Heimspiel zum Rückrundenstart - Angeschlagene Unioner empfangen angriffslustige Mainzer

Fr 17.01.25 | 16:44 Uhr
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Union Berlins Woo Yeong Jeong im Spiel gegen Augsburg (Bild: IMAGO/Jan Huebner)
Audio: rbb24Inforadio | 17.01.2024 | Philipp Höppner | Bild: IMAGO/Jan Huebner

Seit zehn Spielen wartet Union Berlin auf einen Sieg. Nun ist am Sonntag (15:30 Uhr) zum Rückrundenstart mit Mainz 05 das Überraschungsteam der Bundesliga zu Gast – ohne Trainer und Top-Stürmer, aber mit viel Selbstvertrauen.

Fakten zum Spiel

  • Union Berlin holte aus den letzten neun Ligaspielen nur einen Punkt
  • Trainer Baumgart erwartet ein emotionales Spiel mit aggressivem Gegner
  • Mit Mainz 05 kommt der aktuelle Tabellensechste nach Köpenick
  • Die Gäste müssen allerdings auf Top-Torjäger Jonny Burkardt verzichten

Die sportliche Situation bei Mainz 05

Die ist derzeit richtig gut. Oder etwas ausführlicher: Sie ist so gut wie lange nicht mehr. Mit 28 Punkten liegt Mainz vor dem Spiel beim 1. FC Union Berlin nicht nur auf Tabellenplatz sechs, sondern dort auch mitten im Rennen um die internationalen Plätze. Nach einer Vorsaison mit Abstiegssorgen bis zum letzten Spieltag hat Trainer Bo Henriksen seiner Mannschaft mehr als nur neues Leben eingehaucht. Er hat ihr eine neue Spielidee eingepflanzt, die Fürchte trägt. "Er treibt eine Entwicklung voran, die eben nicht nur defensiv ausgerichtet ist, auf Pressing und Gegenpressing setzt", fasst Jan Budde vom Podcast "Hinterhofsänger" zusammen.

Der Gegner-Experte

Jan Budde stammt zwar eigentlich aus Wuppertal, aber ist trotzdem Anhänger von Mainz 05. Mehr noch: Er ist Teil der "Hinterhofsänger", einem Podcast in dem er sich mit einer Mitstreiterin und einem Mitstreiter mit den 05ern auseinandersetzt.

Da besprechen sie nach den Spielen gerne, woran es gelegen hat oder bejubeln die Erfolge ihrer Meenzer.

Zwar gehören diese Elemente noch immer zum Mainzer Spiel, allerdings wurden sie ergänzt durch mutigeres Spiel mit dem Ball – vom Torwart, über das Aufbauspiel bis in die Offensivreihe. Das Ergebnis: Nach nur 39 geschossenen Toren in der gesamten Vorsaison haben die Mainzer nun nach der Hinrunde bereits 30 Treffer markiert. So feierten sie seit Mitte November unter anderem Siege gegen Dortmund, Frankfurt und den FC Bayern. Bei ihrer knappen 0:1-Niederlage am Dienstag in Leverkusen blieben sie zwar ohne eigenen Treffer, waren aber dennoch keinesfalls chancenlos.

Das bewegt die Fans

"Eine extrem gute Stimmung", fasst Budde zusammen. Während Unions Fans sich aktuell mit dem drohenden Abstiegskampf konfrontiert sehen, herrsche in Mainz "eine nachhaltige Euphorie". Ausgelöst wurde die mit der Rettung zum Ende der Vorsaison, befeuert durch den positiven Trend in der Hinrunde. "Das wird zum Beispiel durch den extremen Support bei den Auswärtsfahrten spürbar, durch die Menge an Menschen, die da sind und sich beteiligen", sagt Budde.

Ebenfalls positiv gestimmt wurde man in Mainz diese Woche von dem klaren Bekenntnis durch Ausnahme-Stürmer Jonny Burkardt, der zumindest bis zum Saisonende definitiv in Mainz bleiben wird. So dürften die Fans ihm auch verzeihen, dass er im Sommer dann sehr wohl wechseln dürfte – noch dazu wohl zum verhassten Rivalen nach Frankfurt. "Wir sind Kummer gewohnt", sagt Budde, "und wissen, dass da ganz viel nachkommt." Viel unmittelbarere Kopfschmerzen bereitet, dass Burkardt gegen Union verletzt ausfallen wird.

Auf diesen Spieler sollte Union achten

Durch den Ausfall von Burkardt wird am Sonntag vor allem Nadiem Amiri noch stärker im Fokus stehen. Der vielseitige 28-Jährige zieht in einer insgesamt sehr vielseitigen Mainzer Mannschaft vom Mittelfeld aus die Strippen und kehrt nach einer zwei Spiele langen Rot-Sperre gegen Union zurück. Der einzige Schlüsselspieler ist er dabei allerdings bei weitem nicht. "Wir haben tatsächlich in allen Mannschaftsteilen Anführer", sagt Budde und gibt ein weiteres Beispiel: "Niemand hätte gedacht, dass Stefan Bell nochmal einen gefühlt 80. Frühling erlebt. Aber er geht voran und schafft es, die Innenverteidigung an seiner Seite zu leiten."

Apropos Leiten: Diese Aufgabe muss Mainz-Trainer Henriksen am Sonntag an seinen Assistenten Michael Silberbauer abtreten. Nach einer Gelb-Roten-Karte im Spiel gegen Leverkusen darf Henriksen im Stadion an der Alten Försterei nur auf der Tribüne Platz nehmen.

Das sagen die Trainer

Steffen Baumgart (Trainer Union Berlin): "Mainz ist eine Mannschaft, die mit sehr, sehr viel Emotionen ihre Spiele spielt. Sie haben eine hohe Aggressivität, aber spielen trotzdem sehr sauber, gewinnen viele Zweikämpfe und lassen wenig Torchancen dazu. Man kann von eklig sprechen, was aber absolut positiv gemeint ist. Die Jungs wissen genau, was sie können."

Bo Henrikson (Trainer Mainz 05): "Wir wissen, dass das ein sehr, sehr schweres Spiel wird. Auswärts in Berlin zu spielen, ist immer schwer. Aber wir wissen auch, dass wir unsere Möglichkeiten bekommen werden. Wichtig ist, dass wir unser Spiel machen. Wir spielen gegen einen guten Gegner, aber ich habe ein gutes Gefühl."

So könnte Union Berlin spielen

Henriksens Berliner Pendant Steffen Baumgart darf hingegen wie gewohnt seinen noch ungewohnten Platz an Unions Seitenlinie einnehmen. Wen er von dort aus über den Rasen scheuchen wird, ist zumindest teilweise noch nicht bekannt. Klar ist, dass Tom Rothe nach seiner Roten Karte nicht dabei sein wird und auch die Verletzten Frederik Rönnow, Kevin Vogt sowie Ivan Prtajin ausfallen werden. Hinten links dürfte entweder Robert Skov oder Jerome Roussillion in die Baumgartsche Viererkette rutschen, etwas weiter vorne dürfte Rani Khedira in die Startelf zurückkehren.

So könnte Union spielen: Schwolow – Trimmel, Doekhi, Diogo Leite, Skov – Khedira – Kemlein, Schäfer – Hollerbach, Jordan – Jeong

Die Prognose

Der Tipp des Gegner-Experten: "Leider tritt meistens das Gegenteil von dem ein, was ich tippe. Aber ich schätze, dass das Ergebnis knapper wirkt, als das Spiel eigentlich wird. Ich tippe auf ein 2:0 für Mainz", sagt Jan Budde.

Der Redaktionstipp: "Angeschlagene Union erwartet eine selbstbewusste Mainzer Mannschaft, die offensiv wie defensiv sehr gefestigt ist. In Kombination mit der Unioner Offensivflaute eine komplizierte Mischung. Die Eisernen bleiben auch im elften Spiel in Serie sieglos und verlieren bitter mit 0:1."

Sendung: rbb24 Inforadio, 17.01.2025, 16:15 Uhr

8 Kommentare

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  1. 8.

    Osten und Westen unser Berlin. Gemeinsam für Eisern Union.

  2. 7.

    Bitte Sturm ohne Jordan, sonst wird er in Guinness Buch der Rekorde zu finden sein - so 64 Monate ohne Tor ....

  3. 6.

    So ganz langsam muss Köpenick wohl doch ein wenig zittern. Gegen Mainz muss dann doch mal was zählbares rüberkommen.
    Ansonsten bleibt ja neben der Hoffnung auf noch schlechtere Mannschaften der grüne Tisch - so können ja ggf. aus einem nich drei Punkte vs Bochum werden. Und wenn es dann immer noch nicht reicht, einfach wieder Feuerzeuge schmeißen und einen auf Opfer machen.

  4. 5.

    Entwicklung ist schon hart für uns
    und keine richtige, begründete Hoffnung auf Änderung zu sehen
    trotzdem, sicher ist unsere Empathie, noch........ :-(
    denn langsam wird's fragwürdig, das mit den Entscheidungen des Führungskaders......
    also Jungs: Tore schießen !!!
    toi, toi, toi
    U.N.V.E.U.

  5. 4.

    Also von einer lustlosen Truppe zu reden, kann ich nicht nachvollziehen. Am Einsatzwillen liegt es nun wirklich nicht. Ich bin der Meinung, die werden in ein falsches System reingezwengt. Die Mannschaft hat auch in dieser Besetzung unter Urs Fischer in 3/5 er Kette gespielt und da hatten sie über einige Zeiträume die beste Defensive der Bundesliga. Damals noch mit Robin Knoche. Mit dem jetzigen System bekommen sie viel zu früh einen Gegentreffer und dann rennen sie einem Rückstand hinterher. Das was funktioniert hat sollte beibehalten werden. Ich versuche ja auch nicht einem Pinguin das Fliegen beizubringen, bloß weil er ein Vogel ist. Im Schwimmen ist er aber der Beste unter allen Vögeln. Ein bisschen Satire ist manchmal auch aussagekräftig.

  6. 3.

    Die Unioner sollten sich mal erinnern, wie dieser Club in die erste Liga gekommen ist. Von denen ist ja außer dem Herrn Trimmel keiner mehr übrig. Wenn ich Trainer wäre, würde ich denen Bilder vom Aufstieg und den ersten Jahren in der 1. Liga zeigen. Und dann dazu aufrufen, für den Club, der diese in großen Teilen lustlos spielende Versammlung ernährt, auch mal endlich wieder Einsatz und Hingabe zu zeigen.
    Vielleicht würde es helfen.

  7. 2.

    Keine guten Aussichten.Die Nullfünfer sind das Überraschungsteam der Saison und haben 24/25 bislang alle Mannschaften der unteren Tabellenhälfte in deren Stadien geschlagen, Pauli und Kiel deutlich, Augsburg knapp.

  8. 1.

    Jede Wette, das endet 0:2.

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