Die deutschen Kanuten Max Renschmid, Ronald Rauhe und Tom Liebscher nach einem Weltcup-Sieg 2018. Bild: imago images/Sven Simon
Video: rbb UM6 | 15.03.2020 | Birgit Hofmann | Bild: imago images/Sven Simon

Grenzschließung wegen Corona - Kanute Rauhe beschreibt hektische Ausreise aus Spanien

Die deutschen Kanuten waren in Spanien im Trainingslager, als dort am Freitag die Corona-Pandemie zur plötzlichen Grenzschließung führte. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion musste das Team um den Potsdamer Ronald Rauhe das Land verlassen.

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Plötzlich musste alles ganz schnell gehen: Alles in die Tasche stopfen, Hals über Kopf das Land verlassen, im Taxi über die Grenze, mitten in der Nacht, bevor nichts mehr geht. Viele dramatische Schilderungen dieser Tage erinnern an dramatische Filmszenen - so auch die von Kanu-Olympiasieger Ronald Rauhe. Der Potsdamer war mit seinen Nationalkader-Kollegen im Trainingslager im spanischen Sevilla, als der dortige Shutdown sie zur überstürzten Rückreise zwang.

"Dann kam die Meldung, dass Spanien den Notstand ausruft"

"Die letzten Tage waren die hektischsten, die ich in meiner Karriere als Sportler erlebt habe", sagt Rauhe jetzt. Er sitzt mittlerweile wieder zu Hause, in der Nähe von Berlin und gibt dem rbb ein Interview via Video-Telefonie. Direkte Treffen vermeidet auch er, wo es geht. Am Donnerstag noch deutete wenig darauf hin, dass die Kanuten ihr Trainingslager in Spanien so abrupt würden verkürzen müssen, am Freitag war irgendwann klar: Es muss umgebucht werden. Zunächst sollte der Rückflug am Sonntag aus Sevilla gehen, aber dann ging alles noch schneller.

"Schon zwei Stunden später kam die Meldung, dass Spanien den Notstand ausruft, die Grenzen schließen und eine Ausgangssperre verhängen wird", erzählt Rauhe. Also wurde wieder umgebucht, die neuen Flüge sollten die Kanuten am Samstagmorgen zurück nach Deutschland bringen, allerdings nicht aus Sevilla, sondern vom portugiesischen Faro aus. Da musste das Team nun bis Mitternacht hinkommen. "Wir sind sofort rauf auf unsere Zimmer und haben unsere Taschen gepackt, die Boote aufgeladen", sagt Rauhe.

Dramatische Ausreise in der Nacht

Das Problem: Mietwagen hatten sie vor Ort nicht gebucht und zu diesem Zeitpunkt wurden in Spanien auch keine mehr ausgegeben, mit denen man die Grenze hätte überqueren dürfen. "Wir haben dann Taxifahrer mehr oder weniger bestochen, die uns in einer Kollonne bis nach Faro gefahren haben", berichtet Rauhe. So gelang die Ausreise bis Mitternacht. Am Samstagmorgen nahmen die Kanuten ihren Flug von Faro nach München, von da verteilten sich die Athleten am Nachmittag in Mietwagen-Fahrgemeinschaften über ganz Deutschland.

"Jetzt sitzen wir zu Hause und wissen nicht so richtig, was mit uns geschehen wird", beschließt Rauhe seine Schilderungen der Reise. Denn solange das Internationale Olympische Komitee plant, die Olympischen Spiele in Tokio Ende Juli stattfinden zu lassen, müssen sich die Top-Kanuten auch darauf vorbereiten.

Olympiatraum könnte platzen

"Das ist gerade natürlich eine sehr, sehr schwierige Situation für alle Sportler", sagt Ronald Rauhe, "wir haben alle vier Jahre dafür trainiert und uns unsere Ziele gesteckt." Offizielle, wie der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes Alfons Hörmann gehen davon aus, dass es noch bis Mitte Mai dauern könnte, ehe eine Entscheidung über die Austragung der Spiele fällt.

Für Ronald Rauhe ist das eine Zerreißprobe. Denn auch wenn er schon fünf Mal an Olympischen Spielen teilnehmen durfte und dabei vier Medaillen gewann (einmal Gold), würde ihn die Absage seiner Abschieds-Spiele hart treffen. "Es ist kaum in Worte zu fassen, was da zusammenbrechen würde. Meine Familie hat sich ja auch drei Jahre aufgeopfert und wenn das alles umsonst gewesen sein sollte, dann wäre das sehr hart zu verkraften."

Ronald Rauhe im Interview per Video-Chat. Bild: rbbMitgenommen von den letzten Tagen: Ronald Rauhe im Videochat-Interview.

Familienvater Rauhe ist zwiegespalten

Gleichzeitig weiß Rauhe, dass die Verschiebung der Spiele in der aktuellen Situation eine wahrscheinliche Lösung ist. "Ich bin natürlich auch im Zwiespalt: Ich kann jetzt nicht nur ans Training denken, ich habe eine Familie und will auch für die da sein. Aufgrund der Kita-Schließungen will ich meine Frau da nicht alleine lassen", sagt der Vater. Für ihn könnte das heißen, dass er sich an einem gemeinsamen Teamtraining nicht beteiligen würde, wenn es fernab der Heimat stattfindet.

An seinem eigentlichen Trainingsort, dem Luftschiffhafen in Potsdam sind weite Teile der Anlage geschlossen. Vor allem die Krafträume sind problematisch, weil sich dort die Corona-Viren übertragen könnten. "Sich ein Boot nehmen und aufs Wasser gehen, wäre wohl machbar, aber wir haben ja noch ein paar Sachen mehr zu tun im Training", beschreibt er. Für Ronald Rauhe könnte es deshalb darauf hinauslaufen, dass er in den eigenen vier Wänden trainiert - er hat diese Möglichkeit.

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