14.11.2020, Brandenburg, Potsdam: Menschen mit Mund-Nasen-Schutzmasken laufen durch eine Fußgängerzone in der Innenstadt, in der Maskenpflicht gilt. (Quelle: dpa/Christophe Gateau)
Bild: dpa/Christophe Gateau

Corona-Maßnahmen der Landesregierung - Brandenburg: Zehn Personen an Weihnachten, fünf an Silvester

In Brandenburg gelten an Weihnachten großzügigere Kontaktbeschränkungen: Anders als in Berlin dürfen dann zehn Personen zusammenkommen. Nach dem Weihnachtsfest kehrt das Land aber wieder zurück zu strengeren Obergrenzen.

Brandenburg setzt die Bund-Länder-Beschlüsse zu den Corona-Maßnahmen weitgehend um und geht einen anderen Weg als das Nachbarland Berlin: Ab dem 1. Dezember dürfen sich nur noch fünf Personen aus zwei Haushalten treffen, wie der Brandenburger Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) am Freitag in Potsdam mitteilte. Die Regel mit "fünf Personen aus zwei Haushalten" gelte auch im öffentlichen Raum. "Wir haben noch nicht genug erreicht", begründete Woidke das Festhalten am Teil-Lockdown. Nur so könne eine Überlastung des Gesundheitssystems vermieden werden.

Über Weihnachten, nämlich vom 23.12. bis zum 27.12., würden die Regelungen dann aber anders als in Berlin gelockert, so dass sich dann zehn Personen aus beliebig vielen Haushalten treffen können. Nach Weihnachten und über Silvester soll dann wieder zur Fünf-Personen-Regel zurückgekehrt werden. "Silvester wird nicht das Fest der großen Feiern sein können", betonte Woidke. In beiden Fällen werden Kinder bis 14 Jahre nicht mitgezählt. Wenn Personen Verwandte über die Feiertage besuchen möchten, müssen sie privat untergebracht werden. Hotels bleiben genauso wie die Gastronomie auch über die Feiertage geschlossen.

Betriebliche Weihnachtsfeiern
mit mehr als fünf Personen aus mehr als zwei Haushalten sind nicht erlaubt. Es wird empfohlen, ganz auf Weihnachtsfeiern zu verzichten.

Auf belebten Straßen und Plätzen ist Silvesterfeuerwerk untersagt. Die Landkreise und kreisfreien Städte sollen dies individuell überall dort anordnen, wo der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann. Das private Silvester-Feuerwerk auf dem eigenen Grundstück oder in Anwohnerstraßen ist grundsätzlich erlaubt. Aber: Alle sind aufgerufen, in diesem Jahr Silvester ruhiger zu feiern und deutlich weniger oder am besten gar kein Feuerwerk zu zünden.

Geschäfte bleiben offen, schärfere Maskenpflicht in Schulen

Grundsätzlich werde der seit dem 2. November geltende Teil-Lockdown in Brandenburg vorerst bis zum 21. Dezember verlängert, so Woidke. Kitas und Schulen bleiben offen. Verschärft wird in den Schulen die Maskenpflicht: Sie gilt ab dem 1. Dezember schon ab der 7. Klasse, unabhängig vom regionalen Infektionsgeschehen.

Der Ministerpräsident verwies auf drei Landkreise, in denen die 7-Tage-Inzidenz über 200 liege. "In solchen Gebieten mit sehr hohen Infektionszahlen treffen die Schulämter mit den Landkreisen weitere schulorganisatorische Maßnahmen", so Woidke.

Der Einzelhandel bleibt offen, es gelten weiterhin Einlassbeschränkungen: Für einen Kunden müssen 10 Quadratmeter zur Verfügung stehen. Bei größeren Einrichtungen gilt ein Abstand von 20 Quadratmetern, allerdings nur ab einer Fläche von 800 Quadratmetern. Die Maskenpflicht gilt nun auch im unmittelbaren Umfeld von Einzelhandelsgeschäften sowie auf Parkplätzen.

Maskenpflicht gilt auch unter freien Himmel überall dort, wo sich viele Menschen entweder auf engem Raum oder nicht nur vorübergehend aufhalten, zum Beispiel auf Wochenmärkten und in Fußgängerzonen. Die Festlegung der Orte und der zeitlichen Beschränkung erfolgt durch die örtlich zuständigen Behörden.

Veranstaltungen mit mehr als 100 Teilnehmern unter freiem Himmel sowie mit mehr als 50 in geschlossenen Räumen sind untersagt. Für Gottesdienste, auch an Weihnachten, gibt es keine neuen Einschränkungen und Obergrenzen, allerdings den "Appell zur Kontaktreduzierung bei Gottesdiensten und anderen religiösen Zusammenkünften".

Nonnemacher: "Keine Zeit für Lockerungen"

Die Brandenburger Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) bat die Menschen um Verständnis. Der Höchstwert von mehr als 600 Neuinfektionen am Donnerstag habe "uns alle geschockt", so Nonnemacher am Freitagnachmittag. "Wenn solche Dimensionen erreicht werden ist es Zeit, die Notbremse zu ziehen", fügte sie hinzu. Brandenburg müsse zu Kontaktreduzierungen von 75 Prozent kommen, um die Lage spürbar zu verbessern. "Wir haben bislang 40 Prozent realisiert, das ist also keine Zeit für Lockerungen."

Innenminister Michael Stübgen (CDU) sagte, der Blick nach Österreich verdeutliche das Ausmaß der Gefahr: "Österreich erlebte gerade eine der tödlichsten Wochen. Nur zweimal zuvor seit der Jahrtausendwende sind in der Alpenrepublik so viele Menschen innerhalb von sieben Tagen verstorben wie jetzt. Wir wollen alles dafür tun, eine solche Übersterblichkeit zu verhindern. Aber es braucht halt Zeit, bis die Maßnahmen wirken, und diese Zeit müssen wir uns jetzt nehmen."

Ausweitung der Maskenpflicht, stärkere Kontaktbeschränkungen

Die Ministerpräsidentenkonferenz hatte am Mittwochabend nach Beratungen mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) vereinbart, die privaten Kontakte der Bürger bis Weihnachten weiter einzuschränken und die Maskenpflicht in einigen Bereichen zu erweitern. Von Weihnachten bis Neujahr sollen die Kontaktbeschränkungen etwas gelockert werden. Der Teil-Lockdown mit Schließungen der Gastronomie und von Kultureinrichtungen soll mindestens bis zum 20. Dezember verlängert werden.

Kritik kommt aus der Opposition Während die AfD-Fraktion die Einschränkungen grundsätzlich ablehnt, plädieren die Freien Wähler für die Öffnung der Gastronomie, Museen, Theater und Zoos unter Hygiene-Auflagen. Die Linke-Fraktion fordert wegen des Infektionsgeschehens wöchentliche Corona-Schnelltests in allen Schulen und einen wissenschaftlichen Beirat für die Beratungen zu den Corona-Maßnahmen.

In Brandenburg wurden am Donnerstag 629 Neuinfektionen mit Covid-19 innerhalb von 24 Stunden registriert. Das sei ein trauriger Höchststand, sagte Woidke. Im Krankenhaus werden aktuell (Stand Donnerstag, 8:30 Uhr) 493 Corona-Patienten behandelt, davon 114 auf der Intensivstation.

Sendung: Antenne Brandenburg, 27.11.2020, 07:00 Uhr

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59 Kommentare

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  1. 59.

    Dankeschön.... Wir werden mit der Oma am 24. telefonieren... Mein Kind hat Weihnachten nicht mal einen Wunsch. Er möchte nur an Silvester eine Wunschrakete zu seiner verstorbenen Oma schießen, und das darf er.

  2. 58.

    Ich finde Familie Richter samt Oma sehr verantwortungsbewusst. Sie haben meinen Respekt. Bestimmt findet die Familie Wege zu telefonieren etc. Wer sagt, dass die Grossmutter verängstigt ist, vielleicht ist sie einfach nur umsichtig.
    Als Fussgänger oder Radfahrer kann in Berlin auch jeder Tag der letzte sein, deshalb gehe ich trotzdem nicht auf Parfys.
    An Famile Richter: schöne Adventszeit und alles Gute!

  3. 57.

    Ich hatte ihnen jetzt dreimal untersagt weiterhin in diesem abwertenden Ton über die Opposition im Brandenburger Landtag zu reden!
    Wenn sich In Zeiten der Pandemie die Regierungskoalition gegen den zielgerichteten Schutz der Risikogruppen ausspricht, und die Opposition ist damit nicht einverstanden, dann nörgelt sie nicht.
    Die Regierungskoalition stellt mit ihrer Entscheidungen Empfehlungen des RKI in Frage und hebelt Festlegungen der letzten MPK aus, von der Kanzlerin als allgemeinverbindlich bekannt gegeben aus.
    Repräsentieren sie die kritisierte und sich deshalb bedroht fühlende Landesregierung? Wenn nicht, sollten sie sich um die Probleme im Berliner Senat kümmern, da gibt es genug zu klären.

  4. 56.

    Für die Familien gibt es strengste Regularien, für das Abhalten von anscheinend systemrelevanten Gottesdiensten lediglich "Appelle"! So sieht die Prioritätensetzung in einem Land aus, das von
    einem bekennenden Protestanten regiert wird!
    "So wahr ihm Gott helfe!"

  5. 55.

    Was denn nun? Reden Sie von "denen da oben" oder von der "nörgelnden Opposition"? Ich sprach von der "nörgelnden Opposition", die man in solch speziellen Fällen durchaus mal ignorieren muß, um Sacharbeit leisten zu können.

  6. 54.

    "Wirklich konstruktive Kritik wurde noch nie überhört - es gibt sie halt zu selten."
    Wieder NEIN und nochmals nein. Erinnert sei an die letzte Parlamentsdebatte in BB. In Zeiten der Pandemie spricht sich die Regierungskoalition gegen den zielgerichteten Schutz der Riskogruppen aus, in dem sie Anträge der Opposition ablehnt, von zwei Fraktionen eingereicht bzw. gestützt. Ein Affront ohnegleichen. Sie stellt damit Empfehlungen des RKI in Frage und hebelt Festlegungen der letzten MPK aus, von der Kanzlerin als allgemeinverbindlich bekannt gegeben aus.
    Und jetzt erklären sie mir nicht wir in Brandenburg die parlamentarische Arbeit funktioniert.

  7. 53.

    "Da bleibt als "humanistische Gegenwehr" nur die Ignoranz."
    Das ist genau die falsche Denkweise. Was glauben sie denn, was sie damit erreichen? Das interessiert die da oben doch gar nicht.
    Kenn sie den Spruch: "Was kümmert‘s eine dicke Eiche, wenn ein kleiner Hund sie anpinkelt?" Soviel zum Thema "Wirksamkeit" von Ignoranz.
    Wenn man was erreichen will, muss man Kämpfen. Wer kämpft kann verleiren, wer nicht kämpft hat schon verloren.

  8. 52.

    Sie möchte auch nicht, daß Sie ihr Enkelkind der ebenfalls zur Risikogruppe gehören unnötig in Gefahr bringen.... Also für mich ist das akzeptabel, da er dieses Jahr schon seine andere Oma und vor 2 Jahren seinen Opa verloren hat....

  9. 51.

    ... mal liefert die Regierung weniger, mal nörgelt die Opposition weniger. Im Endeffekt gleicht es sich aus - selbst wenn nicht, kann man außerparlamentarisch durch Überzeugung solche Mehrheiten schaffen, daß es in der nächsten Legislaturperiode "besser" wird.
    Sicherlich ist es gut, wenn man in solch Situationen wie dieser Corona-Epidemie weitsichtige Menschen an Regierungsstelle hat. Allerdings ist unsere Weitsicht derzeit durch Nichtwissen einigermaßen eingeschränkt, weshalb sich ein "Reisetempo von 200 km/h" einfach nicht empfiehlt.
    Bei Kritik unterscheidet man auch zwischen kon- und destruktiv. Wirklich konstruktive Kritik wurde noch nie überhört - es gibt sie halt zu selten.

  10. 50.

    Halte ich für einen Fehler von der Oma, denn auch so ohne Corona könnte es ihr letztes Weihnachten sein, schade dass sie doch derart verängstigt wurde.

  11. 49.

    Nein, das Problem ist, dass die Regierung eben nicht "liefert". Wenn sie es täte, gäbe es keine Kritik, die sie unflätig sls nörgeln bezeichnen.

  12. 48.

    Nicht, daß wir uns falsch verstehen: dieses "Zeit rauben" wird von jeder Lebenszeit gestohlen und von mir auch so gewertet. Da bleibt als "humanistische Gegenwehr" nur die Ignoranz. Das wird ja schon an verschiedenen Stellen erfolgreich praktiziert.

  13. 47.

    Genau dafür gibt es ja das parlamentarische Prinzip! Drinnen wird demokratisch entschieden und draußen darf genörgelt werden, bis demokratische Kräfte draußen die Mehrheiten drinnen verändern.

  14. 46.

    Zu nörgeln gibt es viel. Wenn diese Truppenteile nur noch meckern und alles besser wissen dann stehlen sie anderen damit nur die Zeit. Eigene Vorschläge oder Ideen??? Völlige Fehlanzeige!!!

  15. 45.

    In Brandenburg nicht. Da werden nicht mal angezeigte vorsätzliche Verstöße geahndet (Gesundheitsministerium sieht keinen Handlungsbedarf).

  16. 44.

    In Brandenburg nicht. Da werden mal angezeigte vorsätzliche Verstöße geahndet (Gesundheitsministerium sieht keinen Handlungsbedarf).

  17. 43.

    Das parlamentarische Prinzip: die Regierung liefert, die Opposition nörgelt.
    Was gibt's daran zu nörgeln?

  18. 42.

    Feiern Sie doch einfach wie Sie es wollen.... Es kann doch sowieso keiner Kontrollieren.... Wir feiern Weihnachten ohne Oma, da Sie zur Hoch Risikogruppe gehört. Und es ihr ausdrücklicher Wunsch ist...

  19. 41.

    Vielleicht hilft irgendein Gott tatsächlich bei Corona - "der Glaube versetzt Berge". Ich warte mit dem Glauben einfach auf einen "wirklichen Gottbeweis" und verlasse mich derweil aufs Wissen.

    Wie ich hörte, wurde ein Wort von einem Mann geprägt, der sagte: "Die Kirche ist in Dir." Da dies nicht so sehr in das ökonomische Prinzip der Oberen dieser Glaubensgemeinschaft passte, versammelt man sich immernoch bei sämtlichen Gelegenheiten "im schlecht gelüfteten, feucht kalten Gemäuer".
    Es mag jeder denken und glauben, was er will. Das sollte aber niemanden davon abhalten, evidente Erkenntnisse anzuerkennen und sie nicht nur in die Realität, sondern auch in die eigene "Glaubenswelt" einzubauen.
    Wenn man den "Flat-Earthlern" getraut hätte, daß man an der Kante hinabfällt, hätten wir nie die andere Seite unserer Welt-Medaille gesehen.

  20. 40.

    Auch mich stört es nicht die Maske schon vorm Laden aufzusetzen.

    Was mich aber stört, das Verkäufer keine Maske tragen müssen

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