Symbolbild: Eine Gruppe junger Menschen mit Mundschutz läuft am 25.03.2020 in Berlin auf dem Gehweg. (Quelle: dpa/Zacharie Scheurer)
Audio: inforadio | 29.06.2020 | Nina Amin | Bild: dpa/Zacharie Scheurer

Gesundheitssenatorin Kalayci - Altersdurchschnitt der Berliner Corona-Infizierten sinkt deutlich

Immer mehr jüngere Menschen infizieren sich in Berlin mit dem Corona-Virus. Betroffen sind hauptsächlich Kinder und deren Eltern, aber auch Jugendliche, sagt Gesundheitssenatorin Kalayci. Vor allem in einer Altersgruppe gibt es starke Steigerungen.

Unter den Corona-Neuinfizierten in Berlin steigt der Anteil jüngerer Menschen. Das gab Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci am Montag im Gesundheitsausschuss des Abgeordnetenhauses bekannt. "Bei den Neuinfizierten beobachten wir, dass im Durchschnitt weniger Ältere betroffen sind, stärker im Bereich Altersgruppe Kinder und deren Eltern, aber auch Jugendliche", sagte die SPD-Politikerin.

Der Altersdurchschnitt der Neuinfizierten liegt nach ihren Angaben aktuell bei etwa 40 Jahren, dieser Wert sinke bereits seit einiger Zeit. Im Bundesdurchschnitt sind Menschen, die sich mit dem Coronavirus anstecken, laut Kalayci 49 Jahre alt.

Deutlicher Anstieg bei Kindern

Auch eine Analyse der Corona-Fallzahlen in Berlin durch rbb|24 zeigt, dass Kinder und Jugendliche unter 20 Jahren in Berlin in den vergangenen Wochen deutlich häufiger positiv auf das Coronavirus getestet worden sind als zuvor.

Über alle Altersklassen gesehen lag der Anstieg der Fälle zwischen dem 11. Mai und dem 22. Juni bei 26,3 Prozent. Bei jungen Menschen zwischen 0 und 14 Jahren haben sich die Zahlen in Berlin jedoch mehr als verdoppelt. Am höchsten war die Veränderung bei den Fünf- bis Neunjährigen: mit einer Erhöhung um 152,7 Prozent. Zum Vergleich: Bei keiner Altersgruppe über 50 Jahren stiegen die Fallzahlen in diesem Zeitraum um mehr als 20 Prozent.

Kalayci: Corona-Ausbrüche in Wohnkomplexen "eingrenzbar und lokalisierbar"

Kalayci machte deutlich, dass sich die Corona-Lage in Berlin nach einem starken Anstieg der Neuinfektionen in zwei Häuserkomplexen in Neukölln und Friedrichshain-Kreuzberg inzwischen wieder etwas positiver darstelle. Zuletzt sei die Zahl neuer Infektionen wieder moderat zurückgegangen. Die beiden größeren Corona-Ausbrüche in Wohnkomplexen mit einer Bewohnerschaft in beengten Wohn- und schwierigen sozialen Verhältnissen seien "eingrenzbar und lokalisierbar" gewesen: "Wir sehen keine Streuung bei diesen Ereignissen." In Friedrichshain-Kreuzberg lag der Altersdurchschnitt der 54 positiv getesteten Hausbewohner laut Kalayci bei 19,5 Jahren.

Am Sonntag war die Zahl bestätigter Corona-Infektionen in Berlin gegenüber dem Vortag um acht auf 8.175 gestiegen. Davon sind 7.217 Menschen laut Gesundheitsverwaltung mittlerweile genesen und 745 aktuell krank. Im Zusammenhang mit dem Coronavirus starben bisher 213 Menschen.

Sendung: Abendschau, 29.06.2020, 19:30 Uhr

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28 Kommentare

  1. 28.

    Normalerweise die Großeltern, wenn sie in Berlin oder Umland leben, natürlich auch jetzt bei Corona. Ist überall zu sehen, Risikogruppe ist nicht Alter, sondern Vorerkrankung. Und bei Vorerkrankungen wären die Großeltern auch bei allen anderen Infektionskrankheiten stark gefährdet. Dieses Herausheben der Coronainfektion ergibt in diesem Punkt einfach wenig Sinn (sonst auch, aber das ist im Gegensatz zum Betreuungsproblem sehr subjektiv geprägt).
    Da aber viele nicht einfach die Großeltern in der Region haben, haben sie immer dieses Problem zu lösen. Egal, bei welcher schwereren Krankheit.
    Und ja, ich weiß, wovon ich rede. Mit Kind ohne Großeltern in Berlin, die "Kleine" ist inzwischen 16. Die Frage der Betreuung, falls was Ernstes, z. B. Unfall mit beiden Elternteilen, passiert, hatten wir sehr früh geklärt, da es uns wichtig war.

  2. 27.

    Wenn wirklich niemand anderes da sein sollte, der das Kind versorgen kann, müsste man sich an das Jugendamt wenden, denke ich.

  3. 26.

    Da stimme ich 100% zu. Wenn sich die Testanzahl und das Alter der Personen ändert, gibt es auch andere Ergebissen. Die Zahlen sind nicht aussagefähig. Leider verspielen die Verantwortlichen Vertrauen und geben Wasser auf die Mühlen der Verschwörungstheoretiker.

  4. 25.

    Normalerweise die Großeltern, die jedoch mit Ü60/70 und Vorerkrankungen (Lunge und Herz)dann nicht in Frage kommen. Also nochmal: ein an Corona erkranktes Kind, wer nimmt das zur Pflege, wenn die Eltern selbst „ausfallen“? Meine Frage war durchaus ernstgemeint und vielleicht haben Sie doch noch einen vernünftigen Vorschlag.

  5. 24.

    Wie hier schön beschrieben, geht es bei den Testungen nur um Zuständigkeit und Kosten.
    Dies zahlen wir mit unserer Gesundheit und eben genau auch mit Einschränkungen im täglichen Leben.
    Auch die Coronademonstranten könnten mit etwas mehr Vernunft viel weniger Einschränkungen haben.
    Der öffentlichen Hand sind die Kosten zu hoch, die Demonstranten sind sich zu fein eine Maske zu tragen.
    Dummheit bestraft sich grundsätzlich selber.

  6. 23.

    Alle Nicht-Risikogruppen sollten sich infizieren, damit die staatliche Gängelung nicht ewig dauert und wir nicht in einem Polizeistaat mit Denunziation usw. leben müssen.

  7. 22.

    "Dann wird Tönnies mein zweiter Vorname." Schön ausgedrückt. Sie meinen sicher eher "Tünnes", oder? ;-) Aber im Winter wird das Wartezimmer leer sein, bis dahin hocken wieder alle Kinder daheim - Kita zu, Schule zu. Nix zum Anstecken. Was für eine Saison!

    Ich weiss noch, dass ich aus allen Wolken fiel, als der KiA mir eröffnete, dass die Erkältungssaison der Kinder von September bis Mai gehe und wir uns daran gewöhnen müssten. Im Folgenden war ich öfter und schwerer krank als das Kind. Mein Immunsystem war "etwas untrainiert". Aber das gibt bald wieder, so der KiA. Leider kommt der nächste Schub dann mit den Enkelkindern. Neue Viren, keine Immunität - auf ein Neues...

    Gut, das haben wir jetzt verschärft mit/durch Corona.

    Diesen Winter war ich tatsächlich nicht ein Mal erkältet! Wie kann das sein? Null, von September bis Juni. MNS erst ab Mai. Hm. Grübel. Seltsam, oder? Aber es ging vielen Eltern so... Corona ersetzt alle anderen Krankheiten??

  8. 21.

    Es bleibt dabei: Corona ist ein ganz normales Virus, das in keinerlei Hinsicht überdurchschnittlich ist, außer in den völlig unverhältnismäßigen politischen Folgen. 85 Prozent der Infizierten bekommen gar nicht mit, dass sie infiziert sind. Schon längst müsste es eine Statistik geben, die besagt, wie der Krankheitsverlauf in den verschiedenen Altersgruppen unter Berücksichtigung von Nichtrisiko- und Risikogruppen ist.

  9. 20.

    Fortsetzung 4:
    Wenn der Abstrich aber nicht für die Behandlung des Patienten nötig ist, brauch tman den nicht zwingend.
    Für die Infektionskettenuntersuchung hingen ja, das ist aber ÖGD-Aufgabe.Nein

    Es ist also ein großes Wirwarr, eine Hand macht es so, die andere Hand ganz anders.
    Nein, eine konstistente Strategie die fachlich hinterlegt ist, die wirtschaftlich überlegt ist, die organisatorisch machbar ist besteht in BERLIN nicht. Im Winter habe ich Montags durchaus >100 Kinder in der Praxis, über 50 Prozent mit fieberhaften Atemwegsinfekten. Wie soll man die alle testen, wie soll das gehen. da schweigt sich das RKI u.a. Verantwortliche aus. Noch ist meine Praxis leer. PAtienten werden nur einzeln über die Terrasse reingelassen. Alle warten draußen. Jetzt geht das gut. Aber was mache ich im Novemberregen. Dann wieder 50 Menschen im Wartezimmer??? Dann wir Tönnies mein zweiter Vorname.


  10. 19.

    Fortsetzung-2:
    RKI empfiehlt bei kleinsten Symptomen den Anstrich. Die Kitas wollen dies jetzt beim banalsten Schnupfen und Husten. Die Meßlatte liegt also tief. Für den Arzt gibt es dafür KEINE Abrechnungsmöglichkeit für seine Tätigkeit. Aber hingegen Kosten. Bei der letzten Lieferung von Schutzausrüstung über die KV erhielt ich DREI Schutzkittel. An MAsken, Handschuhen, Desinfektion besteht kein Mangel. Also muss sich der Arzt selbst Schutzkittel kaufen. Kittel und andere Schutzausrüstungsind nach jedem Abstich zu wechseln. Das ist dann schon ein logistisches Problem. Rein in den Kittel, raus aus dem Kittel.
    Fachlich spielt es für mich kaum eine Rolle, ob Husten+Schnupfen+evt. Fieber von Copvid-19 oder anderen banalen Viren kommen. Die Behandlung ändert sich sich. Und am daheimbleiben, bis man gesund ist, ändert sich auch nichts. Primär dient der Abstrich dann der Aufklärung von Infektionsketten, dies ist aber keine ambulante Arztarbeit.

  11. 18.

    Fortsetzung:
    Kind Y hat mit Kind x gespielt, dessen Mutter ist besorgt, Kind y aber völlig gesund. Dann ist der Öffentliche Gesundheitsdienst (ÖDG)zuständig. Aber auch ich als Kidnerarzt weiß nicht, wo ich das Kind hinschicken soll.
    Schule AB. in Klasse 6 a gibt es einen nachgewiesenen Coronafall. Alle Kontaktkidner können vom ÖGD nachuntersucht werden. Minisiter Spahn erlaub, das der ÖDG dies auch weiter delegiert. Mit sind da aus Berlin keine Absprachen bekannt. Und als Mitglied der Vertreterversammlung der Kassneärztlichen Vereinigung habe ich schon bessere Informationen.
    Ein Covid-19-Abstrich um z.B. in eine bestimmte Urlaubsregion zu fahren wäre eine Privatleistung, inclusive Laborkosten ist das dann schon mal eine dreistellige Summe.

  12. 17.

    Als niedergelassener Arze darf ich sagen: Ich gibt keine real existierende Teststrategie in Berlin.
    Die Empfehlungen sind widersprechend und nicht zwingend sinnvoll.
    Beispiel:
    Hr X bekommt Warnung über Covid-10 Kontakt über sein Smartphone. Der kann vom Arzt einen Abstrich erhalten. Arzt erhält 10 Euro für die Leistung über eine Abrechnusgnziffer.
    Frau X war stets mit ihrem Mann unterwegs, hat kein Smartphone mit Kontaktwarnung. Hier wäre der Abstrich Aufgabe des öffentlichen Gesundheitsdienstes.
    Kind von Herrn und Frau X hat Fieber und Hustet, hier kann der Abstrich auf Kassenkostengemacht werden, Labor wird bezahlt, Arzt wird nicht extra bezahlt.

  13. 14.

    Wer macht das denn, wenn das alleinerziehende Elternteil sich ein Bein bricht oder schwer an Krebs oder Grippe erkrankt?

  14. 13.

    Wie viele Kinder in der betroffenen Altersgruppe hat man denn bitte auch vorher symptomlos getestet? Richtig. Quasi null. Und selbst mit Schnupfen wurde anfangs genug als „Kitaschnupfe „ o.ä. Abgetan, da es die übliche Zeit war.
    Wen überrascht dann also dieser Pseudo-Anstieg? Richtig. Die nur halbinformierten Menschen, die nur von zwölf bis Mittag denken. Interessant wären die Zahlen nur, wenn deutlich früher Querbeet getestet worden wäre. Aber was weiß ich einfache Bürgerin schon... die nervösen Politiker sind da sicher um Längen schlauer...

  15. 12.

    Das ist doch erstmal keine schlechte Nachricht.
    Die neue Teststrategie scheint zu funktionieren. Da Kinder mangels Symptomen bisher auch als Kontaktpersonen kaum getestet wurden, versteht sich von selbst, dass jetzt mehr dazukommen. Durch die neue Teststrategie entsteht ein etwas realistischeres Bild der Pandemie, auch was die Komplikations- und Sterberaten angeht. Es sollte durch die Senatorin aber dann vielleicht auch mit informiert werden, warum sich welche Zahlen wie entwickeln, auch zur Einschätzung durch eigenes Denken der Leute. Überraschenderweise können das nämlich ganz schön viele Menschen ;-)

  16. 11.

    Folgendes bereitet mir persönlich Kopfzerbrechen: falls ein Kind mit keinen oder leichten Symptomen und sein allein alleinerziehendes Elternteil / oder beide Elternteile aber heftiger erkranken, wer kümmert sich in der Zeit um das Kind?

    So unwahrscheinlich ist das Szenario nicht.

  17. 10.

    Seit wievielen Wochen wird jetzt nach jedem "Großereignis" ein böses Erwachen prophezeit? Und ist es bis jetzt eingetreten? Besagte Demo auf dem Alex ist über 3 Wochen her, bisher ohne signifikante Auswirkungen. Aber ständig heißt es: Bald, dann wird...


    An die Redaktion:
    "Davon sind 7.217 Menschen laut Gesundheitsverwaltung mittlerweile genesen und 745 aktuell krank."
    Dieser Satz suggeriert, dass 100% der aktuell nachweislich Infizierten auch wirklich Symptome zeigen. Das mag ich mal ernsthaft bezweifeln, widerspräche es doch jeglichen bisherigen Erfahrungen.

  18. 9.

    Die Information der Schulen, Kitas und sozialer Einrichtungen untereinander nur selten gegeben. Die Information über diese Tatsache wird leider ,zum Beispiel im Bezirk Mitte, als nicht relevant wahrgenommen.

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