23.09.2020, Berlin: Menschen sitzen in Restaurants und Bars in Friedrichshain (Bild: dpa/Christophe Gateau)
Video: Abendschau | 07.10.2020 | Frank Drescher | Gespräch mit Roberto Manteufel | Bild: dpa/Christophe Gateau

Corona-Maßnahmen in Berlin - Kneipen-Vertreter sieht Sperrstunde als "Todesstoß für Bars"

Der Berliner Senat hat als Reaktion auf die steigenden Infektionszahlen eine Sperrstunde von 23 bis 6 Uhr für Gaststätten verhängt. Vertreter der Gastronomie berichten über Wut in der Branche. Es treffe jetzt auch die, die alle Regeln eingehalten hätten.

Der Hauptgeschäftsführer des Berliner Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga, Thomas Lengfelder, hat mit Blick auf die nun beschlossene Sperrstunde für die Berliner Branche konsequente Kontrollen gefordert. "Die Vorschriften werden nichts bringen, wenn sie nicht kontrolliert werden", sagte Lengfelder am Mittwoch im Wirtschaftsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses.

Es herrsche in der Branche eine große Wut gegenüber Betrieben, die die Vorgaben in der Krise "offensichtlich nicht eingehalten haben". Es gebe aber auch ein "Vollzugsdefizit, das heißt, dass im Zusammenhang mit dem Coronavirus die Vorschriften kaum kontrolliert und dann eben auch nicht sanktioniert werden".

"Wir fürchten, dass Treffen in Wohnraum verlagert werden"

Der Berliner Senat hatte am Dienstag angesichts stark steigender Infektionszahlen in der Hauptstadt unter anderem eine Sperrstunde für Händler und Gastronomen von 23.00 bis 6.00 Uhr beschlossen. Diese Maßnahme treffe auch die vorbildlichen Betriebe, sagte Lengfelder. "Und ob das zielführend ist, wird sich zeigen. Wir fürchten, dass diese Treffen nun in den privaten Wohnraum verlagert werden." Der Hauptgeschäftsführer begrüßte, dass der Senat weitere Hilfen für die Branche in Aussicht gestellt habe.

Deutlich kritischer äußerte sich der Co-Gründer der Szenekneipen-Initiative "Bars of Berlin", Roberto Manteufel: "Mir fehlen die Worte vor Wut und Empörung", sagte er im Ausschuss. Die Betreiber fühlten sich "verraten und verarscht". Die Sperrstunde könne nur als "Todesstoß für Bars" bezeichnet werden. Auch Manteufel forderte weitere Hilfen und kritisierte, dass die jüngst neu aufgestellten Überbrückungshilfen der Bundesregierung nicht ausreichten.

Hotelvertreter fordert weitere finanzielle Hilfen

Auch der Hotelbesitzer Michael Zehden, der sich als Vertreter der großen Tagungs- und Kongresshotels sieht, schilderte am Mittwoch im Wirtschaftsausschuss die schwierige Situation seiner Branche. Große Hotels hätten weiterhin hohe Fixkosten, auch wenn Kongresse und Großveranstaltungen nicht stattfänden. Zehden forderte schnelle finanzielle Unterstützung vom Senat.

Wirtschaftsstaatssekretär Christian Rickerts sagte dazu im Ausschuss, es gebe seit März ein breites Programm an Zuschüssen und Krediten. Diese Maßnahmen würden fortlaufend angepasst werden. Allerdings, sagte Rickerts mit Blick auf die jüngste Entscheidung des Senats, für neue Hilfsprogramme brauche man ein paar Tage Zeit. Zeit, so der Eindruck nach der Anhörung der Barbetreiber und Gastwirte, die viele in der Branche scheinbar nicht mehr haben.

Sendung: Abendschau, 07.10.2020, 19:30 Uhr

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54 Kommentare

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  1. 54.

    sicher, der gemeine alkoholkranke stillt seine sucht mit teuren cocktails in einer bar. geht es bitte noch weltfremder? was für ein dämliches "argument" die frühzeitigen schließungen der lokale damit zu rechtfertigen. JEDER kommt noch an seinen "stoff" solange aldi & co. nicht dichtmachen. vom geselligem trinken, einfach weil es spaß macht haben sie auch noch nie was gehört, wie? aber schon gut, das geht auch zu hause, lade ich meine leute eben in mein wohnzimmer ein.

  2. 53.

    hach ja, lesekompetenz 6! es geht nicht darum dass irgendwer das pech hat um 6 aufstehen zu müssen. augen auf bei der berufswahl, sag ich nur. sondern um die ironie, dass WENN die clubs offen wären, die sperrstunde diese kaum tangieren würde. after hour und so...

  3. 52.

    Ganz ehrlich? Hätten die Ordnungsämter gleich vernünftig ihre Arbeit gemacht und einige Lokale und Bars bei mehrmaligen nicht beachten der Auflagen, wäre es nicht zu dem drastischen Einschränkungen gekommen. Und wer ein Meldezettel mit dem Namen " Donald Duck " durchgehen lässt, hat kein Interesse an einem vernünftigen Ablauf. Und nun schreien sie alle wieder nach Hilfe. Haben die Wirte ihre Gäste die ganzen Jahre gefragt wo das Geld herkommt? Nö, haben sie nicht.

  4. 51.

    Wer feiert nicht gerne, ob jung oder alt! Nur wenn die Kneipen und Bars der Unvernunft Tür und Tor öffnen dann muss dagegen was unternommen werden. Nicht jammern und auch noch Finanzhilfen aus Steuern erwarten von denen die gefährdet werden, sondern selbst kreativ Massnahmen ergreifen!

  5. 50.

    Falsch. Die Infektionsschutzverordnung sagt, dass man physische Kontakte, wo möglich reduzieren soll. Sie gibt einen Mindestabstand von 1,50m vor.
    Die Entscheidung, ob man sich der Enge in einer überfüllten Bar aussetzt, liegt nicht im Ermessenspielraum der eigenen Risikokalkulation - es ist ein Verstoß gegen die Verordnung. Lies die mal, wenn du schon mit dem GG argumentierst.

  6. 49.

    Und mein Tipp an Herrn Manteufel, damit er sich nicht verraten und verarscht fühlt: Kneipe zumachen , sich auf eine der vielen offenen Stellen in der Berliner Verwaltung bewerben und dann gut arbeiten. Besonders in den Gesuämtern wird Personal benötigt. Obwohl....auch dort fühlt man sich verarscht, wenn man Daisy Duck nicht telefonisch erreicht. Kneipen kann man immer wieder aufmachen wenn die Zeit dafür da ist.

  7. 48.

    Hat der Manteufel in dem Interview in der Abendschau gesagt, dass es nicht die Verantwortung der Wirte sei darauf zu achten, dass die Verordnung eingehalten wird, weil die Wirte sie nicht erlassen hätten?

    Oh Berlin, wie wär es wenn sich jeder einzelne mal dafür verantwortlich fühlt, dass er selbst die Verordnung einhält- und sich auch als Wirt, Unternehmer, Arbeitgeber noch ein bisschen mehr dafür verantwortlich fühlt, dass der Infektionsschutz in seinem Haus eingehalten wird.

    Hört doch bitte auf die Verantwortung von Euch wegzuschieben.

  8. 47.

    Ach Tilly. 6.00 Uhr ist für viele Arbeitsbegin oder zumindest Aufstehzeit. Ganz besonders in Berufen, die die Stadt am Laufen halten. Und in Berufen, die sowohl jetzt wie nach dem Ende der Pandemie gut verdienen und auch noch da sein werden. Natürlich machen Kneipiers Geld mit Alkoholkranken - womit denn sonst oder kann man in Bars noch etwas Anderes kaufen. Wer das sieht und weiss, ist keinesfalls verbittert. Verbittert sind eher die, die nun nicht jederzeit an ihren Stoff kommen...blöd gelaufen

  9. 46.

    Ich fühle mich "verraten und verarscht", um mal den Bar-Vertreter zu zitieren: Und zwar von Feiernden und Barbesitzern, die den Schuss immer noch nicht gehört haben. Mit dem Genöle macht ihr es allen unnötig schwer.

  10. 45.

    Den Todesstoß haben die Gastwirte vor allem den Gastwirten zu verdanken, die sich nicht an Hygienevorschriften halten, bzw. diese nicht von ihren Gästen abverlangen. Und sie haben es den Ignoranten Büger/innen zu verdanken, die denken, dass es clever ist, private Feiern in Coronazeiten abzuhalten. Und natürlich auch den Politiker/innen, die uns und sich selber vormachen, dass es clever ist, private Feiern in diesen Größenordnungen zu erlauben. Coronawinter here we come.

  11. 44.

    gerade weil man die woche über arbeitet will man am wochenende ausspannen - und bei u30ern ist das nunmal nicht der balkon, oder die gartensparte! und feiern, lol...das würde überhaupt nicht betroffen sein von diesem witz einer sperrstunde, um 6uhr früh in den club ist standard - oder besser war, denn die sind ja leider geschlossen. :(
    aber wer sitzt nach dem essen nicht noch bei seinem wein, oder einem cocktail um 23 uhr? um diese zeit die schotten dicht machen zu müssen ist wirklich mies, das ist eine ganz normale ausgehzeit in der stadt! dann werden sich die leute jetzt wohl ab 23uhr in größerer runde zu hause treffen...isso!!

  12. 43.

    ganz schön egoistisch, hoffentlich bleiben Oma und Opa schön zu Hause denn :

    "Abschließend lässt sich sagen, dass die bisherigen Ergebnisse der Laborversuche von Prof. Dr. Frank Günther Hoffnung und Christian Sterr zeigen, dass nicht nur der Fremdschutz, sondern auch der Eigenschutz bei Community-Masken, oder medizinischem Mund-Nasen-Schutz höher sein kann, als dies bislang angenommen wurde. Inwieweit diese Masken den Träger aber im Alltag konkret vor einer Infektion mit SARS COV 2 schützen können, muss wissenschaftlich noch untersucht werden"
    (Auszug aus Beitra über MNS vom ZDFin VK)

  13. 42.

    Ich gehe gerne erst um Mitternacht raus damit die Touristen weg sind in den Bars und weniger los ist. Jetzt muss ich wohl schon um 18 Uhr los gehen und komme in die Rushhour. Sowas nennt man dann: Der Senat will es halt so.

    Was macht man denn gegen die ganzen "Jetzt-erst-Recht"-Menschen?

  14. 41.

    Man konnte oft genug beobachten, dass sich viele Clubbetreiben nicht an die Vorschriften gehalten haben.
    Und das ist nicht nur die Pflicht der Behörden das zu unterbinden, sondern auch die Pflicht der restlichen Bevölkerung.

  15. 40.

    Ist es wirklich so lebenswichtig mal für ein paar Wochen bei Partys auf die Uhr zu schauen? Müssen die Partygäste nicht auh mal arbeiten oder werden sie vom Steuerzahler bezahlt? Ich denke, solch "Entbehrungen" sind zu ertragen.

  16. 39.

    Ein Glück und nur so haben Polizei und Ordnungsamt nun die Handhabe gegen (besoffene) „Aerosol-Exesse“ in Kneipen und Clubs vorzugehen. Und von 06:00 bis 23:00 Uhr kann man ja wohl genug Umsatz machen, um nicht in die Pleite zu gehen. Große Gewinne sind derzeit sowieso nicht drin. Für (fast) Niemanden.

  17. 38.

    volle Zustimmung! wenn ich schon so einen mist lesen muss: die lokalbetreiber haben eh nur geld mit alkoholkranken gemacht. was sind denn das alles für verbitterte menschen hier in den kommentaren? und es sind sicher die ersten die rumheulen, wenn sie pandemiebedingt mal ihren job verlieren oder finanzielle einschnitte erfahren müssen.

  18. 37.

    Kommt davon, wenn man seinen Lebensunterhalt mit der (Alkohol)Sucht von Menschen verdient...

  19. 36.

    Diese ganzen alten und verbitterten jammerer hier, können eim einfach nur leid tun.
    Sperrt euch doch für immer ein und setzt zu Hause auch noch eine ffp2 Maske auf, wenn ihr so renitente Angst habt.
    Ich meine schon klar, bei 16000 infizierten ist Berlin praktisch fast schon ausgestorben und dem Untergang geweiht.

  20. 35.

    Die Überschrift sagt alles.
    Und mit den versprochenden Hilfen wird es nichts werden , woher nehmen wenn nicht stehlen.
    Berlin wird regelrecht von den unsinnigen Massnahmen kaputt gemacht.
    Der Senat hat nur eine härtere Gangart zulegen wenn er weiss wer und wie es umgesetzt werden soll.

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