Archivbild: Brautpaar kuesst sich in Zeiten der Coronapandemie mit Mund-Nasen-Schutz. 14.05.2020 (Bild: imago images/Frank Sorge)
Bild: imago images/Frank Sorge

Corona-Krise - Verschobene Feiern machen Hochzeits-Branche zu schaffen

Deutschland befindet sich seit Monaten im Lockdown. Der Liebe der Berliner und Brandenburger tut das offenbar keinen Abbruch - einige geben sich trotz Einschränkungen das Jawort. In der Hochzeitsbranche bangen viele Unternehmen dennoch um ihre Zukunft.

Viele Berliner und Brandenburger haben in diesem Jahr trotz des anhaltenden Corona-Lockdowns geheiratet. Doch weil große Feiern auf absehbare Zeit nicht möglich sein werden, schlägt die Branche zum Start der zweiten Hochzeitssaison in der Pandemie erneut Alarm. "Die meisten Paare haben ihre Feiern bereits verschoben oder storniert", sagte die Sprecherin des Bundes der deutschen Hochzeitsplaner, Svenja Schirk, auf Anfrage der Nachrichtenagentur DPA. Einige wollten noch abwarten. "Aber von Monat zu Monat müssen wir Aufträge streichen." Denn viele Paare wollten nicht auf ihre Feiern verzichten und warteten deshalb, bis sich die Lage ändert.

Die Auswirkungen der Krise auf die Branche seien "enorm", sagte die Hochzeitsplanerin weiter. Jeder müsse ums Überleben kämpfen. Schirk berichtete von einer Floristin, die beim Lieferservice einer Restaurantkette arbeiten muss, und einer Fotografin, die ihr Geld in der Waschanlage verdient. "Ich möchte schon fast von einer "Branchendepression" sprechen", sagte sie. Bei ihr seien 2020 und auch in diesem Jahr bislang "100 Prozent" der Einnahmen weggebrochen. "Alle meine Hochzeiten sind bereits auf 2022 verschoben."

Diese Regeln gelten derzeit in Berlin und Brandenburg

In Berlin dürfen derzeit an standesamtlichen Trauungen nur das Brautpaar und Kinder des Brautpaares teilnehmen. Zu anschließenden Feiern darf das Brautpaar höchstens drei Personen aus einem anderen Haushalt einladen, Kinder bis 14 Jahre werden nicht mitgerechnet. Die private Feier kann derzeit nur im privaten Bereich stattfinden - Gastronomie und Hotellerie sind nach wie vor geschlossen. In Brandenburg gehen die kreisfreien Städte und Landkreise unterschiedlich mit dieser Regelung um. In manchen Standesämtern sind das Brautpaar und drei weitere haushaltsfremde Personen gestattet.

Für kirchliche Trauungen gibt es in Brandenburg und Berlin laut aktuellen Eindämmungsverordnungen sowohl im Freien als auch in Innenräumen keine Personenobergrenze. In Berlin gilt aber: Werden mehr als zehn Gäste zum Traugottesdienst erwartet, muss dies zwei Tage vorab beim zuständigen Ordnungsamt angemeldet werden. Grundsätzlich gelten bei Traugottesdiensten in Berlin und Brandenburg Abstands- und Hygieneregeln sowie die Pflicht zum Tragen medizinischer Masken. Das Gemeindesingen ist in Innenräumen nicht erlaubt. Unter freiem Himmel ist ein 15-minütiger Gemeindegesang mit medizinischer Gesichtsmaske möglich.

Standesämter unterschiedlich stark ausgelastet

Auch bei den Standesämtern ist diese zögerliche Haltung vieler Paare teilweise spürbar. "Viele Paare wollen mehr Gäste bei der Trauung dabei haben oder groß feiern", sagte der Leiter des Standesamtes Tempelhof-Schöneberg, Gordon Holland.

Sebastian Maack (AfD), zuständiger Stadtrat in Reinickendorf, sagte, dass viele Brautpaare, die eine große Hochzeitsfeier planten, auf Lockerung der Corona-Regeln warteten. Vereinzelt seien Hochzeiten in den Herbst gelegt worden. Dennoch sei das Amt bis 8. Juni ausgebucht.

Nach Angaben des Stadtrats Arne Herz (CDU) aus Charlottenburg-Wilmersdorf gibt es bemerkenswert viele Anfragen für den Sommer und den Hochsommer. Dafür seien ab Mai noch einige der sonst so beliebten Freitage frei. Auch gebe es mehr Anfragen für die Sommerferien als in den Vorjahren. Die Paare orientieren sich augenscheinlich an der Entwicklung nach der ersten Welle im vergangenen Jahr und sehen zuversichtlich gegen Juli, sagte Herz.

Bislang kein Einbruch bei Eheschließungen

In Steglitz-Zehlendorf sind laut Stadtrat Michael Karnetzki (SPD) im Hochsommer und im Frühherbst erwartungsgemäß noch viele Termine frei. Diese füllten sich üblicherweise im Laufe des Frühlings. Im Unterschied zu den Vorjahren seien jetzt noch einige wenige Termine in den sonst begehrten Monaten Mai und Juni verfügbar. "Das dürfte auf pandemiebedingtes Zögern diverser Brautpaare zurückzuführen sein", sagte Karnetzki. Es sei also durchaus denkbar, dass einige Frühlingshochzeiten in den Herbst verschoben worden sind. Dazu fehlten jedoch noch die Belege.

Die Zahl der geschlossenen Ehen lag nach Angaben der Standesämter in diesem Jahr nur zum Teil unter denen aus den Vorjahren. In Tempelhof-Schöneberg gab es bis 19. April insgesamt 248 Eheschließungen (2020: 301, 2019: 311) und in Reinickendorf bis 23. April 166 (2020: 183, 2019: 188). In Charlottenburg-Wilmersdorf heirateten im ersten Quartal 199 Paare (2020: 260, 2019: 219) und in Steglitz-Zehlendorf 145 (2020: 181, 2019: 138). In Lichtenberg waren es 116 (2020: 163, 2019: 102). In Pankow ließen sich bis 20. April 208 Paare (2020: 240, 2019: 168) trauen, in Friedrichshain-Kreuzberg bis 19. April insgesamt 188 (2020: 215, 2019: 240) und in Treptow-Köpenick bis 21. April 241 Paare (2020: 249, 2019: 251).

Aus weiteren Bezirken liegen keine Zahlen vor.

Auch Brandenburger Branche verzeichnet enorme Einbrüche

Auch in Brandenburg führen die stark eingeschränkten Möglichkeiten für Hochzeitsfeiern zu negativen Auswirkungen in der Branche. Derzeit sei etwa der Bedarf an Festtagskleidung dramatisch zurückgegangen, sagte Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Berlin-Brandenburg (HBB). Das merkt auch Ivonne Riechert, die in Wittstock (Ostprignitz-Ruppin) seit 2019 das Braut- und Festmodengeschäft "Herzenswünsche" betreibt. Sie sprach für 2020 von Umsatzeinbußen von etwa 60 Prozent im Vergleich zu 2019, wo sie allerdings erst im Sommer öffnete.

Olaf Lücke, Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) in Brandenburg, betonte, der Ausfall von großen Hochzeitsfeiern mache für die Branche bis zu 30 Prozent des Jahresumsatzes aus. Es gebe sogar Gastbetriebe, die sich darauf spezialisiert hätten. Hinzu komme, dass die Terminkalender eigentlich voll seien, die Betriebe nur nicht wüssten, wann sie wieder öffnen dürfen.

Hochzeitsplanerin Sevda Lorenz-Thyrolf aus Potsdam etwa hat 2020 nach eigenen Angaben im Vergleich zu 2019 mehr als 50 Prozent weniger Hochzeiten organisiert. Für die Zeit nach dem Lockdown rechnet Lorenz-Thyrolf aber mit einem Hochzeitsboom. "Wir hätten aber bis dahin gerne eine Planungsgrundlage", sagte die selbstständige Unternehmerin.

Spürbar weniger Eheschließungen in Brandenburg

Spontane Hochzeiten im kleinen Kreis gibt es immer mal wieder in Oranienburg (Oberhavel). Viele Paare hatten dort ihre Termine abgesagt oder verschoben, wie Stadtsprecherin Nadine Schlitt berichtete. Diese Lücken seien jedoch oft durch heiratswillige Berliner geschlossen worden, die in der Hauptstadt sehr lange auf einen Termin hätten warten müssen. Im Jahr 2020 haben sich in Oranienburg mit 326 Paaren gut zehn Prozent weniger Menschen das Jawort gegeben als 2019. "In diesem Jahr sind es bisher 15 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum", sagte die Stadtsprecherin.

In Potsdam gab es im vergangenen Jahr mit fast 900 Trauungen rund zwölf Prozent weniger als in den Vorjahren. "Eheschließungen finden auch unter Pandemiebedingungen statt", sagte Stadtsprecherin Juliane Güldner. Derzeit dürften aber nur das Brautpaar, die im gleichen Haushalt lebenden Kinder und ein Fotograf teilnehmen. Alle Personen ab einem Alter von sechs Jahren müssten dabei eine medizinische oder FFP2-Maske tragen.

In Cottbus darf ein Brautpaar zur Zeremonie fünf zusätzliche Gäste mitbringen. "Das sollten vorzugsweise die Eltern und ein Fotograf sein", sagte Stadtsprecher Jan Gloßmann. Kinder aus dem eigenen Haushalt zählten nicht mit. 2020 gab es in der Stadt im Vergleich zu 2019 mit 284 insgesamt 33 weniger Eheschließungen.

Sendung: Abendschau, 01.05.2021, 19:30 Uhr

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8 Kommentare

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  1. 8.

    Aufgeblasene Hochzeiten gehen sowieso in die Brüche.

  2. 7.

    Bleibt optimistisch und geht davon aus, dass Hochzeiten während der Hochzeitssaison 2021 stattfinden dürfen. Sicher werden weiterhin Auflagen gelten, die ihr vorausschauend mit einplanen solltet. Orientiert euch am besten an den aktuell gültigen Vorschriften für Hochzeiten und geht kein unnötiges Risiko ein. Die jüngsten Erfahrungen haben gezeigt: Hochzeiten trotz Corona sind möglich und bleiben etwas ganz Besonderes. Nutzt die Gelegenheit, um eure Hochzeit anders als vor Corona typisch zu organisieren. Die Welt hat sich verändert und so auch die Erwartungen an Hochzeitsfeiern.

  3. 6.

    Dann gibt es bestimmt auch weniger Scheidungen.

  4. 5.

    Ich möchte hiermit das gewählte Bild kritisieren. Es ist hoffentlich gestellt..

  5. 4.

    Ja die gibt es, liegt aber auch im ermessen des standesbeamten!

  6. 3.

    Tja so wie die grenznahen Regionen zum shoppen und anschließendem essen gehen in die Nachbarländer ausweichen ... wird dies wohl der nächste Wirtschaftszweig sein den man dort für sich entdeckt....

  7. 2.

    Wir haben im April 2021 in Berlin (Mitte) standesamtlich geheiratet und durften niemanden mitbringen, auch nicht unsere beiden leiblichen Kinder (6 und 10 Jahre alt), die mit uns in einem Haushalt leben. Gibt es da vielleicht unterschiedliche Regelungen in den Berliner Bezirken?

  8. 1.

    Wir hatten vor 34 Jahren völlig ohne Hochzeitsplaner geheiratet in einem relativ kleinen Kreis.
    Heute muss alles perfekt sein und man gibt vieles aus der Hand. Ich habe keine Ahnung ob das nun besser ist als sein Leben und seine Zukunft in die eigene Hand zu nehmen und Selbständig zu sein und zu handeln?
    Es wird eben für alles und jedes ein Bedarf erweckt, hauptsache es lässt sich lukrativ vermarkten.
    Glaubt mir es geht auch ohne dass man einen seiner wichtigsten Lebensabschnitte in fremde Hände legt.
    Eigene Initiative hat bisher nie geschadet.

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