Viele Menschen stehen vor der Neuen Odessa Bar am 08.08.2020 (Bild: dpa/Gerald Matzka)
Audio: Inforadio | 07.10.2020 | Interview mit Dilek Kalayci | Bild: doa/Gerald Matzka

Kalayci verteidigt Sperrstunde in Berlin - "Jetzt ist Schluss damit, nachts Party zu machen"

Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci verteidigt die strengeren Corona-Maßnahmen. Eine Minderheit von Bürgern missachte bewusst die Regeln und gefährde viele Menschen, sagte sie am Mittwoch. Weitere Regel-Verschärfungen schloss die Politikerin nicht aus.

Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) hat im rbb die neuen Corona-Einschränkungen in Berlin verteidigt. In der ersten Phase der Pandemie seien die Bürgerinnen und Bürger sehr diszipliniert gewesen, bilanziert sie am Mittwoch im rbb-Inforadio. Die Infektionszahlen seien zunächst stark gesunken. "Aber jetzt merken wir, dass die Disziplin nachgelassen hat - gerade bei jungen Menschen, die sagen: Mein Gott, für mich ist das nicht schlimm." Diese jungen Leute aber hätten eine Verantwortung, denn sie könnten wieder andere anstecken. Kalayci betonte: "In einer Pandemie kann man nicht von einer Minderheit sprechen, denn eine Minderheit kann sehr, sehr gefährlich sein, wenn sie sehr mobil ist."

"Die Zeit der Geselligkeit ist vorbei"

Das Nachtleben sei in den vergangenen Tagen und Wochen als Infektionsquelle ausgemacht worden, wiederholte Kalayci. Daher seien hier gezielt Maßnahmen ergriffen worden. "Es ist Schluss, nachts Partys zu machen, sich zu treffen", konstatierte Kalayci. "Die Zeit der Geselligkeit ist vorbei. Die Lage in Berlin ist ernst. Und da trägt jeder einzelne auch mit Verantwortung, diese Pandemie mit Berlin in den Griff zu bekommen." Es gebe aber "einige wenige, die diese Regeln sehr wohl kennen, aber sie bewusst ignorieren".

Weitere Verschärfungen der Regeln schloss die Senatorin nicht aus. "Die Schärfe der Beschlüsse hängt von der Entwicklung ab. Und diese Entwicklung ist nicht gottgegeben, sondern hängt vom Verhalten jedes einzelnen ab."

Schubert: Wirksamkeit der Maßnahmen entscheidend

Katina Schubert, Landesvorsitzende der Linken in Berlin, sagte am Mittwoch im rbb-Inforadio, die Maßnahmen seien "gut vertretbar". Entscheidend sei nun, dass das Beschlossene wirke. Dazu werde nun auch eine neue Informationskampagne gestartet, auch mehr Kontrollen solle es geben. Schubert warnte zugleich davor, Berlin dürfe nicht in einen "Strudel von Maßnahmen" kommen.

Die Bezirksbürgemeisterin von Tempelhof-Schöneberg, Angelika Schöttler (SPD), erklärte am Mittwoch, sie sei froh, dass die Corona-Maßnahmen zeitlich begrenz seien. "Dass die Bars ganz besonders darunter leiden, das ist mir vollständig klar", sagte Schöttler der rbb-Welle Radioeins. Deswegen sei es ihr wichtig gewesen, dass es gleichzeitig eine Hilfszusage für Barbetreiber gibt, damit diese durch den Monat kommen. "Wir müssen ihnen helfen, sonst geht das nicht."

Unterstützung erhält der Senat auch vom Amtsarzt des Berliner Bezirks Reinickendorf, Patrick Larscheid. Wenn Partys mit wenig Abstand und viel Alkoholkonsum als Problem identifiziert seien, sei es auch konsequent zu sagen "Wir unterbinden das", wie Larscheid am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur sagte. "Das kann ich nachvollziehen." Aus seiner Sicht besteht eine Chance, dass die Maßnahmen zur Eindämmung des Infektionsgeschehens beitragen können, wenn sie durchgesetzt werden.

CDU, FDP und AfD bemängeln fehlende Kontrollen

Von Samstag an gilt in Berlin für Bars und Restaurants eine Sperrstunde zwischen 23 und 6 Uhr. Außerdem dürfen sich in dieser Zeit nur noch höchstens fünf Menschen draußen versammeln. An privaten Feiern in geschlossenen Räumen dürfen nur noch maximal zehn statt bisher 25 Personen teilnehmen. Die Regeln sollen zunächst bis Ende des Monats gelten.

Kritik daran kommt von der Opposition im Abgeordnetenhaus. CDU-Fraktionschef Burkard Dregger bemängelte, der Senat sei unfähig, die Regeln durchzusetzen und die Infektionsherde einzudämmen. Wenn Schutzmaßnahmen nicht konsequent durchgesetzt würden, würden sie als Bestrafung derjenigen empfunden, die sich an die Regeln halten. CDU-Landeschef Kai Wegner forderte Schwerpunkteinsätze, "insbesondere gegen Personengruppen, die wild feiern und Abstände nicht einhalten".

FDP-Fraktionschef Sebastian Czaja teilte mit, die weitere Verschärfung der Regeln mache keinen Sinn, wenn der Senat die bisherigen Maßnahmen nicht durchsetzen könne. "Die Verschärfung der Maßnahmen trifft immer nur diejenigen, die sich an die Regeln halten, während die Regelbrecher weiter ungeschoren davonkommen", so Czaja am Mittwoch. Seine Fraktion behalte sich vor, gegen die erneute Verschärfung der Corona-Maßnahmen zu klagen.

Der AfD-Abgeordnete Herbert Mohr (AfD) teilte mit, die jüngsten Beschlüsse entbehrten jeglicher Strategie. "Fakt ist, dass die bestehenden Regelungen ausreichend waren."

Sendung: Abendschau, 07.10.2020, 19:30 Uhr

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115 Kommentare

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  1. 115.

    Danke, rbb für die aktuellen Zahlen bzgl. Anzahl Polizisten in Quarantäne (im anderen Artikel)!

    Ich habe mich über Ihre Aufmerksamkeit sehr gefreut!

  2. 113.

    Als überbezahlte Senatorin braucht man sich keine Sorgen machen über die Zukunft.Da hat man seine Schäfchen im Trocknen.Die blöden Gastwirte können sehen wo sie bleiben.

  3. 112.

    Lächerlich!!!
    Wer will das kontrollieren?
    Hier im Staakencenter wo täglich mehrere Biertrinkende den Späti unterstützen und man kaum Platz findet ins Center zu gelangen.
    Wer soll um 23 Uhr hier her kommen um den Laden zu kontrollieren ? Die Polizei tut nicht mal tagsüber etwas .

  4. 111.

    Genau das meine ich ja!
    Solange man sowas duldet und die machen können, was sie wollen.... Wird sich nichts ändern.
    Allein hier in meiner Hörweite gab es in den letzten 4 Wochen 6 solcher großen Hochzeiten. Nicht zu überhören mit den PS-Protz-Karren und der Musik beim abholen der Braut.
    Aber wie sagte Erdogan Mal "Muslime kriegen das nicht".
    Und dass gerade in Neukölln kaum irgendwann Mal die Polizei auftaucht, ist auch keine Neuigkeit mehr

  5. 110.

    das haben Sie wohl mißverstanden , war nicht als Kritik gemeint, der Text stammt aus einem Lied

  6. 109.

    "Sperrstunde in Berlin: Auf einen Blick /Zeitraum der Sperrstunde: 23 bis 06 Uhr
    Schließungen: Ladengeschäfte müssen während den genannten Zeitraumes schließen (Apotheken und Tankstellen dürfen in diesem Zeitraum nur Arzneien und notwendige Kfz-Artikel verkaufen).
    Kontaktbeschränkungen: Höchstens 5 Personen oder Personen aus 2 Haushalten dürfen sich zwischen 23 und 06 Uhr im öffentlichen Raum gemeinsam aufhalten. Zitat: Berlin.de
    Also Zeitung / Brötchen kaufen geht nicht. Ich bin sowieso jemand, der lieber auf Abstand geht.
    Im Prinzip bin ich für die Sperrstunde und das Verbot von Alkoholverkauf, nur die Regelung dazu finde ich teilweise nicht so gut.

  7. 108.

    In Berlin, insbesondere in einigen Stadtbezirken, gibt es vermehrt die Tradition, sich nicht an Gesetze und Vorschriften zu halten. "
    Tja, die Leute in Grunewald, Frohnau, Zehlendorf haben halt hochbezahlte Anwälte.

  8. 107.

    Jetzt gehen die Partys erst richtig los!!

  9. 106.

    Das klingt, als ob das Schlafen derjenigen, die Schichtdienst oder Arbeitszeiten bis spät haben, eine Art von Faulheit ist. Wenn ich um 6Uhr morgens aufstehen muss, gehe ich um möglichst 22Uhr zu Bettchen. Wenn ich hingegen eine Arbeit habe, wo ich erst ab 16 oder 18Uhr anfange und bis nachts um 2 oder 3Uhr durcharbeite, oder, wie meine Freundin Schichtdienst im Krankenhaus machen muss und teilweise erst um 8Uhr morgens schlafen kann, schlafe ich tatsächlich bis mittags oder länger.
    Die Missachtung solcher Berufe ist in dieser Gesellschaft anscheinend nach wie vor immens!! Dabei sind das werterhaltende Berufe unserer heutigen Gesellschaft und unseres aller Wohlergehens!

  10. 105.

    Der eine säuft. Der andere tuts nicht. Der eine kippt sich, nach Büroschluss, um 16.00 unzählige Biere und Schnäpse hinter die Binde und fällt um spätestens 22.00 halbtot und glücklich ins Bett, um am nächsten Morgen um 6.00 oder 7.00 wieder stramm zu stehn. Der andere möchte sich evtl. nur gern um 0.00 nach Arbeitsschluss noch mit einem Freund oder Freundin austauschen und bestellt sich ein oder zwei Bier oder auch einen Orangensaft. Oder auch, er säuft sich genauso die Binde zu...
    Es geht bei diesem ernsten Thema weiß Gott nicht darum, das Privatleben von Menschen zu beurteilen, zu verurteilen und zu verhetzen!! Wo sich für Leute wie "Frank" ja anscheinend gerade ein Paradies eröffnet hat!
    Durch dieses merkwürdige und, meiner Ansicht nach, von der Regierung her völlig hilflose und, von der Beurteilung unfähige! neue Gebot von Sperrstunde und zeitlicher Prohibition, werden die realen Probleme, statt sie anzugehn, bewusst auf angreifbare Randgruppen verschoben!

  11. 104.

    Dass Sie eine autoritäre Erziehung mit möglicherweise Prügel hatten, ist bedauerlich. Andere hatten in der Zeit eine strenge, aber Werte vermittelnde Erziehung.
    Sicher, nicht jeder kann sich Essengehen in guten Restaurants ständig leisten - aber für den Preis von 2 Cocktails in einer Bar kann man schon nett draußen was essen und das dann mal 4 Wochenenden im Monat ergibt einen guten Restaurantbesuch. Man muss sich nur entscheiden.

  12. 103.

    " auch bei viralen Infekten, obwohlsie nur bei bakteriellen ~ wirken. "
    ist hinlänglich bekannt, aber ein viraler Infekt kann den Pat. so schwächen, dass eine bakterielle Superinfektion lebensberohlich werden kann, deshalb werden dann Antibiotika eingesetzt

  13. 101.

    In Berlin, insbesondere in einigen Stadtbezirken, gibt es vermehrt die Tradition, sich nicht an Gesetze und Vorschriften zu halten. Das ist das eigentliche Problem der Frau Kalayci. Sie kann verordnen und verbieten, was sie will. Es wird kaum befolgt, verfolgt oder gar bestraft. Ich meide Berlin schon längere Zeit. Bin eh kein Stadtmensch und diese Stadt ist besonders abschreckend für mich. Das liegt auch daran, dass sie seit Jahrzehnten übel regiert wird mit den bekannten, vielfältigen Folgen. Vielen gefällt das. Andere gehen, wenn sie können.

  14. 100.

    Dann gerieren Sie sich meinetwegen als Steigbügelhalterin der Unvernünftigen. Falls Sie so etwas doch mal mitbekommen sollten, drehen Sie den Fernseher einfach ganz laut auf, damit Sie den Hohn und Spott der Corona-kontaminierten Saufkarawanen nicht hören müssen, weil keiner was dagegen tut.

  15. 99.

    (Reserve)Antibiotikaresistenzen kommen vor allem durch deren Einsatz in der Massentierproduktion. Und durch zu häufiges Verschreiben, auch bei viralen Infekten, obwohlsie nur bei bakteriellen ~ wirken.

  16. 98.

    Ich wünsche Ihnen, ja, was ? Will nicht banal werden. Dass Sie einigermaßen durchkommen und wenigstens menschlich nicht allein dastehen.
    Ich denke viel an Leute in solcher Situation, was Ihnen natürlich nicht wirklich nützt...

  17. 97.

    " die Überlebensfähigkeit der Viren auf unbelebten Oberflächen "

    hängt von der konzentration der Viren auf eben diesen Oberflächen ab , und die war in der Heinsberg-Studie gering

  18. 96.

    Ihre Unterstellungen weise ich zurück. Ich kann noch unterscheiden zwischen notwendiger Hilfe (und habe diese oft direkt selbst erfolgreich geleistet, auch wenn es brenzlig wurde), und Denunziation. Ich weigere mich, jeden Menschen als potentielle Ansteckungsgefahr, als Feind zu sehen, genauso wie ich nicht jeden Menschen ängstlich als möglichen Angreifer, Dieb, whatever - sehe. Und ich werde nie bereit sein, dies zu ändern. Übrigens habe ich schlechte Erfahrungen damit gemacht, die Polizei zu rufen, wo ich selbst nicht eingreifen konnte - einmal kamen sie gar nicht, einmal waren sie betrunken, und mehrmals sagten sie mir am Telefon, dass ich das Geschehen hinnehmen müßte.

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