"Bitte nicht betreten"-Schild an einem Fußballplatz (Quelle:imago images/opokupix)
Audio: Inforadio | 24.11.2020 | Andreas Friebel | Bild: imago images/opokupix

Wie wahrscheinlich die Szenarien sind - Regionalliga Nordost - aufhören, weitermachen oder Playoffs?

Die Fußball-Regionalliga Nordost befindet sich im Lockdown. Seit Anfang November darf nur noch trainiert werden. Ein Großteil der Klubs will weiterspielen, darf aber nicht. Ist die Saison damit gelaufen? Von Andreas Friebel

In der Fußball-Regionalliga Nordost geht aktuell nichts. Anfang November wurde dort der Spielbetrieb vorübergehend eingestellt. Am 25. November sollte eigentlich der Neustart erfolgen. Doch daraus wird nichts.

Denn der Berliner Senat verweigert den Viertligisten in der Stadt wegen der hohen Infektionszahlen die Teilnahme am Spielbetrieb. Ganz im Gegensatz zu Brandenburg, Sachsen und Thüringen. Dort haben die Regionalligaklubs Ausnahmegenehmigungen erhalten.

Doch ohne die sieben Teams aus der Hauptstadt macht ein Neustart keinen Sinn. Noch hofft der Verband zumindest am 4. Dezember wieder den Spielbetrieb zu starten, aber auch das erscheint fraglich.

Wie geht es nun weiter? rbb|24 hat einige mögliche Szenarien zusammengefasst und schätzt ein, mit welcher Wahrscheinlichkeit diese Lösungen angewandt werden.

Lösung Eins: Die Winterpause wird vorgezogen

Schon seit mehreren Tagen fordern fünf Klubs (Berliner AK, BFC Dynamo, Lichtenberg 47, Tennis Borussia und Lok Leipzig) genau dieses Szenario vom Nordostdeutschen Fußball-Verband (NOFV). Die Sachsen haben sogar einen offenen Brief an den Verband geschrieben. Darin heißt es unter anderem, der Verein könne es "gemessen an den aktuellen Infektions- und Krankheitszahlen in Deutschland" nicht nachvollziehen, dass der NOFV "eine Fortsetzung der Saison, noch in diesem Jahr, vorantreibt und für möglich hält."

Beim FC Energie Cottbus würde man zwar gern wieder spielen. Die Mannschaft trainiert so weiter, als würde es, wie vom NOFV beschlossen, tatsächlich am 4. Dezember losgehen. Doch Sportdirektor Sebastian König glaubt, dass ein Vorziehen der Winterpause sehr realistisch ist. "Denn mit einem Impfstoff gegen Corona würden im kommenden Jahr nach und nach wieder Zuschauer in die Stadien dürfen."

Die Klubs gewinnen durch das Vorziehen der Winterpause etwa zwei Monate Zeit, in denen sich die Situation verbessern könnte. Und damit steigt die Chance, dass auch die Berliner Vereine wieder spielen dürfen. Es kann aber auch sein, dass diese Idee ein Trugschluss ist. Denn Altglienicke-Trainer Karsten Heine sagte in einem "kicker"-Interview: "Ich sehe im Januar die Gefahr, dass wir nicht weiter sind als jetzt." Und dann hätten die Klubs unnötig Zeit verloren und der Spielplan würde im Frühjahr und Sommer extrem verdichtet.

Wahrscheinlichkeit: 80 Prozent

Lösung Zwei: Die Saison wird verlängert

Die Fußball-Regionalliga Nordost hat in dieser Saison einen großen Vorteil. Der Meister steigt direkt auf. Zwei Aufstiegsspiele gegen einen weiteren Regionalligameister, wie in diesem Jahr, fallen damit aus. Ein Termindruck, zum Tag X fertig sein zu müssen, gibt es damit nicht. Die Vereine könnten also bis Ende Juni spielen. Ursprünglich ist der letzte Spieltag auf den 13. Juni 2021 datiert. "Aus meiner Sicht ist es ohne Probleme möglich, dass wir solange spielen", sagt Energie-Sportdirektor König.

Dafür gebe es aber häufiger Wochenspieltage, die die wenigen Amateurklubs in der Liga ablehnen, weil ihre Spieler tagsüber arbeiten. Insgesamt stehen für die Klubs noch mindestens 25 Partien an, dazu kommt der Landespokal. Auch bei dieser Variante hoffen die Vereine ab etwa März wieder auf Zuschauereinnahmen. Immer vorausgesetzt, die Corona-Lage verbessert sich.

Im Fall von Zuschauerkrösus Energie Cottbus (durchschnittlich über 6.000 Fans pro Heimspiel in der Saison 2019/20) fehlen etwa 60.000 Euro pro Auftritt im Stadion der Freundschaft. Der Landessportbund Brandenburg überwies deshalb im Sommer eine sechsstellige Summe nach Cottbus, um die zu erwartenden Einnahmeausfälle bis Jahresende etwas abzumildern. Ab Januar wird die Lage ohne Fans aber brenzliger. Und das nicht nur in der Lausitz.

Wahrscheinlichkeit: 70 Prozent

Lösung Drei: Der Neustart erfolgt wie geplant Anfang Dezember

Zieht der NOFV seinen Plan wie angekündigt durch und startet die Liga am 4. Dezember neu (vorausgesetzt, die Berliner Vereine bekommen eine Ausnahmegenehmigung), wäre das sportlich die beste Lösung. Wirtschaftlich wäre es aber für alle größeren und für zuschauerstarken Klubs die schlechteste aller Möglichkeiten.

Vereine wie Altglienicke, Viktoria Berlin oder der Berliner AK, die vergangene Saison im Schnitt etwa 500 Fans im Stadion hatten, könnten damit besser leben. Schmerzvoll ist der finanzielle Verlust für sie aber trotzdem. Deshalb bemüht sich der NOFV, nach dem Vorbild der Regionalliga West, um Unterstützung in der Politik.

In Nordrhein-Westfalen wurden den Vereinen insgesamt 15 Millionen Euro Soforthilfe zur Verfügung gestellt. Deshalb spielt die Regionalliga West auch weiter, im Gegensatz zu allen anderen vierten Ligen. Wie schon bei der Ausnahmegenehmigung zum Spielbetrieb erweist es sich als Nachteil, dass die Nordost-Staffel in fünf Bundesländern angesiedelt ist. Und so kämpft jeder Klub nahezu für sich allein. "Wir sind mit allen Institutionen, die uns helfen müssten oder könnten, im Austausch, um den Schaden so gering wie möglich zu halten", sagt dazu der Cottbuser Sportdirektor König.

Das Problem bei möglichen Unterstützungen ist nach wie vor: Die Regionalliga zählt nicht als Profi-Liga und hat damit keinen Zugriff auf bestimmte staatliche Hilfen, etwa das vom Bundestag beschlossene 200 Millionen Euro schwere Hilfspaket für Profi-Vereine.

Wahrscheinlichkeit: 30 Prozent

Lösung Vier: Der Saisonabbruch

Schon einmal sah sich der NOFV gezwungen, eine Saison abzubrechen. Im ersten Lockdown im Frühjahr zog der Verband nach langem Hin und Her die Reißleine und bestimmte Lok Leipzig zum Meister. Damals hatten die meisten Vereine aber schon 23 Spiele hinter sich gebracht. In diesem Jahr sind es zwischen zehn und dreizehn. Jetzt schon abzubrechen und Viktoria Berlin zum Meister zu bestimmen, wäre sportlich höchst umstritten. Auch wenn der Klub die Liga mit elf Siegen in elf Spielen souverän anführt.

Eine wirkliche Alternative ist der Saisonabbruch aber ohnehin nicht. Zumal es in diesem Fall keine Absteiger geben dürfte. Damit bläht sich die Regionalliga Nordost in der kommenden Spielzeit noch weiter auf. Aktuell spielen dort bereits 20 Teams. Mit Aufsteigern aus der Oberliga und Absteigern aus der dritten Liga könnten daraus im Extremfall 26 Mannschaften werden.

Wahrscheinlichkeit: 10 Prozent

Lösung Fünf: Playoffs wie etwa im Eishockey

Ein ziemlich spannender Vorschlag kam in den vergangenen Tagen von BAK-Präsident Ali Han. In der "Berliner Zeitung" sprach er sich für die Variante mit Playoffs aus. So, wie man sie aus dem Eishockey kennt. Die Top-10 sollen in K.o.- Spielen ihren Meister ermitteln. Nach diesem Prinzip sollen auch die zehn Mannschaften der unteren Tabellenhälfte ihre Absteiger ermitteln.

Mit dieser Variante wäre der schöne Vorsprung von Viktoria dahin und der Tabellenachte Cottbus könnte sich plötzlich wieder Hoffnungen auf den Aufstieg machen. "Das wäre natürlich ein Modell, das uns entgegenkommen würde. Aber die fairste sportliche Entscheidung wäre, dass wir die Saison irgendwie sauber zu Ende spielen", so Sebastian König.

Wahrscheinlichkeit: 10 Prozent

Sendung: Inforadio, 24.11.2020, 14:15 Uhr

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Beitrag von Andreas Friebel

4 Kommentare

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  1. 4.

    Ich habe dafür kein Verständnis daß die Regionalliga nicht weiter spielen darf. Die Nationalmannschaft und die Fußball Clubs die internationale Spiele haben reisen durch ganz Europa für mich ein Widerspruch. Für mich heißt es ganz normal weiter spielen sind Profivereine was besseres als Amateurfußballvereine.

  2. 3.

    Auf Grund der sehr hohen Infektionszahlen wäre eine Weiterführung der laufenden Saison unverantwortlich und für die größte Anzahl der RL Vereine wirtschaftlich eine Katastrophe. Daher mein Vorschlag: die Saison ab Februar 2021 mit einer einfachen Runde weiterspielen. H.B.

  3. 2.

    Die Eintrittswahrscheinlichkeit macht keinen Sinn, in Summe ergibt sich für die 5 möglichen Varianten ein Wert von 200%. Wenn wir hier ein Paralleluniversum ausschliessen (realistische Annahme), dann müssen die Wahrscheinlichkeiten um die Hälfte gekürzt werden.

  4. 1.

    Die Argumente der Berliner sind sicher nachvollziehbar bei den aktuellen Infektionszahlen.
    Was ich aber nicht verstehe, ist die Tatsache, dass alle Berliner Profivereine von Union über Hertha, die Füchse, die Eisbären und Alba dann trotzdem spielen dürfen.
    Den Pflegekräften wurden im Frühjahr Peanuts versprochen, die jetzt zum größten Teil nicht mal gezahlt werden, aber bei den Proficlubs geht es dann wohl um systemrelevante Fernseh-Millionen.
    Da kann man schonmal eine Ausnahme machen.

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