Models zeigen Kreationen des Designers Tom Van Der Borght im Rahmen der Mercedes-Benz Fashion Week im Kraftwerk in der Köpenicker Straße. Die Berliner Modewoche findet diesmal im Internet statt, die Schauen werden wegen der Pandemie online gezeigt. (Quelle: dpa/J. Kalaene)
Audio: rbb 88,8 | 19.01.2021 | Interview mit Gregor Hohenberg | Bild: dpa/J. Kalaene

Interview | Berliner Modefotograf Gregor Hohenberg - "Es ist wichtig, sich zu arrangieren"

Der Berliner Modefotograf Gregor Hohenberg ist Stammgast bei der Fashion Week und erlebt sie erstmals digital. Im Interview spricht er über Vor- und Nachteile, kreatives Arbeiten in Corona-Zeiten und was er sich für die Zeit nach der Pandemie wünscht.

rbb: Herr Hohenberg, sonst war die Fashion Week immer damit verbunden, dass Sie wahrscheinlich Leute treffen aus aller Welt, dass Sie viel unterwegs sind. Nun findet die Modewoche digital statt. Sind Sie traurig deswegen oder ist es in Ordnung für Sie?

Gregor Hohenberg: Es ist auf jeden Fall anders als die Jahre zuvor. Und ich glaube, es ist auch ein bisschen schwieriger für alle Teilnehmer, für die Modedesigner, die Talente und die Preisträger. Aber trotzdem ist das Positive, dass sie stattfindet. So schlimm digital auch sein mag - trotzdem ist es jetzt einfach für alle sichtbar. Und das hat Vor- und Nachteile für alle.

Wo sehen Sie Vor- und Nachteile?

Einen Vorteil sehe ich darin, dass man Sachen nachlesen und sich informieren kann. Auch wenn man auf einem anderen Termin ist, zum Beispiel auf einem Fotoshooting oder wie jetzt in diesem Falle zu Hause sein muss, kann man kommunizieren. Man kann schauen, wie andere arbeiten oder was andere gemacht haben und trotzdem findet ein Austausch statt. Das ist ein großer Vorteil von der Digitalisierung und der digitalen Welt.

Ein Nachteil ist, dass es neben den ganzen Informationen und Eindrücken, die man sammelt und der neuen Mode, die man sieht, auch ein bisschen wie eine Messe ist. Auf Messen kommen Menschen ins Gespräch. Es entstehen Zufälle, man wird anderen Leuten vorgestellt, die wiederum Teil eines Netzwerks sind. Das ist wichtig, vor allem in der Modebranche und Modefotografie. Das ist nun ein bisschen unterbunden.

Die digitale Fashion Week wirkt trotzdem ein bisschen in die Stadt. Es gibt einen beispielseise einen Riesenbildschirm in Kreuzberg, wo Mode zu sehen ist.

Es ist kein Bildschirm in dem Sinne, sondern ganz klassisch eine Plakatwand. Ich glaube, die längste Plakatwand in Deutschland - also auf jeden Fall in Berlin. Sie ist 85 Meter lang und steht in der Köpenicker Straße, direkt vor dem Gebäude, wo die Modewoche stattfindet - nämlich im Kraftwerk. Dort befindet sich auch die unabhängige Zeitschrift "Achtung Mode", für die ich seit 2001 arbeite. Auf der Plakatwand wird eine Sonderausgabe zum Thema Schwarzwald und Wald gezeigt, wo ich und zwei andere Fotografen unsere Werke zeigen, die in der Ausgabe jetzt aktuell zu sehen sind. Für ein Magazin ist es heutzutage schwierig, präsent zu sein und präsent zu bleiben. Und das ist eine tolle Möglichkeit, die Mode mal anders nach außen zu tragen und an das Publikum zu führen. Es ist also wie eine Open Space Exhibition / Galerie und ist für ein halbes Jahr zu sehen.

Sie haben den schönen Satz gesagt, Kreativität setzt sich immer durch. Wie war das Corona-Jahr für Sie als Modefotograf?

Beim ersten Lockdown im April habe ich mir schon Gedanken gemacht, wie es jetzt weiter geht und wie sich die Situation auch auf meinen Beruf und die Branche auswirkt. Es gab Einschnitte und auch Job-Absagen wegen Corona mit der Begründung, es sei zu gefährlich oder wegen Reglementierungen. Es betraf auch meine Jobs, die im Ausland stattfinden

Aber als Fazit des letzten Jahres muss ich sagen, war das nicht so schlimm, wie ich gedacht hätte. Es war eigentlich ein ganz gutes Jahr - auch wenn es finanziell nicht unbedingt hundertprozentig war - in Zusammenhang mit Dazulernen, sich selber zu entwickeln oder auch Selbstreflektion über seine Arbeit zu machen und so ein bisschen mal einen Schritt zurückzugehen und zu gucken, was man so macht. Das war schon ein interessantes Jahr. Es war auch ein kollektives Erlebnis, weil es nicht nur mir so erging.

Gab es eine neue Form von Kreativität?

Mein Beruf als Modefotograf ist sehr kommunikativ. Man muss viel sprechen und sich mit seinem Gegenüber, den Menschen und dem Team auseinandersetzen, die man trifft. Auf den Shootings müssen nun Masken getragen werden, Corona-Tests müssen gemacht werden. Das erschwert das alles noch. Diese Kommunikation, die sehr wichtig ist, wird so ein bisschen erschwert. Trotzdem, glaube ich, kann man gute Ergebnisse erzielen, indem man weiter daran arbeitet und versucht, sich mit diesen Dingen zu arrangieren. Eine Möglichkeit ist beispielsweise Instagram, wo man seine Arbeit weltweit streuen und sein Profil schärfen kann. Ich habe mir auf Youtube auch Tutorials über Video- Schneideprogramm angeschaut, also so Sachen, um mir Skills anzueignen.

Die Corona-Krise hat sich auch auf die Modeindustrie ausgewirkt. Eigentlich werden schnell viele Kollektionen produziert. Das geht tatsächlich nun zurück.

Ein Nebeneffekt ist, dass dieser Fast-Fashion-Wahnsinn ein bisschen zurückgedreht wird und dass man sich wieder besinnt, etwas weniger und besser zu konsumieren.

Also weniger Stücke kaufen, dafür hochwertiger. Ist das auch Ihr Credo, denn Sie haben ja dann auch weniger zu fotografieren.

Das stimmt. Aber in Verbindung mit der Umwelt und der Menschheit insgesamt ist es wichtiger, dass man auch ein bisschen längerfristig denkt. Das betrifft auch Sachen, die man beruflich macht. Es ist nicht wichtig, dass man extrem viel Output hat oder ständig Sachen produziert, sondern dass man tolle und inspirierende Sachen produziert. Für mich ist das wichtiger als nur der Umsatz.

Worauf freuen Sie sich als Modefotograf nach der Pandemie am meisten?

Am meisten freue ich mich darauf, einfach mal wieder auf den Shootings richtig durchzuatmen und den Menschen mit einem Lächeln zu begegnen, als ständig mit einer Maskierung und nicht nur über seine Stimme oder über seine Augen irgendwie kommunizieren zu müssen. Das vermisse sehr und ich hoffe, dass das auch bald wieder in der Normalität stattfinden wird. Das ist auch wichtig für ein gutes Foto. Man sieht die Reflektion, seine eigene Persönlichkeit in den Gesichtern der anderen. Wenn man eine Maske trägt, erschwert das die Situation.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview mit Gregor Hohenberg führte Ingo Hoppe für rbb 88,8.

Der Text ist eine redigierte und gekürzte Fassung. Das komplette Gespräch können Sie oben im Audio-Player nachhören.

Sendung: rbb88,8, 19.01.2021, 18:10

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