Symbolbild: Rettungswagen in Brandenburg im Einsatz am 07.06.2020. (Quelle: imago images/Frank Sorge)
Video: rbb|24 | 18.12.2020 | Material: Brandenburg aktuell | Bild: imago images/Frank Sorge

Überlastung der Krankenhäuser - Berlin nimmt 51 Covid-19-Patienten aus Brandenburg auf

Die Lage in den Brandenburger Krankenhäusern ist kritisch: Viele Intensivbetten sind belegt, Personal knapp. Deshalb hat Brandenburg seine Nachbarn um Hilfe gebeten - Berlin hat zugesagt. Die Notfallklinik am Messegelände wird vorerst aber nicht aktiviert.

Berlin nimmt ab Freitag 51 Covid-19-Patienten aus Brandenburg auf. Das hat die Berliner Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) auf Nachfrage des rbb bestätigt.

Wegen der Überlastung von Krankenhäusern durch Corona-Patienten hatte Brandenburg andere Bundesländer um Hilfe gebeten. Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) hatte am Donnerstag im zuständigen Landtagsausschuss gesagt, sie habe die Berliner Gesundheitssenatorin gebeten, 50 Covid-19-Patienten zu übernehmen.

Gesundheitssenatorin Kalayci bestätigte die Anfrage: Man werde Brandenburg helfen und sogar 51 Patienten aufnehmen.

Großteil der Patienten aus Südbrandenburg

Wie ein Sprecher des Gesundheitsministeriums Brandenburg dem rbb am Freitag mitteilte, soll der Großteil der 51 Patienten aus Südbrandenburger Krankenhäusern kommen. Das Klinikum Niederlausitz verlegt elf Patienten, aus dem Cottbuser Thiem-Klinikum werden fünfzehn und aus dem Elbe-Elster-Klinikum zehn nach Berlin verlegt. Hinzu kommen fünf Patienten aus dem Krankenhaus Eisenhüttenstadt sowie zehn Patienten aus dem Klinikum Dahme-Spreewald.

Zugleich werden rund 260 Betten in neun Brandenburger Rehakliniken zusätzlich für Krankenhaus-Leistungen zur Verfügung gestellt, hieß es.

Noch keine Patienten im Notfallkrankenhaus auf dem Messegelände

Nonnemacher hatte am Donnerstag zunächst das Notfallkrankenhaus auf dem Berliner Messegelände mit seinen 84 Betten ins Gespräch gebracht. Die Brandenburger Gesundheitsministerin fügte allerdings selbst hinzu, dass dort aktuell das Personal fehle.

Die Berliner Gesundheitssenatorin Kalayci stellte daraufhin klar: Man werde Brandenburg helfen und die Patienten aufnehmen - allerdings nicht in der Messeklinik. Berlin habe noch rund 2.300 freien Betten in Krankenhäusern. Die Messklinik soll erst in Betrieb genommen werden, wenn alle Berliner Krankenhäuser mit Corona-Patienten überlastet sind.

Nonnemacher: Viele Pfleger selbst erkrankt

Nonnemacher warnte vor Personalengpässen in der Intensivpflege. Sie sagte dem rbb am Donnerstag, es gebe in Brandenburg über 1.000 Intensivbetten mit der Möglichkeit, Patienten zu beatmen. Es sei aber nötig, weiteres Personal zu gewinnen, um diese Betten nutzen zu können.

Es sei sehr besorgniserregend, dass viele Pflegerinnen und Pfleger selbst erkrankt seien. Teilweise fehle ein Drittel des üblichen Personals. Das belaste die Kliniken und sei im Moment fast die Hauptsorge.

Auch Sachsen-Anhalt wird angefragt

Nonnemacher sagte weiter, einige Landräte im Süden Brandenburgs seien kurz davor, den Katastrophenfall auszurufen. Neben Berlin werde Brandenburg voraussichtlich Sachsen-Anhalt um Bettenkapazitäten für Patienten bitten, kündigte sie an. Sachsen komme nicht infrage, weil die Lage dort katastrophal sei.

Die Zahl der Neuinfektionen stieg in Brandenburg am Donnerstag auf einen neuen Höchstwert von 1.217 Fällen. In Brandenburger Krankenhäusern werden derzeit 879 Menschen wegen einer Covid-19-Erkrankung im Krankenhaus behandelt, davon 156 auf Intensivstationen. In den besonders betroffenen Landkreisen Oberspreewald-Lausitz und Elbe-Elster liegen die 7-Tage-Inzidenzen weiter über der Marke von 500, in Spree-Neiße über 400. Die Zahl der Menschen, die an oder mit Corona in Brandenburg gestorben sind, stieg innerhalb eines Tages um 42 auf 676.

Weitere Verlegungen innerhalb Brandenburgs

Auch innerhalb Brandenburgs werden derweil Patienten verlegt, vor allem aus dem Süden mit seinen überlasteten Kliniken in andere Landesteile. Die Leitstelle Lausitz hatte auf Anfrage des rbb etwa am Donnerstag mitgeteilt, das betreffe allein an dem Tag 15 Patienten aus Senftenberg (Oberspreewald-Lausitz) und sechs weitere aus Finsterwalde (Elbe-Elster), die ins nördliche Brandenburg verlegt werden.

Sendung: Brandenburg aktuell, 17.12.2020, 19.30 Uhr

Was Sie jetzt wissen müssen

85 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 85.

    Ohne weiteres geht das hierzulande auf keinen Fall. Man muss sich erst mit der komplexen VERAH Fortbildung hoch qualifizieren, kann dann aber bereits heutzutage (und das wird auch gemacht, kenne da jemanden ;-)) als MFA kleinere Sachen "alleine" machen und den Chef somit entlasten.

  2. 84.

    Gut, wenn man es sich leisten kann, mehr auf den Patienten als auf den Pfennig achten zu müssen. ;-)

  3. 83.

    @Melanie: Es ist in der Tat ein Problem, wenn Betriebswirtschaftler überall gnadenlos kürzen, wo man besser nicht kürzen sollte. Zwar muss das Gesundheitswesen natürlich wirtschaftlich sein, aber wesentliche Entscheidungen sollten immer Ärzte treffen, lediglich beratend Betriebswirtschaftler zur Seite gestellt bekommen. Umgekehrt wäre zu überlegen, ob eine Reihe von Leistungen nicht auch von (etwas besser bezahlten) Arzthelfern übernommen werden könnte. Die Behandlung + Krankschreibung bei z.B. Erkältungen / anderen Kleinigkeiten bindet zumindest teilweise sinnloser Weise ärztliche Arbeitszeit. Aber in Schweden z.B. klärt man die wichtigen Sachen vorab per Telefonsprechstunde und in USA macht der Arzthelfer fast alles, man sieht den Arzt fast gar nicht als Patient. Das ist eine Entlastung für den Arzt der sich auf das wesentliche und schwierige Fälle konzentrieren könnte. (Mangelhafte Krankenversicherung in USA ist natürl. wieder was anderes) Aber das ist alles sehr strittig.

  4. 82.

    Ich glaube in Tschechien hat man dort Pflegeschüler in den dortigen überfüllten Krankenhäusern eingesetzt, weil zu wenig Personal da ist. Nebenbei-Vorteil: wenn sie erkranken, überleben sie es normalerweise, weil sie jung sind. Das könnte bei zunehmender Fallzahl das nächste Problem werden: erkrankende Pfleger und Ärzte. Bei meinen wenigen Gesprächen, die ich mit Pflegern hatte, sind die allerdings optimistisch sich nicht anzustecken. Mittlerweile sind die Stationen ja gut ausgestattet. Das Hauptproblem ist wohl dass es zu viele Patienten pro Zeit sind und teilweise vorübergehend bald keine optimale Versorgung mehr gewährleistet werden kann auch für andere Notfälle / ITS-Fälle ohne Covid-19 Hintergrund. Wenn auch die Politik entsetzlich viele Fehler gemacht hat, so hat sie wenigstens jetzt den nun dringend notwendigen Lockdown gemacht.

  5. 81.

    Ich fürchte, es mangelte nicht an Eindringlichkeit... Das ist so wie bei Rauchern und den "Schockbildern". Ich weiß, wovon ich rede: ich bin Raucher. :-P

  6. 80.

    Und gleichzeitig erlaubt Brandenburg zu Weihnachten weiterhin doppelt so viele Personen (10) als fast alle anderen Bundesländer...

    Nicht nur, dass man keine Reserven geschaffen hat, nein, man heizt die ohnehin schon ausufernde Situation weiter an. Hätte man die Aufnahme der Patienten nicht an Auflagen koppeln können, dass sich BB wenigstens dem Konsens auf Bundes-Ebene anschließt?

  7. 76.

    Mein Mitgefühl! Unsere Mutter ist vor genau zwei Jahren gestorben; mein Bruder sagte gestern, er sei nur froh, daß das nicht unter Corona-Bedingungen geschehen ist. Ihr schafft das, weil es gar nicht anders geht!

  8. 75.

    Das Gesundheitssystem ist mit oder ohne Pandemie völlig desolat und kaputtgespart.
    Warum wartet man ewig auf Facharzttermine?
    Und warum werden immer mehr Kliniken geschlossen?
    Pandemie hin oder her - sooo toll, wie es immer angepriesen wird, ist das GS schon lange nicht mehr.
    Warum will denn kaum einer den Job machen? Weil man behandelt, verbraucht und bezahlt wird wie ein notwendiges Übel.
    Wenn man könnte wie man wollte, würde es in jeder Stadt einen Arzt und pro Bundesland nur ein Krankenhaus geben, wäre ja billiger.
    Und ich möchte wetten: sobald Corona mal vorbei ist, werden weitere Kliniken geschlossen und Personal abgebaut.
    Und daran sind sicher nicht "unvernünftige Bürger" schuld!

  9. 74.

    Fast wäre mein Ironie- Sensor nicht angesprungen ! Aber überall möchten junge Menschen feiern !

  10. 73.

    Wo waren nur Stimmen wie die Ihre, die vergangenes Jahr vor den Folgen einer Pandemie gewarnt haben?

    Dass Menschen auch an oder mit Corona sterben würden, war angesichts der Übersterblichkeit bei Grippewelle erwartbar. Doch wie viele starben wegen unzureichender Ausstattung der Krankenhäuser?

  11. 72.

    Bitte keine Corona Leugner aus den AfD Hochburgen einzuschleusen. Wenn es nicht genügend Betten für alle gibt, sollten diese nicht versorgt werden.

  12. 71.

    ...das Krankenbett eines unserer Liebsten ist jetzt wieder frei...! Wir gehen jetzt ins Bett und versuchen zu schlafen. Wir haben bis eben per Telefonkonverenz die ersten Modalitäten für die Beeredigung unseres Vaters besprochen. Er ist gestern an den Folgen von Covid19 verstorben.
    Und NEIN! Es wird in die letzten Schädel NICHT reingehen, solange die vielgepriesene Individualität vor Gemeinwohl gesellschaftliche Leitkultur ist. Ich sollte es anders tun, aber ich wünsche trotzdem Niemandem unser Weihnachten. Bleibt gesund, vor allem im Hirn, wo das möglich ist...

  13. 70.

    Ich wohne in der Nähe eines Klinikums mit Helikopterlandemöglichkeit. Normalerweise startet oder landet da sporadisch mal vielleicht alle paar Monate einer und das auch meistens nur, um Notärzte zügig von A nach B zu verbringen, momentan hat der Flugverkehr aber massiv zugenommen, allein heute bereits 3 Helis. Da werden wohl auch einige verlegt...

  14. 69.

    "Es sei sehr besorgniserregend, dass viele Pflegerinnen und Pfleger selbst erkrankt seien. Teilweise fehle ein Drittel des üblichen Personals." Da stimmt was nicht mit dem Schutzkonzept für die Krankenhausangestellten vor einer ansteckenden Seuche. Gibt es da genauere Erkenntnisse aus den Krankenhäusern? Wenn sich anscheinend Personal im KH überproportional anstecken kann, wie sieht es mit ursprünglich negativen Patienten aus? Die müßten doch auch einem erhöhtem Risiko im Krankenhaus durch die höhere Inzidenz des Personals ausgesetzt sein? Ich kann mich vage an Fälle in Eberswalde (?) erinnern, wo sich wohl Patienten im KH angesteckt hatten. Gibt es auch dazu Untersuchungen?

  15. 68.

    Alfred M.:
    "Da hilft nur eins: Alle abwählen im nächsten Jahr !"

    Ich glaube kaum, dass man mit dieser Methode wirksam eine Pandemie bekämpfen kann.

    Wie wäre es zur Abwechslung mal mit konstruktiven statt destruktiven Vorschlägen?

  16. 67.

    "Die Volksvertreter wurden von uns, dem Volk gewählt." Vollkommen richtig. Und "das Volk" hat in den letzten 17 Jahren eher "wirtschaftsliberal" gewählt. Also sind wir selbst Schuld an der Misere. ;-)

  17. 66.

    Klar wird jedem geholfen, solange es möglich ist. Egal, ob er aus Brandenburg oder Ulan Bator kommt. ;-) Irgendwie müssen wir uns noch ein paar Pfleger basteln...

Das könnte Sie auch interessieren