Silvester - Warum Menschen für den Kauf von Feuerwerk und Böllern nach Polen fahren

Sa 28.12.24 | 08:12 Uhr
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Feuerwerk in einem Geschäft im polnischen Slubice. (Quelle: rbb)
rbb
Video: rbb|24 | 27.12.2024 | Material: Team Kowalski | Bild: rbb

Vor Silvester zieht es viele Deutsche über die Grenze nach Polen, um stärkere und günstige Feuerwerkskörper zu kaufen. Doch nicht alles, was dort verkauft wird, darf nach Deutschland mitgenommen werden. An der Grenze wird deswegen viel kontrolliert.

Seit Samstag und noch bis zum 31. Dezember ist der Verkauf von Feuerwerk in Deutschland erlaubt. Auf der anderen Seite der Oder hingegen läuft der Verkauf das ganze Jahr über. In diesen Tagen vor Silvester bildeten sich vor mehreren Verkaufsstellen im polnischen Slubice Schlangen von kaufwilligen Menschen. Viele erhoffen sich dort günstigere Preise als in Deutschland – und kräftigeres Feuerwerk.

"Ich habe 600 Euro ausgegeben"

Einer von ihnen ist Thorsten aus Berlin. Er hat ausschließlich große Feuerwerk-Batterien – "Kaliber 50 Millimeter" – gekauft. "In Berlin kriegst du das nicht zu kaufen. Da wir ein paar größere haben wollten und uns von der Masse abheben wollten, gehen wir hier einkaufen." Er möchte zusammen mit weiteren Personen ein großes Feuerwerk organisieren. Bis zu 50 Kilogramm Feuerwerk dürfe er nach Deutschland transportieren, da er einen entsprechenden Sprengstoffschein habe.

"Eingeplant hatte ich 300 bis 400 Euro, ausgegeben habe ich am Ende 600", sagte ein anderer Käufer dem rbb. Er sei um 4:30 Uhr morgens in Bremen nach Slubice losgefahren. In Polen spare er etwa 200 Euro im Vergleich zu Deutschland.

Verkaufsstelle in Slubice am 27.12.2024. (Quelle: rbb)Menschen stehen vor einer Feuerwerk-Verkaufsstelle in Slubice. Bild: rbb

Mehrheit der Kunden kommt aus Deutschland

In Deutschland sind nur Feuerwerke der Kategorien F1 (Kleinstfeuerwerk wie Knallerbsen und Wunderkerzen) und F2 (z. B. typisches Silvester-Feuerwerk) zugelassen. Mittelfeuerwerk der Kategorie 3 ist in Polen frei verkäuflich, in Deutschland jedoch nur für Personen mit entsprechenden sprengstoffrechtlichen Erlaubnissen erlaubt.

"Man muss immer aufpassen, egal was man kauft", sagte Elisa Lobo, die als Verkäuferin in einem Feuerwerksgeschäft in Slubice arbeitet. Sie verkaufe ausschließlich legale, geprüfte Ware mit CE-Zeichen. "Wir haben 95 Prozent Kunden aus Deutschland." Es gebe aber auch Käufer aus den Niederlanden, Österreich und sogar Frankreich.

Alles, was nach Deutschland gebracht werden darf, sei im Geschäft mit einem gelben Aufkleber markiert. Silvester sei für sie eine wichtige Einnahmequelle, aber ihr Geschäft sei das ganze Jahr über geöffnet. Kurz vor Silvester gebe ein Kunde bei ihr im Durchschnitt etwa 200 Euro aus, so Lobo.

Auf CE-Kennzeichen und Prüfziffer achten

Ein paar hundert Meter von Lobos Geschäft entfernt wartet die Feuerprobe. Die Bundespolizei und der Zoll kontrollieren dort den grenzüberschreitenden Warenverkehr – und suchen nach illegalen Feuerwerkskörpern. Sie überprüfen die Kategorie des Feuerwerks, das CE-Kennzeichen und die Prüfziffer. "Wenn diese Dinge nicht drauf sind, dann können Sie sicher sein: Nehmen wir Ihnen dieses Feuerwerk weg", sagte Oliver-Thomas Pampel-Jabrane, Leiter des Hauptzollamtes Frankfurt (Oder), dem rbb.

Bei den Kontrollen ziehen die Beamten in Frankfurt jährlich zwischen drei und fünf Tonnen Feuerwerkskörper aus dem Verkehr, so Pampel-Jabrane. "Natürlich gibt es Strafverfahren, wenn wir was finden, und es gibt Strafrechtsfolgen. Das Wichtigste ist aber: Es ist ungeheuer gefährlich. Jedes Jahr passieren Unfälle mit Sach- und Körperschäden, die leicht vermeidbar wären."

Feuerwerk in einem Geschäft im polnischen Slubice. (Quelle: rbb)Pyrotechnik aus Polen. Bild: rbb

Bußgelder und Freiheitstrafen bei illegaler Pyrotechnik möglich

Die Polizei warnt vor illegalen Böllern und Feuerwerkskörpern, die oft in Osteuropa hergestellt werden. Anders als die in Deutschland zugelassenen Feuerwerkskörper enthalten sie nicht selten Ammoniumnitrat mit einer 40-prozentigen Sprengkraft von TNT – und können nach dem Anzünden zu früh hochgehen. Der Umgang mit nicht CE-zertifizierter Pyrotechnik ist in Deutschland laut dem Sprengstoffgesetz illegal. Bußgelder bis zu 50.000 Euro und sogar Freiheitsstrafen sind möglich. Vor Kurzem beschlagnahmte der Zoll Hannover 4,4 Tonnen illegaler Pyrotechnik aus Polen [tagesschau.de]

"Wichtig ist, dass die Verbraucher verstehen, dass es wirklich gefährlich ist und dass dann dabei auch der Spaß aufhört", so Pampel-Jabrane. "Wenn eine Hand abgerissen ist, dann ist das unwiederbringlich. Das sollte sich jeder bewusst machen, wenn er so ein Feuerwerk kauft."

Sendung: Antenne Brandenburg, 27.12.2024, 16:40 Uhr

Mit Material von Maximilian Devantier und Robert Schwaß

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147 Kommentare

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  1. 146.

    Es gibt schon ein Problem mit ganz kleinen Teilen der Pyrotechnik Anwender, der wird medial sehr beleuchtet, aber die Mehrheit der Pyrotechnik Anwender handelt in der Tat verantwortungsvoll. Bei den Missbräuchen von Pyrotechnik spielen neben geringer Reife vermutlich auch soziale Medien mittlerweile eine große Rolle, da liegt das Problem. Denn man fühlt sich stark und toll und will dann mit "krassen Aktionen" im Netz Anerkennung holen. Da muss man Aufklären und irgendwie die Medienkompetenz stärken. Das Menschen die in legaler und anständiger Form Pyrotechnik verwenden autoamtisch verantwortungslos seien, ist nicht zutreffend. Da muss man generell alle Verbraucher kritisieren, die Textilien kaufen, Schokolade kaufen, Auto fahren, Tiere als Haustiere halten, Verreisen usw. Alles davon hat massive schädliche Facetten.

  2. 145.

    Bei den meisten Kommentaren kann man echt nur den Kopf schütteln, insbesondere bei solchen, in denen es heißt, dass die meisten Menschen ja "VERANWORTUNGSBEWUSST" mit Feuerwerk umgehen - das genaue Gegenteil ist der Fall.
    Jeder Mensch, der mit Feuerwerkskörpern zu tun hat, handelt in jeder Linie VERANTWORTUNGSLOS!
    Warum? - Umweltschäden und Luftverschmutzung bei Herstellung, Transport, Nutzen, daraus entstehende Müllberge, Aufschrecken/Aufscheuchen von Wild- und Haustieren und explodierende Kosten durch Feuerwerksunfälle. Von den Angriffen nicht weniger Idioten auf Einsatzkräfte jeglicher Art ganz zu schweigen.

    Wer verantwortungsbewusst ist, zündet gar kein Feuerwerk!

    In diesem Sinne wünsche ich einen Guten Rutsch und ein gesundes Neues Jahr ;)

  3. 144.

    Jetzt mal Butter bei den Fischen...Wer eskaliert denn jedes Jahr in der High Deck Siedlung, im Steinmetzkietz, in der Thermometersiedlung und und und....ich denke jeder weiß es

  4. 143.

    Antwort auf "Thorsten T" vom Sonntag, 29.12.2024 | 12:23 Uhr
    "....gehen Sie doch mal auf einen unserer beliebten Schuttberge. Ich empfehle den Insulaner...." Sie verkennen leider den Ernst der Situation der "Knallergegner", die sich leider nur durch Motzerei mitteilen können: ich bin nach Einbruch der Dämmerung froh, den halben Kilometer zur S-Bahn verletzungsfrei zu überstehen; da soll ich zum Insulaner reisen?? Natürlich könnte ich auf den nahegelegenen Müllberg im MV gehen, was für mich einem Selbstmordversuch gleich käme. Ich habe nichts gegen ein schönes Feuerwerk und erfreue mich an dem, was die Nachbarschaft veranstaltet: "Böller" auf Menschen und Tiere, und das ist leider das Überwiegende, haben für mich nichts damit zu tun.
    Den Ängsten der Menschen mit Reiseempfehlungen zu begegnen, finde ich fehl am Platz.

  5. 142.

    Antwort auf "Deborah " vom Samstag, 28.12.2024 | 20:01 Uhr
    "Warum machen Polizei und sogenannte Ordnungskräfte nichts?" Tun sie doch:
    https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2024/12/polizei-boellerei-vor-silvester-einsatz-anzeigen.html
    Einfach auch mal die positiven Nachrichten lesen, Frau Verbieten aus jwd....

  6. 141.

    Antwort auf "Thorsten T" vom Sonntag, 29.12.2024 | 12:23 Uhr
    "....gehen Sie doch mal auf einen unserer beliebten Schuttberge. Ich empfehle den Insulaner...." Sie verkennen leider den Ernst der Situation der "Knallergegner", die sich leider nur durch Motzerei mitteilen können: ich bin nach Einbruch der Dämmerung froh, den halben Kilometer zur S-Bahn verletzungsfrei zu überstehen; da soll ich zum Insulaner reisen?? Natürlich könnte ich auf den nahegelegenen Müllberg im MV gehen, was für mich einem Selbstmordversuch gleich käme. Ich habe nichts gegen ein schönes Feuerwerk und erfreue mich an dem, was die Nachbarschaft veranstaltet: "Böller" auf Menschen und Tiere, und das ist leider das Überwiegende, haben für mich nichts damit zu tun.
    Den Ängsten der Menschen mit Reiseempfehlungen zu begegnen, finde ich fehl am Platz.

  7. 140.

    Bewußt können!
    Weil ich fest davon überzeugt bin , das viele Käufer es sich eigentlich nicht leisten können !

  8. 139.

    Genau so ist es.
    Selbst vor dem Heiligen Abend und die Weihnachtstage wird oft nicht halt gemacht. Wenn sich jeder an die Regeln und Gesetze halten würde, gäbe es keine Diskussionen um ein Verbot.
    3 bi3 4 Wochen regelrechter Dauerbeschuss ist aber kaum erträglich und meiner Meinung unverhältnismäßig, und hat mit der eigentlichen Tradition in der Silvesternacht die Geister zu vertreiben kaum noch was zutun.

  9. 138.

    Ich glaube, gegen Feuerwerk haben die wenigsten Menschen etwas. Es geht eher um die ganze Böllerei und das Ausufern über Tage davor und danach. Aber ein vermittelnder Kommentar ist immer gut ;-). Tatsächlich war ich noch nicht auf dem Insulaner, aber bei mir in der Gegend wird viel von ich denke mal teuren Bodenbatterien in die Luft gebracht. Extrem schön anzusehen auch wenn es definitiv nicht gut für die Umwelt ist. Vielleicht kann man für die Zukunft irgendeinen Mittelweg finden, bei dem sich viele wiederfinden würden.

  10. 137.

    Hmm. Jeder kann ja zu feuerwerk stehen wie er will. Aber immer diese begruendung feuerwerk aus polen waere gefaehrlich^^ die polen laufen auch nicht alle einarmig herum

  11. 136.

    Zu Ihrer Information
    Mit 18 ist man volljährig, voll Straffähig aber erst mit 21 Jahren.
    Deswegen sollten Böller oder andere Sprengsätze für Silvester erst ab 21 Jshren verkauft werden.

  12. 135.

    Bitte nehmen Sie Schweden aus ihrer Aufzählung heraus. Schweden böllern nicht. Touristen aus D versuchen es immer wieder mal vor dem Ferienhaus.
    Bei uns ist Feuerwerk- nicht Ballerei- durchaus zum Zugucken! Und genau das Zugucken am Nachthimmel für 20 Minmacht Spass. Was an nur Knallerei Spaß macht ausser Menschen erschrecken, konnte mir noch keiner erklären.

  13. 134.

    Es gibt halt Freaks, die soviel Geld lockermachen, die freuen sich schon das ganze Jahr darauf. ein Tip habe ich noch, gehen Sie doch mal auf einen unserer beliebten Schuttberge. Ich empfehle den Insulaner, der war bisher nicht allzu sehr überlaufen. Ich verspreche, da kann kein Zentralfeuerwerk mithalten. Vielleicht söhnen sich dann einige damit aus und sind vielleicht auch ein bisschen dankbar, daß sich Andere freiwillig in Unkosten stürzen. Vielleicht ist ja auch noch eine nette neue Bekanntschaft drin, die diesen Dauergrimm ein bisschen verjagt.

  14. 133.

    Nein, ist man nicht. Erst ab 21. Somit haben sie sich ihre Frage schon selbst beantwortet.

  15. 132.

    Antwort auf "Alles klar....." vom Sonntag, 29.12.2024 | 10:53 Uhr
    "Habe ich Sie da in etwa richtig verstanden?" Leider nein.

  16. 131.

    Die Böller sollten noch schwächer werden, am besten komplett von der Bildfläche verschwinden.
    Den Scheiß braucht man nicht.

  17. 130.

    ....dann also weg mit allen Verboten, weil Sie sowieso nichts bringen. Habe ich Sie da in etwa richtig verstanden?

  18. 129.

    Mich wundert, dass ausgerechnet das vom 2. WK so übel attackierte Polen diese heftigen Explosionskörper zu Silvester herstellt und die im dort gern hochgehen lassen ..... Es hilft nur ein EU-weites Verbot der Herstellung, warum kommt das nicht endlich?

  19. 128.

    Antwort auf "Frage....." vom Samstag, 28.12.2024 | 13:45 Uhr
    "Natürlich würde ein Verbot etwas bringen, weil die Menschen, die sich an Verbote halten, es nicht mehr tun würden." Hahaha, glauben Sie das, was Sie schreiben??
    "Und für alle, die sich nicht daran halten würden, müsste es nur dementsprechend teuer werden und dann würden einige davon sich das spätestens beim zweiten Mal auch überlegen." "Teuer" wird das höchstens für den Steuerzahler, wer Feldstrafen nicht zahlen kann, geht in den Knast.
    "Nach Ihrer Argumentation dürften ja dann Verbote generell nichts bringen, weil es tatsächlich immer irgendwelche Wege gibt, diese zu unterlaufen oder zu brechen." Das haben Sie wirklich gut erkannt!
    "Es machen aber nicht mehr so viele Menschen etwas, was tatsächlich verboten ist und Konsequenzen hat." In welchem Paralleluniversum leben Sie eigentlich?? Jeden Tag in den Nachrichten: Raub, Mord, Brandstiftung...