"Klatschenlassen" im Trainingslager - Der 1. FC Union Berlin sucht seine Taktik für die Champions League

So 30.07.23 | 16:40 Uhr
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Urs Fischer sitzt beim Union-Training auf einem Ball (Bild: IMAGO/Matthias Koch)
Audio: rbb24 Inforadio | 31.07.2023 | Jakob Rüger | Bild: IMAGO/Matthias Koch

Der 1. FC Union bereitet sich im österreichischen Trainingslager auf die neue Saison vor. Dabei geht es nicht zuletzt um taktische Feinheiten für die schweren Aufgaben in der Champions League. Von Jakob Rüger

Urs Fischer hat beim Training ein Lieblingswort. "Klatsch, Klatsch", ruft er immer wieder im österreichischen Trainingslager über den Platz. Und weil man "Klatsch" nicht ins Englische oder Französische übersetzen kann, gilt auch für die Neuzugänge wie Alex Kral und David Fofana die Anweisung "Klatsch". Was der Trainer sehen will, ist das "Prallenlassen", also "Klatschenlassen" des Balles zum Mitspieler, um sich dann direkt mit Tempo in den freien Raum zu bewegen.

Schnelles Passspiel und sich dem Verteidiger entziehen, das hat der Trainer des 1. FC Union Berlin immer wieder trainieren lassen. Die Köpenicker wollen vertikaler spielen. Bei der 1:2- Testspielniederlage gegen Pafos FC aus Zypern war der Trainer damit nur bedingt zufrieden: "Phasenweise gut, dann haben wir es gar nicht mehr umgesetzt, ab der 60. Minute war dann Schluss." Besser machten es Fischers Schützlinge beim zweiten Test gegen Udinese Calcio, ein Ball in die Tiefe auf Außenverteidiger Jerome Roussillon brachte den 1:0 Siegtreffer.

Fischer lässt gezielt am Umschaltspiel arbeiten

"Das System ist schon sehr anspruchsvoll, was wir spielen", sagt Verteidiger Dominique Heintz, der gerade für die Neuzugänge Geduld fordert. "Das braucht seine Zeit und das merkt man einfach bei den neuen Jungs." Laufwege, Automatismen, der richtige Rhythmus beim Zuspiel, daran arbeitet Urs Fischer mit seinem Team und speziell mit den sieben neuen Spielern. Die Basis bleibt die stabile Defensive mit Fünferkette gegen den Ball.

Das Mittelfeld spult viele Kilometer ab, gemeinsam wird von rechts nach links verschoben und die Räume dicht gemacht. Union lauert auf Überzahlsituationen und auf schnelle Ballgewinne. Eine Spezialität von Neuzugang Brenden Aaronson, der seine Stärken im Pressing und im schnellen Umschalten hat. Der US-amerikanische Mittelfeldspieler hat also alles, um zu einem Lieblingsschüler von Urs Fischer zu werden.

Toreschießen ist immer noch das Hauptziel im Fußball und dafür wird das Umschaltspiel, das Union in den letzten Jahren so stark gemacht hat, fit gemacht für die Champions League. In einer Übung hatten die Profis so nur sieben Sekunden, um von der Mittellinie zum Torabschluss im Strafraum zu kommen – Tempo war angesagt. In der Königsklasse dürften die Eisernen selten vor das Problem gestellt werden, im eigenen Ballbesitz gegen einen tief stehenden Gegner das Spiel machen zu müssen. Etwas, womit sich Union auch in der Vorbereitung weiter schwertut. "Wir wollen unser Spiel mit dem Ball weiter verbessern", so Verteidiger Robin Knoche. "Das ist gar nicht so einfach, aber wir arbeiten hart daran."

Videostudium per Drohne

Per Drohne lässt Fischer das Training und die Testspiele aufzeichnen. Am Abend gibt es das Videostudium für die ganze Mannschaft. Aus dem Umfeld des Teams ist zu hören, dass die Mannschaft ungewöhnlich viele Sitzungen hat. Urs Fischer scheint gerade bei der Theorie noch viel Redebedarf zu haben. Auf dem Platz trainieren die Unioner immer wieder verschiedene Varianten, um in die Räume hinter oder zwischen die Abwehrreihen des Gegners zu kommen – entweder mit langen diagonalen Bällen oder schnellen Kombinationen über die Halbpositionen. Ziel ist es, Räume auf dem Flügel zu schaffen.

Bei der Niederlage gegen Pafos hat das noch zu selten funktioniert. "Das hat etwas mit den Laufwegen und Tiefenläufen zu tun", erklärte Dominique Heintz die Probleme seines Teams. "Auch wenn der Raum rund um die Abwehrketten eng ist, diese Läufe müssen wir machen, nur dann sind wir gefährlich." Doch genau für diese Läufe wirkten die Spieler nach den langen Trainingseinheiten in dem Testspiel oft zu erschöpft.

Die Defensive steht schon wieder

Auffällig ist bei Bramberg am Wildkogel, dass Urs Fischer bislang komplett darauf verzichtet hat, eine Vierkette einzustudieren. Etwas, das er in den vergangenen Trainingslagern immer wieder für taktische Flexibilität getan hat, auch wenn die Köpenicker letzte Saison ausschließlich mit der bewährten Dreierkette agiert haben. Die ist eingespielt und zeigte sich in den beiden Testspielen schon wieder sehr stabil.

Einen letzten Test gibt es für die Eisernen noch vor dem Saisonstart im DFB-Pokal bei Astoria Walldorf. Am 5. August wird gegen Atalanta Bergamo getestet, ein Gegner mit Champions-League-Format. "Im letzten Test geht es uns um die Spritzigkeit, dass wir die hineinbekommen", so Urs Fischer. "Ich hoffe, zum Pokalspiel bei Astoria Walldorf sieht es dann schon besser aus." Ganz zufrieden ist der Schweizer noch nicht mit seiner Mannschaft. Doch der 1. FC Union macht täglich Fortschritte in der Integration der neuen Spieler und bei der Erarbeitung der taktischen Grundlagen. Fortschritte für die vielleicht spannendste Saison der Vereinsgeschichte.

Sendung: rbb24 Inforadio, 30.07.2023, 16:15 Uhr

24 Kommentare

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  1. 24.

    Ich kann Zeitung lesen und benötige kein Interwiev des FCU Senders
    Die MOZ hat dazu einen guten Artikel geschrieben.

  2. 23.

    Wenn sie schreiben,,meines Wissens",klingt das schon sehr abenteuerlich.

  3. 22.

    Der FCU spielte bereits in den vergangenen zwei Saisons in drei Wettbewerben und hat das ganz gut hinbekommen. Also schaun mer mal.

  4. 21.

    Sie setzen also jemanden, der einigen (sehr) zweifelhaften Seiten gefolgt ist, sich aber nicht in diesem Tenor geäussert hat, mit jemand anders gleich, der sich während eines Trainingslagers weggeschlichen, sich einen angesoffen und eine Person ins Krankenhaus geprügelt hat, Negan?

    Der Pressesprecher des FCU hat sich übrigens bereits zu Hollerbach geäussert - siehe unten ab 2:30.

    https://www.radioeins.de/programm/sendungen/mofr1013/_/1-fc-union-berlin-christian-arbeit-ueber-die-saisonvorbereitunge.html

  5. 20.

    Das dachte ich schon letzte Saison, dass das passieren könnte. War aber nicht der Fall. Und ob EL oder CL , ist jetzt strapazenmäßig nicht so der Unterschied. Also werden sie das diese Saison auch irgendwie wuppen.

  6. 19.

    Gersbeck wäre ein geeigneter Kandidat. Der folgt zumindest meines Wissens keinen frauenfeindlichen und rechsextremen Social- Mediaseiten.

  7. 17.

    Meine Nichten können auf jeden Fall Groß- und Kleinschreibung beachten.
    Für dich ein einfacher Link zum Üben.
    https://www.nachhilfe-team.net/lernen-leicht-gemacht/gross-und-kleinschreibung/

  8. 16.

    Die Auswirkungen auf die BL.
    ....
    Na ganz einfach. In Form von Ueberforderung an der Fitness,Verletzungen, Reisetaetigkeit mit Linienflügen, engl. Wochen uvam

  9. 15.

    Klatsche hin und her, man sollte mal die Gruppenauslosungen abwarten, dann gehts so richtig los. Klatsch bum....

  10. 14.

    @Negan: vielleicht brütet er gerade aus, wenn er noch von dem zweitklassigen Verein abkaufen kann, um ihnen als Spieler eine Zukunft zu eröffnen.

  11. 13.

    Was macht der Fiscchr eigentlich dort auf dem Foto? Legt der gerade ein Ei?

  12. 12.

    Das ist ja mal ein bunter Strauss an Quatsch, den Sie hier schreiben. Denn zuerst einmal sei angemerkt, dass das Wohl und Wehe des FCU nicht vom Abschneiden in der Champions League abhängt; schon gar nicht, was das Fan Engagement betrifft. Dass Unioner, selbst bei hohem Rückstand in einem CL-Spiel das O-Stadion in Scharen schon weit vor Abpfiff verlassen könnten und anschließend in "langandauernden Prozessen wieder aufgerichtet werden müssen" sowie kein Interesse an Dauerkarten mehr bestehen würde, ist eine in ihrer Ulkigkeit kaum zu übertreffende Mutmaßung Ihrerseits. Die Mitgliederzahlen bewegen sich jedenfalls "trotz" Verlegung stramm in Richtung 60.000 Supporter.

    Des Weiteren leuchtet mir nicht ein, inwieweit sich die Verlegung der CL-Spiele ins Westend negativ auf das Spiel der Mannschaft in der Bundesliga auswirken sollte, wie Sie es vorhersagen. Oder was genau meinen Sie mit "Ende des Höhenflugs", der ja in der Buli zu verzeichnen ist?

  13. 10.

    "viele deprimierte Fans das Olympiastadion nach schweren Rückständen bereits weit vor Spielschluss demonstrativ verlassen"
    Sie haben offensichtlich keinerlei Ahnung von Fankultur bei Union ;-)
    1. Hat kein Unioner auch nur einen Grund, deprimiert zu sein, selbst nach vielleicht schweren Niederlagen nicht. WIR spielen CL! Andere in Elversberg und Karlsruhe.
    2. Wird kein Unioner "weit vor Spielschluss" das Stadion demonstrativ verlassen, egal wie es steht. Und wir werden auch niemals unsere Mannschaft auffordern, ihre Trikots auszuziehen und die Spieler beschimpfen.

    Die Entscheidung, ins Oly zu gehen, wird nicht revidiert werden. Ich bin damit auch nicht glücklich, jedoch bietet die Austragung im Oly mal wieder die Gelegenheit, meine Kumpels mit zu nem Union-Spiel zu nehmen. Alles hat seine Vor- und Nachteile.

  14. 9.

    Bei dir bekommt der Begriff "KLATSCHE" eine völlig andere Bedeutung.
    Mein Verein ist übrigens mitnichten abgestiegen.

  15. 8.

    Der Kultgedönz-Fan will auch einmal auf der Sonnenseite des Fußballsports stehen und sich im Glanz eines Berliner Vereins sonnen, statt immer der abgestiegenen Mittelmäßigkeit anzuhängen.

  16. 7.

    Der Kultgedönz-Fan will auch einmal auf der Sonnenseite des Fußballsports stehen und sich im Glanz eines Berliner Vereins sonnen, statt immer der abgestiegenen Mittelmäßigkeit anzuhängen.

  17. 6.

    Aha, und worauf fußt Ihre Expertise? Was macht den FCU so viel schlechter bzw. die anderen Mitbewerber so viel besser als in der vergangenen Saison, sodass Sie von einer Menge an "Klatschen" für die Köpenicker ausgehen? Immerhin hübsch, dass Sie sich selbst als Fan eines Kultkommerzvereins bezeichnen.

  18. 5.

    Nicht jeder kommt aus Westend der euern Kultkommerzverein abstoßend findet.

  19. 3.



    Ich nehme ebenso an, daß der Höhenflug der Eisernen seit der Entscheidung, die CL-Spiele ins Olympiastadion verlegen zu wollen, bis auf weiteres Geschichte ist und Union diesen Nachteil wahrscheinlich nicht durch die gescheiteste Taktik oder zusätzliche Transfers wird ausgleichen können.

    Diese fragwürdige Entscheidung sollte jedoch noch kassiert werden, z.B. nach Vorlage einer Unterschriftenliste, denn schliesslich ist es wertvoller, wenn einige wenige Siege in der Försterei erleben dürfen, um davon noch ihren Enkeln in ferner Zukunft vorzuschwärmen und ganz Berlin nebenbei zur tanzenden Fanmeile werden darf, als das viele deprimierte Fans das Olympiastadion nach schweren Rückständen bereits weit vor Spielschluss demonstrativ verlassen, anschliessend in langandauernden Prozessen wieder aufgerichtet werden müssen und in der nächsten Saison bloss keine Dauerkarte mehr erwerben wollen.

  20. 2.

    Nun machen Sie sich mal keine Sorgen. Zuerst einmal spielt der "Kultkommerzverein aus Köpenick" in der Champions-League und des weiteren in der 1.Bundesliga.

  21. 1.

    Klatschen wirds nächste Saison genug geben für den Kultkommerzverein aus Köpenick

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