Berliner Finanzsenator zu neuem Finanzamt - Evers zeigt sich zufrieden mit Finanzamt für internationale Steuersünder

Fr 19.01.24 | 19:11 Uhr | Von Lukas Haas
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Finanzsenator Stefan Evers steht bei der Eröffnung des neuen Finanzamtes vor einem Regal (Quelle: dpa/Christophe Gateau).
Bild: dpa/Christophe Gateau

Vor gut einem Monat wurde das Finanzamt Berlin International gegründet. Es soll dafür sorgen, dass internationale Unternehmen ohne Sitz in Deutschland hier Umsatzsteuer zahlen.

Denn es ist für ganz Deutschland zentral für Unternehmen aus über 100 Ländern zuständig, die hierzulande Handel treiben, aber keinen Sitz haben. Ein Großteil davon sind Onlinehändler, die auf Handelsplattformen wie Amazon, Ebay oder Temu ihre Waren verkaufen.

Hauptsächlich Onlinehändler aus Asien im Visier

Der verantwortliche Berliner Finanzsenator Stefan Evers (CDU) zeigt sich zufrieden mit der Arbeit der internationalen Steuereintreiber. "Wir sehen schon jetzt, dass sich die neue Struktur bewährt", sagt Finanzsenator Evers. "Es war die richtige Entscheidung, organisatorisch ein eigenständiges Finanzamt aufzubauen." Bis Weihnachten hätten etwa 2.000 internationale Unternehmen Anträge gestellt, um sich für die Umsatzsteuer zu registrieren, und etwa 1.000 davon seien registriert worden. Zum Vergleich: Im Jahr 2022 wurden 25.600 Registrierungsanträge gestellt, das sind im Durchschnitt etwa 2.100 pro Monat. Ihre Bearbeitung zog sich teilweise bis ins Jahr 2023.

Insgesamt sind laut Berliner Finanzverwaltung mehr als 115.000 ausländische Unternehmen beim Finanzamt International registriert, mehr als 110.000 davon haben ihren Sitz in Asien - in der Volksrepublik China, Hongkong, Macau und Taiwan. Zuvor war eine Abteilung im Finanzamt Berlin-Neukölln für sie verantwortlich, die aber laut Evers durch die stetig wachsende Zahl der Anträge überfordert war.

Mitarbeiter stehen vor der Eröffnung vor dem Finanzamt Berlin International (Quelle: dpa/Christophe Gateau).
Das neue Finanzamt in Berlin gegen internationale Steuersünder | Bild: dpa/Christophe Gateau

Seit 2019 hat sich die Zahl der steuerlich registrierten Unternehmen verzehnfacht. Die Neugründung einer eigenständigen Behörde sei deshalb notwendig geworden, sagt Finanzsenator Evers. Der Grund ist eine Reform des Umsatzsteuergesetzes, die die Betreiber von Online-Handelsplattformen verpflichtet, mit den Steuerbehörden zu kooperieren.

"Die Plattformen müssen sich bei den Finanzämtern vergewissern: Sind meine Onlinehändler, die über meine Plattform handeln, steuerlich korrekt registriert? Kommen sie im laufenden Geschäft ihren steuerlichen Verpflichtungen nach? Wenn das nicht der Fall ist, sind die Plattformbetreiber zur Sperrung gezwungen", sagt Stephan Bennemann, stellvertretender Leiter des Finanzamtes Berlin International, als die Behörde Anfang Dezember ihre Arbeit aufnimmt. Dadurch würden die Onlinehändler dazu veranlasst, sich ordnungsgemäß zu registrieren und ihre Steuerschulden zu zahlen.

Fachkräftemangel als große Herausforderung

Das verschärfte Gesetz verhindert zwar, dass viele Händler unter dem Radar der Finanzbehörden agieren, aber erhöht auch das Arbeitspensum der Behörden enorm. In der Berliner Finanzverwaltung hat man sich deshalb bis Ende des Jahres das Ziel gesetzt, die Behörde auf 250 Mitarbeiter aufzustocken - ein ambitionierter Plan angesichts des Fachkräftemangels. Aktuell arbeiten rund 160 Mitarbeiter beim Finanzamt Berlin International.

"Wir wissen, dass die Personalsituation im öffentlichen Dienst schwierig ist. Dennoch wollen wir unser Ziel erreichen", sagt Finanzsenator Evers. "Die Bewerberlage ist bislang gut, noch im Januar werden wir erste Gespräche führen." Das Aufgabenprofil beim neuen Finanzamt sei vielfältig und so für viele Bewerber interessant. Die Mitarbeiter müssen etwa Dokumente aus China verifizieren oder Fälschungen erkennen.

Die aktuellen Mitarbeiter stammen zu einem überwiegenden Teil aus der früheren Abteilung beim Finanzamt Neukölln. Etwa 20 Mitarbeiter wurden aus anderen Berliner Finanzämtern versetzt.

Mehr Einnahmen als noch 2023 erwartet

Eine Prognose für die Einnahmen des neuen Finanzamts wollte der Berliner Finanzsenator noch nicht nennen. "Die Einnahmen hängen von vielen Faktoren ab, wie zum Beispiel vom Weltmarktgeschehen oder dem Kundenverhalten beim Onlinehandel. Deshalb kann man zum jetzigen Zeitpunkt noch keine konkrete Zahl nennen", sagt Evers. "Wir rechnen allerdings mit höheren Einnahmen als wir sie noch beim Finanzamt Neukölln hatten." Das Finanzamt Neukölln trieb jährlich Steuern in Höhe von 300 Millionen Euro ein.

Beim Netzwerk Steuergerechtigkeit, das sich für eine gemeinwohlorientierte Steuerpolitik einsetzt, begrüßt man die Reform des Berliner Finanzamts. "Jetzt gibt es etwas mehr Personal, eine bessere Arbeitsstruktur und damit auch etwas weniger Betrug und eine konsequentere Durchsetzung der großen Reformen der Vergangenheit", sagt Christoph Trautvetter, Referent beim Netzwerk Steuergerechtigkeit. Es sei zwar nicht der große Wurf in Sachen Steuergerechtigkeit, aber ein nötiger Schritt in einer ganzen Reihe von Verbesserungen.

Viele Daten müssen derzeit noch händisch eingegeben werden - und das wird sich demnächst wohl nicht ändern. Denn die IT-Module für die Verwaltung werden von allen Bundesländern gemeinsam entwickelt und die Anforderungen an das internationale Finanzamt seien laut Senatsverwaltung für Finanzen speziell. "Wenn aus dem Ausland ein Dokument per PDF mit ganz anderen Schrifttypen kommt, ist das schwierig mit einer Software zu machen, die für alle Finanzämter funktionieren soll", sagt Finanzsenator Evers. Die Mitarbeiter müssen also fürs Erste weiterhin abtippen.

4 Kommentare

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  1. 4.

    Wieso Steuersünder? Wer sich anmeldet?
    Bei den schwarzen Schafen handelt es sich wohl eher um Unternehmen, die sich ihrer gesetzlichen Verpflichtung entziehen. Die zu ermitteln wäre erste Pflicht.

  2. 3.

    Wenn der Staat seinen Pflichten nicht nachkommt hilft er die eigene Wirtschaft zu ruinieren.
    Wie viele Jahre haben die Chinesen die europäische Wirtschaft ausgeknockt indem sie an der Steuer vorbei mit ihren Produkten den Markt geflutet haben. Amazonund ebay waren bereitwillig Helfer und der Staat hat jahrelang zugeschaut.

    Wie ist es möglich, dass Versandkosten innerhalb Europas immer höher werden, jedoch aus China immer noch exorbitant niedrig(er)sind?

  3. 2.

    Anmelden alleine reicht nicht. Es muss auch an das Finanzamt abgeführt werden. Und nicht jeder Unternehmer meldet freiwillig an. Daher muss halt oft beigetrieben werden.

  4. 1.

    Umsatzsteuer ist eine Anmeldesteuer der Unternehmer meldet an und zahlt dann ...die treiben also nichts ein.... Datenerfasser wäre die treffendere Bezeichnung
    Der Begriff Steuereintreiber unsinnig

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