 1000 Test/Monat als eine Teststrategie. Es leben 4 Mio. Menschen in Berlin, davon 366 000 Schüler der allgemeinbildenden Schulen, im nächsten Jahr wird diese Zahl noch steigen. Demnach werden 0,27% aller Schüler pro Monat getestet. Typische politische Entscheidung: die eigenen Kinder gehen in Potsdam auf Privatschulen mit Skipe-Unterricht, bzw. 7 Schüler pro Unterrichtsstunde und den Berlinern wirft man wie einem hungrigen Hund nen kleinen Knochen zu verpackt in eine schöne Überschrift. Das zeigt wieder wie heuchlerisch und entscheidungsarm unsere Politiker sind.

  4. 13.

    Zu DDR-Zeiten mussten wir arbeiten, da gabs ausreichend Krippen und Kindergärten. Ich habe 45 Jahre gearbeitet, mit Kindern. Wir sind mit unseren Kindern allein fertig geworden trotz Arbeit. Organisieren, Koordinieren, Eltern müssen miteinander reden. Heute sitzen Eltern viel vor ihren technischen Geräten, Hobbys, Party. Wir brauchten keine Hilfe, haben alles alleine gemacht. Heute schreien die Mütter, Eltern nur nach Hilfe. Die Welt wird immer hektischer, lauter, Leistungsgesellschaft. Kinder sind nun mal eine große Last, aber auch was Schönes. Meine Nachbarn haben Kinder 6 und 11 Jahre und schreien nicht nach fremder Hilfe. Mir wäre es peinlich zum Kinder- und Jugendamt zu gehen. War immer verärgert gewesen, dass meine Kinder keine Kinder haben. Heute in Corona Zeit, bin ich froh das keine Enkelkinder da sind.

  5. 12.

    Danke! Genau das schwirrt mir auch immer im Kopf herum, wenn ich Kommentare a la "traumatisierte" Kinder lese. Was viel schlimmer für die Kinder ist und weit traumatisierender, ist zu merken, dass sie reine Störfaktoren für ihre Eltern sind, die nervlich am Boden sind, weil die Kinder zuhause sind. DAS ist traurig.

  6. 11.

    Dann verraten Sie mir doch mal wo berufstätige Eltern Hilfe bekommen.

    Medial bekommen sie Vorwürfe: warum wollten Sie überhaupt Kinder? Früher haben Frauen auch nicht gearbeitet! Kindern in anderen Ländern geht es viel schlechter. Seien Sie nicht hysterisch! ...

  7. 10.

    Ihr Kind ist traumatisiert, weil es seit 12 Wochen bei Ihnen zu Hause ist? Auweia, sind Sie ein Fall fürs Jugendamt oder bloß verwirrt?
    Kinder reagieren hochflexibel auf sich ändernde Bedingungen, wenn sie auf einen sicheren und belastbaren familiären Background zurückgreifen können. Hysterische Eltern formen hysterische Kinder. Also entspannen Sie sich mal und suchen sich Unterstützung, wenn es Ihnen zu viel wird. Hier herumzugeifern, hilft Ihrem Kind jedenfalls nicht.

  8. 8.

    Es steht Ihnen nicht zu, dass Leid unserer Kinder herabzusetzen. Kita-Kinder sind seit 12 Wochen zu Hause. Für sie hat sich das ganze Leben geändert. Ob sie davon traumatisiert sind oder nicht, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Und natürlich gibt es Kinder, die In deutlich prekärer UMständen leben. Aber das relativiert nichts!

  9. 7.

    Also für die Kinder gab es bisher kein Geld und die geplanten 300 EUR bekommen Familien mit einem Einkommen bis 90.000 EUR. Dafür sind die meisten Kinder seit 12 Wochen nicht in der Kita und Eltern stemmen neben der Arbeit die Kinderbetreuung!

  10. 6.

    Traumatisiert? Ernsthaft ? Vielleicht sollten sie mal ihre Terminologie überprüfen bevor sie solche Kommentare abgeben .
    Gewalt und Unfallopfer oder auch Kriegsgeschädigte werden es ihnen danken .

  11. 5.

    Was ist mit den Gymnasien???? Bevor nicht ordentlich getestet wird an Schulen geht kein Normalbetrieb an den Schulen. Wer denkt an die Risikogruppen die zuhause mit wohnen? Oder auch Lehrer? Nornalbetrieb an Schulen nach den Sommerferien ist unverantwortlich .

  12. 4.

    Warum nur Sekundarschulen? Was ist mir den Gymnasien? Muss man das verstehen? Alle Schulen sollten getestet werden.

  13. 3.

    Da können sie machen was sie wollen(Geld ohne Ende für die Wirtschaft, für die Kinder, für alles und jeden) gemeckert wird immer. Die Deutschen ein Volk immer unzufrieden und "nimmersatt".

  14. 2.

    Warum werden nur wenige Personen sehr weniger Einrichtungen stichprobenartig getestet? Das bringt doch überhaupt nichts. ;uss man dafür auch noch extra irgendwo hinfahren, um sich freiwillig testen zu lassen, ist es mit derFreiwilligkeit auch schnell vorbei. Die Test-Teams sollten stattdessen eine Kita und Schule nach der anderen abgrasen und dort vor Ort so viele Tests wie möglich machen. Nicht wieder die Verantwortung und den Anfahrts-Aufwand auf diejenigen abschieben, die in Schulen und Kitas eh schon täglich Stress und Risiken ausgesetzt sind.

  15. 1.

    Traurig, daß unsere Kinder jetzt auch noch mehr traumatisiert werden durch Corona Tests in den Schulen.

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