Kellner mit Mundschutz in einem Berliner Restaurant (Quelle: dpa/Binh Truong)
Audio: 88.8 | 21.07.2020 | Thomas Weber | Bild: dpa/Binh Truong

Corona-Pandemie - Berlin lockert Abstandsregeln in Gaststätten

Nach Monaten des Abstands in Gaststätten dürfen Berliner Gäste wieder enger am Tisch zusammenrücken. Denn der Senat lockert erneut die Corona-Verordnung. In anderen Bereichen bleiben die Lockerungen hingegen aus.

Die bisher wegen der Corona-Pandemie geltenden Abstandsregeln in Gaststätten werden in Berlin gelockert. Darauf hat sich der Senat bei seiner Sitzung am Dienstag verständigt. So dürften künftig etwa im Restaurant bis zu sechs Gäste an einem Tisch sitzen, auch wenn 1,50 Meter Abstand nicht eingehalten werden können. Dafür soll die Infektionsschutzverordnung entsprechend geändert werden. Der Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen den Tischen muss allerdings weiter eingehalten werden.

Zudem ist es wieder erlaubt, an Theken und Tresen zu sitzen. Im Außenbereich der Gastronomie kann der Mindestabstand unterschritten werden, "sofern der Schutz vor Tröpfcheninfektionen und Aerosolen sichergestellt ist", heißt es in einer Mitteilung des Senats.

Bisher müssen in Gaststätten die Stühle so stehen, dass zwischen den Gästen ein Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten wird. Ausnahmen gelten für Ehe- und Lebenspartner und Angehörige des eigenen Haushalts - mit Arbeitskollegen und Bekannten wird das vertraute Gespräch über den Tisch hinweg dagegen manchmal schwierig.

Aus Sicht der Gastronomen waren Abstandsregeln erhebliche Einschränkung

Aus Sicht der Berliner Gastronomie war die Regelung eine erhebliche Einschränkung. Die Zahl der Gäste reduzierte sich deutlich, mit entsprechenden wirschaftlich schmerzhaften Folgen für die Wirte - auch wenn die Regel nicht überall beachtet wurde. Der Berliner Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) war über dieses Thema in den vergangenen Wochen immer wieder in Gesprächen mit dem Senat und der Wirtschaftsverwaltung.

Die Gastronomie in der Hauptstadt ist durch die Corona-Krise besonders betroffen. Zum einen mussten Restaurants und Kneipen anders als die Hotels Mitte März komplett schließen und damit fast vollständig auf ihre Umsätze verzichten. Erst nach zwei Monaten durften Restaurants Mitte Mai wieder öffnen, Kneipen ab dem 2. Juni.

Keine Lockerung für Clubs

Die Gastronomie in der Hauptstadt ist durch die Corona-Krise besonders betroffen. Anders als die Hotels mussten Kneipen und Gaststätten ab Mitte März komplett schließen und damit fast vollständig auf Umsätze verzichten. Erst nach zwei Monaten durften Restaurants Mitte Mai wieder öffnen, Kneipen ab dem 2. Juni.

Die Clubs in Berlin profitieren nicht von den neuen Lockerungen, die der Berliner Senat beschlossen hat. In Clubs könne der Mindestabstand nicht eingehalten werden, sagte Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne). Allerdings gebe es einen Vorschlag der Clubcommission, Konzerte auf Grünflächen zu ermöglichen. Pop erklärte, sie sei mit dieser Idee an die Bezirke herangetreten und hoffe, dass es hier bald Vorschläge geben werde.

"Wir hoffen, eine Lösung finden zu können, die im Interesse aller ist", sagte Pop. Das hätte den Vorteil, dass es keinen Wildwuchs gebe, wie er in der Hasenheide in den vergangenen Wochen bei nicht angemeldeten Partys zu erleben gewesen sei.

Training in Kontaktsportarten erlaubt

Lockerungen sind auch im Sportbereich vorgesehen. Das gilt etwa für den Trainingsbetrieb bei Kontaktsportarten. Im Amateurfußball ist er in Berlin bereits wieder erlaubt. Das soll nun auch für andere Kontaktsportarten möglich sein. Sportsenator Andreas Geisel (SPD) hatte für die Senatssitzung in Auftrag gegeben, eine entsprechende Entscheidung zur Freigabe für den Kontaktsport vorzubereiten.

Werkstätten für Menschen mit Behinderungen sollen dagegen noch nicht schnell wieder komplett öffnen. Geplant ist, bis Ende September 90 Prozent der Arbeits- und Betreuungsplätze wieder zu erreichen.

Beim Thema Prostitution hat der Senat noch nicht entschieden, sie wieder zuzulassen. Es bleibt weiter auf der Tagesordnung und soll in naher Zukunft noch einmal beraten werden. Auch Saunen - mit Ausnahme von Trockensaunen - sollen weiterhin geschlossen bleiben.

Sendung: 88.8, 21.07.2020, 13 Uhr

Was Sie jetzt wissen müssen

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

51 Kommentare

  1. 51.

    Da stimme ich Ihnen vollkommen zu,liebe Heike.
    Es geht doch schon die ganze Zeit darum,sich eigenverantwortlich und rücksichtsvoll in der Pandemie an die Regeln zu halten um sein eigenes Leben halbswegs weiterleben zu können. Dabei vergessen leider immer mehr Leute sich und andere zu schützen,damit es nicht wieder zur Rüchnahme von Lockerungen kommt. Diskussionen mit Leugnern der Gefahr sind sinnlos,denn unser Senat ist ja nicht mal in der Lage seine eigenen Regeln auch durchzusetzen.
    Die Äußerungen von Herrn von Dassel zu den Zuständen in den Bars in Mitte sind ein Beispiel dafür und ein Armutszeugnis. Und weshalb erst jetzt darüber nachgedacht wird,wie und ob Rückkehrer aus Risikogebieten getestet werden,passt auch dazu . Die ersten Urlauber sind doch Mitte der Ferien schon längst wieder da. Also entscheide ich mich von Fall zu Fall wo ich hingehe.Sich auf die Vernunft und den gesunden Menschenverstand anderer zu verlassen,wäre echt fahrlässig. Bleiben Sie gesund :-)

  2. 50.

    Ich sehe es auch in Arztpraxen, jeder 2. Sitzplatz ist mit Klebstreifen beklebt. Wegen dieses Mindestabstands. Beim Friseur kein Sitzplatz, bis man aufgerufen wird. Draußen vor der Tür warten. Imbisse, Kaffees waren weniger Stühle als vor Corona.
    Das wurde so festgelegt. Der Senat sagt sich, die ältere Generation (Risikogruppen) können ja zu Hause bleiben.

  3. 49.

    Länder , die Lockerungen erlaubt haben ( Kroatien, Serbien, Australien, Spanien Japan etc. ) verschärfen wieder die Maßnahmen wegen explodierender Infektionszahlen

  4. 48.

    Das ist den Sitzgelegenheit würde ich nicht so allgemein stehen lassen! Ich versuche schon wegen der Masken Pflicht meine Einkäufe aufs Minimum zu senken! Aber wenn ich an das Rathaus Center in Pankow denke sehe ich dort öfter ältere Menschen die zum einen mal raus wollen und diese sitzmöglichkeiten für eine kleine pause nutzen! Leider sind nicht alle Menschen so fit durch 3 Läden zu ziehen ohne dazwischen Pause zu machen! Deswegen sind diese Möglichkeiten für manche Menschen wichtig auch für kleine soziale Kontakte! Es geht nicht immer mit schwarz und weis es gibt auch viel graues dazwischen! Aber im großen und ganzen gebe ich recht!

  5. 47.

    Parties in Grünflächen zu erlauben ist eine tolle Idee! Ich hoffe sie wird bald umgesetzt ist doch mittlerweile deutlich, wie gering die Ansteckungsgefahr an der frischen Luft ist.

  6. 46.

    Die ersten Ergebnisse gibt es auch ohne Lockerungen schoN im Restaurant unterm Fernsehturm.
    Ich hoffe nur die Politik weiß was sie da tut.
    Ein zweiter Lockdown wäre auch für die deutsche Wirtschaft fatal.

  7. 45.

    Kneipengänger müssen eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen, wenn sie sich nicht am Tisch aufhalten – etwa beim Betreten und Verlassen der Einrichtung, beispielsweise beim Gang zur Toilette. In der Kneipe zusammensitzen wie man will??? Abstand wurde eh kaum eingehalten! Einkaufen ohne Maske- Infizieren kann man sich überall. Der Unterschied ist, aus der Kneipe komme ich an getütert bis besoffen raus. Beim Einkaufen ohne Maske??? bin ich schneller aus dem Laden. Ohne Maske kein einkaufen.
    In den geöffneten Läden dürfen keine Anreize wie etwa Sitzgelegenheiten zur Verfügung stehen, um Kundinnen und Kunden länger als nötig im Geschäft zu halten. Das gilt auch für Einkaufszentren.

  8. 44.

    Ich frage mich wann mal wieder die Bürgerämter ihren Normalbetrieb aufnehmen. Bekomme langsam das Gefühl dass das eher SPARMASSNAHMEN sind. Was ich am 29.06.20 Uhr erlebt habe bei meinen Termin um 12:42 Hohenzollerndamm schlägt dem Fass den Boden aus. Z.B. scheinen die dortigen Mitarbeiter auf Kuschelkurs zu arbeiten. Und von dreien arbeitete nur eine in der ca. halbstündigen Bearbeitung meines Anliegen.

  9. 43.

    Einkaufen gehen muss man ... in die Kneipe gehen muss man nicht ....
    Ich habe eine Begründung des VG Berlin, das man Lebensmitteleinkäufe auch online erledigen kann....da ging es genau darum, dass man einkaufen ja gehen muss....also das VG Berlin sieht das absolut anders.

  10. 42.

    Kann mir jemand auch nur ein einziges Beispiel nennen, wo im Restaurant an einem Tisch ein Abstand von 1,5 Meter eingehalten wurde, wenn dort Personen aus verschiedenen Haushalten saßen? Es sitzen doch immer alle nebeneinander und gegenüber, und die Tische haben definitiv nicht die entsprechende Breite. Und es wurde und wird auch nicht kontrolliert. Und meine Erfahrung ist es, dass die Kontaktdaten in den meisten Fällen auch nicht erfasst werden.
    Und laut Verordnung müssen auch Paare, die nicht verheiratet sind und nicht zusammen leben, 1,5 Meter Abstand voneinander halten. Vollkommen realitätsfremd.

  11. 41.

    Warum sollte man nicht schrittweise Lockerungen zulassen. Selbstverständlich nicht alles auf einmal um Kontrolle über das Gelockerte zu haben. Wir hatten im April täglich Neuinfektionen von ca. 6000 im Bundesgebiet. In den letzten Wochen liegt der Schnitt täglich bei 400 Neuinfektionen bundesweit. Das entspricht 0,0005 % der gesamten Bevölkerung Deutschlands. Sollten aus diesen Lockerungen steigende Neuinfektionen erkennbar werden, kann man diese ja wieder rückgängig machen. Selbst mit Demos, Coranapartys bei denen nicht wirklich immer auf Vorschriften geachtet wurde, haben wir sinkende Zahlen. Ein Restaurant oder Kneipe ist überschaubar. Und wer zur Risikogruppe gehört, sollte selbst entscheiden ob er diese besucht.

  12. 40.

    Ich würde mich wahnsinnig freuen, wenn die Lockerungen auch bei den Bezirksämtern ankommen würden. Dort wird bis jetzt so getan, als wenn die Hilfe benötigenden Bürger alle nichts besseres vor hätten, als die Zahnräder dieser Stadt lahm zu legen mit ihrer bloßen Anwesenheit. Zumindest sollte doch wohl das Bürgertelefon wieder funktionieren. Und einen Ausweis beantragen, nun, ich sehe da keine große Ansteckungsgefahr. Einen Betrieb, der sich halbwegs an der Normalität orientiert, gibt es offensichtlich dort aber "erst, wenn es einen Impfstoff gibt."

  13. 39.

    Das bezieht sich auf die Sentinelproben der Arbeitsgruppe Influenza des RKI. Dass innerhalb der Bevölkerung sehr wohl noch SARS-CoV-2 nachgewiesen wurde, zeigen die Berichte des RKI anhand der Infektionszahlen ja ebenfalls.

  14. 38.

    Das mit den Sporthallen kenne ich, ist schon krass was sich manche Bezirke/Sportämter erlauben, aber wehe, man hat mal vergessen einen Hallenantrag zu stellen und reicht diesen nach, Neukölln ist auch so ein „nettes“ Bezirksamt.
    @Verwaltungsfreund: es gibt in Berlin viele Sportarten, die mit Kontakt und Wettbewerb angeboten werden und die Fachverbände mussten Hygienekonzepte vorlegen, was dann nochmal geprüft wurde, also alles Safe und die Trainer führen Anwesenheitsliste , sogenannte Coronalisten. Freuen Sie sich doch, das Vereine und Verbände was für die Gesundheit und Erziehung tun. Schönen Abend .

  15. 37.

    Also vestehe das ganze Thema nicht. Laut RKI Bericht vom 25.06.20..Seite 12 von diesem Bericht...Seit der 15. KW 2020 wurde keine Influenza-Aktivität mehr beobachtet, seit der 16. KW 2020 gab es keine Nachweise von SARS-CoV-2 mehr....!!!

    https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Situationsberichte/2020-06-25-de.pdf?__blob=publicationFile

  16. 36.

    @Lia: Liebe Lia, gerne beantworte ich Ihre Frage auch als Nicht-Virologe. Einkaufen muss man, in die Kneipe gehen muss man nicht.

  17. 35.

    Man ist sich nicht sicher , wie der normale Schulbetrieb nach den Ferien umgesetzt werden kann. Aber das Risiko, in Restaurants den virus zu übertragen durch die neuen Lockerungen wird in Kauf genommen. Eine Spur Vernunft und Verantwortung wäre angesagt!

  18. 34.

    Trotz Lockerung der Abstandsregelung werde ich keine Gaststätte mehr besuchen. Zum Teil ohne Masken, sonst klappt das mit Essen und Trinken nicht. Zu riskant Gaststätten erhöhte Ansteckungsgefahr. Corona- Pandemie ist noch da, durch strenge Maßnahmen, Pandemie nur verlangsamt. Die Einnahmen werden zum Überleben kaum reichen. Aber es wird schon klappen. Datenschutz in der Gastronomie- seine Kontaktdaten hinterlassen! Schon unangenehm.
    Im Einzelhandel machen sich die Abstands- und Hygieneregeln bemerkbar. Es wird offenbar weniger eingekauft. Die Kauflust ist eingeschränkt die Mehrheit der Verbraucher stört dabei insbesondere die Pflicht zum Tragen einer Maske. Größere Anschaffungen würden nach hinten gestellt. Was ist mit Einkaufszentren ohne Masken???

    In anderen Ländern wieder Maskenpflicht nach Lockerungen. Die Fallzahlen gehen deutlich nach oben. Angst vor der 2. Welle
    Noch sind die Zahlen in Deutschland stabil, woanders steigen sie wieder.


  19. 33.

    Ich bin "Otto-Normali" und möchte mal von einem virologen hören,was er dazu sagt.
    Wo ist denn der Unterschied zwischen... In der Kneipe zusammen sitzen wie man will und... Einkaufen ohne Maske???

  20. 32.

    Vielen Dank für Ihre detaillierten Information zum geplanten Chorsingen - ich hoffe, dass sie Recht behalten - es wäre dramatisch, wenn sich auch ältere Menschen, die gerne diesem Hobby nach gehen, Schaden davon tragen würden. Es bleibt leider ein potenziell tödliches Virus - man steht daneben, hilflos, traurig und kann den Menschen einfach nicht mehr helfen, außer ihnen die Schmerzen zu nehmen, ein einsamer Tod ohne Angehörige - das wünscht man keinem..... bitte bleiben Sie gesund

Das könnte Sie auch interessieren

Klamottenhändler auf dem Basar in Slubice
rbb

Nach Corona-Ausbruch - Basare in Słubice wieder geöffnet

Wegen mehrerer Corona-Fälle mussten in der vergangenen Woche drei Basare im polnischen Słubice schließen. Nach Hunderten von Tests haben einige Händler die Arbeit wieder aufgenommen. Viel los ist allerdings noch nicht. Von Agata Horbacz