Symbolbild: Ein Intensivbett auf einer Intensivstation (Quelle: dpa/Ronald Bonß)
Bild: dpa/Ronald Bonß

Material-Austausch gefordert - Akut-Kliniken in Brandenburg ganz unterschiedlich ausgelastet

Die Corona-Krise trifft Potsdam mit dem heftigen Corona-Ausbruch im städtischen Ernst-Bergmann-Klinikum besonders hart. In anderen Brandenburger Krankenhäusern gibt es noch Kapazitäten. Dort stehen viele Intensivbetten leer. Von John-Alexander Döring

Das Helios-Klinikum in Bad Saarow (Oder-Spree) wäre nach eigenen Angaben gut vorbereitet auf eine größe Zahl von Corona-Patienten. Regulär gibt es 42 Intensivbetten, im Notfall könnte auf 82 Beatmungsplätze ausgeweitet werden, sagte Klinik-Geschäftsführerin Carmen Bier dem rbb. "Jetzt sind wir noch nicht stark ausgelastet."

"Wir haben unsere Bettenkapazität weiter aufrechterhalten, haben aber die Belegung deutlich heruntergefahren, wie alle anderen auch", sagt die Klinikgeschäftsführerin. "Wir wurden ja dazu angehalten, Betten für Covid-19 Patienten bereitzustellen und das haben wir gemacht."

Akut-Krankenhäuser halten Betten frei

Die Bad Saarower Klinik gehört zu den sogenannten Akut-Krankenhäusern in Brandenburg. Diese wurden von der Politik aufgefordert, Intensivbetten für mögliche Corona-Patienten freizuhalten.

Weil die hohen Fallzahlen bisher ausblieben, könnte das Helios-Klinikum theoretisch nun anderen überlasteten Kliniken helfen und deren Patienten übernehmen. "Definitiv", sagt Geschäftsführerin Carmen Bier. "Das Angebot haben wir auch gemacht, da gab es aber bisher noch keinen Bedarf."

Potsdam stark betroffen

Die Corona-Krise trifft Potsdam im Moment besonders hart. Die Lage in Brandenburgs Landeshauptstadt spitzt sich immer weiter zu. Nach dem heftigen Corona-Ausbruch im städtischen Ernst-Bergmann-Klinikum mit über 80 Patienten und fast 180 Mitarbeitern, die sich mit dem Corona-Virus infiziert haben, gilt dort seit dem 1. April ein Aufnahmestopp.

Seitdem muss das deutlich kleinere St.-Josefs-Krankenhaus in Potsdam die stationäre Gesundheitsversorgung der Bürger übernehmen und scheint damit inzwischen völlig überlastet. Dabei gibt es neben den Akut-Krankenhäusern auch in anderen Brandenburger Kliniken durchaus noch Kapazitäten.

Grünheide hat Patienten übernommen

Auch das Klinikum Frankfurt (Oder) erklärte auf Nachfrage des rbb, es könne Patienten aus anderen Gebieten übernehmen. Theoretisch wäre das auch in der Immanuel-Klinik in Rüdersdorf (Märkisch-Oderland) möglich. Dort liegt die Auslastung der Intensivbetten bei gerade mal 50 bis 70 Prozent. Zum Vergleich: Bundesweit waren Intensivbetten im Jahresmittel von 2017 zu 79 Prozent ausgelastet [sciencemediacenter.de]

So gibt es nun bei einigen Krankenhäusern eher eine Unterlastung, bei anderen hingegen schon fast eine Überlastung. Voll ausgelastet ist etwa die entsprechende Intensivstation im Median-Klinik in Grünheide (Oder-Spree). "Wir haben 30 Intensivbetten mit maschineller Beatmung, davon sind 29 bis 30 auch belegt", sagt Peter Schellmann, Direktor der Grünheider Klinik.  

Klinik möchte keine Patienten abgeben

Die Klinik hat wegen Corona schon vor Wochen Patienten von Akut-Kliniken übernommen, damit dort möglichst viele Intensivbetten frei bleiben. Ergebnis: Nun ist in Grünheide höchstens mal ein Intensivbett frei. Patienten abgeben möchte Klinik-Direktor Schellmann trotzdem nicht.

"Wie man sieht, haben die Akut-Krankenhäuser jetzt freie Kapazitäten, da muss man sicherlich schauen, ob die Landkreise unterschiedlich in der Belegung sind ob man sich da aushelfen wird, und das wird man auch machen", sagt er. "Dann ist es eine Entscheidung des Ministeriums, ob man auch aus anderen Ländern Patienten aufnimmt."  

Materialaustausch zwischen Krankenhäusern gefordert

Er rät aber zu einen besseren Austausch zwischen den Krankenhäusern, sowohl innerhalb von Brandenburg als auch bundesweit. Auch im Hinblick auf Materialien: Denn ihm fehlten zur Zeit etwa Beatmungsartikel. "Wir bekommen von Lieferanten die Aussage, dass die Artikel wie zuvor beliefert werden, also wie die Regelbedarfe waren", sagt Klinik-Direktor Schellmann.

"Da sehe ich aber ein stückweit ein Problem: Wir fahren auf voller Last und bekommen nicht das, was wir brauchen, während andere Häuser, die nur halb belegt sind, auf der sicheren Seite sind." Da sei aus seiner Sicht noch Handlungsbedarf.

Die Mitarbeiter in der Median-Klinik in Grünheide sind laut Schellmann übrigens trotz der Überlastung gut drauf und zuversichtlich. Auch ein beruhigendes Zeichen in Corona-Zeiten.

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Beitrag von John-Alexander Döring

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1 Kommentar

  1. 1.

    Corona ist die eine Seite, aber Patienten mit akuten Problemen werden allein gelassen. Sie durchlaufen ein Marathon von Arzt zu Arzt, anstatt sie stationär aufzunehmen und nach der Ursache zu forschen.
    Ich rede hier nicht von Bagatellen, sondern von Luftnot, Vorhofflimmern, Lungenemboli.
    Termine für notwendige Untersuchungen liegen weit weg.
    Was kam man diesen Patienten raten?

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