BrandenburgTrend - AfD fühlt sich durch Umfrage bestätigt - SPD und CDU verweisen auf Bund

Do 14.09.23 | 20:15 Uhr
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Archivbild: Daniel Keller (SPD), Fraktionsvorsitzender, spricht in der Debatte der Sitzung des Landtages Potsdam. (Quelle: dpa/B. Settnik)
Video: rbb24 Brandenburg aktuell | 14.09.2023 | Stephanie Teistler | Bild: dpa/B. Settnik

Mit 32 Prozent liegt die AfD in Brandenburg in der jüngsten Umfrage des rbb vor allen anderen Parteien. Die AfD spricht von einem "wichtigen Signal", während die Brandenburger Koalitionäre vor allem Gründe in der Bundespolitik sehen.

  • AfD hat mit 32 Prozent erstmals die Nase vorn
  • SPD reagiert gelassen und betont den Umfrage-Charakter
  • CDU sieht in der Bundespolitik Auslöser
  • AfD sieht sich in ihren Positionen bestätigt

Erstmals in einem BrandenburgTrend liegt die AfD vorn: Der repräsentativen Umfrage zufolge könnte die rechtspopulistische Partei 32 Prozent der Stimmen erhalten, wenn am Sonntag in Brandenburg Landtagswahl wäre. Das entspricht einem Plus von 9 Prozent im Vergleich zum vorigen BrandenburgTrend aus dem April. Die SPD würde zwei Punkte verlieren und käme auf 20 Prozent.

SPD-Generalsekretär betont Umfragecharakter

Die Brandenburger SPD will sich von den Ergebnissen des aktuellen BrandenburgTrends vorerst nicht beunruhigen lassen. Generalsekretär David Kolesnyk sagte am Donnerstag im rbb24 Inforadio, vor fünf Jahren hätten die Umfragen ähnliche Ergebnisse geliefert. Bei der Wahl hätten die Parteien dann anders abgeschnitten. Kolesnyk betonte aber, die Brandenburger Landesregierung müsse sich weiter bemühen. Man wolle zeigen, dass das Land gut funktioniere, Dinge angepackt würden und dass es Lösungen gebe.

Kolesnyk wertet die Ergebnisse aus dem BrandenburgTrend außerdem als Folge der Bundespolitik. Die Umfrage spiegele vor allem die aktuell schlechte Stimmung in ganz Deutschland wider.

Bereits am Mittwochabend hatte Kolesnyk in der Sendung rbb24 Brandenburg aktuell zugleich betont: "An sich ist weiter eine Mehrheit zufrieden mit dem Ministerpräsident. Und wenn man auf die schaut, die sich dort eine Meinung zutrauen, ist es ja auch eine sehr deutliche Mehrheit."

CDU sieht Gründe in der Bundespolitik

Der Generalsekretär der Brandenburger CDU, Gordon Hoffmann, forderte am Donnerstag im rbb die Politik im Allgemeinen dazu auf, auf allen Ebenen die Probleme der Menschen anpacken und lösen. Die Unzufriedenheit der Menschen im Land sei spürbar. Dabei gehe es vor allem um Themen der Zukunft und Bundesthemen, die die Leute auf die Palme brächten, so Hoffmann.

Als Beispiele nannte er die Migrationspolitik und das Heizungsgesetz. Die CDU Brandenburg erwarte deshalb von der Bundesinnenministerin (Nancy Faeser, SPD), dass sie Grenzkontrollen zu Polen ermögliche, und von der Bundesregierung, dass sie das Heizungsgesetz stoppe, so Hoffmann.

Ähnlich äußerte sich der Berliner CDU-Vorsitzende und Regierende Bürgermeister Kai Wegner. Er sagte am Donnerstag bei Radioeins vom rbb, man erlebe derzeit einen bundesweiten Trend. Diese Umfragewerte in den ostdeutschen Bundesländern seien Alarmsignale für die demokratischen Parteien. Das gelte auch für die Opposition, so Wegner. Die CDU müsse sich fragen, warum sie nicht davon profitiere, dass die Bundesregierung immer mehr an Vertrauen verliere.

Grüne sehen in den Werten auch eine Chance

Die Brandenburger Grünen sehen im Brandenburg-Trend "einen Weckruf, jetzt zu sachlicher Arbeit in der Koalition zurückzukommen", wie der Co-Fraktionsvorsitzende im Landtag, Benjamin Raschke, am Donnerstag dem rbb sagte. Es gebe die Pflicht und die Chance, in den Monaten bis zur Landtagswahl das Vertrauen der Bürger zurückzugewinnen.

Die Grünen müssten mit den Koalitionspartnern im Land und im Bund konkrete Projekte anpacken und für Verbesserungen im Leben der Menschen sorgen, so Raschke weiter. Ein gutes Beispiel sei der Solar-Euro, mit dem Gemeinden künftig von Freiflächensolaranlagen finanziell profitieren sollen.

Die Umfrage-Zahlen für die AfD nannte Raschke erschreckend. Offenbar sei noch nicht bekannt genug, wie rechtsextrem die Brandenburger AfD sei, die nicht ohne Grund vom Verfassungsschutz mit Argusaugen betrachtet werde. Die AfD sei alles andere als eine übliche Partei. Sie sei rechtsextrem und dürfe in Brandenburg nicht regieren.

Freude bei der AfD

Die AfD sieht sich mit dem Umfrageergebnis bestätigt. Das gute Abschneiden beim BrandenburgTrend zeige, dass die Menschen im Land Veränderungen wollten, sagte der parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Fraktion im Landtag, Dennis Hohloch, am Mittwochabend in rbb24 Brandenburg Aktuell. Die Brandenburger würden keine Massenmigration wollen, sie würden mehr Sicherheit und eine ordentliche Bildungspolitik wollen. Das könne die Koalition aus SPD, CDU und Grünen nicht bieten, so der AfD Politiker.

Ähnlich äußerte sich die Brandenburger AfD-Landeschefin Birgit Bessin. Die Umfrage zeige, dass die regierenden Parteien sehr weit weg vom Volk seien, sagte sie am Donnerstag im rbb24 Inforadio. Das gelte sowohl für Deutschland als auch für Brandenburg. Der Landesregierung warf Bessin Arroganz vor. Ihre Partei biete für die aktuellen Probleme gute Lösungsansätze. Diese würden aber ignoriert.

Die Berliner AfD-Fraktionsvorsitzende Kristin Brinker sprach in der rbb24 Abendschau von einem positiven Signal dafür, dass die AfD auf dem richtigen Weg sei. "Und natürlich ein Signal an die Bundesregierung, an die Ampel, dass es so einfach nicht mehr weitergeht. Dass sie komplett eine falsche Politik gerade betreiben, die die Leute eher abstößt als mitnimmt."

Linke: Koalition sendet falsche Signale

Die Linke macht vor allem die Brandenburger Koalition aus SPD, CDU und Grünen für die hohen Umfragewerte der AfD verantwortlich. Die Koalition sende falsche Signale, wenn die Abgeordnetendiäten um 300 Euro erhöht werden sollen, aber nicht genügend Geld für die Tafeln bereitgestellt werde, sagte Fraktions- und Landesvorsitzender Sebastian Walter Antenne Brandenburg vom rbb. Die Landesregierung müsse ihre Politik dringend ändern, sonst würden sich immer mehr Menschen von der demokratischen Politik abwenden.

Der BrandenburgTrend zeige zugleich, dass die Linke (aktuell 8 Prozent) wachsen könne, so Walter. Die Linke werde dafür streiten, eine Partei für den Alltag und für soziale Gerechtigkeit zu sein, nicht abgehoben wie die Landesregierung.

Zum Thema sendet der rbb am Donnerstag um 20:15 Uhr ein Spezial unter dem Titel "Ein Jahr vor der Wahl - rasanter Stimmungsumschwung im Land"

Sendung: rbb24 Brandenburg aktuell, 14.09.2023, 19:30 Uhr

 

 

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168 Kommentare

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  1. 168.

    "Die AfD hat in der Vergangenheit sehr wohl bewiesen,dass sie Personen mit erwiesenen Kontakten in rechtsextreme Kreise ausschließt."

    WIE BITTE? Höcke, Berndt, Krah... 1.000 Zeichen reichen bei weiten nicht aus alle aufzuzählen. Das BfV schätzt über 10.000 Mitglieder der rechtsextremen AfD als gesichert rechtsextremistisch ein.

    Auf den kläglichen Rest ihrer AfD Propaganda kann und möchte ich erneut nicht eingehen. Ich denke man kann sie mit Fug und Recht als Chefpropagandist der AgD hier sehen, die Maske des Biedermanns, um die sie sich sonst so sehr bemühen, haben sie sich endgültig heruntergerissen.

  2. 167.

    "zur stärksten Partei aufsteigt ist doch schon Erfolg genug." Aha, genug ! Also braucht sich die afd nach ihrer Einschätzung nicht zur Wahl aufstellen zu lassen.

  3. 165.

    schönes Wunschdenken - Umfrageergebnisse sind keine Wahlergebnisse. Die Bürgermeisterwahl in Seelow verlor die afd vor kurzem, zur Stichwahl in Brieselang trat die afd nicht an - macht man so Nägel mit Köppen? Höcke darf gerichtlich bestätigt Faschist genannt werden, in Vergessenheit geriet nicht, daß die afd 2020 unseren Bundestag erstürmen wollte, außerdem ist die afd im Visier vom Verfassungsschutz. In Oranienburg gelang ein großer Protest GEGEN die afd - weil wir in einem freien Land mit freier Meinungsäußerung leben, es sei denn, daß jemand oder Gruppierungen volksverhetzend oder rassistisch auftreten. Eben Fliegenschisspartei.

  4. 164.

    Vorschlag: Sie zählen meine nicht vorhandenen auf und ich ... sagen wir 40-50 ihrer bisherigen und teilweise noch aktuellen Aliasnamen? Wie wärs?

    Gibt es eigentlich einen Grund sich ständig umzubenennen oder sogar mit sich selbst du reden, wie Sie es nachweisbar gemacht haben und immer noch tun?

  5. 163.

    "Wo sind die Erfolge de afd seit ihrer Gründung vor 10 Jahren? Nicht vorhanden, ansonsten hätten Sie stolz schon welche beweisbar nennen können."
    Das die Partei innerhalb von 10 Jahren, laut Umfragen in mehreren Bundesländern, von 0% zur stärksten Partei aufsteigt ist doch schon Erfolg genug.

  6. 161.

    Die Grünen fuhren bei der Berliner Wiederholungswahl 2023 34% ein und sind damit gleichauf mit der Berliner SPD (ebenfalls 34%).

  7. 159.

    " Bei der AfD handelt es sich immer noch um eine demokratische und demokratisch gewählte Partei. Sollte sie das nicht sein, müsste man sie verbieten."

    Die rechtsextreme AfD ist keine demokratische Partei. Die NSDAP war auch keine demokratische Partei und konnte auch gewählt werden.

    "Wenn größere Teile der Bevölkerung die AfD wählen, handelt es sich bei den Wählern nicht gleich um Nazis."

    Habe ich das behauptet? Wer aber wählt sonst bewußt eine rechtsextreme "Partei", in der schon längst der faschistische und völkisch-nationale "Flügel" die Macht an sich gerissen hat?

    Erklären sie mir das bitte!

  8. 158.

    Gähn ... immer noch falsch, wie alle ihre Annahmen. freden? Autokerrektur, oder was ist das?

  9. 157.

    Wo sind die Erfolge de afd seit ihrer Gründung vor 10 Jahren? Nicht vorhanden, ansonsten hätten Sie stolz schon welche beweisbar nennen können.

  10. 156.

    Die von Ihnen genannten Personen sind keine Vordenker der Nazis gewesen, sondern wurden von denen missbraucht. Der Antisemitismus geht noch viel weiter zurück. Außerdem wird dieser Begriff oft falsch eingesetzt, da auch teile der arabischen Bevölkerung zu der Gruppe der Semiten gehören. Bei der AfD handelt es sich immer noch um eine demokratische und demokratisch gewählte Partei. Sollte sie das nicht sein, müsste man sie verbieten. Wenn größere Teile der Bevölkerung die AfD wählen, handelt es sich bei den Wählern nicht gleich um Nazis. Und es gehört auch zur Demokratie dazu, dass alle gewählten Parteien die gleichen Rechte haben. In Italien ist ja auch nicht der Faschismus ausgebrochen nur weil sie jetzt eine rechtsgerichtete Regierung haben.

  11. 154.

    Das Volk wurde nie bei Volksabstimmungen verführt, die eine einzelne Sachfrage klären sollten. Schon eher bei Wahlen, besonders dann, wenn das Volk sich vorher nicht artikulieren durfte, siehe Volkskammerwahl 1990.

  12. 153.

    "[...] Bin irritiert!"

    Jemandem, der den Unterschied zwischen einer demokratischen Partei und einer demokratisch gewählten Partei nicht kennt, glaube ich das sofort.

  13. 152.

    Das ist ein Märchen, dass man in Parteien als einfaches Mitglied irgendetwas bewegen kann. Dann hätte es die Hartz4-Reform oder Flüchtlingskrise 2015 nie geben dürfen, denn es war anfangs eine Mehrheit der Mitglieder dagegen.

  14. 151.

    Sie negieren die Unschuldsvermutung, die trotz aller einschlägigen Vorkommnisse staatlicherseits auch ggü. der AfD angewandt wird. Wenn ich "gemein" wäre, käme ich zu der Vermutung, dass Sie es im Regierungsfall völlig anders hielten.

  15. 150.

    "Schauen Sie nach Lamedusa, dann Wissen Sie was uns in den nächsten Monaten erwartet!"
    Eben, nicht mal das für viele AfD-Wähler vordringendste Problem bekommt die rechte Regierung dort gelöst.

  16. 149.

    "Gottfried Herder, Ernst Mo-ritz Arndt, Johann Gottlieb Fichte, Jakob Friedrich Fries und Hartwig vonHundt-Radowsky und auch Turnvater Jahn, alle zwischen 1740 und 1780 geboren, könnte man als völkische Persönlichkeiten bezeichnen. "Nazis" gabs da noch keine. "

    Nein aber geistige Wegbereiter. Hartwig von Hundt-Radowsky war ein Vordenker eines teilweise eliminatorischen, das heißt auf Vernichtung dringenden Antisemitismus.

    Die Nationalsozialisten betrachteten Arndt als einen ihrer Vordenker.

    Nicht umsonst verweisen sie auf die geistigen Vordenker der Nazis, genau so wie sie ihren Nick mit Bedacht gewählt haben und der nicht von ungefähr an den "Völkischen Beobachter" erinnert.

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