Internationaler "Orange Day" - Wie von Gewalt betroffene Frauen "Red Flags" erkennen und Hilfe finden

Sa 25.11.23 | 12:01 Uhr
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Symbolbild: Eine Frau liegt mit der Hand vor ihrem Gesicht zusammengekauert auf einem Bett. (Quelle: dpa/Troyan)
Audio: rbb24 Inforadio | 25.11.2023 | Victoria Schloder | Bild: dpa/Troyan

Die meisten denken bei Gewalt gegen Frauen an körperliche Übergriffe, doch häusliche und partnerschaftliche Gewalt fängt oft subtiler an. Wie Betroffene "Red Flags" erkennen, wo sie Hilfe finden und wie Angehörige und Bekannte unterstützen können. Von Jenny Barke

Manchmal kann der Weg in eine gewalttätige Beziehung mit einem gut gemeintem Vorschlag beginnen. Eine Frau möchte mit dem Rauchen aufhören, der Partner empfiehlt ihr, sich nicht mehr mit der rauchenden Freundin zu treffen. Eine Frau möchte abends das Haus verlassen, der Partner empfiehlt ihr, zu Hause zu bleiben, weil es im Dunkeln zu gefährlich sei. Es sind zwei von vielen Fällen, der Sama Zavaree in ihrer Praxis begegnen. Sie ist Koordinatorin bei der Berliner Initiative gegen Gewalt an Frauen BIG e.V. Täglich rufen bei der Initiative Frauen an, die Schutz, Hilfe oder Beratung suchen.

"Die meisten denken an körperliche Gewalt, an das Schlagen, Schubsen, Treten. Dabei beginnt Gewalt bereits dann, wenn es ein Ungleichgewicht gibt", erklärt Zavaree. Meist werde die Person heruntergemacht, herabgesetzt, beschimpft und lächerlich gemacht.

Die vielen Facetten der Gewalt

Gewalt kann sich in verschiedensten Formen ausdrücken. So unterscheiden Expertinnen und Experten unter anderem zwischen sozialer, psychischer, digitaler und sexueller Gewalt.

Einer Frau ihrem Umfeld zu entziehen, wie in den anfänglichen Beispielen, gehört zur sozialen Gewalt. Sukzessive wird die Frau von ihren Angehörigen und Freunden getrennt. "Ein eindeutiger Indikator ist, wenn das Umfeld schlecht gemacht wird", so Zavaree. Es fielen dann Sätze wie 'Triff doch deine Schwester nicht, du hast dich doch sowieso immer über sie beschwert!'. Dann werde oft der Druck erhöht, Kontrollanrufe folgten, das Handy werde überwacht.

Auch wirtschaftliche Gewalt spielt oft eine Rolle, ebenfalls kann diese subtil beginnen: Der Partner mimt den Gönner und Versorger, empfiehlt der Frau, zu Hause zu bleiben, teilt ihr Haushaltsgeld zu. "Dann wird das Thema Arbeiten immer abstrakter, auch, weil der Typ gesagt hat: 'Das schaffst du nicht, ich biete dir ein gutes Leben!', und die Frau traut sich das Arbeiten nicht mehr zu."

Red Flags erkennen

Weil sich das Ungleichgewicht oftmals langsam aufbaut und subtil ist, zweifeln viele Frauen anfangs daran, Betroffene von Gewalt zu sein. Diese Entwicklung beschreibt auch Ev von Schönhueb. Sie ist Sozialarbeiterin bei der Berliner Fachberatungs- und Interventionsstelle Frauenraum. Wie Sama Zavaree steht sie von Gewalt betroffenen Frauen beratend zur Seite. "Trotz der Gewalt ist da immer noch derselbe Mensch, da ist immer noch Liebe trotz der Tat und für die Frauen ist es sehr schwer, sich daraus zu lösen", sagt von Schönhueb.

Der erste Schritt heraus aus der Gewalt ist es deshalb, diese als solche erkennen zu lernen. "Wichtig ist, dem eigenen Gefühl zu trauen und sich nicht zu fragen, ob das normal ist oder nicht. Wenn ich mich das frage, dann ist schon etwas im Argen", sagt Zavaree. Sogenannte Red Flags, also Warnzeichen in einer Beziehung seien zum Beispiel wiederholte Aufforderungen, etwas zu tun, was die Frau nicht möchte. "Wenn sie aufgefordert wird, bestimmte Kleidung zu tragen, Alkohol zu trinken oder Drogen zu konsumieren, beim Sex gefilmt zu werden - wenn die Frau das nicht will, dann ist es Nötigung."

Ins Handeln kommen

In einer nächsten Eskalationsstufe wiederholen sich diese Muster. Erst wird die Frau schlecht gemacht, dann folgt die Entschuldigung. Erst gibt es einen schlimmen Streit, der völlig unverhältnismäßig wirkt, dann folgen rote Rosen. Erniedrigung, Entschuldigung, Erniedrigung, Entschuldigung.

Von außen betrachtet mag es leicht sein, über dieses toxische Verhalten zu urteilen. Doch die Expertinnen warnen davor, Frauen dafür zu verurteilen, die die Mechanismen nicht erkennen oder ihnen nicht so leicht entfliehen können. "Gewalt gegen Frauen richtet sich gegen alle Frauen, jeden Alters und ist gesellschaftlich in allen Schichten vertreten", sagt von Schönhueb. Und Zavaree ergänzt: "Zum Beispiel in einer gutbürgerlichen Beziehung nach zehn Jahren zu sagen, ich habe die ganze Zeit Gewalt erlebt, ist extrem schambehaftet."

Dabei sei es enorm wichtig, dass Betroffene sich anderen Menschen anvertrauen. Da seien Verurteilungen kontraproduktiv, kritisiert von Schönhueb: "Zum Teil üben dann die Angehörigen der Frauen Druck aus, dass die Frau die Familie nicht zerstören soll. Dabei ist es doch eigentlich andersrum bei häuslicher Gewalt: Der Mann zerstört die Familie." Auch Zavaree beobachtet diese Dynamiken: "Viele aus dem Umfeld fragen die Frauen dann: 'Warum bist du nicht früher gegangen?' Dabei sollten wir als Freundinnen, Schwestern, als Gesamtgesellschaft diese Frage gar nicht so stellen."

Schritt für Schritt im Tempo der Frau

Stattdessen sollten ins Vertrauen gezogene Personen dabei unterstützen, dass die Betroffenen kleine Schritte gehen. Zum Beispiel ein unverbindliches und anonymes Beratungsgespräch bei BIG e.V. oder dem Berliner Frauenraum vereinbaren, könne ein erster Schritt sein, sagt BIG-Koordinatorin Zavaree: "Ganz wichtig ist uns, dass die Frauen wissen, dass wir ihnen glauben. Und wir helfen ihnen bei allem, der Anzeige bei der Polizei und der Rechtsberatung, der Wohnungssuche. Aber alle Entscheidungen liegen bei der Frau."

Auch die gesamte Gesellschaft sei bei der Unterstützung in der Verantwortung, sagt von Schönhueb: "Wenn ich als Nachbarin oder Nachbar etwas mitbekomme, sollte ich mich einmal mehr trauen, die Polizei zu rufen. Dann hat die Frau selbst nicht die Polizei gerufen und bekommt nicht den Zorn des Partners ab. Es kann dann ein Missverständnis sein, aber manchmal sind diese Notrufe auch lebensnotwendig und lebensrettend."

Zahlen häuslicher Gewalt nehmen seit Jahren zu

Die Zahl der Fälle von häuslicher Gewalt nehmen seit Jahren zu. In einem im Sommer veröffentlichten Lagebericht des Bundesinnenministeriums [bmi.bund.de] wurden vergangenes Jahr 240.547 Opfer registriert - im Schnitt 659 Fälle täglich. Das entspricht einem Anstieg um 8,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr 2021. 71,1 Prozent der Opfer waren weiblich.

Bei der Partnerschaftsgewalt waren im vergangenen Jahr 80,1 Prozent der Opfer weiblich. In 39,5 Prozent der Fälle ging die Gewalt demnach von ehemaligen Partnerinnen und Partnern aus, in 31,1 Prozent von Ehepartnerinnen und Ehepartnern, in 29,1 Prozent von Partnerinnen und Partnern nichtehelicher Lebensgemeinschaften.

Studienlage zu häuslicher Gewalt dünn

Unklar bleibt, warum die Zahlen steigen. Es könnte an einer gestiegenen Anzeigenbereitschaft liegen oder an einer tatsächlichen Zunahme der Gewalt. Doch die Studienlage dazu ist dünn, kritisiert Elisabeth Oberthür von der Frauenhauskoordinierung. Der Verein mit Sitz in Berlin unterstützt Frauenhäuser und Fachberatungsstellen bundesweit, versucht das Hilfesystem weiterzuentwickeln und die Forderungen der Frauenhäuser in die Politik zu tragen. "Es gibt ganz viele Fragen, wo wir, um sinnvolle Maßnahmen zu ergreifen, zunächst valide Daten zu den kausalen Zusammenhängen benötigen", sagt Oberthür.

Ihre Liste an Beispielen ist lang: Es gebe keine Erfassung, wie viele Frauen jedes Jahr nicht in Frauenhäusern aufgenommen werden können. Es gebe in Deutschland nicht ausreichend systematische Erfassung zu Femiziden und ihren Vorgeschichten – die wichtig wäre, um die Tötungen verhindern zu können. Es gebe in den polizeilichen Statistiken keine Auskünfte, wie Gewalt an Kindern, Familienmitgliedern oder neuen Partnern mit Fällen von Partnerschaftsgewalt zusammenhängt.

Das größte Defizit sieht Oberthür beim Dunkelfeld. Das Hellfeld zeigt nur die gemeldeten Fälle der polizeilichen Kriminalstatistik. Die aktuellste Studie über das Dunkelfeld in Deutschland ist von 2005 [bmfsfj.de]. Letztmalig valide Daten zum Dunkelfeld wurden EU-weit 2012 erhoben [fra.europa.eu]. Damals hatte jede dritte Frau angegeben, seit ihrem 15. Lebensjahr körperliche und/oder sexuelle Gewalt erfahren zu haben. Die Zahlen sind lange überholt - und auch noch sehr geschlechterbinär erfasst. "Eine neue Studie sollte beispielsweise auch auf Gewalt gegen queere Menschen oder TIN*-Personen* eingehen", wünscht sich Oberthür.

Das Bundesinnenministerium hat im Sommer gemeinsam mit dem BKA eine neue Dunkelfeldstudie gestartet. Erste Ergebnisse werden für 2025 erwartet.

Zu wenig Plätze im Frauenhaus, zu weit entfernt, nicht barrierefrei

Neben Studien fehlt es auch an Plätzen für gewaltbetroffene Frauen. Die Istanbul-Konvention des Europarats ist ein internationales Abkommen zur Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt gegen Frauen und Mädchen. Seit 2018 in die Konvention auch in Deutschland geltendes Recht. Die Istanbul-Konvention empfiehlt, pro 10.000 Einwohnern einen Familienplatz im Frauenhaus zu schaffen. Ein Familienplatz sind 2,5 Plätze, für eine Frau und 1,5 Kinder - so die Statistik. Theoretisch müsste Berlin also 900 Frauenhausplätze anbieten, kommt aber trotz eines neu eröffneten Frauenhauses nur auf knapp die Hälfte der Plätze.

Je nach Infrastruktur müssten gefährdete Frauen im ungünstigsten Fall mehrere Stunden per Stunden Bus und Bahn fahren, so Oberthür. Und bis Anfang des Jahres galt in dem Flächenland auch noch, dass sich Frauen an den Kosten im Frauenhaus beteiligen mussten - pro Platz etwa zehn Euro pro Person und Nacht. "Wir brauchen nicht nur mehr Plätze, sondern auch eine andere Qualität der Plätze. Sie müssten für alle Frauen ungeachtet ihrer Lebenssituation kostenlos und barrierefrei zugängig sein, egal, wo in Deutschland sie leben." Die wenigsten Frauenhäuser seien beispielsweise für Frauen mit körperlichen Behinderungen zugänglich.

Misogyne Strukturen in der Gesellschaft

Doch das sei keine Aufgabe, die Berlin oder Brandenburg allein lösen könnten. Dafür bräuchte es aus Sicht der Frauenhauskoordinatorin dringend eine bundesweite einheitliche Gesetzgebung für eine langfristige Finanzierung. "Es darf nicht davon abhängen, wo man lebt, zu welchen Bedingungen man Schutz findet." Es sei in Deutschland noch nicht angekommen, dass das eine gesamtgesellschaftliche und ressortübergreifende Aufgabe sei. "Das ist nichts, was ein kleines Bundesfamilienministerium tragen kann, was traditionell eher wenig Budget hat. Das ist auch eine Frage der inneren Sicherheit und eine justizielle Frage."

Vor Jahresende beraten Kommunen, Länder und Bund über eine solche bundeseinheitliche Regelung - im Koalitionsvertrag der Ampel [spd.de] ist verankert, dass das Hilfssystem ausgebaut werden soll.

Dass der Kampf gegen häusliche Gewalt nur so schleppend vorangeht, hängt Sama Zavaree von BIG e.V. zufolge mit den misogynen, also frauenfeindlichen Strukturen in der Gesellschaft zusammen. "Wir leben in einem System, in dem Frauen weniger wert sind." Auch für sie ist diese Beobachtung in ihrer täglichen Arbeit herausfordernd. Um ihre professionelle Distanz zu wahren, hilft es ihr, auf die Missstände öffentlich aufmerksam zu machen.

Männer in Verantwortung nehmen

Zavaree wünscht sich nicht nur mehr Frauenhausplätze und eine bessere Forschung. Sondern auch, dass der Blick nicht immer nur auf die Opfer, sondern auch auf die Täter gerichtet wird. "Wir müssen darüber sprechen, dass die Täter in die Verantwortung genommen werden müssen." Dies könne geschehen, indem nicht die Frau die gemeinsame Wohnung verlassen muss, sondern der Mann. Oder dass es mehr Beratungsstellen für gewalttätige Männer gebe. In Berlin gibt es derzeit nur zwei davon.

Und auch die Gerichte müssten sich besser mit den Dynamiken häuslicher Gewalt auseinandersetzen, sagt von Schönhueb. "Wir erleben oft, dass Gerichte es so darstellen, als wäre die Gewalt etwas nur zwischen Mann und Frau und hätte nichts mit den Kindern zu tun." Das Sorgerecht bleibt trotz laufender Strafverfahren gegen den gewalttätigen Partner oft weiterhin geteilt. "Natürlich hat der Vater ein Recht auf Umgang. Aber Kinder erleben die häusliche Gewalt zu Hause oft mit, und ein Aussetzen des Umgangs kollidiert mit den Väterrechten." Vor den Entscheidungen des Familiengerichtes über Sorgerecht und Umgang sollte deshalb stehen, Druck auf den gewaltausübenden Mann auszuüben, zum Beispiel mit der Auflage, dass Männer in Antigewaltkurse gehen. "Nur dann kann die Familie auch erstmal zur Ruhe kommen."

*TIN*-Personen: trans*, inter* und nicht-binäre* Menschen

Sendung: radioeins, 25.11.2023, 6 Uhr

28 Kommentare

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  1. 28.

    "... um sie (die Kinder) zu schützen gibt der Klügere nach, bevor los geprügelt wird."???
    "Willi" hat überhaupt nicht verstanden, wo die Zusammenhänge/Ursachen liegen! Deshalb den ganzen Beitrag nochmal gewissenhaft lesen.
    Der Gewalttäter ist mit Sicherheit nicht der Klügere. Weshalb soll da die Person in der Opferrolle nachgeben? Geprügelt wird doch sws, dann ebend etwas später. Schlägertypen hören damit nie auf - jedenfalls nicht ohne eine Therapie.
    Und wieso überhaupt einem Gewalttäter nachgeben? Nochmal zum Mitschreiben: VIERMAL soviel wie Frauen sind Männer die Täter und wie bei Krankheiten muss die Ursache beseitigt werden, nicht nur die Symptome!!

  2. 27.

    Statistiken helfen leider nicht das Problem zu beheben. Es stimmt, nicht nur Männer sind Täter. Es geht um verantwortungsvolles Miteinander! Dies sollte den Kindern von beiden Seiten vorgelebt werden, denn sie sind mit 50% zu 50% dazwischen. Ich denke um sie zu schützen gibt der Klügere nach, bevor los geprügelt wird.

  3. 26.

    Nur, das Männern eher geholfen wird, bzw. sie mehr Möglickeiten haben, sich helfen zu lassen.
    Es sind meist die Männer, die einen Mietvertrag unterschrieben haben und damit die Frauen diejenigen sind, die dann um ihrer Sicherheit willen bei der Flucht "obdachlos" sind und werden.
    Es sind zu 99% Frauen, die einen Beruf ausüben, der nah am Mindestlohn liegt und sie damit kaum Möglichkeiten haben, eine Wohnung zu bekommen, geschweige denn, sie Ausstatten zu können.
    Und Zitat Rosa, so wie sie es darstellen: "Organisieren Sie und Ihresgleichen Ihren eigenen Aktionstag, dann haben sie meine volle Unterstützung."

  4. 25.

    Das bestreitet hier niemand. Es war nur nicht das Thema. Und ob Sie es wahr haben wollen oder nicht: Bei den Tätern jeglicher Art von Gewalt - physisch, psychisch, sozial, verbal - stellen Männer den weitaus größeren Anteil.
    Ihre Ignoranz ist zum Erbrechen und für jedes Opfer männlicher Gewalt (80%!), das hier mitliest, der blanke Hohn. Relativieren, negieren, untern Teppich kehren - typisch männlicher Chauvinismus.
    Lesen Sie die PKS, Sie armes "Opfer" - da stehen die Fakten - ohne Dunkelziffer, denn sonst wäre das Verhältnis noch extremer.

  5. 24.

    Das wird hier nicht "abgestritten". Jedes Opfer ist ein Opfer zuviel, aber Sie schreiben es ja selber, das Verhältnis ist 20% zu 80%. Und die körperlich unterlegenen und damit schwächeren sind dann eben die Frauen. Männern, die betroffen sind, muss natürlich genauso geholfen werden, das ist doch unbestritten. Aber die Mehrzahl sind nur mal Frauen.

    "Damals hatte jede dritte Frau angegeben, seit ihrem 15. Lebensjahr körperliche und/oder sexuelle Gewalt erfahren zu haben."
    Jede dritte Frau, einfach mal auf sich wirken lassen: jede DRITTE. Wieviele davon werden wir wohl in unserem Bekanntenkreis haben, von denen wir es nicht wissen? Ich finde diese Zahl erschreckend.

  6. 23.

    Mir ist beim lesen auch aufgefallen, dass besonders darauf hingewiesen wird, dass die Gewalt schon psychisch einsetzt. Stück für Stück. Das dies den Männern so vorgeworfen wird ist nur dadurch zu erklären, dass es um den Internationalen Tag gegen Gewalt gegen Frauen handelt. Was aber durchaus Fragen zu den Geschlechtern aufwirft die auszuhalten sind. Besonders wenn dies sonst immer thematisiert wird. Sogar in der Grammatik. Besser man behandelt dies in der Mehrzahl geschlechtsneutral. So als Kompromiss. Im richtigen Plural ist das leicht, kurz und richtig. Denn es ist im Ursprung der Gewalt eine Kopfsache: Eigentum an Menschen kann nicht erworben werden. Egal welches Alter Menschen gerade haben.

  7. 22.

    Nach Polizeistatistik sind 20% der Opfer von häuslicher (körperlicher) Gewalt Männer. Ich bin doch erstaunt, mit welcher Vehemenz das abgestritten wird. Dabei geht es nicht um ein Abwiegeln der Gewalt gegen Frauen, sondern um ein Aufzeigen, daß es auch Frauen gibt, die Täterinnen sind und Männer, die Opfer sind.

  8. 21.

    Darum ging es aber heute nicht. Nehmen Sie doch bitte einfach zur Kenntnis, dass Frauen das Recht haben, zu protestieren und Schutzmaßnaehmen für sich einzufordern, die DE mit der Unterzeichnung der Istanbul-Konvention schon 2018 zugesichert hat. Da ist bis heute nichts passiert. Die Zahlen steigen nwv und die Finanzierung von Frauenhäusern etc. wurde sogar gekürzt!
    Organisieren Sie und Ihresgleichen Ihren eigenen Aktionstag, dann haben sie meine volle Unterstützung.
    Männer, die Ihr Ego bei diesem Thema in den Vordergrund rücken, gehören oft zum Täterkreis.

  9. 20.

    "Es gibt aber auch die Fälle, wo sich die gegenseitige Gewalt kontinuierlich hochschaukelt. Das muss man anerkennen, bevor es soweit kommt."
    Das kommt mit ziemlicher Sicherheit sogar vor aber: wer ist denn im Zweifelsfall dann der stärkere, falls es zu körperlicher Gewalt kommt? Die Frau? Wohl kaum.
    Und nur, weil Sie Opfer beider Seiten kennen, heißt es ja nicht, dass die Statistiken nicht stimmen.
    Anscheinend haben Sie wirklich schlechte Erfahrungen gesammelt.

  10. 19.

    "Im Scheidungsfall ziehen zum Beispiel meist Männer den kürzeren, wenn Frauen die Kinder als Waffe missbrauchen."
    Diese Ausdrucksweise macht mich sehr nachdenklich. Kinder als Waffen? Welche normal denkende Frau würde so etwas tun? Wenn Sie Ihre eigenen Kinder als "Druckmittel" benutzen sollte, dann ist doch meistens vorher schon einiges passiert, was solch ein Verhalten dann u.U. als Konsequenz nach sich zieht. Was nicht bedeutet, dass es auch mal sehr ungerecht dem Mann gegenüber sein kann, das ist klar.

  11. 18.

    "Dabei geht diese bei Weitem nicht nur von Männern aus. Da Frauen in der Regel körperlich unterlegen sind, wird diese Form der Gewalt all zu oft gegen Männer angewendet....."
    Das war genau das, was ich in meinem ersten Kommentar gewünscht hatte, dass es nicht passieren soll, das Relativieren. Merken Sie es selber gar nicht, was Sie da gerade tun? Anscheinend haben Sie schlechte Erfahrung gemacht oder kennen jemanden und sollte es so sein, dann tut mir das leid.
    Aber Fakt ist nun mal, dass es viel mehr Frauen passiert als Männern. Warum fällt es so schwer, das zu akzeptieren?

  12. 17.

    Das ist nicht korrekt! 80% körperlicher (!) häuslicher Gewalt sind Frauen. Der Anteil nichtphysischer Gewalt ist gar nicht genau erfasst und es gibt eine extrem hohe Dunkelziffer. Ich kenne Opfer beider Seiten, da ist keine besser. Was Sie hier als Gejammer abtun, ist leider typisch für unsere Gesellschaft und eine bedeutende Ursache, dass betroffene Männer keine Hilfe suchen oder sogar schlimmstenfalls dann körperlich reagieren. Ja es gibt sie, die dumpen Schlägertypen und die, die aus übersteigerter Eifersucht zuschlagen. Es gibt aber auch die Fälle, wo sich die gegenseitige Gewalt kontinuierlich hochschaukelt. Das muss man anerkennen, bevor es soweit kommt.

  13. 16.

    Dann können Sie stolz auf sich sein und sich auf die Schulter klopfen. Alles was Sie schreiben stimmt soweit, was den Täter anbelangt. Ich befürchte nur, Menschen merken sehr wohl auch was bei dem Opfer ( wie z.B. Ihre Mutter) und da müsste die Hilfe anfangen. Ich weiß, dass es verdammt schwierig ist und Sie schreiben es ja selbst: niemand hat Ihnen geglaubt. Genau das muss sich ändern, so schnell es geht. Ich wünsche Ihnen alles Gute für die Zukunft und bleiben Sie stark, Sie haben es verdient und können stolz auf sich sein.

  14. 15.

    Ihr Gejammer ist ja unerträglich. Wie immer Täter-Opfer-Umkehr! 80% der Opfer sind weiblich, aber nur 21% sind Täter.
    Lt. UN 89.000 Femizide weltweit. Das sind fünf Frauenmorde pro Stunde! Da bildet DE keine Ausnahme: Jeden dritten Tag wird eine Frau vom(Ex-)Partner umgebracht!
    Deshalb geht es bei diesem Aktionstag mal ausschließlich um Frauen.

  15. 14.

    Das Problem ist, nach außen fällt das nicht auf. Der "ach so böse" Täter wirkt außer Haus auf andere unheimlich sympatisch und hilfsbereit, so das man ein soches handeln ihm nicht zutraut. Selbst als Kind erlebt. Selbstmordversuche, von zu Hause abgehauen. Und selbst als ich meine eigwene Wohnung hatte wurde ich kontrolliert mit dem Tenor "vielleicht hat sie wieder Tabletten genommen".
    Ergebnis des ganzen: über 40 Jahre Depressionen und eine kräftige PTBS, da mir immer beigebracht wurde das ich meine Wut nie an meinem Vater herauslassen durfte (also verletzte man sich selbst).
    Und echt, niemand (bis auf meine Mutter, die genauso hilflos war), niemand hat einem geglaubt.
    Erst jetzt habe ich endlich adäquate Hilfe gefunden und bekommen - uffffff.

  16. 13.

    Absolut richtig! Gerade das Thema der psychischen und sozialen Gewalt wird all zu oft übersehen. Dabei geht diese bei Weitem nicht nur von Männern aus. Da Frauen in der Regel körperlich unterlegen sind, wird diese Form der Gewalt all zu oft gegen Männer angewendet, während Männer oft körperlich werden. Beide Formen sind zutiefst a zulehnen und sollten Alarmzeichen sein, aber auch von der Gesellschaft enttabuisiert werden. Denn oft gelten Männer noch ausschließlich als Täter, aber eine Opferschaft wird verleugnet und ist auch meistens mit Scham belegt. Auch Frauen können äußerst fies und subtil agieren. Wir müssen sämtliche Gewalt ablehnen und auch Hilfsangebote für alle schaffen, genau wie ein Bewusstsein für das Thema. Im Scheidungsfall ziehen zum Beispiel meist Männer den kürzeren, wenn Frauen die Kinder als Waffe missbrauchen.

  17. 12.

    Opfer häuslicher Gewalt sollten mehr Anlaufpunkte bekommen. Nicht nur für Frauen, auch Männer sind betroffen. Psychische Gewalt sollte unbedingt mehr Beachtung finden. Kinder, die in diesen gewaltbelasteten Beziehungen leben, sind hochgradig mitbetroffen.

  18. 11.

    Helfen, ja, und zwar beiden bzw. allen. Beiden (Partnern) wie im Projekt, in dem Männern mit Päderastieneigung anonym durch Therapie und Prävention geholfen wird, wie auch den Frauen und Kindern, damit sie nachhaltig andere Strukturen erleben und dort neu eingebettet leben.

    Und auch dem Umfeld, der Familie, die ja wirklich oft mit Fragen kommt wie "Warum hast du nicht "einfach" …? – auch Freunde und Familie wissen oft nicht, was wirklich hift, auch sie könnten Anlaufstellen und Hilfe gebrauchen. Ähnlich wie bei Trauerbewältigungsstellen.

    Letztlich aber hilft nur, unser Gesellschaftssystem von der (v. a. unsichtbaren) Gewalt zu befreien, so viel wie nur irgend möglich. Da ist noch sehr viel Luft nach oben.

  19. 10.

    Das ist noch ein Appell an uns alle, denn "wir" SIND die Gesellschaft; obwohl es Täter in der Regel versuchen, sich zu verstecken, gibt es erkennbare Merkmale für ein solches Verhalten: wir müssen uns einfach zutrauen, diese zu erkennen und dann eben auch mal couragiert handeln. Das sind wir den Opfern einfach schuldig, finde ich jedenfalls. Also nicht wegschauen, sondern helfen! Das wäre auf alle Fälle schon der erste Schritt in die richtige Richtung.

  20. 9.

    Krass, dass es so etwas überhaupt geben muss: Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen.
    Ob das eine wirkmächtigere Wahl für den Berliner Feiertag gewesen wäre?

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