Vivantes Humboldt Klinikum Am Nordgraben in Berlin-Reinickendorf am 12.10.2020. (Quelle: imago images/Jürgen Ritter)
Video: rbb|24 | 14.10.2020 | Material: Abendschau | Bild: imago images/Jürgen Ritter

Ausnahmen nur für Kinder und Schwerkranke - Berliner Vivantes-Kliniken verhängen Besuchsverbot

Menschen, deren Angehörige derzeit in einer der neun Berliner Vivantes-Kliniken liegen, dürfen diese seit Montag nicht mehr besuchen. Grund: die steigenden Corona-Zahlen. Vivantes lässt nur in Einzelfällen Ausnahmen zu.

Die insgesamt neun Vivantes-Kliniken in Berlin haben am Montag ein coronabedingtes Besuchsverbot verhängt. Grund seien die gestiegenen Neuinfektionen mit Sars-CoV-2, teilte das Klinikunternehmen auf seiner Internetseite [vivantes.de] mit. Ausnahmen könnten bei Kindern, Schwerstkranken und Sterbenden vereinbart werden, heißt es. Vor einem Besuch von Verwandten müsse jedoch eine Absprache mit den Ärzten erfolgen.

Zunächst hatte darüber die "Berliner Zeitung" berichtet. Eine Kliniksprecherin sagte der Zeitung, man habe sich diese Entscheidung nicht leicht gemacht. "Da die Anzahl der Corona-Patienten in unseren Kliniken wieder ansteigt, halten wir es momentan für eine gebotene Vorsichtsmaßnahme, um unseren Teil dazu beizutragen, eine Eindämmung der Pandemie zu erreichen."

Einschränkungen betreffen auch Geburten- und Wochenstation

Auf Anfrage von rbb|24 teilte eine Vivantes-Sprecherin mit, dass es auch Einschränkungen auf den Geburtenstationen geben wird. "Um die geburtsmedizinischen Teams zu entlasten und zu schützen, wird bei einer Geburt oder einem Kaiserschnitt nur noch der Vater allein bzw. nur eine Vertrauensperson im Kreißsaal zugelassen." Besuche auf der Wochenstation seien nicht mehr möglich. Auf der Kinderstationen könnten in Absprache mit den behandelnden Ärzten Ausnahmen gemacht werden.

Ein negativer Corona-Test werde nicht akzeptiert, so die Sprecherin, da dieser keinen Ist-Stand wiedergebe, sondern den Zustand zum Zeitpunkt des Abstrichs. Dieser könne im Zweifel mehrere Tage zurück liegen. "Insofern werden auf Basis von Negativ-Tests keine Ausnahmen vom Besuchsverbot erteilt."

Patientenbeauftragte fordert Corona-Tests für Angehörige

Die Patientenbeauftragte der Senatsverwaltung für Gesundheit, Karin Stötzner, sagtedem rbb, dieser Schritt sei "eine Katastrophe, aber es geht nicht anders", angesichts der vielen Bezirke, die nun als Corona-Risikogebiete gelten. "Deswegen musste Vivantes, als der Konzern, der in Berlin besonders für die Covid-Versorgung zuständig ist, Maßnahmen ergreifen", sagte sie Inforadio. Die Sicherheit für besonders gefährdete Patienten gehe vor.

Die getroffenen Regelungen gelten demnach zunächst nur für die Kliniken, nicht für die Pflegeheime der Gesellschaft. Zum Vivantes-Verbund gehören das Auguste-Viktoria-Klinikum (Schöneberg), Humboldt-Klinikum (Reinickendorf), Klinikum Am Urban (Kreuzberg), Klinikum Kaulsdorf, Klinikum im Friedrichshain, Klinikum Neukölln, Klinikum Spandau, Wenckebach-Klinikum (Tempelhof) sowie das Ida-Wolff-Krankenhaus (Neukölln). Am Standort Prenzlauer Berg in der Fröbelstraße betreibt Vivantes zudem eine Abklärungsstelle für das Coronavirus, hier stehen auch 200 Reservebetten für Covid-Erkrankte.

Charité verschiebt Operationen

Ob weitere Berliner Krankenhäuser ein Besuchsverbot planen, ist bislang nicht bekannt. Von der Charité hieß es zuletzt Ende vergangener Woche, man müsse wie schon während der ersten Welle des Coronavirus nicht dringend notwendige Operationen verschieben.

Vorstand Ulrich Frei erklärte am Freitag auf einer Pressekonferenz, die Lage in den Charité-Kliniken werde dadurch verschärft, dass die Zahl der Infektionen unter den oft jungen Pflegekräften stiegen - danach würden weitere als Kontaktpersonen an den Kliniken ausfallen. "Dies führt dazu, dass wir erneut [...] die planbaren Eingriffe oder Untersuchungen verschieben oder aussetzen müssen. Und wir müssen versuchen, die Intensivstationen für Covid-Patienten freizubekommen."

"Ich vermute aber auch, dass wenn die Infektionszahlen weiter zunehmen, dass dann auch die anderen Kliniken nachziehen müssen", sagte Patientenbeauftrage Stötzner dem rbb. Die Krankenhäuser müssten sicherstellen, dass sie jede Versorgungssituation bewältigen können, sagte sie.

Sendung: Abendschau, 12.10.2020, 19:30 Uhr

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34 Kommentare

  1. 34.

    Diese Maßnahme ist eine Katastrophe für erkrankte Menschen!! Meine Frage: Wie oft wird das Pflegepersonal, einschließlich der Ärzteschaft!! - auf Corona getestet??? Dieser Personenkreis hat Partner, Kinder und lebt ein normales Leben mit Feiern, Besuchen, Reisen. Jeder der einen kranken Angehörigen hat wird ganz sicherlich nicht auf Partys gehen oder Großveranstaltungen besuchen sondern sich ganz bewusst sehr sehr vorsichtig verhalten. Menschen z. B. mit einem Schlaganfallgeschehen die nicht kommunizieren können sind auf eine direkte vertraute Person angewiesen. Ich kann die Aufregung über die "innerdeutschen Reisebeschränkungen" nicht verstehen, ist das wirklich etwas so Wichtiges??? Ich glaube das oben geschilderte ist wesentlich wichtiger.

  2. 33.

    Auch deshalb aber nicht nur deshalb rate ich jedem/jeder zu einer Patientenverfügung für den Fall, dass man selbst nicht mehr entscheiden kann.
    Jedoch teile ich Ihre fast schon böswillige Unterstellung bezüglich einer feiernden Ärzteschaft und Umsatzorientierung der Krankenhäuser nicht im Ansatz. Sie scheinen keinerlei Plan zu haben, unter welchen Bedingungen und mit welchem Einsatz, auch der persönlichen Gesundheit, ärztllicher und pflegerischer Dienst, aber auch alle Funktionsdienste in den Kliniken seit Chorona arbeiten. Bewerben Sie sich und machen Sie diesen Job nur mal ein paar Wochen, dann können Sie vielleicht urteilen.

  3. 32.

    Was ich aber gut finde, ist die Aussage: "Wir akzeptieren keine negativen Corona-Tests, weil diese den Ist-Stand nicht zeigen, sondern nur den zum Zeitpunkt des Abstrichs." - Das ist nämlich auch bei den ganzen Reisegeschichten der Punkt, Negative Tests von vor drei Tagen heißen gar nichts...

  4. 30.

    Es ist erschreckend. Es ist wirklich niemandem zu wünschen, dass er jetzt in ein Krankenhaus muss. Wer hilflos ist und sich selbst nicht mehr wehren kann, war vorher schon ein gefundenes Fressen für die Umsatzorientierung unserer Krankenhäuser. Jetzt kann man nicht einmal mehr als Angehöriger seine Liebsten verteidigen. Ich nehme an, die Ärzteschaft feiert. Weniger, die
    Fragen stellen können zur Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit von Maßnahmen. Ich mache mir wirklich Sorgen um die Entwicklungen in unserer Gesellschaft.

  5. 29.

    Ich bin in der Charité campus Mitte patient, bei mir wurde Krebs diagnostiziert, nach 2 Eingriffen steht mir noch eine OP mit hautverpflanzung bevor auf die ich schon geduldig warte... Wird auch diese OP verschoben? Ich wünschte, dass ich alles so schnell wie möglich hinter mir habe...

  6. 28.

    Sie wollen wissen, wie gefährlich das Virus ist? Dann lassen Siemal Ihre Statistik beiseite (traue keiner Statistik, die du nicht selbst geschrieben oder gefälscht hast) und wagen mal einen klitzekleinen Blick in andere Länder. Mehr brauche ich nicht zu schreiben.

  7. 27.

    Richtig so und überfällig.
    Das hätte Saarow auch machen sollen, dann ständen sie jetzt besser da. Appelle funktionieren in Deutschland nicht. Der Deutsche braucht strenge Regeln. Leider!

  8. 26.

    es gibt aktuell in Europa (mit Aktuell sind die letzten 10 Jahre gemeint) keine Krankheit in Europa, die gefährlicher ist.
    Zu den von ihnen genannten Toten gehören die, die ganz normal sterben.
    Wollen sie wirklich, dass vollkommen überflüssig die Menschen sterben, nur weil sie mit den Einschränkungen nicht einverstanden sind?
    Doch genau das implizieren sie mit ihrem Kommentar.

  9. 24.

    Fortsetzung: Die Verzweiflung und Trost-losigkeit, in die die alten Menschen gestürzt werden, trägt zur mangelnden Resistenz gegen Erreger und sinkendem Lebenswillen bei. Sowieso sterben viele Heimbewohner innerhalb des ersten Jahres dort.

  10. 23.

    #Paula, Sie bringen es auf den Punkt!
    Ich höre nur die Versprechungen der Politiker ... Schließungen der Krankenhäuser/Pflegeheime soll es nicht mehr geben.
    #Andreas.
    Das sehe ich auch so. Wer fragt denn die Bewohner der Pflegeheime?

    Es ist, wie es immer war. Leere Worte und Versprechen der Politiker. Nichts ändert sich ... seit Jahren.

    Wie kann man die Patienten in den Krankenhäusern schützen? Ganz einfach ... Stationstüre zu ... Besuchzeiten z. Bsp. 2 Stunden am Tag ... ging früher auch ... warum jetzt nicht????
    Meiner Meinung nach sollte man das auch für die Zukunft beibehalten ... die Patient*innen brauchen auch Ruhe und nicht den ganzen Tag Action im Zimmer und auf der Station. Dann kann auch das Personal "entspannter" arbeiten.

  11. 20.

    Das bewegt mich schon seit den ersten lock-down-Maßnahmen. In vielen Heimen und Kliniken gibt es regelmäßig Infektionsausbrüche (Norovirus u.ä.), die Hygieneverstößen geschuldet sind, dies wiederum dem Zeitdruck und Stress, unter dem das Personal zu arbeiten gezwungen ist. Habe selbst bei einem Krankenhausaufenthalt in der Familie wesentliche Pflegeaufgaben (Essen reichen, zu trinken geben) selbst geleistet. Alte Menschen, die Ihr Leben lang schwer gearbeitet, Kinder großgezogen, evtl. Eltern gepflegt haben, werden entmündigt, zu Kindern gemacht, eingesperrt, über sie verfügt, ohne sie einzubeziehen. Was es für demente Menschen bedeutet, von vertrauten Menschen isoliert zu sein, keine Außenreize mehr zu erfahren (Gehirnaktivität erhalten!!!), nicht verstehen zu können, warum... Habe bei jahrelanger privater Pflege erlebt, welche Bedeutung das hat. Satt und trocken hat mit Menschenwürde nichts zu tun, die ja unantastbar sein soll. Und nicht mal satt und trocken ist immer sicher.

  12. 19.

    Ihr letzter Absatz, über das Krankenhauspersonal aus prekären Verhältnissen ist eine beleidigende FRECHHEIT!!!

    Die Behauptung, dass nur das Personal die Infektion in`s Krankenhaus trägt, aber nie der Besucher, diese Behauptung ist an Dummheit kaum zu überbieten.

  13. 18.

    Das ist auch eine gesundheitliche Katastrophe für alle Patient_innen in den Krankenhäusern. Zum einen gibt es in dem Krankenhausessen so gut wie keine Vitamine, bzw. die Ernährung in den Krankenhäusern ist ungenügend und ungesund. Zum anderen braucht es, um gesund zu werden auch psychischen Beistand und Entspannung!!
    Wenn Menschen im Krankenhaus nicht allein zur Toilette können, nicht allein Essen können und vor allem nicht allein trinken können, dann helfen heutzutage nur die Angehörigen, denn das Pflegepersonal kann, weil sie chronisch unterbesetzt sind, nicht alles leisten!! Anstatt Besuchsverbot - wer passt da auf? ein bezahlter Security Dienst?? - bräuchte es bessere Arbeitsbdingungen, mehr Geld und natürlich auch mehr Personal!! Stattdessen mit Repression zu reagieren ist eine Katastrophe!!!

  14. 17.

    "Es muss doch ein Weg geben, dass auf Verbote verzichtet werden kann." Die gibt es. Wenn sich alle an die Vorschriften gehalten hätten und nicht wild feiern gewesen wären, die Abstandsregeln missachtet und in Risikogebiete in den Urlaub gefahren wären hätten wir die aktuell immer weiter steigenden Zahlen von Neuinfektionen nicht. Dann wäre auch kein Besuchsverbot notwendig. Wir haben die aktuelle Situation diesen asozialen selbstsüchtigen Menschen zu verdanken. Ganz einfach.

  15. 16.

    Es ist halt wie in den Pflegeheimen .... die, die man schützen will fragt sicherheitshalber keiner.

  16. 15.

    Die Leute, die unterdessen Taxifahrer sind oder im Service bei Mäckes, weil man dort besser entlohnt wird. You get what you pay for...
    Und den Zugang zu BESCHRÄNKEN ist sicher besser als zu verbieten, aber dann müsste man sowas wie Pförtner oder Wachmann BEZAHLEN.

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