Lage in Südbrandenburg - Patienten müssen täglich in andere Krankenhäuser verlegt werden

Mo 29.11.21 | 16:29 Uhr
  23
Symbolbild: Corona-Patient auf der Intensivstation
Audio: Antenne Brandenburg | 29.11.20211 | Christian Matthée | Bild: dpa

In fast ganz Südbrandenburg sind zum Wochenstart wieder die Corona-Inzidenzen gestiegen, die Lage in den Krankenhäusern bezeichnet die Leitstelle Lausitz "dramatisch". Probleme bereiten auch nicht-coronabedingte Notfälle.

Wegen der steigenden Corona-Infektionszahlen wird die Lage in den Südbrandenburger Krankenhäusern immer ernster. Die Kliniken seien derzeit komplett gefüllt, die Situation sei "ziemlich dramatisch", sagte der Leiter der Notruf-Leitstelle Lausitz, Ingolf Zellmann, am Montag dem rbb.

Es müssten derzeit täglich Patientinnen und Patienten in andere Krankenhäuser verlegt werden. Die Leitstelle koordiniert die Verlegungen von Corona-Patienten. "Wir haben ganz große Probleme, ganz große Bauchschmerzen, wie wir die nächsten Wochen überstehen sollen", so Zellmann bei Radioeins. Noch würden die Patienten innerhalb Brandenburgs verlegt, in Einzelfällen auch nach Berlin. Man berate aber auch über die Verlegung in andere Bundesländer.

Die Südbrandenburger Landkreise sind seit Wochen besonders von der Pandemie betroffen. Die Sieben-Tage-Inzidenzen liegen alle über 1.000. Hotspot war auch am Montag wieder der Elbe-Elster-Kreis mit einem Wert von 1.637,2. Zum Vergleich: Der Landesdurchschnitt liegt bei 725,6.

Personalprobleme verschärfen Situation

Ein großes Problem in den Krankenhäusern ist laut Zellmann auch die angespannte Personalsituation. "Wir haben, so wie es auch bundesweit ist, im Moment den Trend, dass wir etwa ein Drittel weniger Kapazität als im gleichen Zeitraum des letzten Jahres haben." Planbare Operationen werden laut Zellmann deutlich runtergefahren oder nicht mehr durchgeführt.

Trotzdem müsse sich niemand sorgen machen, dass er nicht behandelt wird, wenn er als Notfall ins Krankenhaus kommt, sagt der Chef der Leitstelle Lausitz. Es könne allerdings passieren, dass die Versorgung nicht das Krankenhaus am Wohnort übernimmt.

"Wir versuchen, allen zu helfen. Es kann dazu führen, dass wir mit dem Rettungswagen längere Wege in Kauf nehmen müssen, wir also deutlich längere Fahrtzeiten zum Krankenhaus haben - oder, dass sie mit dem Hubschrauber weit weg geflogen werden müssen." So sei die Situation seit ungefähr einer Woche schon des öfteren gewesen.

Nur noch ein Intensivbett in OSL frei

Die Lage in den Krankenhäusern ist seit Tagen angespannt. Bereits vor einer Woche nannte der Vorstandsvorsitzender der Landeskrankenhausgesellschaft Brandenburg e. V., Detlef Troppens, die Situation im Land "sehr ernst", in manchen Landkreisen sei die Lage drastisch.

Am Ende der Woche erklärte schließlich der Chefarzt für Intensiv- und Notfallmedizin am Klinikum Niederlausitz (Oberspreewald-Lausitz), Volker Hanisch, dass die Lage in seinem Klinikum als Katastrophenfall empfunden werde. Er warnte vor einer deutlich schlechteren Lage in Kliniken.

Am Montagnachmittag waren von den insgesamt 166 Intensivbetten in den vier Südbrandenburger Landkreisen und der kreisfreien Stadt Cottbus noch 29 frei, wobei im Landkreis Oberspreewald-Lausitz nur noch ein Intensivbett zur Verfügung stand [intensivregister.de]. In der vergangenen Woche kam es vor, dass in diesem Landkreis und im Nachbarkreis Elbe-Elster zeitweise alle Intensivbetten belegt waren.

Was Sie jetzt wissen müssen

Sendung: Antenne Brandenburg, 29.11.2021, 15:10 Uhr

23 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 23.

    Zum Verständnis: Als die Hütte dann gebrannt hat, wurden die Intensivbetten/Beatmungsplätze auch sehr kurzfristig und ohne Europaausschreibung beschafft, falls sie das nicht wissen sollten. Außerdem wurde in #12 mehr angeführt als Intensivbetten. Bitte verdrehen sie nicht den Sachverhalt.
    Es ist natürlich richtig, dass man am Personal gespart hat und immer noch spart.
    Wenn sie zu der Coronaanfangszeit in Deutschland - I/II/2020 bereits im medizinischen Bereich tätig waren, werden sie sich daran erinnern, dass auch in den KKH Sterillium, Masken, Handschuhe und die Umhänge Mangelware waren. Schwestern haben ihre OP-Masken mit nach Hause genommen um sie zu waschen.
    Das sind die Auswüchse dessen, was beschrieben wurde. Und ich denke jeder hat deshalb grpßen Respekt vor all denen, die es geschafft haben unter solchen Umständen trotzdem ihren Job zu machen. Falls jetzt doch die Impfpflicht kommt, wie heute in den Nachrichten angedeutet, bleibt zu hoffen, dass nicht noch mehr gehen.

  2. 22.

    Ja, Sie haben recht, das erste Vierteljahr hat die Politik verschlafen und danach sehr viele Fehler gemacht. Dennoch ist die Aussage richtig, daß niemand eine Pandemie solchen Ausmaßes kommen sehen konnte. Die 3 Monate Verlust schon am Anfang haben da wenig Relevanz. Und ändern nichts daran, daß die Situation in den Krankenhäusern, auf den Intensivstationen beherrschbar wäre, gäbe es eine entsprechend hohe Impfquote. Da haben doch viele Menschen sehr viel mehr als 3 Monate verschlafen, wenn ich an die leeren Impfzentren im Sommer denke.

  3. 21.

    Ich muss mich korrigieren: Normales Pflegepersonal kann weder mit Beatmungsplätzen noch mit Intensivbetten arbeiten.

  4. 20.

    @ Ron

    Denken Sie, dass wir Pflegepersonal rund um die Uhr arbeiten? Auch wir haben frei, Urlaub oder bauen Überstunden ab. Auch in der aktuellen Situation. Auch jetzt gelten unsere Rechte als Arbeitnehmer. Ach ja, es gibt sogar Pflegepersonal, dass nicht mit COVID Patienten arbeiten darf oder möchte. Es gibt nicht wenige Mitarbeiter, die es ablehnen COVID Patienten zu pflegen. Das ist zulässig.

  5. 19.

    Was nützt denn ein Vorrat an Beatmungsplätzen, wenn später Massen an Intensivbetten benötigt werden? Was nützen Beatmungsplätze und Intensivbetten, wenn es kein Fachpersonal dafür gibt? Normales Pflegepersonal kann mit Beatmungsplätzen noch mit Intensivbetten umgehen. Dazu braucht man eine mehrjährige Zusatzausbildung. Auch diese Fachkräfte kann man nicht unbegrenzt vorhalten. Wo soll solch Fachpersonal arbeiten, wenn es keine Pandemie ect gibt? Auf Normalstation geht's nicht.

  6. 18.

    Niemand kann in so kurzer Zeit einen Vorrat an Beatmungsplatzen anlegen. Schon mal daran gedacht, wie lange Ausschreibungen dauern?

    Frank, vielleicht sollten Sie sich als Berater bei der Bundesregierung bewerben.

  7. 17.

    Besonders amüsant ist aktuell, dass sich jeder Bürger Kenntnisse in der Organisation von Krankenhäusern anmaßt.
    Jeder will beurteilen können, ob und welche Maßnahmen unternommen oder nicht unternommen hätten werden können.

    Da wird von Bettenabbau gesprochen ohne den Hintergrund zu kennen. Natürlich wird vergessen, dass es in Deutschland im europaweiten Vergleich viel zu viele Betten in Krankenhäusern gibt.

    Natürlich weiß jeder Bürger, was die Pflegekräfte wollen, fordern oder brauchen.

  8. 16.

    Schon mal was davon gehört, dass unsere Arbeitswoche 38,5 Stunden hat und auch mal einige Tage frei sind?

  9. 15.

    Sie müssen sich hier vor niemanden rechtfertigen. Es ist toll, dass solche Menschen wie sie Tag für Tag dafür sorgen, dass unser Gesundheitssystem nicht schon längst in die Knie geht.
    Und man sollte hier im Block nicht immer alles miteinander vermischen. Die Ursache warum die ITS zuläuft sind Menschen, die trotz jahrelanger Aufklärung und Faktenlage der Wissenschaft, bis heute etwas verweigern, deren Begleiterscheinungen nur einen Bruchteil an Nichtwohlbefinden ausmachen gegenüber schwerster Erkrankungen mit Sterberisiko durch Corona.
    Und wir werden dieses Szenarion jeden Winter erneut erleben, solange für 30 % der Bevölkerung ein Gramm schwerer wiegt als eine Tonne.

  10. 14.

    Die Antwort von Benno bezog sich in diesem Fall auf den 1. Kommentar von brandenburg. Und dieser ist furchtbar. Erstes liegt das EWK Spandau nicht in Südbrandenburg (!) und zweitens ist es wirklich daneben, die Angabe, dort laufe alles wie immer, mit einem Smiley zu versehen.
    Ich sitze mit Verdacht auf Myokarditis zuhause (und nein, ich bin kein Impfgegner) und will eine Aufnahme ins KH unbedingt meiden. Allein die Aussicht, vielleicht dorthin zu müssen, macht Angst. Haben Sie Angehörige, die Sie nicht (nie) mehr sehen könnten, wenn (Sie?) erstmal eingeliefert und in kritischem Zustand? Allein mit Schmerzen und Ängsten sind? Kinder? Eltern? Nichts daran ist lächerlich. Die Menschen, die sie behandeln, machen ihren Job unter schweren Bedingungen. Die können die fehlende seelische und emotionale Unterstützung nicht ausbaden. Und ich habe lieber eine beruhigende Hand in meiner als angestrengt ein Telefon am Ohr.

  11. 13.

    "...Ich leite seit vielen Jahren eine interdisziplinäre Intensivstation..." Und wann? Sie kommentieren hier den ganzen Tag.

  12. 12.

    "...niemand konnte diese Pandemie kommen sehen..." Falsch. Als im Dezember 2019 die ersten Fälle in China auftraten hätte man reagieren müssen. Wir hatten ein Vierteljahr Zeit uns vorzubereiten.
    Man hätte die nicht vorhandenen strategischen Vorräte (hatten wir mal, als der Kat-Schutz noch nicht abgeschafft war) an Schutz- und Desinfektionsmitteln sowie Beatmungsplätzen anlegen können.
    Aufgrund der Globalisierungsbeziehungen war absehbar, dass es auch Europa erreicht. Aber es wurde nichts gemacht. Man hat man hier nach dem Prinzip "Wuhan ist weit" agiert und geträumt. Und auf einmal war Wuhan ganz nah.
    Das Thema wurde bereits I/20 ausführlich diskutiert. Haben sie vermutlich schon wieder ausgeblendet.

  13. 11.

    Wieso ist der Kommentar furchtbar? Er hat einen gravierenden Mangel in einem Krankenhaus angesprochen. Das nennt man erlebte Praxis und was ist daran furchtbar? Der Mangel oder dass er das angesprochen hat?
    Wir neigen neuerdings dazu kritik jeglicher Art und Form abzulehnen und statt die Mängel zu beseitigen werden die Kritiker kritisiert oder angegriffen. Das ist furchtbar-

  14. 10.

    Ich kann niemandem verbieten, Überstunden abzubauen oder Urlaub zu nehmen. Aktuell ist es so, dass keine intensivpflichtigen Patienten mehr aufgenommen werden können. Patienten von der Normalstation müssen dort versorgt werden und der Notarzt muss ein anderes Krankenhaus anfahren.
    Niemand kann Fachpersonal mit mehrjähriger Zusatzausbildung oder teure Intensivbetten vorhalten. Und niemand wusste, dass es mal solche Pandemie geben wird
    Es werden noch viele Patienten unnötig sterben

  15. 9.

    Ich leite seit vielen Jahren eine interdisziplinäre Intensivstation. Vor der Flut von ungeimpften jungen Patienten war die Station auch gut belegt, aber die Situation war beherrschbar und die Patienten konnten versorgt werden. Ich musste noch nie Personal aus dem Urlaub oder dem Frei holen. Jetzt ist der Zustand unhaltbar. Nur durch die Massen an ungeimpften jungen Patienten. Dazu kommt noch, dass viele Mitarbeiter Überstunden abbauen oder Urlaub nehmen. Das ist nicht zu verhindern.

  16. 8.

    Und wieder aus dem Zusammenhang gerissen niemand konnte diese Pandemie kommen sehen. Ich arbeite seit 20 Jahren auf einer ITS. Personal war immer knapp, aber ohne die Massen an ungeimpften jungen Patienten wäre die Lage absolut beherrschbar gewesen.
    Die ungeimpften jungen Patienten brechen den Intensivstationen gerade das Genick.
    Übrigens kann die Politik nichts dafür, wenn Bürger die Regeln nicht einhalten. Und mal ehrlich, vor der Privatisierungswelle war der Zustand noch schlimmer als heute

  17. 7.

    "Das ist nicht die Schuld der Politik." -?
    Wer macht denn nach Ihrer Ansicht die Gesetze,gibt den Klinikbetreibern "freie Hand" im Umgang mit dem Personal(Tarif oderNicht-Tarif, Arbeitszeiten,Familienfreundlich -oder besser-unfreundlichkeit,unsichere Dienstplanung,Personal aus Frei oder Urlaub holen),wer veranlaßt Bettenabbau,kontrolliert nicht,wie gezahlte Unterstützung verwendet wird?
    Seit20(!)Jahren beobachte ich-als Pat.& Angehöriger-den Niedergang der fachlich-medizinischen Betreuung in den KHäusern.Dort erwarte ich schon lange keine adäquate Behandlung mehr.Mein Berufsleben auf einer intern.ITS verbracht,die regelmäßig zu 100%belegt war -ich weiß schon, worüber ich rede.

  18. 6.

    Und genau das ist das Problem. Einerseits verschiebt man das Problem und andererseits geht's mal wieder zu Lasten des Personals. Fakt ist, dass die ersten Kliniken schon die Triage anwenden.
    Allein in unserer Klinik konnten heute Vormittag 6 Patienten, die auf Normalstation intensivpflichtig geworden sind, nicht auf die Intensivstation verlegt werden. Diese Patienten müssen dann auf der Normalstation verbleiben. Das ist erst der Anfang und nicht die Schuld der Politik

  19. 5.

    " Personalprobleme verschärfen Situation "

    Personalprobleme sind schon lange vor Corona ein Problem, dagegen ist so gut wie nichts unternommen worden, man hat sich durchgewurstelt, nun schlägt die Stunde der unangenehmen Wahrheit , Ursache ist bekannt, aber...

  20. 4.

    " Patienten müssen täglich in andere Krankenhäuser verlegt werden "

    längerfristig ist das keine Lösung, irgendwann sind die " anderen Krankenhäuser " auch voll belegt

Das könnte Sie auch interessieren