Archibald Horlitz, Vorsitzender des SV Babelsberg 03 (Quelle: imago images/foto2press)
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SV Babelsberg in der Coronakrise - "Jedes Spiel ohne Zuschauer bedeutet 10.000 Euro weniger"

Seit Anfang November ruht der Ball in der Regionalliga Nordost. Wann oder wie es weitergeht, ist völlig unklar. Der SV Babelsberg ist mit öffentlichen Zuschüssen vergleichweise gut aufgestellt - braucht aber dringend seine Fans. Von Dennis Wiese

Die Regionalliga Nordost befindet sich in Lauerstellung - endlich wieder Fußballspielen wollen die Teams. Auch die Mannschaft des SV Babelsberg 03. Die Vereine und der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) müssen aber sehr genau abwägen, wie der Neustart nach dem erneuten Corona-Lockdown gelingen kann.

Denn noch erhalten die Clubs Kurzarbeitergeld und andere öffentliche Zuschüsse. "Wir haben von unserer Seite alles getan, um nicht finanziell überrollt zu werden", so Babelsbergs Präsident Archibald Horlitz. Mitarbeiter und Spieler der Potsdamer würden über das Kurzarbeitergeld finanziert. Die Spieler hätten aber nie 100 Prozent der staatlichen Subventionierung erhalten, "weil sie sich immer bis zu einem gewissen Grad mit Training fitgehalten haben. Da fanden wir das nur fair", so Horlitz.

Hinzu kommen die Zuschüsse des Landes Brandenburg, die über den Landessportbund ausgeschüttet wurden. Wie hoch die Summen sind, wollte Horlitz nicht sagen, aber: "Es reicht momentan aus, um den Betrieb aufrechtzuhalten, um kein Personal entlassen zu müssen. Aber zum Überleben unseres Vereins würde das allein auf Dauer nicht reichen, ohne Spielbetrieb, ohne Einnahmen durch Zuschauer und Catering."

Hubert Wolf, Vereinsvertreter im NOFV und Präsident vom ZFC Meuselwitz(Quelle: imago images/VIADATA)
Hubert Wolf, Vereinsvertreter im Nordostdeutschen Fußballverband und Präsident vom ZFC Meuselwitz | Bild: imago images/VIADATA

Keine Zuschauer, keine Zukunft

In der Rechnung von Babelsbergs Präsident Archibald Horlitz entgehen dem Verein "im Schnitt 10.000 Euro pro Heimspiel, das ohne Zuschauer stattfindet". Auch ohne Fans müsste das Karl-Liebknecht-Stadion bewirtschaftet, der Rasen gepflegt werden. Auch einige Ordnungsdienstmitarbeiter müssten im Stadion sein. Diesen Kosten stehen die ausbleibenden Einnahmen gegenüber, die eigentlich durch Eintrittskarten, Verpflegung und Fanartikelverkäufe reinkommen würden.

Insgesamt liegt der Saisonetat der Babelsberger bei rund 350.000 Euro. Verständlich, dass mehrere Heimspiele ohne Fans an die Substanz gehen würden.

Wunsch der Vereine: Höchstens zwei Spiele ohne Zuschauer

Hubert Wolf vertritt im Präsidium des NOFV die Interessen der Vereine. Wolf rechnet vor, dass die größeren Clubs wie etwa Energie Cottbus rund ein Drittel ihrer Einnahmen aus den Zuschauergeldern bekommen. Bei einem Heimspiel ohne Fans würden Zuschauerprimus Cottbus bis zu 60.000 Euro fehlen.

Je professioneller die Vereine sind, desto größer seien die Sorgen, so Wolf. In den Videokonferenzen hätten die Clubs geäußert, dass sie bei einer Wiederaufnahme höchstens zwei Spiele ohne Zuschauer absolvieren könnten. Das Kurzarbeitergeld würde bei normalem Spielbetrieb wegfallen, die wichtigsten Einnahmen an den Stadionkassen aber ausbleiben. Da sei es laut Wolf klüger, länger in der Kurzarbeit zu bleiben als zu viele Partien ohne Zuschauer zu spielen.

"Worst-Case-Szenario": Wiederaufnahme Ende März

Wie geht es also weiter in der Regionalliga Nordost? Bis Ende Juni haben die Vereine Zeit, die Saison zu Ende zu bringen. Der diesjährige Meister steigt direkt in die 3. Liga auf. Archibald Horlitz rechnet, ähnlich wie in der vergangenen Spielzeit, mit keinem regulären Ende: "Selbst mit vielen Mittwochsspielen und Spielen bis Ende Juni wird es knapp. Manche Vereine müssen noch mehr als 25 Partien absolvieren. Es wird wohl wieder einen Kompromiss geben müssen", so Horlitz.

Nur im besten aller Fälle könnte es im Februar wieder, mit Zuschauer, losgehen. Vorausgesetzt das Infektionsgeschehen lasse es zu, so Horlitz. Sein "Worst-Case-Szenario" wäre eine Wiederaufnahme der Spiele Ende März, Anfang April. Und dann mit abgespecktem Programm. Und nur begrenzt zugelassenen Zuschauern.

Fans in Babelsberg als Pfund

Wie auch immer es weitergehen wird, Horlitz sieht seinen SV Babelsberg vergleichsweise gut aufgestellt. Das habe mit der Struktur des Vereins zu tun. Und mit den Fans. Die hatten schon am 31. Mai ein virtuelles Saisonfinale veranstaltet und mit virtuellen Würstchen, virtuellem Bier und virtuellen "Flitzern" (Kostenpunkt: 50 Euro) Geld für ihren Verein gesammelt. Insgesamt kamen rund 70.000 Euro zusammen.

"Wir haben eine sehr starke Fanbasis, die uns in der Vergangenheit überragend unterstützt hat", so Horlitz, der auch künftig auf die Fangemeinde zählt: "Sollte es Spitz auf Knopf stehen, sollte größter Schaden drohen, können wir uns sicher an unsere Fanbasis wenden und Unterstützung in jeder Beziehung erfahren".

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Beitrag von Dennis Wiese

2 Kommentare

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  1. 2.

    Professor? Welcher Professor - oder hat die Texterkennung Profisport nicht erkannt?
    Tja - ist schon scheisse ohne die EInnahmen - dafür sollte es staatliche Hilfen geben, wenn die "Profis" weiterspielen dürfen und die nachrangigen Ligen ausgesperrt bleiben.
    Es ist wie es ist: ungerecht und doof - aber dieses perfide Virus ist den Menschen meist einen Schritt voraus - und solange es kein echtes Mittel gegen diese Pandemie gibt, werden die Ungerechtigkeiten nicht besser werden - aber ich nenne es mal jammern auf höchstem Niveau wenn ich dabei an viele andere Länder denke.
    Uns hier geht´s immer noch zu gut......ich hoffe für alle anderen und auch uns - dass dieser Spuk hoffentlich bald endet.

  2. 1.

    Was ist nun wichtiger? Geld oder Gesundheit?

    Andere wissen nicht, wie sie über die Runden kommen sollen und hier wird gejammert, weil dem Professor mal Einnahmen fehlen. Ich finde es einfach nur widerlich!

    Vereins- und Amateursport wird verboten, aber Profisport wird erlaubt. Dabei ist es der Professor, der ERHRBLICH mit zu den hohen Infektionszahlen beiträgt. Professor gehört genauso verboten wie Vereins- oder Amateursport.

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