Symbolbild: Zwei Arbeitskollegen dikutieren mit Mundschutz in einem Bürogebäude. (Quelle: imago images/Joseffson)
Audio: 88.8 | 30.09.2020 | Jan Menzel | Bild: imago images/Joseffson

Berlin verschärft Corona-Regeln - Maskenpflicht in Bürogebäuden gilt ab Samstag

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie hat der Senat schärfere Regeln für Berlin angekündigt: Bei privaten Feiern gilt eine Obergrenze von 50 Personen draußen und 25 drinnen. In Bürogebäuden soll bei Verlassen des Arbeitsplatzes Maske getragen werden.

Wegen zuletzt gestiegener Corona-Infektionszahlen gilt in Berlin künftig eine Maskenpflicht in Büro- und Verwaltungsgebäuden. Beim Arbeiten am Schreibtisch soll die Regelung nicht greifen. Über den Beschluss des Berliner Senats informierte die Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) am Dienstag bei einer Pressekonferenz.

Die neue Regelung wäre analog zu der bereits geltenden in Restaurants: Bewegt man sich vom Platz weg und nähert sich dadurch potentiell anderen Menschen, etwa auf dem Weg zur Toilette oder zum Ausgang, muss man eine Maske tragen - am Platz selber nicht.

Diese und weitere neue Corona-Regelungen gelten ab Samstag. Am Freitag werden sie im Amtsblatt veröffentlicht.

Teilnehmerliste ab zehn Personen

"Wir haben eine besondere Situation, weil Großstädten besonders schnelles Infektionsgeschehen droht. Das sehen wir auch an München, dort gibt es eine deutlich höhere Inzidenz als in Berlin", sagte Pop. In der Hauptstadt gelte es nun zu verhindern, dass es zu einem erneuten Lockdown kommen müsse. "Wir reagieren früher als der Bund. Wir halten es aber für geboten, das jetzt zu tun und nicht ein paar Tage noch zu schauen, wie sich die Dinge entwickeln." Das sei wichtig, um nicht später zu weitaus drastischeren Maßnahmen greifen zu müssen.

Die "Leichtsinnigkeit und Leichtigkeit des Sommers" sei vorbei, das müsse man konstatieren, sagte die Senatorin. Ein besonderes Augenmerk legte der Senat daher auch auf private Feiern: Im Freien dürfen sie künftig nur noch mit maximal 50 Teilnehmern stattfinden. In geschlossenen Räumen gilt eine Obergrenze von 25 Teilnehmern. Um Kontakte leichter nachverfolgen zu können, müssen Gastgeberinnen und Gastgeber bereits ab einer Grenze von zehn Gästen eine Teilnehmerliste führen. Auch hier gilt: Die Auflage gilt ab Samstag.

In den vergangenen Wochen war die Berliner Polizei immer wieder in Parks oder Waldstücken im Einsatz, in denen oft mehrere Hundert Menschen zum Feiern zusammenkamen. Dort wurde vielfach gegen Abstandsregeln verstoßen. Gleichzeitig kommt Berlin nicht hinterher, bei Verstößen Konsequenzen zu ziehen. Nach Angaben von Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller (SPD) wurden bisher nur rund fünf Prozent der Bußgelder vollstreckt.

Bußgelder für Falschinformationen in der Gastro

Wie in anderen Bundesländern sollen in Berlin künftig auch Strafen möglich sein für Bürger, die falsche Kontaktdaten in Restaurants oder Kneipen hinterlegen. In solchen Fällen können Behörden nun ein Mindestbußgeld von 50 Euro verhängen - zahlen müssen die Strafen nicht nur die Kunden, sondern auch Gastronomen, die die abgegebenen Informationen nicht auf Plausibilität prüften.

Als Reaktion auf die steigenden Infektionszahlen sollen nach Angaben des Berliner Regierenden Bürgermeisters Michael Müller (SPD) bald auch mehr Schnelltests für die Mitarbeiter in Altenheimen und in Krankenhäusern verfügbar sein.

Bundesweite Obergrenzen abhängig von Fallzahlen

Mit den Obergrenzen für Partygäste geht Berlin noch einen Schritt weiter als die Beschlüsse, die am Dienstag Bund und Länder in einer Schaltkonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gefasst hatten. Dabei wurde eine bundesweit geltende Linie für Feierlichkeiten wie Hochzeiten oder Geburtstagen beschlossen - je nach lokalem Infektionsgeschehen im jeweiligen Landkreis oder der jeweiligen Stadt.

Damnach gilt jetzt deutschlandweit: Ab einer Inzidenz von 35 bestätigten Neuinfektionen je 100.000 Einwohner während der letzten sieben Tage, werden die Teilnehmerzahlen auf 25 im Privatraum und 50 in öffentlichen Räumen begrenzt. Sollte die Inzidenz noch höher steigen, kann die Teilnehmerzahl auch weiter begrenzt werden, wie es bereits im Frühjahr der Fall war. Liegt die Zahl der Neuinfizierten bei über 50, dürfen öffentlich nur noch 25, und privat nur noch zehn Leute zusammen feiern.

173 Neuinfektionen am Dienstag gemeldet

Die Länder einigten sich mit der Bundesregierung am Dienstag außerdem darüber, "ein geeignetes Frühwarnsystem einzurichten", um ein Überschreiten der 50-Personen-Schwelle möglichst zu vermeiden. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) und auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatten eine Corona-Warnampel vorgeschlagen, wie sie in Berlin bereits seit einigen Monaten genutzt wird. "Jetzt orientieren sich daran viele, oder alle und werden etwas Ähnliches beschließen", sagte Michael Müller nach den Besprechungen am Dienstag.

Bereits am Dienstagvormittag meldete die Berliner Gesundheitsverwaltung einen erneuten deutlichen Anstieg um 173 Corona-Neuinfektionen - am 1. September waren es noch 71 neue Fälle pro Tag, Anfang August lag die Zahl bei 45. Pro 100.000 Einwohner steckten sich zuletzt innerhalb von sieben Tagen 28,9 Menschen nachweislich mit dem Coronavirus an. "Wir müssen weiter besonnen mit der Situation umgehen", mahnte Müller nach der Senatssitzung. "Es wäre fatal, wenn das was wir gemeinsam erreicht haben mit Ungeduld und Unbedachtheit wieder gefährden und wir dann ein Geschehen haben, das wir nicht mehr steuern können."

Beschränkungen für Feiern auch in Brandenburg möglich

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) war ohne konkrete Forderungen in die Sitzung mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gegangen. Notwendig seien Augenmaß und Verantwortung, sagte Woidke am Dienstag am Rande der Konferenz. Im Bundesland ist die Lage momentan vergleichsweise entspannt: Aktuell gibt es eine Inzidenz von 5,3 registrierten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner. Für eine Verschärfung der Maßnahmen will sich Dietmar Woidke an der Marke von 35 Neuinfektionen innerhalb der letzten sieben Tage orientieren, sagt er.

Ist diese erreicht, wird auch hier die Teilnehmerzahl für Feiern in öffentlichen Räumen auf 50 Menschen begrenzt, in Privaträumen auf 25. Auch in Brandenburg sollen künftig außerdem mehr Schnelltests möglich sein. Mit Blick auf den Beginn der Herbstferien am 20. Oktober riet Woidke von Reisen ins Ausland ab. In anderen europäischen Ländern hatte sich das Infektionsgeschehen in den vergangenen Wochen deutlich verschärft.

Sendung: Inforadio, 30.09.2020, 6 Uhr

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182 Kommentare

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  1. 182.

    Kann mir einer erklären wie Bürogebäude definiert werden bzw wie die Maskenpflicht hier verhältnismässig ist. Ich muss also in einem abgeschlossenen Bürotrakt, in dem ich mit meinen 7 Kollegen auf 200 qm zusammenarbeite und kein Fremder reinkommt eine Maske aufsetzen, aber bei Party's mit 50 Fremden oder im Fussballstadion, etc etc nicht? Wo ist den da die Logik. Im Aufzug, in Besucherbüros, in großen Bürogebäuden mit verschiedenen Unternehmen okay aber sonst. I

  2. 181.

    Hier, für Sie zum Lesen und Weiterbilden:
    https://www.n-tv.de/panorama/Studie-Aerosole-sind-Hauptuebertragungsweg-article21936242.html

    Lesen Sie den GANZEN Text bis zum Schluss.

    Und dass es Viren im Winter einfacher haben, sich zu verbreiten, sollten Sie nun wirklich wissen. Das können Sie notfalls auch selber recherchieren.

  3. 179.

    Zitat aus dem Interview:

    Jetzt gelte es, weiter alles dafür zu tun, „das schrittweise Öffnen des Alltagslebens“ zu ermöglichen. Darauf sind alle Maßnahmen der Bundesregierung in den kommenden Wochen ausgelegt, so Braun. „Mein ganzes Tun zielt darauf ab, die Infektionszahlen so niedrig zu halten, dass wir unser Wirtschafts- und Sozialleben langsam wieder öffnen können.“

    Was ist daran so falsch zu verstehen?

  4. 178.

    Und warum unternimmt die Politik nicht endlich etwas? So wie es in ihrem eigenen Papierchen steht? Intensives Testen und Nachverfolgung? Da passiert nicht viel.

    Abstand halten ist richtig, aber die "Aktion Maskenpflicht" als Allheilmittel? Solange der Nachweis für die Wirkung der Alltagsmasken nicht erbracht ist bietet das eine sehr trügerische Sicherheit. Mit Maske vergessen die Leute nämlich gern die Abstandsregeln. Und das kann gewaltig nach hinten losgehen.
    Vielleicht ist ja genau das das Problem in Frankreich und Spanien???

  5. 177.

    "Selbst wenn wir noch eine Weile Masken tragen müssen, alles andere aber sukzessive wieder normal anläuft: Wo liegt das Problem?"

    Das klang im Interview von Herrn Braun gestern aber etwas anders. Die Maßnahmen werden, auch falls eine Impfmöglichkeit irgendwann besteht, noch lange so weitergehen. Hat aber wohl keiner mitbekommen weil alles nur über Maskenpflicht diskutiert.

  6. 176.

    Ich danke ebenfalls! Es ist beruhigend zu lesen, dass es noch Menschen gibt, die nicht derart wissenschaftsfeindlich und paranoid sind. :-)

  7. 175.

    Ihnen ist scheinbar entgangen, dass Unsummen in die Corona-Forschung geflossen sind, darunter auch in die Impfstoff-Entwicklung, die weltweit massiv vorangetrieben wurde und immer noch wird. Natürlich macht sich das beim Tempo, bei der Produktion und beim Preis bemerkbar! Dennoch werden zu Beginn nicht so viele Impfdosen zur Verfügung stehen, dass sofort alle geimpft werden können - das wurde jedoch stets vonseiten der Konzerne und der Politik kommuniziert. Was man allerdings nicht leugnen kann, ist, dass die 3. klinische Phase kürzer ausfällt, jedoch nicht gänzlich ausfällt wie bei den Russen. Selbst wenn wir noch eine Weile Masken tragen müssen, alles andere aber sukzessive wieder normal anläuft: Wo liegt das Problem?

  8. 174.

    Es war völlig klar, dass Sie sich dieses Beispiel heraussuchen - doch was ist mit den zahlreichen anderen aus Deutschland? Und Ischgl hat ja beispielsweise gezeigt, dass es möglich ist, als Superspreader massiven Schaden anzurichten. Da haben viele europäischen Länder auch heute noch etwas von!

  9. 172.

    Ich denke, Sie verwechseln Realismus mit Fatalismus. Ich mag das Märchen vom allgemein verfügbaren bezahlbaren sicheren Massen-Impfstoff in 1,5 Jahren nicht glauben, wenn der reguläre Zeitrahmen für Entwicklung, Testung, Zulassung und Produktion bekanntermaßen vier und mehr Jahre beträgt. Wenn es so einfach möglich wäre, diese Prozesse so stark zu beschleunigen, warum tut es die Pharmaindustrie bisher nicht - das wäre ein gigantischer Wettbewerbsvorteil!
    Auch ist es gerade in Vorwahlkampfzeiten nicht opportun, den Bürgern zu sagen: "Keiner kennt den Zeitpunkt, wann 'nach Corona' ist. Wir werden die Maßnahmen auf unbestimmte Zeit, wahrscheinlich mehrere Jahre, aufrecht erhalten müssen."

  10. 171.

    Wäre jedenfalls eine sinnvolle Alternative zu "wir fahren einfach mal solange alles runter, bis es einen Impfstoff gibt und sich niemand mehr daran erinnert, dass es mal Grundrechte gab."

  11. 170.

    "Bisher gab es vor allem Meldungen über lokale Ausbrüche infolge von Feiern aller Art,"

    Bestes Beispiel die Frau aus Garmisch, sie wurde völlig verteufelt. Allerdings haben sich alle Vorwürfe als unhaltbar herausgestellt. So viel zum Thema "Meldungen".

  12. 169.

    Bitte nicht so pauschal auf die ältere Generation meckern, ich gehöre auch dazu.

    Wenns nach mir ginge gäbe es eine verpflichtende App, personalisiert am Telefon, anonymisiert in der Datenübermittlung. Jeder, der in den Supermarkt o.ä. will muß den grünen Screen vorzeigen. Dazu flächendeckende Tests und Quarantäne bei Verdacht. Viel sinnvoller als diese dummsinnigen Beschränkungen.

  13. 168.

    Diese Länder haben aber alle eines: Eine voll durchdigitalisierte und gut besetzte Verwaltung.

    In Südkorea muss die Regierung nicht panisch wild gegen den Bürger auskeilen, weil dort ein gemeldeter Positiver Test innerhalb von fünf Minuten bearbeitet und die Infektionskette eingegrenzt ist.

    Das in D zu schaffen, würde aber glatt Geld kosten. Und die Politik müsste tatsächlich , wirklich was tun und sich einfallen lassen anstatt sich mit Schikanen wichtig zu machen. Möchten Sie das den Armen Hotelfachfrauen und Bankkaufmännern dort wirklich zumuten?

    Einfach weiter auf den Bürger dreschen. Aus der Rentner- und Beamtenloge ertönt dazu ja der selbe Rythmische Applaus wie bei Hansi Hinterseer, muss man nur hier uns Forum gucken.

  14. 167.

    Kein einziges Ihrer Worte ist in irgendeiner Weise Wissenschaftlich belegt. Bislang ist noch nicht einmal geklärt, welche Rolle Aerosole bei der Verbreitung spielen.

    Ich finde es schon faszinierend, wie auf einmal überall Experten für Virologie und Epidemiologie aus dem Boden schiessen, die alle ganz genau über Dinge bescheid wissen, die bislang kein Wissenschaftler feststellen konnte.

    Es wurden keine derartigen Übertragungen in signifikanter Menge festgestellt. Punkt. Da ändern Ihre kruden Aerosolthesen nichts dran.

    Dieser ganze Maskenmumpitz läuft echt aus dem Ruder. Mag sein, dass sie helfen, aber anscheinend entwickelt sich das für einige zu einem echten Kultsymbol. Hauptsache überall Maske draufkleistern, dann gibts morgen Weltfrieden.

  15. 166.

    Warum soviel Geschrei ?
    Vorbeugung kann nie schaden.

  16. 165.

    "Wie man auf die Idee kommen kann, es gäbe ein "nach Corona", ist mir aktuell schleierhaft."

    Wie man auf die Idee kommen kann, es gäbe kein "nach Corona", ist mir aktuell schleierhaft. Zumal "nach Corona" eher auf das Ende der restriktiven Maßnahmen bezogen ist, wenn ein Impfstoff und Medikamente vorliegen. Es gibt schließlich auch kein "nach Influenza". Mit einem Vakzin und Medikamenten kann man den Pandemieverlauf aber schon besser kontrollieren. Oder sollen sich jetzt alle Wissenschaftler im Fatalismus üben und sagen: "Tjoa, da kann man nix machen! Die Durchseuchung muss sein!"?

  17. 164.

    Da brauchen sich die Parteien keine Sorgen zu machen. Die Politikverdrossenheit ist bei den jungen Menschen besonders stark ausgeprägt. Die gehen ohne triftigen Grund nicht wählen - es sei denn, es folgt anschließend eine vom Land spendierte Party.

  18. 163.

    "Es sind also WEDER Büros NOCH Feiernde verantwortlich."

    Unwahre Worte ...

    Bisher gab es vor allem Meldungen über lokale Ausbrüche infolge von Feiern aller Art, somit dürfte da schon ein Zusammenhang herzustellen sein, finden Sie nicht? Und Büros rücken jetzt in den Fokus aufgrund der sinkenden Temperaturen, die ein Dauerlüften unmöglich rsp. unzumutbar machen dürften. Pathogene Aerosole können sich also wesentlich besser in den Büros ausbreiten, was die Infektionsgefahr deutlich steigert. Aus diesem Grund hat man auch für Büros eine Maskenpflicht eingeführt. Konsequenterweise sollte man sie auch für Schulen bzw. Klassenräume einführen, denn dort lauert dasselbe Problem. Warum der Senat das nicht durchsetzt, ist mir indes unbegreiflich.

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