Archivbild: Leere Betten stehen am 24.04.2020 im Corona-Behandlungszentrum Jaffestraße, in den Hallen der Messe Berlin. (Quelle: dpa/Michael Kappeler)
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Beschlüsse der Berliner Landesregierung - Notfallklinik soll bis Ende Mai bleiben - Senat hält am R-Wert fest

Die provisorische Corona-Klinik auf dem Berliner Messegelände geht in die Verlängerung, auch der umstrittene R-Wert der Corona-Ampel wird bleiben. Und Schnelltests soll es auch für Berliner Abgeordnete geben, hat der Senat am Dienstag beschlossen.

Das Corona-Notkrankenhaus auf dem Berliner Messegelände soll noch bis Ende Mai 2021 offen gehalten werden. Darauf hat sich der Senat am Dienstag verständigt. Einen entsprechenden Vorschlag hatte Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) unterbreitet.

Es sei angesichts des Infektionsgeschehens nicht die Zeit, darüber nachzudenken, das Corona-Behandlungszentrum abzubauen, sagte Gesundheitsstaatssekretär Martin Matz (SPD) am Dienstag im Anschluss an die Senatssitzung. Ursprünglich sei die Rückgabe an die Messe Berlin bis zum 31. Dezember geplant gewesen, mit Blick auf die steigenden Infektionszahlen solle der Vertrag nun aber verlängert werden.

Notfallklinik kann jederzeit starten

Das Nutzungsende ist bis zum 31. Mai vorgesehen; bis zum 30. Juni müssten die für das Behandlungszentrum genutzten Messehallen 24, 25 und 26 dann zurückgegeben werden. Im Februar oder März will sich der Senat noch einmal mit dem Thema befassen. Dabei solle geklärt werden, ob es möglich sei, die Messehallen früher zu räumen, sagte Matz.

Das Corona-Behandlungszentrum ist vor allem für die Versorgung leichterer Covid-19-Fälle gedacht, falls die Krankenhäuser überlastet sein sollten. Es könnte jederzeit in Betrieb genommen werden, wie Matz am Montag im Gesundheitsausschuss des Abgeordnetenhauses erläutert hatte. Demnach wurden bereits Pflegekräfte für den dortigen Einsatz gefunden, die auf Abruf zur Verfügung stehen. Für die volle Inbetriebnahme aller Kapazitäten sei es aber notwendig, kurzfristig weitere hinzuziehen.

Seit Mai sind in dem Reservekrankenhaus knapp 90 Betten für einen Betrieb zugelassen.

R-Wert wird bleiben

Matz erläuterte zudem, im Senat sei auch über den R-Wert gesprochen worden. Dieser gibt an, wie viele andere Menschen ein Infizierter im Schnitt ansteckt. Matz räumte ein, dass die Berechnungen den vom Senat veröffentlichten R-Wert zu niedrig erscheinen lassen. Letztlich sei man sich aber einig darin gewesen, die Berliner Corona-Warn-Ampel nicht grundlegend zu ändern. Es bleibe bei drei Ampeln, sagte Matz.

Die Aussagekraft der sogenannten Reproduktionszahl werde aber durchaus kritisch gesehen. "Wir haben deswegen überlegt, ob wir einen anderen Wert stattdessen nehmen können", sagte Matz. "Aber wir wollen den R-Wert in der Ampel lassen." Es sei indes geplant, Zahl zu ergänzen, die die Beschleunigung des Infektionsgeschehens verdeutlicht. Sie soll im täglichen Online-Lagebericht zu finden sein. Ein Sprecher der Gesundheitsverwaltung sagte, die Fachabteilung kläre noch Details.

Berlin will sechs Millionen Schnelltests besorgen

Derweil steht fest, dass auch die Mitglieder des Berliner Abgeordnetenhauses die Möglichkeit bekommen sollen, Corona-Schnelltests zu nutzen. Dabei sollen dieselben Regeln zur Anwendung kommen wie bei anderen Einrichtungen auch. Beabsichtigt ist, die sogenannten Antigen-Schnelltests etwa in Pflegeeinrichtungen, Krankenhäusern oder der Wohnungslosenhilfe einzusetzen.

Das Abgeordnetenhaus müsse festlegen, welcher Personenkreis in welchem Rhythmus getestet werden soll, erklärte Matz. "Dann stellen wir entsprechend die Tests zur Verfügung." Dabei gehe es um kleine Größenordnungen. "In einem ersten Austausch war von 500 Tests die Rede."

Nach Angaben des Staatssekretärs sollen für 2020 sechs Millionen Schnelltests beschafft werden; mehr als 600.000 seien bereits verfügbar. Insgesamt stehen für dieses und nächstes Jahr 71 Millionen Euro für 12,6 Millionen Schnelltests bereit. Der Antigen-Schnelltest, der ein Ergebnis innerhalb von rund 15 bis 30 Minuten liefert, gilt als weniger genau als PCR-Tests. Laut Robert Koch-Institut muss ein positives Ergebnis immer noch einmal mit Hilfe eines PCR-Tests bestätigt werden.

Sendung: Abendschau, 10.11.2020, 19:30 Uhr

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17 Kommentare

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  1. 17.

    Nö. Nicht seit Wochen, sondern seit genau 8 Monaten. Jedenfalls sofern man über Kognition verfügt und nicht bildungsfern ist.

  2. 16.

    die Betten sind lehr seit 6 Monaten!!!

  3. 13.

    " Wozu ist es ausschließlich für Corona eingerichtet worden? "

    weil für andere Erkrankungen ( zB Herzinfarkt , Schlaganfall ) andere Ausrüstungen erforderlich sind, ebenso für akut erforderliche Operationen und.... das dafür erforderliche Personal ist nicht vefügbar , man hat hier Ruheständler reaktiviert

  4. 12.

    Ein Leerstehendes Gebäude was jeden Tag Steuergelder verschlingt. Berlin hat es ja. Super Politik RRG.

  5. 11.

    Stehen lassen und SOFORT nutzen! Ohne Ablaufdatum. Dann können die anderen Krankenhäuser notwendige und terminierte Operationen weiterführen. Das nennt man Effizienz, Frau Gesundheitsenatorin!

    Wozu ist es ausschließlich für Corona eingerichtet worden?

  6. 10.

    Die Entscheidung zu einer Schließung sollte gut überlegt vorgenommen werden. Wer weiß, ob nicht wieder neue Wellen kommen !

  7. 9.

    Die Klinik ist vernünftig.
    Wir werden sie noch benötigen.
    Aber bitte an der Personalbeschaffung dranbleiben!
    Damit Anfang Januar da kein Chaos ausbricht.

  8. 8.

    " Das Nutzungsende ist bis zum 31. Mai vorgesehen "

    wie sich bis dahin die Coronadynamik entwickeln wird kann niemand vorhersagen

  9. 7.

    Test-Stau? Gibt es noch Atemwegserkrankte, die getestet werden? Mir ist keiner bekannt. Und witzig, das KH mitten im Winter schließen zu wollen. Der Senat hat wohl gedacht, dann ist die Pandemie beendet. Total gerafft, echt.

  10. 6.

    Wieso bleibt das Ding nicht so lange stehen bis alles vorbei ist und auch der letzte geimpft ist bzw. man davon sprechen kann, dass das Virus schlicht weg nicht mehr da ist?
    Ich glaube das würde ich nun ausnahmsweise mal nicht als Steuerverschwendung sehen.

  11. 5.

    Aber wenn im Mai die 4.,5.oder 6.Welle kommt?Dann braucht man die Klinik vielleicht noch.
    Da kann man doch jetzt noch nichts ankündigen.

  12. 4.

    Dann gucken sie doch weg!

    Schnallen sie sich beim Autofahren an? Obwohl sie noch nie einen Auffahrunfall hatten? Warum?

    Für manche Covidioten scheint Vorsorge ein Fremdwort zu sein.

  13. 3.

    Lieber rbb24,
    tatsächlich würde mich - im Hinblick auf den Kommentar von Lia s.u. - ebenfalls interessieren, wie die RKI Infektionszahlen vor dem Hintergrund der Schwierigkeiten bei den Melde- und Testprozessen momentan zu bewerten sind. Kann der rbb24 hierzu Informationen und eine Einordnung bereitstellen?

    Da wiederholt berichtet wurde, dass die Labore einen Teststau abarbeiten, stellt sich zB die Frage, ob die aktuellen Fallzahlen - die nicht kontinuierlich steigen - eine Konsequenz daraus sind? Und wie sieht es mit den Meldungen durch die Gesundheitsämter aus? Wie sind die Zahlen also zu interpretieren?

  14. 2.

    Der Senat zweifelt an dem,was er vor Wochen noch für 100% richtig hielt?Hat er sich nicht jeglicher kritischer Diskussion verweigert?
    Ich jedenfalls habe keinerlei Vertrauen zu diesem Senat.

  15. 1.

    Die Aussagefähigkeit der täglichen Angaben über das Corona-geschehen kann man doch wohl seit Wochen anzweifeln. Schon deshalb, weil die Gesundheitsämter gar nicht mehr hinterher kommen. Und am schlimmsten finde ich die Angaben, wenn nur ein Bruchteil unserer Gesundheitsämter überhaupt Zahlen liefern.
    Ich mag schon gar nicht mehr hingucken.

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