"Zwölf Meter näher am Fußballgott", Slogan der SG Blau-Weiss Friedrichshain. Quelle: rbb
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Video: rbbUM6 | 24.05.20 | 18:00 Uhr | Stephanie Baczyk | Bild: rbb

Ausweichspielstätte in der Corona-Krise - Kreisligist in Friedrichshain findet "Fußballhimmel" auf Zeit

Eigentlich dürfen Berlins Fußballvereine unter strengen Auflagen wieder trainieren. Nur auf dem wohl außergewöhnlichsten Platz der Hauptstadt ruht der Ball weiter. Eine Alternative hat Blau-Weiss Friedrichshain für seinen "Fußballhimmel" mittlerweile aber gefunden.

Es ist der wohl außergewöhnlichste Fußballplatz in Berlin. Auf dem Dach der Metro-Filiale zwischen Ostbahnhof und Warschauer Straße befindet sich die Heimspielstätte von Kreisligist SG Blau-Weiss Friedrichshain. Die Vereinsmitglieder haben ihren Platz, von dem man einen wunderbaren Blick über den Berliner Osten hat, liebevoll "Fußballhimmel" getauft. Als einziger Verein in der Hauptstadt sei man "12 Meter näher am Fußballgott".  

Im Moment gibt es nur ein Problem: Obwohl der Berliner Senat in der Corona-Krise zumindest das Training in Kleingruppen eigentlich wieder erlaubt hat, ruht der Ball im "Fußballhimmel" weiter. Aufgrund der besonderen Infrastruktur der Anlage kann das detaillierte Hygienekonzept, das die Vereine weiterhin befolgen müssen, nicht eingehalten werden. Nun aber wurde wenigstens eine temporäre Alternative für die Kicker von Blau-Weiss gefunden.

Hygienekonzept für Berliner Vereine

Die derzeitigen Regeln für Berlins Amateurfußballer sind strikt: Es dürfen maximal acht Spieler und ein Trainer auf einer Platzhälfte trainieren. Die Einheiten dürfen nicht länger als eine Stunde dauern, Körperkontakt ist untersagt. Auch die Duschen und Umkleidekabinen dürfen nicht genutzt werden. Zudem müssen detaillierte Listen mit den teilnehmenden Spielern und Trainern geführt werden, um bei einer möglichen Infektion mit dem Coronavirus die Kontaktpersonen schnellstmöglich zu ermitteln. Zusätzlich müsste die Metro Personal abstellen, um die Anlage in regelmäßigen Abständen vorschriftsmäßig zu reinigen.

Das Großhandelsunternehmen ist als Inhaber des Sportplatzes für die Einhaltung des Corona-Hygienekonzepts zuständig. Die Firma sieht sich dazu in der aktuellen Situation aber nicht in der Lage. Daniel Sporbert, erster Vorsitzender der SG Blau-Weiss Friedrichshain, hat dafür Verständnis: "Die Metro muss darauf achten, dass sich ihre Besucherströme nicht kreuzen. Es ist natürlich für uns kein Vorteil, dass die Metro sich bereits an das Konzept im Einzelhandel halten muss. Es ist schon verständlich, dass es kaum möglich ist, dann noch ein zweites Konzept zu entwerfen, damit wir auf den Platz dürfen", erklärt Sporbert.

"Fußball-Asyl" bei Berolina Stralau

Trotz der strengen Auflagen und obwohl nicht auf der eigenen Anlage trainiert werden darf, möchte die SG Blau-Weiss Friedrichshain nicht auf das kleine Stück wiedergewonnenes Vereinsleben verzichten. Zwar habe man sich auch in der Corona-Pause zu virtuellen Trainings per Videoschalte getroffen und so fitgehalten, das Gleiche wie eine Einheit auf dem Platz sei das aber natürlich nicht, meint Sporbert.

Deshalb hat man sich in Zusammenarbeit mit dem Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg um eine Alternative zum "Fußballhimmel" bemüht. Eine Lösung wurde schnell gefunden. Blau-Weiss profitiert dabei von einer freundlichen Nachbarschaftshilfe. Der FSV Berolina Stralau, nur wenige Kilometer weiter östlich in Friedrichshain beheimatet, gewehrt Blau-Weiss in der Corona-Krise ein zwischenzeitliches "Fußball-Asyl".

Nur ein "Zwischenschritt"

"Natürlich waren wir zuerst enttäuscht. Wir hatten daraufhin gefiebert, endlich wieder spielen zu dürfen", sagt Sporbert. Als dann klar wurde, dass der eigene Platz weiter geschlossen bleiben muss, habe man schnell einen Plan B gesucht und gefunden. Am Sonntag war es dann soweit: Erstmals seit dem 15. März durften die ersten beiden Mannschaften von Blau-Weiss wieder trainieren. Im Anschluss ging es auch für die Frauen-Mannschaft wieder los. Ole Nowakowski, Spieler in der 1. Mannschaft von Blau-Weiss, freut sich, dass es endlich weitergeht: "Die Kommunikation mit dem Bezirksamt und Berolina Stralau war toll. Wir sind hier in der Nachbarschaft echt gut vernetzt. Es freut uns sehr, dass wir so freudig aufgenommen wurden".

Trotzdem sei es nur ein "Zwischenschritt", sagt Nowakowski. Sowohl das Training in Kleingruppen als auch das Ausweichen auf einen fremden Platz ist für den Klub keine Ideallösung. Bei Blau-Weiss hoffen sie deshalb, dass sie möglichst bald wieder in ihren "Fußballhimmel" dürfen. Wann genau das möglich sein wird, steht aber noch nicht fest.

Sendung: rbbUM6, 24.05.20, 18:00 Uhr  

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1 Kommentar

  1. 1.

    Es sind pro Platzhälfte 8 Personen erlaubt - d. h. 7 Spieler u. 1 Trainer/Betreuer/Cotrainer.

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