Corona-Impfung für Schwangere - "Das Gespräch mit meiner Frauenärztin hat mir nicht geholfen"

Themenbild - schwangere Frau mit Babybauch (Quelle: dpa/Eibner-Pressefoto)
Video: rbb|24 | 04.08.2021 | Material: Abendschau | Bild: dpa/Eibner-Pressefoto

Sollten sich schwangere Frauen gegen Corona impfen lassen? Diese Frage wird unterschiedlich beantwortet. Und das hilft vor allem einer Gruppe gar nicht: Den Schwangeren, die sich entscheiden müssen. Von Laura Will

Es ist eine Entscheidung, die vielen Schwangeren schwerfällt: Schutzimpfung gegen Corona - ja oder nein? Schließlich entscheiden werdende Mütter nicht nur für sich selbst, sondern auch für ihr ungeborenes Kind. Nora aus Potsdam kennt dieses Problem. Die 40-Jährige ist mit ihrem zweiten Kind schwanger. Sie hat sich zu Beginn der Schwangerschaft ausführlich informiert, sich Daten angeschaut und auch mit ihrer Frauenärztin gesprochen.

Die konnte ihr aber nicht wirklich helfen: "Im Endeffekt hat sie nur gesagt, dass ich mich impfen lassen kann, weil ich wegen Komplikationen in der ersten Schwangerschaft und des Alters eine Risikoschwangere bin, und dass es bei der Impfung noch einige Unklarheiten gibt. Geholfen hat mir das nicht richtig", sagt Nora. Die Zweifel und Unsicherheiten seien deshalb geblieben.

Keine generelle Empfehlung der Stiko

In Deutschland gibt es bislang noch keine generelle Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) [rki.de] für eine Corona-Schutzimpfung in der Schwangerschaft, an denen sich Frauen orientieren können. "Für eine Stiko-Empfehlung ist die Datenlage immer noch nicht ausreichend. Es gibt aber eine Arbeitsgruppe, die sich kontinuierlich mit dem Thema befasst", sagt Kommissions-Mitglied und pensionierter Kinderarzt, Martin Terhardt, "es gibt noch keine letzte Sicherheit, wie sich die Impfung auf die ungeborenen Kinder auswirkt."

Bisher gibt es vereinzelte Studien, eine aktuelle stammt zum Beispiel aus Israel [jamanetwork.com]. Diese bestätigt die Sicherheit und Wirksamkeit des Biontech/Pfizer-Impfstoffs in der Schwangerschaft. An dieser Studie nahmen 15.060 Schwangere teil. Dabei wurden 7.530 Geimpfte mit 7.530 Ungeimpften verglichen. Die Frauen hatten das gleiche Alter, die gleiche Schwangerschaftsdauer und den gleichen Status einer herkömmlichen Grippeschutzimpfung.

Das Ergebnis: Ab Tag 28 bis Tag 70 wurden nach der Erstimpfung in der Gruppe der Geimpften zehn Corona-Infektionen festgestellt, in der Gruppe der Ungeimpften 46 Corona-Infektionen. Für den untersuchten Zeitraum ergibt sich damit eine Schutzwirkung von 78 Prozent. Die Forscher haben sich auch die Schwangerschaftskomplikationen angeschaut. Demnach gab es keinen Unterschied zwischen ungeimpften und geimpften Schwangeren. Allerdings handelt es sich bei den Daten um keine echte Zulassungsstudie, sondern eine retrospektive Kohortenstudie.

Umgang mit Schwangeren weltweit unterschiedlich

So ist der Umgang mit Corona-Schutzimpfungen bei Schwangeren weltweit unterschiedlich. Zum Beispiel haben die britischen Gesundheitsbehörden alle Schwangeren aufgefordert, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Der Grund ist eine neue Studie der Universität Oxford [www.medrxiv.org]. Demnach ist der Anteil der schwangeren Frauen, die mit einer mittelschweren bis schweren Infektion ins Krankenhaus mussten, seit dem Auftreten der Delta-Variante im Mai "erheblich" gestiegen.

Ebenso sind die Amerikaner gegenüber der Impfung in der Schwangerschaft aufgeschlossen. "In den USA werden sehr viele Schwangere unabhängig von der Schwangerschaftswoche geimpft. Es gibt durchaus Immunologen, die warnen, im 1. Trimenon zu impfen", sagt Martin Terhardt von der Stiko. In Deutschland dürfen Schwangere erst ab dem zweiten Trimenon, das heißt ab der 14. Schwangerschaftswoche, geimpft werden - jedoch mit Einschränkungen.

"Risiko- und Nutzenabwägung notwendig"

"Da die Zulassungsbedingungen und die Empfehlungen für Impfungen von Schwangeren noch offen sind, ist für die Impfung in der Schwangerschaft eine individuelle Risiko- und Nutzenabwägung nach ärztlicher Beratung notwendig", so Terhardt.

Nora ist mittlerweile in der 32. Schwangerschaftswoche. Sie hat zwei Kontaktpersonen impfen lassen und sich für eine Impfung in der Stillzeit entschieden. Bei der Entscheidung hat sie sich allerdings nicht gut beraten gefühlt.

Sendung: Abendschau, 04.08.2021, 19:30 Uhr

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Beitrag von Laura Will

15 Kommentare

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  1. 15.

    es ist schwierig. schädige ich mein kind und mich im Falle eines Impfunfalls selbst oder werden Covid 19 und Folgeerkrankungen mich aus der Bahn werfen. Es ist wie die Soldaten im Krieg kaum einer kann sich vorstellen das es ihn erwischt. Das güldet nicht nur für Schwangere.

  2. 14.

    Sehe ich ganz genauso. Es gibt keine Garantie, dass nichts passiert. Es kann, muss aber nicht. Also selbst entscheiden. ICH persönlich würde mich in schwangerem Zustand niemals impfen lassen, DENN, ES GIBT KEINE GARANTIE!

    Also Schwangerschaft forführen, sich einschränken für ein paar Monate länger und nach der Geburt impfen lassen, wenn ich das dann so möchte.

  3. 13.

    "Wen wollen Sie bitte einsperren?" Niemanden.
    "Wie oft waren Sie schwanger um eine Entscheidung zu stützen oder abzulehnen?" Ich selbst nie, ist eher der Part meiner Frau, an dem ich durchaus teilnehme.
    "Es tut mir echt leid, wenn Sie sich daheim irgendwie eingesperrt fühlen ....." Tue ich nicht, aber danke!

  4. 12.

    Einsperren?
    Wen wollen Sie bitte einsperren?
    Wie oft waren Sie schwanger um eine Entscheidung zu stützen oder abzulehnen?
    Es tut mir echt leid, wenn Sie sich daheim irgendwie eingesperrt fühlen .....

  5. 11.

    Zurzeit wird eine Impfung gegen COVID-19 für Schwangere und stillende Mütter von der Ständigen Impfkommission, aufgrund der noch unzureichenden Datenlage, nicht grundsätzlich empfohlen. Stand: 21.07.2021

    Studien identifizieren Schwangere als Hochrisikogruppe für Covid-19. Trotzdem fehlt in Deutschland für sie eine generelle Impfempfehlung.
    Zu Beginn der Corona-Pandemie hieß es noch, Schwangere bleiben von schweren Corona-Verläufen verschont. Neue Zahlen widerlegen dies – vor allem wegen der Delta-Variante.


  6. 10.

    Wer Kinder hat, der hat das so gewollt. Eltern die ihrer Verantwortung gerecht werden, werden niemals die Kinder eine Schutzfunktion für die Eltern übernehmen lassen sondern umgekehrt denken. Kinder sind seltener infiziert als Erwachsene, sind keine Pandemietreiber und auch keine Spreader; das ist nun manigfach in Studien bewiesen worden, die Angst hält sich dennoch hartnäckig.
    Die Mutter wird nicht auf Distanz zu ihrem Kind gehen, weil sie sich beim Kind anstecken könnte; das Gegenteil ist der Fall: Das Kind wird krank und man rückt näher als Eltern, um da zu sein, zu helfen und Sicherheit zu bieten.
    Ziehen Sie ernsthaft in Erwägung, ein Kind für eine irrationale Angst der Mutter eine irrationale Angst einzusperren? Wir haben bis zu 85 % asymptomatische Verläufe! Schwere Verläufe sind selten und Schwangere sind nicht krank, wenn sie vor der Schwangerschaft nicht krank waren, also nicht stärker gefährdet, anders als bei der Grippe, wo Schwangere zur Risikogruppe gehören!

  7. 9.

    "In der Schwangerschaft sollte „so wenig wie möglich, aber so viel wie nötig" geimpft werden."

    https://www.frauenaerzte-im-netz.de/frauengesundheit/impfschutz-impfungen/impfungen-in-der-schwangerschaft/
    [COVID nicht berücksichtigt]

  8. 8.

    Und wenn man schon Kinder unter 12 hat? Was dann? Wie soll man sich dann noch ein halbes Jahr schützen ohne auch das Kind einzusperren? Das ist wirklich eine schwierige Entscheidung in dieser Konstellation…

  9. 7.

    Warum wurde die Ärztin nicht mit ihrer Meinung auch abgebildet sondern lediglich über hören-sagen durch die Patientin? Die geschilderte Beratung war einwandfrei, so wie sie hier beschrieben wird und es wurde auch das Angebot gemacht, wie bei schwangeren üblich, dass 2 enge Kontaktpersonen ohne Rangfolge, also sofort geimpft werden können, um die Schwangere zu schützen! Wäre es lieber gewesen, die Ärztin erzählt einen vom Pferd und lügt etwas vor? Das wäre ein Verstoß gegen die Berufsordnung der Ärzte und dann hätte sie sich nicht schlecht beraten gefühlt sondern wäre es tatsächlich gewesen!

  10. 6.

    Also ich erwarte schon von meinen Ärzten, dass Sie mir bei der Entscheidung helfen. Die haben das studiert, die können die Risiken deutlich besser einschätzen als ich. Natürlich liegt die Entscheidung am Ende beim Patienten, aber "sich schlecht beraten fühlen" heißt doch, dass der Arzt die Risikoabwägung nicht gut erklärt hat. Das hat mit "Nanny Staat" überhaupt nichts zu tun.

  11. 5.

    Die Schwangeren in Deutschland werden gnadenlos bei der Frage, "Wo kann ich mich impfen?", allein gelassen, weil niemand in Deutschland entsprechende Kapazitäten speziell für Schwangere vollumfänglich - bishin zu Haftungsfragen - organisiert und Schwangere, deren Angehörige und die Ärzte wieder einmal allein gelassen werden.

    Es ist eine bodenlose politische Sauerei, diesen Teil der Schwächsten sich selbst zu überlassen!

  12. 4.

    Genau, so ist es richtig :) später kann man sich ja immer noch eine Impfung abholen, wenn man das denn möchte.

  13. 3.

    Die Leute sollten endlich begreifen dass es keine hundertprozentige Garantie für gar nichts gibt.
    Was hat sie denn erwartet dass die frauenärztin sagt ihnen wird nie und nimmer irgendwas passieren oder wie?
    Sie soll es einfach für sich selber entscheiden ob sie das Risiko eingehen möchte oder nicht, mein Gott wir sind in einem absoluten Nanny Staat gelandet.

  14. 2.

    Für Nichts in der Welt würde ich mich als Schwangere impfen lassen, weder gegen Tetanus oder gar gegen Covid. Beschäftigungsverbot und ab nach Hause......!

  15. 1.

    Was irgendwie in der Berichterstattung nie auftaucht: In Polen werden Schwangere auch geimpft. Meine Frau ist Polin und konnte sich während der Schwangerschaft problemlos dort impfen lassen. In Deutschland wollte das kein Arzt machen. In Polen ist es auch deshalb einfacher, weil sich über eine zentrale Internetplattform Termine im ganzen Land buchen lassen. Das führte vor einigen Monaten dann dazu, dass polnische Ex-Pats in Berlin kurz über die Grenze gefahren sind und sich in Grenzorten haben impfen lassen.

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