Wassermangel in Berlin - Was Golf mit dem Kampf ums Wasser zu tun hat

Sa 01.07.23 | 16:08 Uhr
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Ein Golfer schlägt ab (Foto: imago images / imagebroker)
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rbb|24 Abendschau | 22.06.2023 | Svitlana Magazova | Bild: imago images / imagebroker

Die Pflege von Golfplätzen verbraucht viel Wasser. Zu viel, findet Ferat Koçak. Der Linken-Politiker fordert die Schließung von Golfplätzen und will daraus Grünanlagen für die Allgemeinheit machen. Zeit für einen Ortsbesuch beim Golfclub Gatow.

"Das Großartige an diesem Spiel ist, dass selbst die schlechten Tage wunderschön sind." Findet zumindest Bill Clinton und hat damit offenbar den Nerv des Berliner Golfclubs Gatow getroffen. Schließlich hat dieser die Worte des einstigen US-Präsidenten auf seiner Webseite verewigt.

Der Verein ist stolz auf seine Tradition. Schon seit 1969 werden tief im Westen der Hauptstadt die Schläger geschwungen. Doch kürzlich wurde der Golfclub Gatow aufgeschreckt. Ein Artikel der "Tageszeitung" sorgte für Irritationen. Darin hieß es, es werde "auf Berliner Golfplätzen unkontrolliert jede Menge Wasser verbraucht". Linken-Politikerin Katalin Gennburg bezeichnet Golfplätze gar als "so überflüssig wie Privatjets" und bemängelt: "Berlin hält gut betuchten Leuten eine Fläche von der Größe des Tiergartens vor, auf der eine immense Wasserverschwendung stattfindet". Vor diesem Hintergrund fordern Linken-Politiker die Schließung von Golfplätzen und deren Umwidmung in für die Allgemeinheit zugängliche Parkanlagen.

270.000 Kubikmeter Wasser pro Jahr

Laut Senatsverwaltung dürfen die drei größten Golfplätze Berlins pro Jahr rund 270.000 Kubikmeter Wasser nutzen. So viel Wasser, wie rund 6.500 Berliner und Berlinerinnen pro Jahr zusammen verbrauchen. Für Ferat Koçak (Die Linke) ist das unverhältnismäßig. "Wir haben im letzten Jahr mitbekommen, wie Menschen dazu verdonnert wurden, sich nicht zu waschen und Wasser und Energie zu sparen", sagt das Mitglied des Abgeordnetenhauses und fragt: "Aber was ist mit solch riesigen Golfplätzen?"

"Das Elitäre kennen wir nicht"

Um eine Antwort auf diese Frage zu bekommen, ist Koçak zu Besuch in Gatow. Er folgt einer Einladung des Vorstandes des Golfclubs. Vereinspräsident Wolfgang Fischer und Vorstandsmitglied Pim Richter ist es wichtig, mit dem Politiker ins Gespräch zu kommen und mögliche Missverständnisse auszuräumen. So weisen sie darauf hin, dass Golf - zumindest in Gatow - keine exklusive Veranstaltung für Besserbetuchte sei. "Wir haben hier einen echten Bevölkerungsschnitt", erklärt Fischer und skizziert eine Bandbreite von "Kids, die mit acht, neun Jahren hier anfangen, bis zu Rentnern, Pensionären und Handwerkern. Das Elitäre kennen wir nicht." Ein günstiges Vergnügen ist Golf aber auch in Gatow nicht. Eine Mitgliedschaft beim BGCG kostet monatlich rund 110 Euro.

Anschließend drehen sie in einem Golfcart eine Runde über die Anlage und nähern sich dabei dem Kern des Konflikts – der Bewässerung. Der Golfclub verfügt über einen Speicherteich, von dem aus das Wasser über Regner auf dem Gelände verteilt wird. Gespeist wird der Teich aus einem privaten Brunnen. Dort können bis zu 85.000 Kubikmeter Wasser rausgepumpt werden. Eine Menge, die der Verein laut eigener Aussage bisher aber noch nie gebraucht hat. Ohnehin seien es nur maximal 25 Hektar der insgesamt 67 Hektar großen gesamten Anlage, die bewässert würden. Die Übungsflächen blieben trocken. "Da ist noch nie ein einziger Tropfen Wasser raufgemacht worden", erklärt Richter energisch.

Keine Schließung geplant

Nach der Tour wirken beide Seiten zufrieden. Vereinspräsident Fischer findet, man habe "sich gut unterhalten. Er hat ein paar Punkte, wir haben ein paar Punkte und vielleicht setzen wir das auch mal fort." Auf die Frage, wie er mit möglichen Einschränkungen umgehen würde, zeigt er sich gelassen: "Wir passen uns natürlich den gesetzlichen Notwendigkeiten an und werden in Extremsituationen entsprechend dimensionieren."

Koçak wiederum zeigt sich "überrascht, dass es viele Grünflächen gibt, wo die Natur wachsen kann". An seiner Fundamentalkritik hält er aber fest und ärgert sich über "die sehr vielen Flächen, die fürs Golfen verwendet werden und weder der Natur noch der Allgemeinheit zur Verfügung stehen." Ändern wird sich daran vorerst allerdings nichts. Laut Senat ist eine Schließung des Golfclubs nicht geplant.

Sendung: Abendschau, 22.06.2023, 19:30 Uhr

28 Kommentare

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  1. 28.

    Ähm ... "Eine Mitgliedschaft beim BGCG kostet monatlich rund 110 Euro."
    Ok bei 14 Monaten Mitgliedschaft stimmt ihre "Rechnung".

  2. 27.

    Billiger Populismus (m)einer ehemaligen Partei - braucht keiner. Zum Verteuern und Verbieten könnte man auch das Original wählen.

  3. 26.

    „ Der Linken-Politiker fordert die Schließung von Golfplätzen und will daraus Grünanlagen für die Allgemeinheit machen. “
    Wo ist da nun der Unterschied? Ein ordentlich gepflegter Park braucht genau so viel Wasser und das zahlen dann die Steuerzahler und nicht die Clubmitglieder oder Sponsoren.

  4. 25.

    Mein Gott!
    Die eine kauft sich drei Paar Schuhe im Monat, der andere fährt sein Auto jede Woche durch die Waschanlage, noch einer fliegt in den Urlaub oder bewässert seine Balkonpflanzen morgens, mittags, abends.
    Jeder hat ein anderes Hobby ... lasst doch mal die Kirche im Dorf!

  5. 24.

    das der Golfplatz exklusiv für Mitglieder und mit das Allgemeingut Wasser dafür übermäßig ausgebeutet wird.
    Bevölkerungsschnitt sagt der Vorsitzende. Bestimmt kann sich jeder aus der Berliner Bevölkerung die ca 1400€ Beitrag leisten

  6. 23.

    Ich frage mich warum der kleine Mensch, sogar unter „Androhung“ einer Geldstrafe „gezwungen“ wird um Wasser zu sparen, während andererseits ordentlich Wasser für des Lieblings der High Society, den Golfplätzen ordentlich Wasser zu verschenken.

  7. 22.

    “ Linken-Politiker fordert die Schließung von Golfplätzen und will daraus Grünanlagen“
    Sinnige Idee. Damit Grünanlagen auch diesem Namen Grün… gerecht werden, brauch diese was…? Richtig - Wasser!
    Zumal die Golfplätze entwerder auf Eigentumsland oder Pachtland sind. Stellen diese Linken-Politiker sich jetzt eine neue Enteignungsdebatte vor?

  8. 21.

    Unkreative Neiddebatte der Linken. So langweilig. Da schlafen einen die Füsse ein"
    Also wenn man die Qualität Ihres Statements so sieht, schlafen da nicht nur die Füße.

  9. 20.

    Vielleicht sollten die Grünen zuerst einmal mit den verlotterten Parkanlagen befassen. Kurparks die früher grün waren sind total verwildert.

  10. 19.

    Unkreative Neiddebatte der Linken. So langweilig. Da schlafen einen die Füsse ein.

  11. 18.

    Liebe Userin, lieber User,
    Lohnt es sich, diesen -äußerst- sachlichen Argumenten, mit den -äußerst- sachlichen Schlussfolgerungen zu widersprechen. In der Arbeitswelt gibt es die schöne Karikaturen bzw Spruch, dass der Chef recht hat und sollte dieses nicht so sein, gilt automatisch... es gab auch Zeiten da hatte die Partei...
    Im Artikel geht es um die Ressourcen "Wasser" und hier speziell um bestimmte Nutzung dieser Ressourcen. Das einige glauben, gleich Die Partei- Politische- Keule zu schwingen, ist Zeugnis des Autors, den Sie benennen. Über die Qualität des Zeugnis vermag ich mich nicht zu äußern. Dazu fehlt mir der Sachverstand!

  12. 17.

    Ich spiele seit gut 4 Jahren Golf. Vorher hatte ich mir das so vorgestellt: Teure Angeber-Klamotten, teure Ausrüstung und ein bisschen gegen einen kleinen Ball hauen. Freunde haben mich dann zu einem Schnupperkurs bewegt. Ich habe festgestellt, dass es ein anstrengender Sport ist. Kleiderordnung gibt es praktisch keine und die Ausrüstung kann man preiswert erwerben, z.B. Secondhand, die Schläger nutzen sich ja kaum ab. Die Mitgliedsgebühren für's Jahr betragen knapp 400 Euro für 9-Loch. Golf ist kein elitärer Sport. Die Linke will hier also nur eine Neid-Debatte lostreten. Das Wasser wird übrigens verbraucht für was? Für's Gießen.

  13. 16.

    Ich finde es unverhältnismäßig, wenn Kleingärtner ihr regional, nachhaltig und zur Selbstversorgung gezogenes Obst und Gemüse im Hochsommer nicht mehr wässern dürfen, nebenan aber der Rasen eines Golfplatzes beregnet wird.

  14. 15.

    Das ist typisch Die Linke, von daher kann man nur wiederholen, man hat 1989/1990 vergessen den Vorgänger (die SED, später PDS) auflösen, im Westen hat Sie so und so nichts zu melden.

  15. 14.

    Müsste man sich unter dem Aspekt nicht eher die Tennisplätze ansehen? Damit es nicht staubt werden sie mit Wasser besprüht. Das ist für sinnlose Wasser"nutzung".

  16. 13.

    Meine Linke schafft immer mehr und schneller ab. Nicht wenige in der Partei sind schwer auszuhalten. Gruß Pinke

  17. 12.

    @Lorenzo.
    Was ist denn Ihre Meinung dazu? Sie stellen 2 sinnlose Fragen und geben danach eine pauschale Beleidigung ab. Was genau meinen Sie??!
    Es muss nicht immer Populismus sein! MfG

  18. 11.

    Was unterscheidet einen Golfplatz von einem Park? Beide brauchen Wasser un grün zu sein, so ein Quatsch.

    Dieser Neid der Linken auf Alles und Jeden geht mir aufn Sender.

  19. 10.

    Ich glaube eher, das war erneut ein kläglich gescheiteter Versuch "die da unten" gegen "die da oben" aufzubringen. Schließlich muß man irgendwie im Gespräch bleiben, es ist Sommer, das Loch naht und die Linke ist wohl eher bemüht das Klientel des 19ten Loches zu mobilisieren.

  20. 8.

    Bravo endlich spricht es mal jemand öffentlich aus. Wirkliche Verschwendung vom Golfplatz zum Privatjet. Ach nein... Ist ja ein ganzer Schnitt im Club vertreten für läppische 110 im Monat. Da kann ich nur Apalachen sie Scherzgebirge

  21. 7.

    Ja genau, Golfplätze enteignen und einfach nicht mehr bewässern. Dann sieht es dort auch bald so aus, wie auf vielen Berliner Grünflächen, vom Tempelhofer Feld ganz zu schweigen. Aber das Volk kennt es ja nicht besser.

  22. 6.

    Schön auf den Punkt gebracht. Es geht um den Kreislauf des Wasser in einer Region. Und wenn der Person Kreis dieser Sportanlagen ihren Beitrag leisten, das Wasser welches im Winter vorhanden ist so zu speicher, dass es im Sommer nutzbar ist, dann ist alles geregelt. Das sorgt für Investitionen und Arbeitsplätze. Also alles geklärt. Nur Mut

  23. 5.

    Nee, der Vorschlag geht nicht wirklich an der Realität vorbei.
    Das Grundwassermanagement wird auch die Golfplätze betreffen. Und die Vereine werden da unter Druck kommen. Aber die Golfvereine sollten sich jetzt nicht künstlich aufregen.
    Sie haben große, unversiegelte Flächen, können also viel Wasser auffangen und unterirdisch speichern.
    Die Golfvereine können zum Vorreiter werden beim Wassermanagement. Nur Mut!

  24. 4.

    Ich spiele kein Golf. Werde es vermutlich auch nicht mehr tun. Aber in Berlin gibt es genügend Grünflächen für die Allgemeinheit. Ich gehe zudem davon aus, dass das entnommene Wasser wieder im Boden versickert, im gegensatzt zu den vielen Steinvorgärten.

  25. 3.

    Golfer sind auch „die Allgemeinheit“ und vor allem Menschen (!) denen man nicht so einfach die Freude am (Golf)Leben wegnehmen darf. Besonders hinterhältig ist es, dabei, ohne die geringste (Wasser)Not, auf die Missgunst sozial Schwächerer zu hoffen. Die Charaktermängel bei den „Link:innen“ sind offensichtlich und genau deshalb unwählbar.

  26. 2.

    Wenn Herr Koçak sonst keine Aufgaben hat oder sinnvolle Ideen entwickeln kann, dann ist das doch äußerst bedauerlich!

    Die Linke beschäftigt sich hauptsächlich mit sich selbst, wurde in Berlin abgewählt und wird bei der nächsten Wahl auch aus dem Bundestag verschwinden.

    Solche irrwitzigen und unsinnigen Vorschläge, welche an der Realität und den Nöten der Bürger komplett vorbei gehen, machen diese Partei endgültig verzichtbar.

  27. 1.

    Wieso regiert dann die Linke immer so gerne mit der Partei aus der die Waschempfehlungen kommen?
    Die Linke könnte doch mal als Bedingung für eine Koalition verlangen, dass die Golfplätze geschlossen werden.
    Tut sie das?
    Nein.
    Also nicht glaubwürdig.

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