René Wilke und Mariusz Oleiniczak, die Bürgermeister der beiden Grenzsstädte, fallen sich auf der Brücke in die Arme. (Quelle: dpa)
Audio: Inforadio | 15.06.2020 | Interview mit René Wilke | Bild: dpa

Oberbürgermeister von Frankfurt (Oder) - Wilke zeigt sich nach Umarmung bei Grenzöffnung selbst an

Große Wiedersehensfreude herrschte bei der Öffnung der Grenze zwischen Frankfurt (Oder) und dem polnischen Słubice - weil dabei die geltenden Abstandsregeln ignoriert wurden, erstattete der Frankfurter Oberbürgermeister René Wilke nun Selbstanzeige.

Der Oberbürgermeister von Frankfurt (Oder), René Wilke (Die Linke), hat nach seinem öffentlichen Verstoß gegen die geltenden Abstands- und Hygieneregeln am Samstag nun Selbstanzeige erstattet. Wilke hatte sich nach der Öffnung der Grenze zwischen den Partnerstädten Frankfurt (Oder) und Slubice mit seinem polnischen Amtskollegen Mariusz Olejniczak umarmt.

Wie Wilke am Montag in einer Pressemitteilung bekannt gab, habe es sich trotz aller Wiedersehensfreude nach der dreimonatigen Grenzschließung um einen Verstoß gegen das geltende Abstandsgebot gehandelt. Aus diesem Grund hat der Oberbürgermeister nun beim städtischen Gesundheitsamt eine Selbstanzeige veranlasst und darum gebeten, den Vorgang ohne Ansehen der Person zu prüfen.

Wilke wird zitiert: "Unser Agieren als Repräsentanten dieser Menschen war für mich noch nie so authentisch wie in diesen drei Sekunden. Die Geste war nicht geplant, aber wichtig. Allerdings war sie auch ein Regelverstoß, für den ich einzustehen habe, wie es für jede Bürgerin und jeden Bürger unserer Stadt in einer vergleichbaren Situation wäre."

Eine Entscheidung über die rechtliche Einschätzung der Selbstanzeige werde laut Informationen der Stadt noch in dieser Woche erwartet.

Wilke plädiert für gemeinsames Vorgehen

Zuvor hatte Wilke im rbb für den Fall steigender Infektionszahlen auf ein gemeinsames Vorgehen mit der polnischen Partnerstadt Słubice plädiert. Das sagte er in einem Interview am Montag im Inforadio.

Wilke sagte, dass alle notwendigen Instrumente vorhanden seien: "Aus unserer Sicht spielt da eine Grenze keine Rolle bei dem, was jeweils zu tun ist, wenn ein Infektionsherd ausbricht. Da müssen wir hinkommen, dass das nicht nur in unseren Köpfen so ist, sondern möglichst in denen auf höheren Ebenen auch."

Der Oberbürgermeister von Frankfurt (Oder) betonte, die Kernbotschaft müsse sein, "dass man die beiden Oder-Ufer genauso wenig trennen darf, wie die beiden Spree-Ufer oder die beiden Weichsel-Ufer".

Bei Infektionen müssten, egal ob in Frankfurt oder Słubice, die gleichen Eindämmungs-Mechanismen laufen. Dazu zählten etwa die Infektionsnachverfolgung und die Abgrenzung von Clustern, sagte Wilke weiter.

Die deutsch-polnische Grenze ist seit dem Wochenende wieder offen. Wilke bezeichnete das als Moment der Freude. Auf beiden Oder-Seiten hätte er große Erleichterung festgestellt und selbst die Gelegenheit für einen Spaziergang in der Partnerstadt genutzt. 

Was Sie jetzt wissen müssen

Sendung: Inforadio, 15.06.2020, 7:05 Uhr

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16 Kommentare

  1. 16.

    Sehr vorbildlich,aber auch irgendwie alles lächerlich. Frankfurt (Oder) hatte 30 Fälle,0 Tote und die letzte Woche keinen einzigen Infizierten..

    Dass Neukölln ein Stadtteil von Frankfurt (Oder) ist,wusste ich nicht.

    Viele andere Länder wie Dänemark haben keine Maskenpflicht und ähnliche Verläufe. Mal über den Tellerrand schauen und die Sinnhaftigkeit von Maßnahmen hinterfragen.

  2. 15.

    Ist das Satire? Selbstanzeige wegen einer Umarmung. Ich fasse es nicht.

  3. 14.

    Ich war heute in Slubice und war schockiert. In den Geschäften sieht man viele Menschen ohne Maske, fast alle Polen, ist schon komisch die deutschen Touris erkennt man daran, dass sie Masken tragen. Mal sehen wann Polen die Grenzen wieder schliesst, wenn die 2. Welle kommt.

  4. 13.

    Danke! Gute Beschreibung. Probiere ich mal aus.

  5. 12.

    Na im Gegensatz zu Ihnen hoffe ich doch, dass die Meinungsfreiheit (also auch meine) nicht abgeschafft wird.

    Und dass die Maßnahmen sehr wohl noch immer ihre Berechtigung haben, zeigt heute der rbb-Bericht über einen Neuköllner Wohnblock, in dem bisher 52 Personen positiv getestet wurden.

  6. 11.

    @Alfred M.
    Bußgeld ja, politische Konsequenzen eher nein.
    Gab's bei Lindners Umarmung mit dem Weißrussischen Honorarkonsul im Borchards auch keine politischen Konsequenzen.
    Er soll wohl von der "Twitter Polizei" eine "DuDu macht man nicht" Ermahnung erhalten haben.
    Ebenso sind bisher keine weiteren Konsequenzen fürs Nobelrestaurant bekannt.
    https://www.tagesspiegel.de/berlin/polizei-justiz/verstoss-gegen-corona-regeln-polizeieinsatz-im-borchardt-lindner-entschuldigt-sich-fuer-umarmung/25839422.html

    So verschafft man sich politischen Verdruss in der Bevölkerung, die scheinbar "dort oben" keinen interessiert.
    Lindner hat sich ja nicht einmal selbst angezeigt !

  7. 10.

    Ich hoffe das für solcherart Kommentare auch mal saftige Strafen eingeführt werden.
    Wie kann man bei einer minus Sterblichkeit von 5% im Gegensatz zum Vorjahr, immer noch von irgendwelchen richtigen Maßnahmen sprechen, schauen sie überhaupt Nachrichten oder picken sie sich nur die zu ihnen passenden Horrormeldungen raus?

  8. 9.

    Wie bitte?! Diese Aktion war NICHT geplant! Da sind eben Emotionen durch gekommen. Wenn sie meinen, er müsste jetzt Konsequenzen ziehen, da müsste aber vieler unserer Politiker das gleiche tun. Denken Sie bloß mal an den überfüllten Fahrstuhl mit Herrn Spahn. Nur war da die Pandemie auf dem Höhepunkt, jetzt haben wir fast 0 Infektionen in dieser Gegend. Also nicht immer alles so eng sehen!

  9. 8.

    Also dass wegen einer solchen menschlichen Gefühlsregung eine Anzeige aus Angst vor medialer Ächtung und politischer Zurechtweisung erfolgr, sagt viel über den Zustand unseres Bewusstseins aus.
    Ich fand gut, was er gemacht hat. Also den Drücker.

  10. 7.

    Ein Ausbruch der Gefühle... verständlich.
    Es ist ein Ausnahmezustand, höhere Gewalt.
    So etwas ist menschlich und es ist ohne Vorsatz geschehen und sollte nicht bestraft werden.

    Gruß aus Berlin

  11. 6.

    Ich finde, das geht gar nicht.
    Solange staatlich verordnete Abstandsregeln gelten (und die haben ja nun wirklich ihre Berechtigung), muss sich der Bürgermeister doch allein schon in aufgrund seiner Vorbildfunktion dran halten !!!
    Kein Wunder, wenn das alles von vielen nicht ernst genommen wird.
    Ich hoffe, dass das für ihn, neben einem saftigen Bußgeld, auch politische Konsequenzen hat.

  12. 5.

    Alle Achtung! Ein Politiker, der seine Handlung ( spontanes Fehlverhalten ) nicht nur wahrnimmt, sondern diese auch selber zur Anzeige bringt. Der Pole wird das wahrscheinlich nicht machen, da die Strafen dort höher sind.

  13. 4.

    Hallo Enric, nach Überschreiten der Stadtbrücke in Slubice rechts auf dem Oderdeich bis zum Slubicer Hafen spazieren. Dort rechts abbiegen und hinter dem Hafen wieder rechts abbiegen. Ab jetzt bitte in Richtung Oder spazieren. Nun kannst du das ganze Panorama, die Skyline von Frankfurt (Oder) geniessen. Indem du nach Süden weitergehst, kommst du alsbald an einen Wald, der bis ans Oderufer reicht. Den Weg am Ufer entlang spazieren und seinem Verlauf durch den Wald folgen. Irgendwann erreichst du eine Bahnunterführung. Dort biegst du links ab und wanderst zurück nach Norden in Richtung Slubice. Auf dem großen Basar erwarten dich leckere Speisen, Bier, Kaffee etc. pp.
    Den Weg zurück nach Frankfurt findest du auf dem oben beschriebenen Oderdeich, von dem aus du Frankfurt bereits sehen kannst.

  14. 3.

    Sehr menschlich, kann ich absolut nachvollziehen! Und wieviele drücken sich wieder, egal ob Freunde oder nahestehende Angehörige.

  15. 2.

    Hä?? In Slubice gibt es genau so eine Promenade!! Nicht immer nur gleich auf den Zigarettenpreis gucken, sondern sich auch für die Gegend interessieren!!! Im übrigen finde ich die Idee von Herrn Wilke prima!!! Da haben die Frankfurter wirklich einen guten Politiker!

  16. 1.

    Wo kann man denn in Slubice spazieren gehen? In dieser Pseudo Fußgängerzone. In Frankfurt an der Oder gibt es ja wenigstens eine Promenade und ein kleine Insel. Viel mehr aber auch nicht.

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