Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach am 12.05.2020 beim rbb-Talk Wir müssen reden. (Quelle: rbb)
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Video: rbb|24 | 13.05.2020 | Material: rbb Bürgertalk - Wir müssen reden! | Bild: rbb

"Gipfel der Unerträglichkeit" - Eltern üben massive Kritik an Steinbachs Corona-Äußerungen

"Noch kein Wahnsinns-Ausnahmezustand - gerade mal 14 Tage länger als die Sommerferien": Der Brandenburger Wirtschaftsminister Steinbach hat sich im rbb über Elternprobleme in der Corona-Krise geäußert - und damit geballte Kritik hervorgerufen.

Mit Äußerungen zu der Situation arbeitender Eltern in der Corona-Krise hat der Brandenburger Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) in sozialen Medien empörte Reaktionen ausgelöst. Beim rbb-Bürgertalk "Wir müssen reden" am Dienstagabend hatte Steinbach durchblicken lassen, dass er die Betreuungsprobleme für nicht so groß halte und zudem finanzielle Unterstützung für Eltern abgelehnt.  

Angesichts der Sorgen vieler Eltern von Kita- und Schulkindern, die sich in der Corona-Krise mit der Kinderbetreuung im Homeoffice allein gelassen fühlen, hatte Steinbach gesagt: "Wir sind im Augenblick in einer Situation, die ist gerade mal 14 Tage länger als die Sommerferien." Das sei noch kein "Wahnsinns-Ausnahmezustand". Steinbach fügte hinzu: "Ich würde mich freuen, wenn zum Teil die Eltern auch mal wieder ihre Kinder richtig kennengelernt haben."  

Steinbach lehnt Corona-Kindergeld ab

Die Forderung nach einem sogenannten Corona-Kindergeld für jene Eltern, die finanzielle Einbußen oder Verdienstausfälle durch die Schließung von Kitas und Schulen erleiden, lehnte Steinbach ab. Es dürfe kein "Schmerzensgeld" gezahlt werden für die Anstrengungen zu Hause, sagte er im rbb. "Ein Kind ist kein Wirtschaftsgut, für das eine Kompensation gibt."

Man könne aber über angemessene Sachleistungen sprechen, etwa bei privaten Betreuungsmöglichkeiten. Die Zahlung eines freien Betrages zur freien Verfügung lehnte der Minister aber ab. "Wenn, dann muss es eine Zweckbindung sein, die ganz klar an der Stelle auch beim Kind landet und nicht die Haushaltskasse auffüllt", so Steinbach.

Auf die Sorgen von Katharina Mahrt, Mutter und Vertreterin der Initiative Kitakrise Berlin und ebenfalls Teilnehmerin des Bürgertalks, und Mahrts Argument, dass auch für im ersten Lebensjahr eines Kindes Elterngeld gezahlt werde, antwortete Steinbach: "Ich hoffe, dass Sie sich nicht ein Kind angeschafft haben, weil wir es als Vater Staat für sie attraktiv gemacht haben."

"Schlag ins Gesicht dieser Eltern"

Kritik an Steinbachs Äußerungen kommt von der Linksfraktion im Brandenburger Landtag. Deren Vorsitzende Kathrin Dannenberg sprach am Mittwoch mit Blick auf Steinbach von einem "Schlag ins Gesicht dieser Eltern". Sie forderte von der Landesregierung außerdem ein soziales Netz, das niemanden zurücklasse.

Vor allem auf Twitter wird Steinbach für seine Aussagen kritisiert. "Sie vergleichen den Lockdown ohne Kontakt zu Oma/Opa, Freunden, ohne wirkliche Bildungsförderung und das gewohnte Umfeld in Kita und Schule mit einer Feriensituation? Sie verhöhnen die berufliche und familiäre Leistung von Familien, dem Rückgrat der Gesellschaft!", schreibt Userin Helen Zeidler. Sei bezeichnet Steinbachs Aussagen als "Gipfel der Unerträglichkeit". Daneben kommentieren User: "Selten sowas Respektloses und Weltfremdes gelesen" oder " Hakt Es bei Ihnen? Wie zynisch und kalt kann man nur sein?".

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Antwort auf [Holger] vom 14.05.2020 um 14:34
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100 Kommentare

  1. 100.

    Guten Tag und zwar finde ich das unfair dass die Väter genauso das Geld bekommen auch wenn es die Hälfte ist obwohl die gar nicht die Kinder hatten. Keiner weiß scheinbar wie es war fünf Wochen lang zu Hause bleiben mussten, die Kinder betreuen und nicht mehr arbeiten gehen durften sowie ich was für Verluste ich hatte.
    Dass die Väter die Hälfte von dem Geld kriegen obwohl sie gar keine Unterstützung gegeben haben find ich das total unfair und ich möchte auch dass es geändert wird dass die Väter z.b. wie bei mir der Fall is das ich gezwungen bin jetzt mein Unterhalt auch noch gekürzt wird . Das ja der Vater das Geld bekommt.

  2. 99.

    Ich möchte in dieser Diskussion mal auf den Kern der Sache hinweisen. Mir als Mutter wird durch die Kitaschließung seit knapp 4 Monaten die Möglichkeit verwährt, mir durch Arbeit meinen Lebensunterhalt für meine Familie zu verdieden. Und dafür muss die Gesellschaft einen Ausgleich schaffen.

    So einfach ist das. Danke

  3. 98.

    Eltern haben in der Regel zwischen 5 bis 6 Wochen Urlaub im Jahr, den sie gewöhnlicherweise getrennt nehmen mit wenigen Überschneidungen und den Rest der Ferien gehen die Kinder in die Betreuung oder zu Oma und Opa oder ins Ferienlager. Ich kenne niemanden außer Lehrern, der die gesamten Sommerferien (die ja noch anstehen) frei hat und seine Kinder in dieser Zeit allein betreut. Wer Miete zahlen muss, muss arbeiten und wer arbeitet, kann keine Kinder betreuen. Aber wenn Herr Steinbach der Meinung ist, dass das ohne weiteres zu machen ist, werde ich meine vier Kinder morgen bei ihm vor der Tür absetzen. Kann er mal zeigen, was er drauf hat und wehe er heult, weil das seinen Terminkalender durcheinanderhaut.

  4. 97.

    Wow, einfach wow. Eltern sind per se Sozialschmarotzer. Danke.
    Ich bin erschrocken, was hier in den Kommentaren über Eltern geschrieben wird. Zu schreiben früher ging es auch. Es ist nicht mehr früher, es ist Jetzt. Ich gehe nicht nur aus Spass arbeiten, sondern weil ich Miete zahlen muss und Essen und Kleidung kaufen. Wenn mein Kind nicht in die Betreuung geht, kann ich nicht arbeiten. Ich kann Hartz vier beantragen, das will ich aber nicht, denn ich bin kein Schmarotzer.

  5. 96.

    Ich nehme Mal an, sie müssen kein Kind zu Hause betreuen. Es geht doch gar nicht darum, dass ich nicht mit meinem Kind zu Hause sein will. Aber, wenn ich mein Kind zu Hause betreuen, heißt es, dass ich nicht arbeiten gehen kann. Das heißt, dass ich im Moment 6 Wochen mit 67% meines Lohnes da stehe. Und was ist nach den 6Wochen??? Mein Arbeitgeber ist auch nicht begeistert, wenn er mich nicht einplanen kann. Und diese Situation mit Ferien zu vergleichen ist ja wohl ein Hohn.

  6. 95.

    Ich kann die Argumentation von Herrn Steinbach komplett nachvollziehen und bewundere, dass er gegenüber seiner Gesprächspartnerin so sachlich geblieben ist. Frau Marth tat gerade so, als sei die Betreuung des eigenen Kindes die Höchststrafe, wofür man einen finanziellen Ausgleich fordern kann. Wenn es die Situation erfordert, müssen auch Eltern vorübergehend anders funktionieren. Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz hin oder her. Liebe Eltern, freut euch, dass ihr eure gesunden Kinder bei euch haben und beschützen könnt! Niemand hat gesagt, dass es jetzt einfach ist und natürlich kostet diese Ausnahmesituation Kraft, aber das ist doch alles zu schaffen. Generationen vor uns mussten auch zurecht kommen in ausgesprochen schweren Zeiten, die Jahre(!) dauerten. Das Auftreten von Frau Marth war aus meiner Sicht unangemessen und respektlos. Es fehlten Weitblick und die Einsicht, dass man mit Einschränkungen umgehen muss, damit diese Krise schadlos überstanden werden kann.

  7. 94.

    Unmöglich die Coronakrise mit den großen Ferien zu vergleichen. In den großen Ferien kann man viel unternehmen mit den Kindern, kein Heimunterricht und keine Homeoffice nebenbei. Möchte jedenfalls nicht in die Lage einer alleinerziehenden Person kommen. Auf der anderen Seite muss ich aber auch sagen,dass man vom Staat kein Coronakindergeld einfordern kann denn in erster Linie ist man ja wohl für seine Kinder selbst verantwortlich und es gibt schon viele Zuwendungen von denen man früher nur träumen konnte. Und ja,es ist so, sogenannte Nurhausfrauen die sich ganz bewusst Kinder angeschafft haben um sich auch um sie zu kümmern, haben in unserer Gesellschaft keinen Wert mehr und werden sogar dumm angemacht.

  8. 93.

    "Das Kind als Waffe missbraucht...."
    Haben Sie eigentlich selber gelesen was da ihrer anscheinenden Verwirrung entsprungen ist ?
    Den Rest meiner Gedanken dazu behalte ich lieber für mich......

  9. 92.

    Holger, ich hoffe du hast keine Kinder, diese Vorstellung wäre furchtbar....! Du hast doch irgendwie den Schuss nicht gehört....

  10. 91.

    Recht hat er !
    Wem Kinder zu viel sind, der sollte keine in die Welt setzen. Man bekommt Kinder doch nicht um sie in Aufbewahrungsstationen zwischen zu parken um die Zeit zu haben sich selbst zu verwirklichen.
    Rente bekommen wir trotz des Generationenvertrages sowieso nicht mehr (obwohl wir ihn erfüllt haben)und selbst wenn, dann weniger als man selber eingezahlt hat. Gerne kann man mir meine Einzahlungen mit der durchschnittlichen Verzinsung auszahlen. Da bin ich besser dran. Selbst unverzinst.

    Kinder werden immer öfter als Torschlagargument und Waffe für eigene, bessere Lebensverhältnissen missbraucht.
    Und wenn ich mal alles zusammenrechne... Kindergeld, Steuerklasse, diverse Freibeträge, kostenlose Versicherung - Krankenversicherung - komplette Ausbildung von Kita bis Uni, Rabatte und Ermäßigungen usw. da kommt schon ein eigenes ordentliches Einkommen zustande, das die Allgemeinheit zahlt. Die Allgemeinheit ohne Kinder.

  11. 88.

    Lassen Sie sich bloß nicht verunsichern.
    Die frühzeitige Krippenbetreuung ist ja "im Osten" schon ewig Normalität. Die Mauer stand seit 1961, dh die Mütter, die seither dort ihre Kinder so aufgezogen haben, sind jetzt alt. Und die Kinder, die in Kitas großgeworden sind, kennen´s nicht anders und machen´s daher ebenso weiter.
    Ich bin West-Berlinerin, meine Eltern hatten zwar kaum Geld bei dem Mini-Einkommen meines Vaters, aber wir hatten trotzdem alles was wir brauchten. Denn was man VOR allem anderen braucht, kostet nichts. Liebe, Fürsorge, Geborgenheit. Nun betreue ich meine Mutter (90) :)
    Wenn *sowas* als veraltetes Modell abgetan wird und sogar Familien als asozial beäugt werden, bloß weil sie heute so leben, statt Geld und Karriere Vorrang zu geben, dann läuft einfach gewaltig was schief. Was sich jetzt in allseitigem "Aufschrei" äußert. Aber natürlich sind immer die anderen schuld, vor allem der Staat, der sich "nicht kümmert". Und umdenken kommt natürlich nicht in Frage.

  12. 87.

    Ich finde es erschreckend und Traurig, wie hier über Eltern geurteilt wird. Und die heutige Zeit mit früher vergleichen, da geht mir die Hutschnur hoch. Mal drüber nachgedacht, dass sie Eltern gerne Zeit mit Ihren Kindern verbringen und das auch schon vor Corona, es sich manchmal aber einfach schwierig gestaltet? Und wenn die Eltern alle zuhause bleiben, woher kommen denn dann die Steuern und Renten? Mit kleinen Kindern und arbeiten im Homeoffice, ich ziehe meinen Hut vor diesen Eltern! Und wenn ich meine vierjährige Enkelin traurig auf das Bild ihrer Kitakinder schauen sehe und sie erzählt, wie sehr sie das alles vermisst, dann habe ich dafür vollstes Verständnis für den Ruf nach Öffnung (zumindest teilweise) der Kitas.

  13. 86.

    Steinach ist ein weiser Mann. Man steht nicht immer selbst im Mittelpunkt.

  14. 85.

    Diese Widersprüche zwischen Elternstandpunkten sind doch ganz normal. Was meinen Sie wohl, wenn ich mich hier äußern würde, wie wir nach der Vertreibung nach 1945 mit unserer Mutter über die Runden gekommen sind ? Für viele heute nicht mehr vorstellbar. Es gab NICHTS. Der Staat gibt so viel Unterstützung, dass man davon leben kann. wenn auch nicht immer üppig. Leider gibt uns die Landesregierung auch sehr viel Widersprüche in der Coronakrise vor, die man nicht nachvollziehen kann . Und das verunsichert die Bürger zusätzlich.

  15. 84.

    Statt massiver Kritik am Minister ist massive Kritik an den Sozialschmarotzern jedweder Art angebracht.

  16. 83.

    Sind doch nur 2 Wochen länger als die Sommerferien. Warum gibt es denn dann Kurzarbeitergeld? Die können doch auch erstmal ihren Jahresurlaub nehmen. Nur diesmal halt 2 Wochen länger als die Sommerferien... Ich verbringe sehr gerne Zeit mit meinen Kindern, nicht nur in den Ferien. Aber wenn jahrelang Politik gemacht wird, dass Alleinverdiener keine Familie ernähren können und der gesetzliche Jahresurlaub von 20 Tagen zwei Wochen kürzer als die Sommerferien ist, ist diese Aussage genauso absurd, wie wenn man jetzt Kurzarbeitergeld und Unternehmenshilfen streicht. Und natürlich die Rente für Kinderlose.
    Und die mit Abstand meisten Ferientage im Jahr liegen noch vor uns. Schließt da doch aus Solidarität noch alle Betriebe, liebe SPD. Aber nicht mit zusätzlichen Urlaubstagen...

  17. 82.

    Ein Glück, das Neid ihnen scheinbar fremd ist.
    Wer wird mal für ihre Rente arbeiten, schon mal drüber nachgedacht ?

  18. 81.

    Komisch und ich gelte als asozial und werde von den anderen Eltern in der Schule komisch angeguckt weil ich Hausfrau bin, mich ums Kind kümmere und mein Mann arbeiten geht. Das ist auch nicht in Ordnung, jedenfalls hier im Osten gelte ich als rückständig oder Schlimmeres. Also was denn nun?

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