Torjubel bei Union Berlin (imago images)
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Union vor Spiel auf Schalke - Mit breitem Kader und Rückenwind zum Krisen-Team der Liga

Vor dem Spiel auf Schalke am Sonntag hat Union-Trainer Urs Fischer fast den kompletten Kader zur Verfügung und nach vier Punkten aus drei Spielen Grund zur guten Laune. Mit Schalke wartet das derzeit schlechteste Team der Liga. Von Simon Wenzel

Personal

Urs Fischer darf sich glücklich schätzen in diesen Tagen. Wo andere Trainer über große Verletzungssorgen, viele Nationalspieler auf Reisen und dementsprechend leere Trainingsplätze klagen, kann er fast aus dem Vollen schöpfen. Lediglich Christopher Trimmel (bei der österreichischen Nationalmannschaft), Joel Pohlanpalo (finnische Nationalmannschaft), sowie die Verletzten Nico Schlotterbeck und Anthony Ujah fehlten Unions Trainer in der Länderspielpause. "Ich glaube, wir konnten die Zeit wirklich gut nutzen", sagt Fischer deshalb.

Mit Keita Endo hat der Trainer eine spannende Alternative für die Offensive mehr und auch Routinier Christian Gentner ist nach seiner Verletzungspause zurück. Urs Fischer rechnet damit, dass der 35-Jährige das Abschlusstraining am Samstag absolvieren kann und für das Spiel auf Schalke zur Verfügung steht - einen negativen Corona-Test vorausgesetzt. Die Testergebnisse sollen diesmal übrigens schon zwei Tage vor dem Spiel, am Freitagabend, vorliegen, also noch vor Unions Abreise in den Westen.

Es fehlen: Anthony Ujah (noch im Aufbautraining nach Knie-OP), Nico Schlotterbeck (Muskelverletzung)

Die Form

Union Berlin ist mit vier Punkten aus drei Spielen im Soll. Vor der Länderspielpause feierten die Köpenicker mit dem 4:0 gegen Mainz zudem ihren bisher höchsten Bundesliga-Sieg der noch jungen Geschichte. Auch das Testspiel in der Länderspielpause gewann Union letztlich souverän mit 4:1 (1:0) gegen Hannover 96. Auffällig in den letzten Spielen: Besonders im Offensivspiel scheint das Team in dieser Saison einen Schritt nach vorne zu machen. Die Tore gegen Mainz waren teilweise sehenswert und mit flachen Pässen heraus gespielt, in der Vergangenheit ein seltenes Mittel.

Vom leicht veränderten Spielstil profitiert besonders Sheraldo Becker. Der niederländische Rechtsaußen ist einer der Gewinner des Saisonstarts bei Union. Auch Neuzugang Max Kruse zeigte in den letzten Spielen, welch herausragende Qualitäten er noch immer besitzt. "Er hat das wirklich gut gemacht", lobt ihn Trainer Fischer, der in der Offensive momentan die "Qual der Wahl" hat. Dazu stand die Defensive gegen Gladbach und Mainz wieder stabiler, als noch am ersten Spieltag bei der Niederlage gegen Augsburg. In der aktuellen Form ist Union ein unangenehmer Gegner für die meisten Bundesligateams.

Der Gegner

Das krasse Gegenteil ist bei Schalke der Fall. Die Gelsenkirchener legten einen Horror-Start in die Saison hin, mit drei Niederlagen und 1:15 Toren. Zur Ehrenrettung der Schalker sei angemerkt, dass sie auch schon gegen Bayern (0:8) und Leipzig (0:4) spielen mussten. Weil die Königsblauen bereits vor dem Spiel gegen Leipzig den Trainer gewechselt haben (David Wagner musste gehen, Manuel Baum übernahm), hat der Saisonstart nur begrenzte Aussagekraft.

In der Länderspielpause testete Schalke gegen den SC Paderborn und gewann mit 5:1. Dabei setzte Neu-Trainer Manuel Baum auf eine sowohl personell als auch taktisch veränderte Mannschaft. Besonders Mark Uth konnte mit drei Toren auf sich aufmerksam machen, er dürfte gegen Union gesetzt sein. Auch der ehemalige Unioner Steven Skrzybski bewarb sich für einen Einsatz gegen den Jugendverein - ihm gelangen zwei Torvorlagen. Urs Fischer hat sich das Freundschaftsspiel angeschaut und ist auf mögliche Taktikvariationen der Schalker vorbereitet: "Es bestehen die zwei Möglichkeiten, die wir jetzt von ihnen gesehen haben. Vielleicht überraschen sie uns aber auch mit einer dritten", sagt Fischer auf der Pressekonferenz.

Unioner im Fokus

Sportlich ist das Torwartduell eine der spannendsten Fragen. Wer wird Unions Nummer eins? Gegen Mainz stand noch Andreas Luthe im Tor, im Test gegen Hannover durfte Neuzugang Loris Karius zwischen den Pfosten stehen. Trainer Urs Fischer verriet zwar, dass er sich bereits entschieden habe, aber nicht für wen. Die Fans müssen sich in dieser Frage wohl noch bis zum Sonntag gedulden. Eines ist sicher: Leicht dürfte Urs Fischer die Entscheidung nicht gefallen sein.

Andreas Luthe stand in den bisherigen Pflichtspielen im Tor und zeigte vor allem gegen Gladbach eine starke Leistung. Da war Loris Karius allerdings auch noch nicht bei Union. Der Leihspieler aus Liverpool kam erst vor drei Wochen nach Köpenick und hätte sich wohl kaum auf eine Leihe vom englischen Meister nach Köpenick eingelassen, wenn er in Berlin nicht die Aussicht auf einen Stammplatz hätte. Dementsprechend formulierte Karius auch bei seinem ersten Medientermin am Dienstag seine Ansprüche: "Die Frage erübrigt sich einfach, weil ich in Liverpool nicht auf der Bank sitzen wollte. Natürlich ist mein Ziel zu spielen, sonst wäre ich nicht hergekommen", sagte Karius im Interview mit rbb|24.

Besonderheiten

Max Kruses Privatleben ist zum ersten Mal seit seinem Wechsel zu Union ein etwas ernsthafteres Thema in Köpenick. Am Donnerstagabend lud der Stürmer über seine Instagram-Story ausgewählte Fans zum Zocken in eine Bar ein. Der abendliche Ausflug fand mutmaßlich im Bezirk Kreuzberg, der aktuell einen 7-Tages-Inzidenzwert von über 110 aufweist, statt. Mit mehreren augenscheinlich Fremden saß Kruse in den Kurzvideos um einen digitalen Kartenspiel-Tisch versammelt und spielte um Geld.

Verbotenes gemäß der aktuellen Corona-Verordnung war auf den Videos nicht zu erkennen, darauf sei an dieser Stelle hingewiesen. Dennoch erreichte das Thema auch den Verein. Wie Urs Fischer berichtet, habe Manager Oliver Ruhnert am Freitag noch einmal eine Ansprache an die Mannschaft und das Betreuerteam gehalten. Dabei sei es darum gegangen, "dass wir uns wirklich an die Regeln halten müssen, dass wir dem Pandemielevel gerecht werden." Ruhnert sei dabei "sehr deutlich" gewesen.

 

Sendung: UM6, 16.10.2020

1 Kommentar

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  1. 1.

    TOI TOI TOI Jungs. Ihr schafft das!

    Wenigstens ein Verein ohne Star Allüren und EgoTripp. Und mit vollem Herzen auf dem Berliner Terrain.

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