Corona-Impfung - Unzufriedenheit über lange Wartezeiten in Pflegeheim

Symbolbild: Pflegeeim, Frau mit Rollator (Quelle: imago-images/Rainer Droese)
Audio: Antenne Brandenburg | 02.03.2021 | John-Alexander Döring | Bild: imago-images/Rainer Droese

Zwei Mal kam ein Impfteam in das Pflegeheim von Ilse Naumann und zwei Mal wurde die 98-Jährige nicht geimpft. Auch wenn die Impfkampagne Erfolg zeigt, rund läuft längst noch nicht alles. Von John-Alexander Döring

Anne Petter ist enttäuscht. Ihre Mutter Ilse Naumann ist 98 Jahre alt und sollte am 1.Februar zusammen mit den etwa 170 anderen Bewohnern im Pflegewohnstift Hönow (Märkisch-Oderland) gegen das Corona-Virus geimpft werden. Doch dazu kam es nicht. Denn ihre Mutter wurde Ende vergangenen Jahres positiv auf Corona getestet. "Hier gab es die Vorgabe, dass alle Menschen, die schon erkrankt waren, zum ersten Impftermin nicht geimpft werden", sagt Petter.

Keine Impfung für bereits Erkrankte

Diese Empfehlung des Robert-Koch-Institutes kann sie nicht nachvollziehen. Vor allem ihre Mutter treffe die Entscheidung hart. Denn vieles rücke damit wieder in weite Entfernung. Anne Petter ist immer noch die einzige Person, die ihre Mutter besuchen darf. "Das ist für meine Mutter nicht einfach", sagt Petter.

Auch andere Heimbewohner und Mitarbeitende, die in der Vergangenheit positiv auf Corona getestet wurden, haben keine Impfung bekommen. Heimleiterin Kornelia Pacholski vermutet, dass die Empfehlung zu einem Zeitpunkt herausgegeben wurde, als noch nicht genügend Impfdosen verfügbar waren. Schwierig sei es bereits gewesen, einen Impftermin für das Pflegeheim zu erhalten. "Der stellvertretende Pflegedienstleiter hat mehrere Nächte damit verbracht, um über das DRK-Portal einen Termin zu erhaschen", sagt Pacholski. Einfacher wäre es gewesen, wenn die Termine zugeteilt werden. "Das hätte uns sehr gutgetan, denn diese Organisation hat uns sehr viel Zeit gekostet", so Pacholski.

Regierung schafft ihr Impfziel nicht

Mitte Februar hat das Gesundheitsministerium eingeräumt, das eigene Impfziel verpasst zu haben. Bis zu diesem Zeitpunkt wollte Brandenburg allen Bewohnenden von Alten-und Pflegeheimen ein Impfangebot gemacht haben. Auch das zweite Impfziel, mit den Heimen Ende Februar fertig zu sein, ist inzwischen verstrichen. Der Sprecher des Gesundheitsministeriums, Gabriel Hesse, begründete die Verzögerung mit den Lieferengpässen der Impfstoffe.

Im Pflegewohnstift Hönow sind inzwischen etwa zwei Drittel der Bewohner und des Personals zweifach gegen Corona geimpft. Bei der nächsten Runde soll auch die 98-Jährige Ilse Naumann endlich geimpft werden. Wann es soweit ist, ist jedoch noch unklar.

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Beitrag von John-Alexander Döring

4 Kommentare

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  1. 4.

    Frankreich hat seine Impfstrategie dahingehend geändert, dass ehemals Positive nur noch eine Impfung als Auffrischung bekommen bzw. wenn Leute nach der ersten Impfung erkranken, keine zweite mehr bekommen. Wäre vielleicht auch für unser Land ein überlegenswerter Schritt.

  2. 3.

    Deswegen sollte vor jeder Impfung ein Antigentest gemacht werden ob man schon Corona hatte.... Hier wurde doch alles richtig gemacht, die Frau hatte Corona, also bekommt Sie erstmal keine Impfung...

  3. 2.

    Das ist doch genau die richtige Entscheidung. Erstens raten Mediziner davon ab, nach einer solchen Erkrankung so schnell zu impfen, weil es eine zusätzliche Belastung des Körpers ist und zweitens wäre es verschwendeter Impfstoff, da sie ja momentan noch geschützt ist.

  4. 1.

    Ich frage mich, wie lange sich Deutschland dieses Chaos noch gefallen lässt?

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