Jahresbilanz 2023 - Berliner Polizei verzeichnet deutliche Zunahme von Klima-Blockaden

Do 04.01.24 | 08:02 Uhr
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Archivbild:Aktivisten bei Protestaktionen der 'Letzten Generation' auf der Straße des 17. Juni. Berlin, 25.11.2023.(Quelle:picture alliance/Geisler-Fotopress/B.Elmenthaler)
Video: rbb24 | 04.01.2024 | Nachrichten | Bild: picture alliance/Geisler-Fotopress/B.Elmenthaler

Nicht nur gefühlt gab es im vergangenen Jahr deutlich mehr Aktionen von Klima-Aktivisten in Berlin. Die Polizei hat nun Zahlen veröffentlicht, die auch von einer enormen Belastung der Sicherheitskräfte Zeugnis ablegen.

  • Aktionen von Klima-Aktivisten haben 2023 um 80 Prozent zugenommen
  • Polizeipräsidentin Slowik sieht veränderte Taktik der "Letzten Generation"
  • Nächster Massenprotest in Berlin für den 3. Februar angekündigt
  • Slowik fordert, finanzielle Quellen abzustellen

Die Berliner Polizei hat im vergangenen Jahr deutlich mehr mit Protest-Aktionen von Klimaschutzorganisationen zu tun gehabt als noch im Jahr zuvor. "Wir haben 550 Aktionen bewältigt, das sind 80 Prozent mehr als im Vorjahr", sagte Polizeipräsidentin Barbara Slowik der Deutschen Presse-Agentur. In den Jahren 2022 und 2023 wurden in Berlin insgesamt 6.130 Strafanzeigen im Rahmen von Klima-Protesten gestellt - dabei habe die Zahl der Strafanzeigen 2023 deutlich zugenommen, so Slowik.

Teil der großen Gesamtzahl der Anzeigen, die vor allem die Gruppe "Letzte Generation" betrafen, seien auch 138 Menschen, die gegen die Demonstranten vorgingen, also zum Beispiel Autofahrer, die verbal oder körperlich übergriffig wurden und etwa Blockierer von der Straße zerrten.

Slowik: "Taktik hat sich geändert"

Slowik sagte weiter: "Die Qualität der Proteste hat sich nicht verändert. Es bleibt weiterhin vor allem bei Vorwürfen der Nötigung, des Widerstandes gegen die Polizeikräfte und Sachbeschädigungen." Die Gesamtzahl der Verdächtigen liege bei 1.158. Viele davon seien mehrfach aktiv geworden.

"Zuletzt änderte sich die Taktik: weg von vielen kleinen Blockaden hin zu wenigen größeren Aktionen, sogenannten Massenprotesten", sagte die Polizeipräsidentin. So hätten sich am 28. Oktober 600 Demonstranten an einem Protest beteiligt und 154 von ihnen auf der Straße festgeklebt. Dabei sei die "Letzte Generation" zum Teil auch von ausländischen Gruppen unterstützt worden, etwa aus den Niederlanden. "Zuletzt wurden die Aktionen weniger, es ist für uns schwer zu sagen, ob das am Winter liegt oder eine Entwicklung auf Dauer ist, weil sich inzwischen weniger Unterstützer mobilisieren lassen", sagte Slowik.

Den nächsten Massenprotest in Berlin hat die "Letzte Generation" derweil für den 3. Februar angekündigt. Erwartet würden 1.000 Menschen, der genaue Ort werde noch bekannt gegeben, heißt es auf der Internetseite der Gruppe.

Hunderttausende Arbeitsstunden für die Polizei

Die Polizei sei durch die Straßenblockaden und andere Aktionen massiv belastet worden, insgesamt komme man im vergangenen Jahr auf 320.000 Arbeitsstunden auf der Straße - und da sei die Bearbeitung der Anzeigen durch die Sachbearbeiter noch nicht mitgerechnet, sagte Slowik. "Zum Vergleich eine Größenordnung: Das ist so viel wie die 1.800 Polizisten der Berliner Einsatzhundertschaften im Jahr 2022 im Bereich der Verkehrssicherheit unterwegs waren."

Mit Blick auf im Vorjahr mit Farbe besprüht Wahrzeichen sagte Slowik: "Wir müssen realistisch bleiben. Ein kompletter Schutz von Denkmälern wie dem Brandenburger Tor rund um die Uhr ist angesichts der Vielzahl in unserer Stadt nicht möglich." Allein für das Brandenburger Tor bräuchte man rund um die Uhr mehrere Dutzend Polizisten.

Polizeipräsidentin fordert Einstufung als kriminelle Vereinigung

Effektiver wäre es, bei Gruppen wie der "Letzten Generation" den Geldzufluss zu stoppen, sagte Slowik. Mit Spendengeldern und anderen Einnahmen zahlten die Gruppen den Lebensunterhalt von Aktivisten und Aktivistinnen sowie Strafen und Schadensersatzforderungen.

Um die Finanzströme zu unterbinden "müsste die 'Letzte Generation' durch die Staatsanwaltschaft rechtlich als kriminelle Vereinigung bewertet werden", betonte Slowik. "Auch schnelle Entscheidungen von Gerichten über hohe Schadenersatzforderungen, etwa von Fluggesellschaften oder Einkaufszentren nach Beschädigungen, würden helfen und die Aktionsmöglichkeiten der Gruppe einschränken."

Erster Anlauf im Sommer 2023 gescheitert

Im Dezember hatte Generalstaatsanwältin Margarete Koppers angekündigt, sich erneut mit der Frage zu beschäftigen, ob die "Letzte Generation" als kriminelle Vereinigung eingestuft werden kann. Anlass dafür seien die aus ihrer Sicht "schwergewichtigeren Straftaten" der Gruppe, sagte Koppers insbesondere mit Blick auf Farbattacken auf das symbolträchtige Brandenburger Tor.

Die Berliner Justizsenatorin Felor Badenberg (parteilos) hatte bereits im vergangenen Sommer in ihrem Haus prüfen lassen, ob die Gruppe als kriminelle Vereinigung einzustufen ist. Anlass war damals, dass das Landgericht Potsdam im benachbarten Brandenburg den Anfangsverdacht gesehen hatte, dass es sich bei der Klimagruppe um eine kriminelle Vereinigung handeln könnte. In Berlin wurde der Anfangsverdacht von der Staatsanwaltschaft verneint.

Sendung: rbb24 Inforadio, 04.01.2024, 08:00 Uhr

56 Kommentare

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  1. 56.

    Robert Habeck kam zu Fuß von der Fähre, nicht mit dem Auto. So dicht kann niemand zusammenkleben, als dass das niemand durchgekommen wäre. Nur die einschlägigen Bauern hätten ihre Immobilität bekundet gegenüber der natürlichsten Art der Fortbewegung.

  2. 55.

    Die wütenden Bauern hätten sich einfach nur am Pier von Schlüttsiel festkleben sollen, dann wären die Kommentare aus den Reihen der Grünen fast wohlwollend gewesen...

  3. 54.

    Als Pendler, bewege ich mich viel auf den Strassen. Die Letzte Generation, was kann sie erreichen? Sie stört dabei nur den Verkehr. Termine müssen eingehalten werden sonst droht mir Einkommenverlust.
    Ich würde ein gesetzlich soziales Jahr für die Jugend ebenfalls begrüssen. Man hört, die Politik plant die Wehrpflicht in Deutschland wieder einzuführen. Der Plan ist nicht schlecht, Disziplin würde der Jugend gut tun.
    Wer da nicht mitmacht, der Ersatz wäre ein Sozialjahr oder 7 Monate was Söder(Bayern) vorschlägt.

  4. 53.

    Ist doch klar, dass es mehr Proteste gibt, wenn die Politik keinen ausreichenden Klimaschutz umsetzt. Sowas kommt von sowas. Und es wird noch krasser werden. Gut so.

  5. 51.

    Dass die Mehrheit der Bevölkerung gegen organsierte Straftaten ist, sollte eigentlich selbstverständlich sein. Das hilft auch kein Drücken auf die Tränendrüse.

  6. 50.

    Ganz einfach: Für etwas sein. Solange es einen nicht tangiert.

    Dieses Credo passt ziemlich gut in die von Ihnen behaupteten (mal wieder nicht belegten) Verhältnisse.

  7. 49.

    Die Forderungen der Landwirte sind realistisch und nachvollziehbar--die der Klima-Aktivisten --fossil stoppen jetzt--sind unrealistisch und daher nicht nachvollziehbar.

    Sollte das Hochwasser die Aussaat in der Landwirtschaft verzögern oder gar verhindern, oder Lebensmittel auf den Feldern mangels Düngung und Schädlingsbekämpfung verrotten oder verfaulen--werden wir vielleicht schneller als jemals vorstellbar merken, wie wichtig Landwirtschaft und deren Expertise und Arbeit für Deutschland ist.
    Und das gerade in Zeiten, in denen in Europa Krieg herrscht, Schiffe das Rote Meer nicht mehr passieren können und Deutschland immer mehr Einwohner bekommt, die alle ernährt werden müssen. Egal ob Dürre oder Nässe herrscht--oder Fachkräftemangel auch in der Landwirtschaft besteht.

    Ich verstehe die Forderungen der Landwirte.

  8. 48.

    Günstiges Essen im Hier und Jetzt ist mir wichtig.

    Daher pro Bauern.

  9. 47.

    Finde das Problem.

    Die Mehrheit ist für Klimaschutz.

    Die Mehrheit ist gegen die LG/Apokalyptiker

  10. 46.

    Hauptgrund: Schlechte Wirtschaftslage. Agora Energiewende geht davon aus, dass somit nur etwa 15 Prozent der Einsparungen im vergangenen Jahr auch wirklich auf Klimaschutzmaßnahmen zurückgehen und entsprechend dauerhaft sind.

  11. 45.

    "Also wäre es doch besser jetzt schon damit anzufangen, damit sie rechtzeitig sehen, was auf sie zu kommt."

    Eben. Nichts anderes machen doch die jungen Klimaprotestler. Also die, die nicht nur protestieren, sondern auch vorleben.
    Wie kommen überhaupt die Kritiker darauf, dass dem nicht so ist. Nur, weil ein Pärchen von denen mal nach Bali geflogen ist? Deswegen kann man doch nicht die ganze Generation händereibend in Geiselhaft nehmen.
    Also {Achtung, Pathos...:-)) natürlich müssen alle gemeinsam mitmachen; alt und jung, Dicke, Dünne, Jungs wie Mädchen, Reiche und Arme, Vorsitzende, Nachsitzende, Laufende, Fahrende, Firmenbosse und Fabrikarbeiter, die mit vollem Haar und die mit Glatze; jede/r nach seinen/ihren Möglichkeiten....

  12. 44.

    Sie können selbstverständlich nicht von einer Großgruppe auf jeden Einzelnen hin rechnen; das wäre inquisitorisch und unbillig. Tendenzen sind Tendenzen und es sind keine Absolutheiten.

    Was die von Ihnen belegten Zahlen allerdings verdeutlichen: Ansprechperson für die Klimaschädigung sollten nicht zuletzt aus der jüngeren Generation heraus nicht ausschließlich die Älteren sein, sondern vglw. stärker gerade die Jüngeren. Das fänge im Klassenverband schon an, das Alltagsverhalten dort zu thematisieren und setzte sich dann universitär fort, bei der Prahlerei von Mitstudierenden, welches entlegene Land denn diesmal aufgesucht worden ist und ob bei den Zuhörenden dabei die Augen glänzen oder eher ein kritischer Hinweis kommt, dass so ein Verhalten auch mit dem ökologischen Fußabdruck zu tun hat.

    Sensibilisierung geschieht nicht brachial und sollte auch nicht auf die "vermeintlich anderen" begrenzt sein.

  13. 43.

    Spätestens wenn die "alte Generation" nicht mehr da ist, für die die "letzte Generation" alles Unheil dieser Welt verantwortlich macht, werden sie selbst ihren eigenen Forderungen gerecht werden müssen. Das ist also kein Kindergartenniveau, sondern die bittere Wahrheit, die viele von denen, die jetzt am lautesten schreien, wahrscheinlich noch gar nicht begriffen haben. Also wäre es doch besser jetzt schon damit anzufangen, damit sie rechtzeitig sehen, was auf sie zu kommt.

  14. 42.

    "weil dadurch die Hoffnung wächst, man müsse nur genug Druck ausüben, dann werden bestimmte Parteien schon einknicken und Forderungen übernehmen"
    Die Bauern zeigen aber gerade genau das Gegenteil. Einfach mal mit dem Trecker nach Berlin fahren und schon bleiben die Subventionen erhalten. Mit entsprechender Lobby hätte die LG auch längst Erfolg, aber deren Forderungen sind halt unbequem.

  15. 41.

    Unser Baden-Württembergischer Grüne Verkehrsminister--seit 2011 in Grüner Hand--hat aktuell bekannt gegeben, dass die Mobilitätsgarantie, die im Koalitionsvertrag mit der CDU vereinbart wurde--nicht eingehalten werden kann....Personalmangel...

    Bis 2026 sollte die Taktung von Bus und Bahn im Ballungsraum 15 Minuten betragen--auf dem Land sollte alle 30 Minuten ein Bus oder eine Straßenbahn fahren.

    Vielleicht sollte man sich schneller mit Hochwasserschutz, Katastrophenschutz, Feuerwehr, Rettungsdienst...beschäftigen. Denn auch nach einer deutschen Klimaneutralität wird es Hochwasser und Stürme geben. Aber darauf ist leider niemand vorbereitet.

    Ich kämpfe seit 2009 für einen besseren Rettungsdienst, transparente Rettungsleitstellen, kürzere Wartezeiten beim Krankentransport, eine bessere Bezahlung der Bergwacht im Schwarzwald..eine bessere, unabhängigere Justiz--auch das wird ein Träumchen bleiben.

  16. 40.

    Naja. Nicht alle die jung sind, gehören zur sogenannten "Klimajugend". Sicher gibt es bei den Jüngeren auch jede Menge am Klima komplett Desinteressierte. Die könnten einen Großteil der fliegenden Passagiere ausmachen.
    Aber auch ansonsten verstehe ich diese Argumentation nicht: Macht vor, dann machen wir vielleicht nach? Das ist doch, um mal beim Alter zu bleiben, Kindergartenniveau.

  17. 39.

    Weil der Polizeipräsidentin gewisse juristische Kenntnisse, was eine kriminelle Vereinigung ist, und Hintergrundinfarmationen über die Arbeit der Staatsanwaltschaft fehlen. Lesen Sie den Artikel bis zu Ende, dann erfahren Sie es!

  18. 38.

    "Zum Problem wird, dass immer schnellere Ziele erwartet werden,"

    Zum Problem wird, dass immer schnellere Ziele nötig sind. Wenn/Da der Klimawandel derartig Tempo aufnimmt, muss das der Klimaschutz auch. Da halte ich es für legitim mit diversen Mitteln auf die Tube zu drücken. Wir sind da einfach zu langsam bzw zu unwillig, siehe auch China, USA, Indien, bei denen natürlich aufgrund ihrer dominierenden Verursachung am dringendsten Veränderungen nötig sind; jedenfalls nötiger als bei uns. Was uns hier aber nicht aus der Verantwortung nimmt.

  19. 37.

    Nur mal so zwischendrin. 54 % aller Fluggäste sind unter 40 Jahre. Machen aber nur ca. 42 % der Menschen in Deutschland aus. Das ist nur ein Beispiel. Neue Eigenheime immer größer, mehr Beton. Die ach so verantwortungsbewusste "Klimajugend" fordert von den älteren Lebensänderungen und lebt selbst ein anderes Leben. Ich denke diese Altersgruppe sollte mit gutem Beispiel voran gehen. Ansonsten ist alles nur Makulatur.

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