Die Corona Warn-App zeigt am 5. November 2020 in Berlin auf dem Display eines Handys "Erhoetes Risiko" und "4 Risiko-Begegnungen" an (Bild: dpa/Zacharie Scheurer)
Bild: dpa/Zacharie Scheurer

Risikobegegnungen in "Grün" und "Rot" - Was uns die Corona-App sagen will

Mitunter fühlt es sich an wie beim Quartett: "Ich hab heute neun Grüne", sagt eine Kollegin in der Zoom-Konferenz. "Seit ich beim Hausarzt war, habe ich vier rote Risiko-Begegnungen", kontert ein anderer Kollege. Und nun? Was die Corona-App uns sagen will und wie sie rechnet.

Mit steigenden Infektionszahlen bekommen auch immer mehr Nutzerinnen und Nutzer der Corona-Warn-App angezeigt, dass sie in den zurückliegenden Tagen in Kontakt mit einem positiv Getesteten gekommen sind. Sobald sich eine Person mithilfe des Freischaltcodes des Labors als infiziert meldet, sorgt die Warn-App automatisch dafür, dass in der Vergangenheit erfolgte Kontakte informiert werden.

Rot zeigt "erhöhtes Risiko"

Keine Handlungsbedarf besteht laut App-Anweisung bei grün eingefärbten Begegnungen (deren Datum aus Datenschutzgründen nicht angezeigt wird) mit niedrigem Risiko - auch nicht, wenn es mehrere sind. Außer natürlich, sich an die allgemein geltenden Abstands- und Hygieneregeln zu halten.

Anders sieht es aus, wenn Begegnungen mit erhöhtem Risiko in der App auftauchen. Zeigt die App ein rot eingefärbtes "erhöhtes Risiko" an, so gab es innerhalb der vergangenen 14 Tage eine Begegnung (oder mehrere) mit Corona-positiv-getesteten Personen, "die über dem definierten Schwellenwert" lagen [tagesschau.de]. Per Bluetooth-Technik wird die Dauer einer Begegnung und den Abstand zwischen App-Nutzerinnen und Nutzern gemessen; ab festgelegten Zeiten und Abständen wird ein Kontakt als "Risikobegegnung" eingestuft.

Die App zeigt nach Angaben des Robert-Koch-Instituts auch an, vor wieviel Tagen diese Begegnung stattfand; bei mehreren Begegnungen mit erhöhtem Risiko wird nur die letzte angezeigt. Kontakte, die länger als 14 Tage zurückliegen, sind nach Informationen des RKI nicht mehr für die Risiko-Ermittlung relevant.

Viele Hochrisiko-Begegnungen sorgen für Verwirrung

Wer sich wundert, dass er nach einer ersten Hochrisiko-Begegnung (App färbt sich rot) immer weitere angezeigt bekommt, hat nicht zwangsläufig noch mehr tatsächliche Hochrisiko-Begegnungen gehabt. Denn aktuell wird bei einer Statusanzeige "erhöhtes Risiko" (rot) bei der Art der Risikobegegnungen nicht weiter differenziert. Es ist also möglich, dass nur eine der Begegnungen tatsächlich die Kriterien für ein "erhöhtes Risiko" erfüllt, während die anderen Begegnungen mit "niedrigem Risiko" (grün) waren. Noch vor Weihnachten soll sich das aber ändern und präziser dargestellt werden, so das RKI.

Wenn die App auf Rot springt und im folgenden viele Risikobegegnungen anzeigt, obwohl der Nutzer nach eigenem Wissen keinen Kontakt zu anderen hatte, handelt es sich möglicherweise nicht um verschiedene infizierte Personen, denen man begegnet ist, sondern um eine Person, der man täglich nahe war. Da die App Begegnungen von bis zu acht Meter Entfernung registriert - und das auch durch Wände -, könnte es sich zum Beispiel auch um einen infizierten Nachbarn in einem Mehrfamilienhaus handeln.

Auf einem Handy zeigt die Corona-Warnapp ein Niedriges Risiko an (Bild: rbb24/privat)Die Corona-App zeigt "heute" 2 Risiko-Begegnungen mit niedrigem Risiko an

Bei Rot besteht Handlungsbedarf

Nutzer werden bei "Rot" von Seiten der App aufgefordert, persönliche Kontakte zu reduzieren [rki.de]. Bei Symptomen sollen Hausarztpraxis, kassenärztlicher Bereitschaftsdienst oder Gesundheitsamt kontaktiert werden. Die Hausarztpraxis oder das Gesundheitsamt entscheiden über einen Test auf das Coronavirus. Zeigt die App "Rot", ist ein Test auch ohne Symptome kostenlos.

Es besteht bei einer roten Meldung in der App weder ein Grund zu Panik noch die Pflicht, sich in Quarantäne zu begeben. Freiwillige Quarantäne wird aber empfohlen. Menschen, die Kontakt mit einer Person mit der App-Anzeige "erhöhtes Risiko" hatten, sind nicht allein aufgrund dessen Kontaktperson I oder II Grades.

So wird das Risiko errechnet

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat als Herausgeber der Corona-App einen komplexen Berechnungsschlüssel entworfen: Begegnungen, die weniger als zehn Minuten gedauert haben, gelten dabei als unbedenklich - egal, wie nah sich die Smartphones dabei gekommen sind. Das gleiche gilt für Begegnungen, bei denen die Smartphones im Durchschnitt mehr als acht Meter voneinander entfernt waren - unabhängig davon, wie lange die Begegnung insgesamt dauerte. In solchen Fällen wird das Risiko als niedrig (grün) angezeigt, auch wenn die Kontaktperson positiv getestet wurde.

Dauerte hingegen der Kontakt mindestens zehn Minuten bei einer Entfernung von unter 1,5 Metern, ist das Risiko, sich infiziert zu haben, recht hoch. Auf der App wird dann "erhöhtes Risiko" in Rot angezeigt. Aber auch eine rote Ampel ist nur ein Hinweis, dass möglicherweise eine Infektion erfolgt sein könnte und kein eindeutiges Indiz.

Kompliziert wird es, wenn Begegnungen zwischen diesen klar definierten Bedingungen stattfanden - wenn man beispielsweise in der Bahn Bus 15 Minuten lang drei Meter von einer Person entfernt saß, die später positiv getestet wurde. Dann fließen weitere Faktoren ein. Etwa wie viele Tage seit der Begegnung vergangen sind - entsprechend unterschiedlich hoch ist die Infektiosität. Oder ob es an einem Tag mehrere solcher vagen Begegnungen mit positiv Getesteten gegeben hat. Die App-Entwickler haben die genaue Risikoermittlung auf dem Online-Dienst "GitHub", wo sie auch den Quellcode der App offengelegt haben, veröffentlicht.

Es kann zu Ungenauigkeiten kommen

Dennoch bleibt eine gewisse Ungenauigkeit in der Berechnung der Risikobegegnungen - zum Beispiel aufgrund der Technik. Smartphones sind nicht originär dafür ausgelegt, exakte Entfernungen im Nahbereich zu ermitteln. Diese geschieht aufgrund der gemessenen Abschwächung des Bluetooth-Signals, das vom Handy ausgesendet wird. Wenn es Hindernisse zwischen zwei Smartphones gibt - beispielsweise durch Wände, Körper oder wenn Handys in Handtaschen liegen - wirkt sich das auf die Signalstärke und damit auf die berechnete Entfernung aus. Ebenso kann nicht erfasst werden, ob bei den Begegnungen ein Mund-Nasen-Schutz getragen wurde. Oder ob sie im Freien oder drinnen stattfanden, was bei der Übertragung durch Aerosole eine große Rolle spielt.

Zudem findet der Austausch zwischen zwei Mobiltelefonen nur in Intervallen statt, die bis zu mehreren Minuten auseinanderliegen können. Darüber hinaus kann es zu Verzögerungen kommen, etwa wenn ein positiv Getesteter das Testergebnis nicht sofort in die App einträgt.

Sofort zu erfahren, dass man just im Moment auf eine infiziert gemeldete Person trifft, ist dabei übrigens technisch nicht möglich. Es ist aber in der Realität auch ein unwahrscheinliches Szenario, denn ab Erkennen der Infektion besteht für den oder die Betroffenen Quarantäne mit komplettem Ausgeh- und Kontaktverbot.

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14 Kommentare

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  1. 14.

    " ..., die Corona-Warn-App sei nur für T-Systems und SAP „ein großer Glücksfall, ein goldener Regen“. Für die deutschen Steuerzahler sei das Projekt hingegen „ein wirtschaftlicher Totalausfall, ohne einen messbaren Nutzen für unsere Bürger zur Bekämpfung der Corona-Pandemie.“ ff.

    Quelle: https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/digitec/so-viel-kostet-den-staat-die-corona-warn-app-16999459.html

  2. 13.

    "Was uns die Corona-App sagen will"
    Mir sagt die Corona App gar nichts. Hauptsache der Datenschutz ist geschützt.
    Ansonsten ist die App ein zahnloser alter Hauskater, der bei Ärzten überhaupt keine Rolle spielt.
    Die irgend-was zwischen 70 Mio Euro kostete. Heraus geschmissenes Geld, sind die Bürger aber schon gewöhnt,
    s. Milliardengrab BER.

  3. 12.

    Nein, das habe ich nicht vor. Wer weiß ob die App das richtig ermittelt hat...und mein Leben aufgrund von so Ungenauigkeiten einzuschränken, das macht doch keiner. Ich ware eh Abstand und trage MNS wo es gefordert ist. Aber zu hause? Machen Sie sich nicht lächerlich!

  4. 11.

    Ein weiteresManko hat die App:
    Gibt es eine Hoch-Risiko-Begegnung, wechselt die App auf den roten Bildschirm. ALLE weiteren Begegnungen werden nun auf diesem Bildschirm vermerkt/ gezählt und sehen aus wie Begegnungen mit hohem Risiko. Bei rotem Bildschirm wird also nicht mehr differenziert.
    Ich hatte selbst angeblich 8 eine Freundin 13 HRB - nach ein paar Tagen wechselte es dann zum grünen Bildschirm und es waren nur noch mehrere Niedrig-Risiko-Begegnungen „übrig“ (in Selbstauferlegter Quarantäne).

    Die Begegnungen werden ja differenziert gespeichert. Finde den „grafischen“ Raum zwischen hohem und niedrigem Risiko zu unterscheiden sollte sie haben - auch wenn sie auf den roten Bildschirm wechselt - bei aller einfachen Bedienbarkeit und Lesbarkeit.

  5. 10.

    Dann hoffe ich, dass sie sich so schnell wie möglich selbst in Quarantäne begeben und auch zu Hause die Maske tragen plus Abstand wahren!

  6. 8.

    Die App ist insgesamt freiwillig, d.h. schon, ob man sie überhaupt installiert. Folglich auch, wie man sie dann nutzt.
    Es passiert gar nichts, wenn man es nicht macht.

    Es wäre aber bedauerlich, wenn jemand diesen Vermerk eines positiven Testergebnisses nicht vornimmt.

  7. 7.

    Mal eine einfache Frage: wenn jemand positiv getestet wurde (infiziert ist) hat er das auf dem Handy zu vermerken. Er hat das also freiwillig zu entscheiden.
    Was ist wenn er es nicht macht?

  8. 6.

    Die App wurde 22 Mio mal heruntergeladen.... wie viele die nutzen und auf wieviele Handys die überhaupt noch drauf ist weiß niemand.
    Damit sie etwas bringt müssten mindestens 40% der Bevölkerung diese nutzen..... Bevölkerung, nicht die die ein Smartphone haben auf der die auch läuft.
    Ich habe bisher noch von keinem demokratischen Land gehört in dem sie ein Erfolg war. Glaube in England ist sie schon Klamm heimlich eingestampft worden.
    Aber .... wer will soll sie halt nutzen, tut ja keinem weh.

  9. 5.

    Hallo Köpenickerin, sicher wäre das interessant zu wissen. Aber durch die App haben Sie jetzt überhaupt die Info, dass Sie gefährdet sind (und nun auch weitere Menschen gefährden könnten).
    Aber vielleicht war es ja auch nur eine "Begegnung mit niedrigem Risiko".

  10. 4.

    Ich habe heute zum ersten Mal eine Risikobegegnung angezeigt bekommen, ich weiß weder wann das war noch wo, finde ich ausgesprochen blöd, dann brauch ich die App nicht ...

  11. 3.

    Ja schlechtreden können wir die App alle! Toll.
    Aber mal drauf achten, dass wir in Deutschland mit knapp 22 Millionen Nutzern fast die beste Abdeckung in Europa haben, will niemand anerkennen.
    Die App ist nicht perfekt, sie lässt sich noch verbessern aber dennoch ist sie eine Hilfe in der Zeit wo der Impfstoff zwar entwickelt aber noch nicht vertrieben wird.

  12. 2.

    Sehr geehrte rbb24-Redaktion
    am vergangenen Freitag hatte ich 20 rote Risikomeldungen auf meiner Warn-App. Ein Anruf bei der Corona-Hotline in Berlin hat ergeben, dass ich keinen kostenlosen Test machen lassen kann, so lange ich keine Symptome habe. Der rote Warnhinweis ist dafür alleine nicht ausreichend.
    Offensichtlich stehen nicht genügend Testkapazitäten zur Verfügung.
    Es gibt also sehr unterschiedliche Aussagen.
    Mit freundlichen Grüßen
    Ralph Jakisch

  13. 1.

    Was nützt die App wenn beim Gesundheitsamt Land unter herrscht ???

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