Berlin: Stephan von Dassel (Bündnis90/Die Grünen), Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte (Quelle: dpa/Jörg Carstensen)
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Audio: Inforadio | 01.04.2020 | Interview mit Stephan von Dassel (Grüne) | Bild: dpa/Jörg Carstensen)

Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte - Von Dassel hatte sich mit Corona "fast schon bewusst infiziert"

Zwei Wochen lang war Stephan von Dassel, Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte, außer Gefecht. Seine Infektion mit dem Coronavirus sei kein Zufall gewesen, räumte der Grünen-Politiker in einem rbb-Interview ein.

Was Sie jetzt wissen müssen

Der Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte, Stephan von Dassel, hat sich nach eigenen Angaben absichtlich mit dem neuen Coronavirus infiziert. Nach zwei Wochen sei er nun "über den Berg", sagte der Grünen-Politiker im Interview mit dem rbb. Er hoffe, in dieser Woche seine Arbeit wieder aufzunehmen.

"Ich habe mich fast schon bewusst infiziert, weil ich meine Freundin nicht in der Quarantäne allein lassen wollte", die sich in der Schweiz infiziert habe, erläuterte der 53-Jährige. "Dann dachte ich: Naja, das kriegt man zwei Tage und dann ist man immun. Ich bin doch überrascht gewesen, dass es mich zwei Wochen ganz schön beschäftigt hat." Es sei heftiger gewesen, als er gedacht habe.

In einer häuslichen Gemeinschaft, sei es "fast nicht möglich zwei Wochen zusammenzuleben und sich nicht anzustecken". Das Langfristziel sollte sein, dass sich so viele Menschen immunisierten, dass die Krankheit einem nichts mehr anhaben könne, sagte von Dassel.

Von Dassel geht in Pressemitteilung auf Interview ein

Stunden nach dem rbb-Interview ging von Dassel in einer Pressemitteilung [berlin.de] noch einmal ausführlich auf seine Aussagen ein. Darin unterstreicht er, die Entscheidung mit seiner erkrankten Lebensgefährtin gemeinsam in Quarantäne zu gehen, sei bewusst gefällt worden. "Da meine Freundin zur erweiterten Risikogruppe gehört, hielt ich es auch für verantwortungslos, sie allein zu lassen", so von Dassel.

Das Paar verfüge nicht über einen Zweitwohnsitz. In ein Hotel oder zu Freunden habe von Dassel nicht gehen wollen, er habe nicht ausschließen können, bereits infiziert zu sein.

Experten raten von aktiven Infizierungen dringend ab

Wissenschaftler und Mediziner raten dringend davon ab, eine Corona-Infektion billigend in Kauf zu nehmen. Zwar besteht die Gefahr eines schweren oder sogar tödlichen Verlaufs von Covid-19 insbesondere für Personen im Rentneralter oder mit Vorerkrankung; es ist aber nicht ausgeschlossen, dass das bei jüngeren Menschen nicht eintrifft. [Mehr dazu bei den Kollegen von tagesschau.de.]

Weltweit werden derzeit massive Anstrengungen unternommen, um die Ausbreitung der Virusinfektion einzudämmen oder zumindest zu verlangsamen. Zum einen, um Krankhäuser nicht zu überfordern und dadurch unnötig Menschenleben zu gefährden. Zum anderen in der Hoffnung, dass eine flächendeckende Immunisierung mit Hilfe eines Impfstoffes hergestellt werden kann.

Zudem ist derzeit völlig offen, ob Menschen, die Covid-19 überstanden haben, langfristig immun gegen das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 sein werden. Möglich ist auch, dass sich das Virus ähnlich wie Grippeviren verhält und saisonal immer wiedekehrt. Eine Immunität wäre in diesem Fall möglicherweise nur vorübergehend für einige Jahre gegeben. Covid-19 ist eine neue Erkrankung, zu deren Herkunft, Verlauf und Heilung intensiv geforscht wird.

Dassel: Bezirke sollen Augenmerk auf Problemfamilien richten

Der Bezirk Mitte habe aktuell die meisten Corona-Fälle in Berlin und damit auch die größte Zahl von Menschen, die betreut werden müssten, sagte von Dassel zudem. Mittlerweile müssten mehrere Tausend Fälle täglich abtelefoniert werden. Dabei würden die Betroffenen unter anderem gefragt, ob sie sich an die Quarantäne halten.

"Uns machen diejenigen Sorgen, von denen wir nichts hören", fuhr von Dassel fort. "Das sind die Familien, wo es schon in normalen Zeiten relativ knirscht, wo schon der Mutter oder dem Vater mal die Hand ausrutscht gegenüber ihrem Kind." Das sei nun die größte Aufgabe - "sicherzustellen, dass wir die Kinder nicht aus dem Blick verlieren".

Im rbb-Inforadio schlug von Dassel am Mittwoch vor, konfliktbelasteten Familien einen geordneten Zugang zu Tierpark und Berliner Zoo zu ermöglichen. Man müsse jetzt kreativ sein, damit die Menschen die Einschränkungen der nächsten Wochen mitmachen.

Der Berliner Senat will einen Bußgeldkatalog auflegen, der festlegt, wie Verstöße gegen die Corona-Regeln geahndet werden. Von Dassel hält diesen Schritt für notwenig und angemessen. Man brauche Strafen, die deutlich machen, dass es kein Kavaliersdelikt ist, wenn man die Ausgangsbeschränkungen verstößt.

Sendung: Inforadio, 01.04.2020, 5.00 Uhr  

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214 Kommentare

  1. 214.

    Für mich eine weise Entscheidung - ich bin selbst rekonvaleszent und weiß, dass die Erlangung der Immunität harte 20 Tage bedeutet und auch nicht ohne Risiken ist - aber was Gesundheitswesen, Gesellschaft und Wirtschaft jetzt brauchen sind die Genesenen, die in allen Bereichen wieder voll anpacken können und für die anderen da sind. Medizinisch bedeutet das im Übrigen für mich die schnelle Bereitstellung unseres Rekonvaleszenten-Blutplasmas, mit dem wir Menschenleben retten, Risikopatienten vor Infektion schützen und Wirtschaft wie gesellschaftliches Leben geschützt in 4 Wochen wieder voll anfahren könnten.

  2. 213.

    Hallo,
    Lest mal das. : Durch den Shutdown droht die Kernschmelze der Wirtschaf. Wollen wir wirklich die Alten weiter allein lassen? Sollen wirklich ein großteil der Alten sterben? Geht das wirklich jedem, auch der Redaktion am Hintern vorbei? Ich glaube, schützt die Alten besonders, und lasst das Leben wieder stattfinden, befor das danach schlimmer wird als das jetzt.
    Was kümmert das Ego eines Kommunalpolitikers, wenn das Leben der Gesamtheit auf dem Spiel steht?

  3. 212.

    Hallo Ingrid,
    erst mal Danke für Ihre Antwort. Wenn so viele alte Menschen zum einkaufen gehen müssen, weil sie niemand dafür haben, muß ich nur sagen, armes Deutschland. Ich kann mir nicht vorstellen, daß derart viele alte Personen, weder eine Familie, Nachbarn noch Freunde und Bekannte haben. Ich würde gerne für meine ältere Nachbarn den Einkauf erledigen, die haben aber alle eine große Familie, die das für sie erledigen. Ich persönlich, gehe für mich und meine Frau einkaufen, die schon einen Herinfarkt hatte und daher auch gefährdet ist. Ich vermisse es halt, daß Politiker die diese ältere, besonders gefährdete Gruppe nicht dazu auffordert das Einkaufen zu unterlassen und andere darum zu bitten dies für sie zu tun. Von einem Appell an Angehörige dieser Gruppe, habe ich auch noch nichts mitbekommen. Ich persönlich, würde diesen alten Menschen raten, bei dem momentan schönen Wetter, mit dem Fahrrad und beim spazierengehen die aufblühende Natur zu genießen.

  4. 211.

    Die Zahlen von 20% kommen aus den bekannten, also getesteten Personen. Da aber der größte Teil der Bevölkerung, gar nicht getestet wurde und von denen ein erheblich großer Teil, den Virus ohne, oder mit leichten Symptomen überstanden hat, oder noch durfläuft, dürfte die Zahl der schweren Infektionen erheblich unter den 20% liegen. Denn diese, haben oder hatten wohl keine schwere Symptome, sonst wären sie getestet worden.

  5. 210.

    Die Lösung mit dem abgetrennten Zimmer hat mir auch gefallen. Aber wenn der Kranke nun stets ganz echte Hilfe benötigt-so fast rund um die Uhr-geht das nicht im gemeinsamer Wohnung. Es kommt auf so viele Dinge an, die hier keine Rolle spielten. Schönen Gruß.

  6. 209.

    Meine Vorstellung von Liebe ist eine andere. Nämlich die Lösung der Kleinfamilie, die ich unten kurz beschrieben habe. Verzicht, (Selbst-)Disziplin und echte Fürsorge, nicht den Willen zur Immunisierung unter dem Deckmäntelchen der .... naja, lassen wir das. Die Perspektiven und Einstellungen gehen einfach zu weit auseinander.

  7. 208.

    Es wäre aber besser er hätte das nicht publik gemacht. Er hatte niemals schlechte Absichten und wollte sie nicht allein lassen. Aus Liebe tut man viel und uns geht das eigentlich nichts an.

  8. 207.

    Wieso allein lassen? Wer schreibt denn das? Mal auf dem Teppich bleiben, davon hat NIEMAND etwas geschrieben.

  9. 206.

    Lieber Herr Schmitz,
    angenommen, er hätte seine Lebensgefährtin alleine gelassen und diese wäre an akuter Atemnot gestorben, weil sie vllt nicht mehr in der Lage gewesen wäre, Hilfe zu holen - würden Sie dann vielleicht schreiben, er sei verantwortungslos gewesen und müsse zurücktreten??
    Bleiben Sie gesund!

  10. 205.

    Lieber "Mörschel",
    vielleicht sind nur deshalb so viele ältere Leute beim Einkaufen, weil sie niemanden haben, der dies sonst für sie tut? Kaufen Sie schon für irgendjemanden ein?
    Außerdem muss ma momentan, um nur einmal Klopapier zu kaufen, mindestens 10 Mal in den Supermarkt gehen...
    Geht mir als Asthmatiker übrigens genauso. Aber auch ich brauche Lebensmittel und Klopapier... :-)
    Beiben Sie gesund!

  11. 204.

    Märkte für Textil stoffe sollten Genehmigung bekommen und wieder öffnen !! Viele gehen nun in Insolvenz. Völlig unverständlich!! Oder sollten Den Baumärkten gleichgestellt werden. Wenn die wieder öffnen, könnten alle, die eine Nähmaschine haben, kurzfristig Mund-Nasen Masken nähen und ihr Umfeld mit waschbaren Masken versorgen. Anleitungen gibt es zuhauf im Internet. Über all im Land gibt es Näh-Shops. Sind die nicht systemrelevant? Nur Container aus China, die von *onald gekapert werden?

  12. 203.

    Wenn ich selbst erkranke, kann ich nicht mehr genügend helfen, oder? Ein Freund von mir hatte vor einigen Wochen eine grippeähnliche Erkrankung, vileicht Covid-19, wer weiß, vielleicht eine Influenza. Jedenfalls war er nicht arbeits- und leistungsfähig mit allen dazugehörigen Symptomen. Um Frau und Kind nicht anzustecken, hat er für die Zeit der Erkrankung ein kleines Zimmerchen in der Wohnung bezogen - getrennt schlafen, essen, Tag verbringen. Was er brauchte, bekam er ins Zimmer serviert. Er trug einen Mundschutz, übrigens. Das hat geklappt, Frau und Kind blieben gesund.
    Es ist einfach nur unverschämt, den Kritikern von Herrn v. Dassel hier eine "Herzlosigkeit" und ähnlich asoziale Einstellugen zu unterstellen. Das Gegenteil ist richtig.

  13. 202.

    Wer hier leichtfertig "anklagt", sollte sich ganz ehrlich selbst den Spiegel vorhalten und sich fragen, wie man selbst in diesem Fall reagieren würde, wenn Lebenspartner/-in zur Risikogruppe gehört. - Wer sich dann weiterhin als "Ankläger" aufspielt, wäre ganz allein mit sich wohl besser dran.

  14. 201.

    Ich z.bsp. denke an die Menschen, die momentan die meiste Arbeit im Krankenhaus haben. Die meinten sie wohl in ihrer Aussage. Ich frage mich nur, weshalb die sichtlich alte Menschen, die in die Gruppe derer gehören, welche der größte Anteil, der an dem Virus Verstorbenen Personen ausmachen, immer noch im Supermarkt beim Einkaufen anzutreffen sind? Diese Menschengruppe, die nicht geschützt werden, sind doch die jenige, welche das Gesundheitssystem wohl am meisten beanspruchen und auf Intensivbetten angewiesen sind. Natürlich, kann es auch bei jüngeren zu einem schweren Verlauf kommen, aber die Zahlen der Infizierten Verstorbenen sprechen da wohl eine klare Sprache.

  15. 199.

    Verantwortungslos? Wem gegenüber? Er hat sich aus Solidarität mit seiner Lebensgefährtin, mit ihr in Quarantäne begeben bzw. hat weiter mit ihr zusammengelebt. Es ist doch wohl klar, dass er zunächst nicht wissen konnte, das sie infiziert war und als sie es erfuhr, konnte er nicht ausschließen, sich bereits infiziert zu haben. So betrachtet hat er sich nicht absichtlich infiziert, sondern das als unvermeidlich in Kauf genommen, wenn er sie nicht im Stich lassen will.
    Ich denke, wer hier von Rücktritt schwafelt, hat eine versteckte Agenda.

  16. 198.

    Wichtig wäre es die Baumärkte zu öffnen. Dann sind die Männer zu Hause beschäftigt und kommen auf keine blöden Gedanken. Sollten meinetwegen auch Masken tragen müssen. Der Wirtschaft tät´s auch gut.

  17. 196.

    Es ist verständlich, dass man in so einer Lage bei seiner Partnerin bleibt.
    ABER
    Dann hält man in so einer Position gefälligst den Schnabel.
    Es öffentlich so zu verbreiten ist unverantwortlich. An die romantische Vorbildfunktion von Mandatsträgern möchte ich gar nicht erst erinnern...

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