Adlon verpflichtet (29.12.2017, 11:05)
Audio: rbb88,8 | 25.05.2020 | Michael Sorgenfrey | Bild: rbb/Hotel Adlon Kempinski Berlin

Interview | Michael Sorgenfrey, Adlon-Direktor - "Wir haben weitreichende Maßnahmen für die Sicherheit ergriffen"

Seit Montag dürfen die Hotels in Berlin wieder für Touristen öffnen - auch das Hotel Adlon am Pariser Platz. Direktor Michael Sorgenfrey erzählt im Interview, wie man sich dort auf die neuen Hotelgäste vorbereitet hat und wie im Moment die Buchungszahlen sind.

rbb: Wie waren Ihre Tage in diesem großen, leeren Hotel?

Michael Sorgenfrey: Die Tage waren natürlich vor allen Dingen geprägt durch Hoffnung, dass die Pandemie irgendwann auch zu Ende gehen wird und dass wir alsbald wieder unsere Gäste begrüßen dürfen. Jetzt freuen wir uns darauf, dass es wieder losgeht.  

Beim Lockdown war Ihr Kühllager ja immer noch gefüllt, zum Teil auch mit schnell verderblichen Sachen. Was haben Sie damit gemacht?

Wir haben mit der Organisation "Too good to go" zusammengearbeitet. Und wir haben eine App aufgesetzt, wo wir das Essen auch verkaufen konnten. Spargel-Boxen haben wir auch gemacht, als es möglich war. Was dann noch übrig blieb, haben wir für gute Zwecke übergeben.

Michael Sorgenfrey, Copyright: Kempinski Hotels (Quelle: Kempinski Hotels )
Adlon-Direktor Michael Sorgenfrey | Bild: Kempinski Hotels

Wie ist das, durch ein Hotel zu gehen, in dem niemand beherbergt wird, in dem man nicht Gastgeber sein darf?

Das ist sehr ernüchternd. Man steht in der Lobby und fragt sich: Was passiert hier um einen herum? Wo ich doch sonst als Hotelier vor allen Dingen mit großer Leidenschaft meinem Beruf nachgegangen bin. Jetzt natürlich habe ich wieder große Hoffnung, dass sich das auch fortführt. Von daher ist das auch ein besonderer Moment, wenn wir wieder unsere Gäste um uns herum haben. Aber vor allen Dingen, dass der Geist wieder zu uns zurückkommt, dass das Hotel wieder Seele bekommt.

Wie sieht denn das Auftragsbuch aus? Segelt das Adlon gleich wieder unter Volllast los?

Volllast wäre übertrieben. Aber tatsächlich kommen die Buchungen langsam wieder rein. Man merkt, dass die, die Berlin als Touristen erleben möchten, jetzt wieder buchen. Wenn ich das Pfingstwochenende anschaue: Da geht es schon wieder mit 20, 30 Prozent in die Startlöcher. Natürlich müssen wir uns dabei jetzt – und wahrscheinlich auch noch länger – erstmal auf den deutschen Markt beschränken.

Wie sieht denn Desinfektion und Abstandsregelung auf Adlon-Niveau aus?  

Natürlich werden wir alle Maßnahmen, die vom Senat beschlossen wurden, einhalten. Wir haben wirklich weitreichende Maßnahmen für die Sicherheit und die Gesundheit unserer Mitarbeiter und Gäste ergriffen. Unsere Gäste sollen wirklich vollstes Vertrauen haben, dass wir in dieser Situation alle Aspekte unserer täglichen Aufgaben mit großer Ernsthaftigkeit genau unter die Lupe nehmen.

Die Kempinski-Gruppe selbst hat weltweit einen Leitfaden eingeführt. Da werden die Mitarbeiter bei allen Interaktionen, die sie mit den Gästen haben, Handschuhe und gemäß der lokalen Verordnung auch Masken tragen. Wir werden auch auf den Zimmern dementsprechend Masken auslegen, und wir werden Desinfektionsfläschchen auf den Zimmern zur Verfügung stellen.

Eine edle Ledermaske oder wie darf man sich das vorstellen?

Nein, das ist keine Edelmaske. Natürlich legen wir die Masken aus, die dem Gast auch wirklich in so einer Situation helfen. Wir gehen eigentlich auch davon aus, dass jeder Gast, der anreist, auch seine eigene Maske mit im Gepäck haben wird. Da kommt er ja gar nicht drumrum, egal wie er herkommt: ob mit dem Zug oder mit dem Flieger.

Gibt es ein persönliches Ziel, auf das Sie hinarbeiten?

WIr mussten das Hotel nie ganz schließen. Wir haben uns ja als Ziel gesetzt, das Hotel offenzuhalten, vor allen Dingen für unsere Stammgäste. Dadurch konnten wir natürlich auch unseren Auszubildenden die Möglichkeit geben, weiter ihrer Ausbildung nachzukommen. Das war eigentlich von Anfang an das große Ziel.

Jetzt haben wir mit unserem Restaurant "Carré" am 15. Mai nachgezogen. Wir werden alsbald auch das nächste Restaurant, unser "Lorenz Adlon Esszimmer", nachziehen. Wir gehen Schritt für Schritt, um immer wieder die Sicherheit als oberste Priorität anzusehen.

Die Zeiten bergen sehr viele Unsicherheiten, das lässt sich natürlich auch schwer abschätzen, wie schnell und in welchem Ausmaß sich die Reise- und Restaurantbranche nach dem Lockdown wieder erholen wird. Die Herausforderung liegt darin, das Adlon gut durch diese Zeit zu navigieren. Dabei sind meine Gedanken vor allen Dingen bei vielen unserer Mitarbeiter, die derzeit eben leider nicht dabei sein können. Aber die alle zurückzuholen - das ist mein größtes Ziel.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Tim Koschwitz, rbb88,8. Die verschriftlichte Fassung ist eine gekürzte und redigierte Fassung. Das gesamte Gespräch können Sie hören, wenn Sie auf das Audiosymbol im Titelbild klicken.

Was Sie jetzt wissen müssen

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

1 Kommentar

  1. 1.

    Ein wirklich interessanter Bericht über ein großartiges Hotel, aber vielmehr noch Einblick hinter die Kulissen seit dem Lockdown....ich denke das es in vielen Hotels unserer Stadt so läuft.

Das könnte Sie auch interessieren

Neben den üblichen Dingen, kommen während der Coronapandemie noch viele weitere Dinge in den Koffer (Quelle: imago images/Sven Hagolani).
imago images/Sven Hagolani

Der Absacker - Ich packe meinen Koffer voller Sorgen

Die Urlaubszeit löst normalerweise Freude und Entspannung aus. In Corona-Zeiten ist aber alles anders. Da beschleunigt Sie zumindest bei Lisa Schwesig die Faltenbildung. Denn neben den üblichen Sorgen, wie das Wetter wird, gesellen sich viel unangenehmere.