Trotz Corona-Krise - Diese Musikfestivals planen für den Sommer

Besucher*innen laufen im Sommer 2019 auf dem Festivalgelände des Fusion-Festivals entlang (Bild: dpa/Christian Charisius)
Bild: dpa/Christian Charisius

Viele große Festivals sind auch für diesen Sommer abgesagt: Rock am Ring, Hurricane, Southside fallen aus. Doch manche Veranstalter wagen mit strengen Hygienekonzepten jetzt schon den Ticketverkauf. Hendrik Schröder gibt einen Überblick.

Die Macher*innen des alternativen Fusion Festivals sind vorangeprescht und haben schon Ende März verkündet: Die Fusion wird stattfinden - mit einem neuen Konzept. Zuletzt kamen 70.000 Menschen auf das Festivalgelände an der Mecklenburgischen Seenplatte. Über eine Woche lang konnte gefeiert werden. Nun sollen an zwei Wochenenden Ende Juni und Anfang Juli je 35.000 Besucher*innen kommen dürfen. Zugleich sollen umfangreiche PCR-Testmöglichkeiten zur Verfügung stehen. In Hamburg, Berlin und direkt vor Ort sind solche Teststationen geplant.

Um den Mehraufwand zu refinanzieren, verdoppeln sich die Ticketkosten fast auf über 200 Euro. Genehmigt ist das Konzept noch nicht, denn nach derzeitigem Stand dürfen Touristen aufgrund der hohen Inzidenzwerte gar nicht nach Mecklenburg-Vorpommern einreisen. Die Veranstalter sind aber fest entschlossen, alle Möglichkeiten auszunutzen, eine Fusion 2021 möglich zu machen. Das dürfte ihnen leichter fallen als den Machern anderer großer Festivals, denn im Gegensatz zu jenen ist die Fusion nicht gewinnorientiert und die Besucher*innen kommen wegen des Gesamterlebnisses, nicht wegen bestimmter Bands.

Teilnehmer*innen des Strandkorb Open Air stehen und sitzen am 11.07.2020 in Mönchengladbach vor der Bühne (Bild: dpa/Revierfoto)
Das Strandkorb Open Air ist 2021 auch für Berlin und Brandenburg geplant. Bild: dpa/Revierfoto

Helge Schneider im Strandkorb

Bereits geplant und genehmigt ist - Stand Mitte April - das Strandkorb-Festival auf der Galopprennbahn in Hoppegarten. Das Konzept wurde im vergangenen Jahr in Nordrhein-Westfalen erfunden und wird jetzt nach Berlin exportiert. Auf dem Gelände der Rennbahn werden ab Mitte August hunderte Strandkörbe verteilt, jeweils mit Sicherheitsabstand zueinander und mit einem ausgeklügelten Wegesystem. Die Tickets für die Strandkörbe werden nur paarweise verkauft, man sitzt also nicht mit Fremden zusammen, Einzeltickets gibt es nicht.

Bis Ende September sollen dann Helge Schneider, Jan Delay, Katharine Mehrling, Element of Crime und viele andere auftreten. Das Strandkorb-Konzept wurde im vergangenen Sommer von Gesundheitsämtern als vorbildlich bezeichnet. Eine Umsetzung scheint realistisch, sollte sich das Pandemiegeschehen bis dahin nicht dramatisch verschärfen.

Im Sommer 2019 stehen Teilnehmer*innen des Festivals WOA (Wacken Open Air) vor der Bühne (Bild: dpa/Axel Heimken)
Festivalteilnehmer*innen beim zuletzt stattgefunden Wacken Open Air 2019. Bild: dpa/Axel Heimken

Headbanging mit Impfung?

Auch die Veranstalter des größten Heavy-Metal-Festivals der Welt in Wacken wollen nach Möglichkeit ihre Konzerte stattfinden lassen. Fast 70 bestätigte Bands werden derzeit auf der Homepage aufgeführt. Das Festival soll am letzten Juli-Wochenende stattfinden. Die Veranstalter hoffen auf eine deutliche Verbesserung der Corona-Lage bis dahin. Es wäre das 30. Jubiläum des legendären Festivals, zu dem normalerweise Fans aus der ganzen Welt anreisen. Die Veranstalter haben nach eigenen Aussagen mehrere Konzepte vorbereitet und wollen auf jeden Fall etwas stattfinden lassen. Die Fans scheinen daran zu glauben, Wacken ist wie in anderen Jahren bereits ausverkauft.

Abgesagt hingegen ist das Melt-Festival in Gräfenhainichen (Sachsen-Anhalt), das viele Jahre auch für viele Berliner und Brandenburger zu den Highlights des Jahres gehörte. Den Termin Anfang Juni könne man nicht halten, zu ungewiss sei die Situation, heißt es auf der Seite des Festivals. Aber das Team gibt sich kämpferisch und will aus 2021 "noch das bestmögliche herausholen". Denkbar wären kleinere Veranstaltungen und Einzelkonzerte am Ende des Sommers.

Mit Sicherheitsabstand in weissen aufgemalten Kreisen und Voranmeldung nehmen Menschen im Juni 2020 an der Fete de La Musique auf dem Gendarmenmarkt teil (Bild: imago images/Peter Meiflner)Mit Abstandsregeln und Voranmeldung nehmen Menschen 2020 an der Feté de la musique teil.

Im Wartemodus

Über das Lollapalooza-Festival, das im September rund um das Berliner Olympiastadion stattfinden soll, gibt es noch keine Informationen. Abgesagt ist es nicht, Tickets dafür kaufen kann man aber auch nicht. Klar ist, dass solche riesigen Veranstaltungen einen monatelangen Vorlauf brauchen und es sich nur wenige Veranstalter leisten können oder wollen, immer wieder umzuplanen. Deswegen ist es wahrscheinlich, dass hier in den kommenden Wochen Entscheidungen getroffen werden. Auch viele der geplanten Open-Air-Veranstaltungen in Waldbühne, Wuhlheide und Zitadelle mit Konzerten von Seeed, den Foo Fighters oder den Broilers sind noch nicht abgesagt.

Und die Fete de la Musique, bei der immer am 21. Juni in ganz Berlin vor Kneipen und Bars Bühnen aufgebaut werden und gefühlt die halbe Stadt zusammen umsonst und draußen feiert? Wird wahrscheinlich verboten und wie 2020 per Stream durchgeführt. Zu aufwändig wäre es, für jede Bühne ein eigenes Hygienekonzept zu erstellen. Es sei denn, es gibt bis dahin eine deutliche Verbesserung des Pandemiegeschehens.

Der Musiksommer 2021, er ist vor allem von großer Unsicherheit geprägt. Alles scheint jetzt am Voranschreiten der Impfungen zu hängen. Denn viele Veranstalter scheinen trotz des langen De-facto-Berufsverbots und sich ständig ändernder Bestimmungen fest entschlossen, so viel möglich zu erreichen, wie es eben geht.

Beitrag von Hendrik Schröder

16 Kommentare

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  1. 16.

    Nun, gut, Herr Motte. Ich habe es ja schon lange nicht mehr erlebt, daß sich ein selbsternannter Profi innerhalb so kurzer Zeit mit seinem "Fachwissen" diskreditiert. Chapeau! Aber sicherlich finden Sie einen Weg, sich gegen die Aussage des RKI's zu stellen bezüglich der Verbreitung von Aerosolen. Bei Ihrer Erfahrung...kleiner Wink mit dem Zaunpfahl:

    https://www.rbb24.de/panorama/thema/corona/beitraege/2021/04/aerosolforscher-ansteckung-im-freien-gering.html

  2. 15.

    Man kann es echt nicht mehr hören, ja natürlich ist es schlimm auf einer Krankenstation, aber nicht nur mit Corona mit allen Krankheiten.
    Mir brauchen sie nicht zu erzählen ich habe Krebs durch gemacht, dagegen war ist Corona ein kinkerlitzchen.
    Und diese blöde bodenhaftung ist totaler Schwachsinn, weil wenn ich eins gelernt habe ist, dass die Freiheit wichtiger ist als das Leben selbst.

  3. 14.

    "Aber der andere Artikel belegt ja nun, dass du absolut Recht hast, also uff die Hütte!"

    Auswahl?
    https://www.festivalticker.de/festivals-2021/

    Ohne Musik nach Noten:
    https://www.flugplatz-bienenfarm.de/veranstaltungen/ostblock-fly-in-2021/

    Fast ohne Flugzeuge:
    https://www.flugplatz-bienenfarm.de/veranstaltungen/blaulichttreffen-2021/

    Im Zweifelsfall motiviert sowas auch zum "nochmal zusammenreissen".

  4. 13.

    Sehr lustig das im Nachgang des Artikels von den Aerosolforschern zu lesen :D

    Und wie alle gegen dich wettern, der Wahnsinn ^^

    Aber der andere Artikel belegt ja nun, dass du absolut Recht hast, also uff die Hütte!

  5. 12.

    Da ich zeitlebens einen medizinischen Beruf ausgeübt habe, ständig mit Keimen, Viren und Bakterien konfrontiert wurde, können Sie meinen realistischen Aussagen Glauben schenken. Es nützt nichts, es besser wissen zu wollen, da fehlt Ihnen wahrscheinlich die Erfahrung im Kampf um Menschenleben. Gehen Sie auf eine Corona Station und reden Sie mit Betroffenen und Ärzten, dann bekommen Sie wieder Bodenhaftung.

  6. 11.

    Und über die Corona-Mutationen haben diese unbeachteten Wissenschaftler natürlich Jahrelange Studien abgehalten...

  7. 10.

    Oh, es scharmützelt wieder. Ich verstehe nicht, was mir hier einige Kommentatoren unterstellen. Der eine spricht von Glaubensfragen bezüglich meiner Wenigkeit??? Der Andere bezeichnet sich als Realist..?! Nun, Sie sollten sich mal dringend mit dem Verhalten von Viren, respektive deren Ausbreitung befassen. Was hat eine hohe Virenlast in geschlossenen Räumen mit der Verbreitung, um nicht zu sagen Verdünnung, bei Freiluftveranstaltungen bzw. in der Außengastronomie zu tun? Draußen in der Luft vermischen sich Aerosole, welche sie ausatmen, mit anderen Aerosolen zu homöopathischen Dosen. Dazu kommt noch der chemische Einfluß vom Sonnenlicht. Nicht sehr zuträglich für fast alle Viren in entsprechenden Konzentrationen. Und "by the way": Viren sind keine Lebewesen.
    Es bedarf großer Geduld, um sie zu lernen.

  8. 9.

    Träumt ruhig weiter. Ich hingegen erwarte in Kürze die Absage der Weihnachtsmärkte.

  9. 8.

    Die Aerosole als Virenträger verbreiten sich in geschlossenen Räumen und kaum im Freien.
    Also ist es doch verständlich, das draußen auf abstand und Schutzmaske geachtet wird. Wenn sich die Viren in geschlossenen Räumen verbreiten. Die man dann gegeben falls im freien auf andere Menschen überträgt.
    Und jetzt sollen wir ernsthaft Beschränkungen aufheben, und alles wieder öffnen?
    Corona ist auch nicht vom Wetter abhängig. Da spielt es also keine rolle ob es Sommer oder Winter ist.
    Und was sie so Glauben spielt hier keine wesentliche rolle, hier geht es um Fakten.
    Blödsinn wäre es jetzt alles zu kippen.

  10. 7.

    Dem ist aber auch so gar nichts mehr hinzuzufügen. Ich find es nur beschämend, das dieses Disaster schon zur Normalität über gegangen ist.

  11. 6.

    Das selbe Wunschdenken der Politik vom letzten Jahr.
    Wir verbieten alle Veranstaltungen dann bleiben auch alle brav zu Hause..... naja dann kann man sich wieder über die Treffen in Parks beschweren und besorgt sein.

  12. 4.

    Ich glaube nicht das die Fusion stattfinden wird
    meine Festivals steigen ohnehin erst im August.

    Für mich ist das SUMMER ON in Bostad an der schwedischen Westküste der Indikator.
    soll stattfinden nach aktuellen stand. Anfang Juni. und wenn das durchgeht,
    steht einem herrlichen Festivalsommer in unseren Nachbarländern nichts im Weg.

    ich brauch kein überteuerten Rock im Ring.

  13. 3.

    Gerade jetzt, wo es langsam aber sicher wärmer wird, sollte man im Hinblick auf den Sommer die Freiluftveranstaltungen erlauben. Die verschleppte Impfkampagne der Regierungen verstärkt das Unwohlsein der Bevölkerung. Außerdem habe ich noch nie gehört, daß sich Viren im Sommer im Freien großartig verbreiten. Weder bei einer Grippe noch speziell bei der Corona-Pandemie im letzten Sommer. Bestätigt wird das durch den aktuellen Artikel auf Tagesschau.de: https://www.tagesschau.de/inland/coronavirus-forschung-auflagen-101.html
    Das bedeutet sofortig Öffnung der Außengastronomie und das Kassieren dieser blödsinnigen Beschränkungen ab 21.00h zum Treffen im Freien. Die Aerosole als Virenträger verbreiten sich in geschlossenen Räumen und kaum im Freien.
    Die Uhr schlägt. Alle!

  14. 2.

    Ich plane nichts, aber ich bin glücklich, wenn ich es bis zur Impfung ohne Infektion schaffe. Bodenhaftung eben, der realistische Blick auf Tatsachen. Wie wird die Zukunft tatsächlich aussehen? Große Events in Zeiten der Pandemien? Vielleicht auch Zeit für ein Umdenken. Ich wünsche mir einen Beitrag über Menschen, die sich nach einer Erkrankung ins Leben zurück kämpfen und über ihre tatsächliche und soziale Absicherung. Erkrankte sind oft unsichtbar, kein Träger will Ausfallzeiten bei Langzeitfolgen zahlen und so spielen sich die Träger die Verantwortung gegenseitig zu. Welchen schweren Weg müssen sie gehen und welche Hürden sind zu überwinden?

  15. 1.

    Das ist einfach nur Wunschdenken. Außerdem gibt es Wichtigeres das wieder etwas Normalität bringen würde. Nur, wenn Deutschland weiter so langsam impft und die Landesfürsten weiter so unverantwortlich mit Lockerungen umgehen, wird wohl auch dieses Jahr so ablaufen wie 2020. Da waren die Inzidenzen teils sogar geringer. Dazu kommen dann noch die Unvernunft und die Rücksichtslosigkeit einiger Zeitgenossen.
    Es ist einfach traurig, wie hier in Deutschland diese Krise bewältigt wird.

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