Tennis-Talent Rudi Molleker - "Das ist das Leben, das ich führen möchte"

Mo 11.05.20 | 11:11 Uhr | Von Simon Wenzel
Rudi Molleker wirft seinen Schläger in die Luft (Quelle: imago images / Claudio Gärtner)
Bild: imago images / Claudio Gärtner

Auch die Tennis-Tour ruht derzeit wegen der Corona-Pandemie. Für das Berliner Tennis-Talent Rudi Molleker kam die Pause zur Unzeit. Von seinem Karriereweg will sich der 19-jährige trotzdem nicht abbringen lassen.  Von Simon Wenzel

Zurück auf Los: Für das Berliner Tennis-Talent Rudi Molleker muss sich die aktuelle Saison-Unterbrechung ein bisschen nach der bekannten Monopoly-Ereigniskarte anfühlen. In Orten ausgedrückt heißt das bei ihm: Spandau statt Südamerika oder Paris.

Der 19-jährige ist seit Beginn der Corona-Pandemie zu Hause in Berlin. Seit einer Woche darf er wieder trainieren und das macht er im Tennisclub "Sutos" in Spandau - da wo er schon als 11-jähriger Junge spielte. 

"Die Regeln sind hier für mich wie für alle anderen auch", beschreibt Rudi Molleker seinen Trainingsalltag: "Ich komme umgezogen zum Training, spiele Tennis und halte mich sonst nicht großartig lange im Club auf. Die Umkleiden sind geschlossen - es ist gerade einfach nur Training und wieder nach Hause." Er trainiert mit den Jungs, die eben da sind. Zum Beispiel Berliner Tennis-Talente, die sonst auf dem College in Amerika spielen und jetzt auch vorübergehend in der Heimat festsitzen.

Zwangspause zur Unzeit

Tennisspieler wie Rudi Molleker sind sonst viel unterwegs in der Welt, von einem Turnier zum anderen. Aktuell wird der Berliner in der Weltrangliste an Platz 189 geführt. Im März, bevor das öffentliche Leben heruntergefahren wurde und der Sport zu einer Pause gezwungen wurde, war er schon fast auf dem Weg nach Südamerika, die Flüge waren gebucht. Es war schlechtes Timing: Für Molleker sollten die Challenger-Turniere dort eine Art Neustart werden, nachdem er zu Jahresbeginn wegen einer Verletzung nicht richtig in Tritt gekommen war. 

Mit dem Australier Rohan Williams hatte er erst im März einen neuen Trainer an seine Seite geholt. Viel zusammen arbeiten konnten die beiden seitdem noch nicht. "Rohan war hier in Deutschland, bevor das mit Corona anfing. Dann ist er aber wieder zurück nach Australien geflogen, es hätte ja erstmal keinen Sinn gemacht, weil man hier ohnehin nicht trainieren durfte", sagt Molleker. "Jetzt müssen wir mal schauen, wann das Einreisen wieder gestattet ist und er wieder herkommen kann." Kontakt haben die beiden zwar regelmäßig, ein Fern-Training gab es in dieser Woche aber noch nicht, schließlich ging es nach der wochenlangen Pause "erstmal darum wieder reinzukommen."

Streit um Solidaritätsfonds

Die Pause hat den jungen Tennisprofi aber nicht nur sportlich zurückgeworfen. Auch finanziell fehlen die Einnahmen aus Turnierprämien. Rudi Molleker ist erst seit 2017 auf der Männer-Tour unterwegs, große Rücklagen hat er noch nicht angehäuft. "Natürlich trifft mich das. Ich verdiene mein Geld mit Tennis und habe keinen anderen Job. Ich denke, da bin ich auch nicht der einzige", sagt er. "Den Spielern in den Top 10 geht es vielleicht super, auch die in den Top 100 haben wahrscheinlich keine Probleme. Ich habe zwar zum Glück Sponsoren, die mich unterstützen, aber ein halbes Jahr ohne Job zu leben ist nicht einfach."

Um Jungprofis wie Rudi Molleker zu unterstützen, haben deshalb die Branchengrößen Roger Federer, Rafael Nadal und Novak Djokovic angeregt, einen Solidaritätsfonds einzurichten, in den die reicheren Spieler auf der Tour einzahlen würden, um den Spielern jenseits der Top 100 zu helfen. "Alle Jungs, die von 100 bis 250 in der Welt sind, das sind alles Top-Athleten, die leben Tennis, die geben alles dafür, man steht nicht ohne Grund in den Top 250 der Welt. Deshalb finde ich das gut, dass Roger, Rafa, Novak die Idee hatten das zu unterstützen", sagt Molleker.

Roger Federer, Rafael Nadal, Dominic Thiem und Alexander Zverev beim Laver Cup (Quelle: imago images/GEPA pictures)Nicht immer einer Meinung: Die Tennis-Stars Rafael Nadal (links), Dominik Thiem (Mitte) und Roger Federer (rechts).

Allerdings sind nicht alle Profis für diese Idee eines Geldtopfes. Der Österreicher Dominik Thiem zum Beispiel - aktuell die Nummer drei der Welt - sprach sich entschieden gegen solche Spenden aus. "Ich kenne die Future-Tour, habe dort zwei Jahre lang gespielt. Dort gibt es viele Leute, die dem Sport nicht alles unterordnen", sagte Thiem der österreichischen Zeitung "Krone" gesagt. Und weiter: "Ich würde nicht einsehen, warum ich solchen Leuten Geld schenken sollte. Ich spende lieber an Leute oder Institutionen, die es wirklich brauchen." 

Rudolf Molleker, der selbst schon ein paar Mal mit Dominik Thiem auf der Tour trainiert hat, kann die Meinung des Australian-Open-Finalisten nach eigener Angabe nicht verstehen, sagt aber auch: "Am Ende wird viel über diese Spenden geredet, aber passiert ist bisher noch nichts." 

Molleker hat keinen Plan B

Interessanter ist da schon der Blick auf den Herbst. Dann könnte der Tenniszirkus nach jetztigem Stand wieder richtig zu rollen beginnen - mit einem vollen Turnierplan. Denn nicht alle Turnierveranstalter haben ihre Turniere komplett abgesagt, sondern nur verschoben. Prominentestes Beispiel: Die French Open, bei denen Rudi Molleker sich im Vorjahr für das Hauptfeld qualifiziert hatte, wurden vom Mai auf Ende September verschoben. Nach aktueller Planung würden sie gerade mal eine Woche nach dem Finale der US Open starten.  

"Ich denke mal, die Pause war jetzt lange genug", sagt Rudi Molleker dazu nur, "wir wären alle froh, wenn es dann überhaupt wieder losgeht." Denn eines haben ihm die letzten Wochen gezeigt: Er hat mehr Lust denn je auf Tennis. Über einen Alternativplan habe er nie nachgedacht. "Ich spiele Tennis, seit ich fünf Jahre alt bin. Es war mein Hobby, dann ist es zum Beruf geworden und ich möchte auch garnichts anderes machen", sagt Rudi Molleker.

Als es nicht lief auf dem Platz, habe er in der Vergangenheit schon mal Zweifel bekommen, aber nicht durch die Unsicherheiten in der Corona-Krise: "Im Gegenteil: Jetzt wo ich zwei Monate kein Tennis gespielt habe, wurde mir bewusst: Das ist das Leben, das ich führen möchte."

Dazu passt der Gang zurück auf Los doch eigentlich ganz gut. 

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Beitrag von Simon Wenzel

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