Schulen und Veranstaltungen - Brandenburg reagiert zweigleisig auf die Corona-Lage

Archivbild: Britta Ernst (SPD), Brandenburger Ministerin für Bildung, Jugend und Sport, spricht am 06.04.2021 während einer Pressekonferenz über die aktuelle Corona-Lage nach den Osterfeiertagen und die Organisation des Schulunterrichts nach den Osterferien. (Quelle: dpa/Soeren Stache)
Video: Brandenburg aktuell | 28.07.2021 | S. Teistler, S. Schiller | Dietmar Woidke im Studio | Bild: dpa/Soeren Stache

Erleichterungen und Verschärfungen: Brandenburg weitet die Maskenpflicht in Schulen kurzfristig aus, erleichtert dagegen bei öffentlichen und privaten Veranstaltungen. Von Andreas B. Hewel

Eigentlich könnte Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) entspannt sein. Die Inzidenz in Brandenburg liegt bei gerade mal 5,7 und damit bei fast nur einem Drittel des bundesweiten Wertes. Eine gute Situation also. Doch vor der Dynamik, die das Corona-Virus und seine Mutationen immer wieder an den Tag gelegt haben, hat man in der Landesregierung offenbar Respekt. Denn auch wenn die Werte gering sind, die Tendenz ist wieder steigend.

"Die Entwicklung der letzten Tage ist auch hier bei uns in Deutschland besorgniserregend", mahnt Woidke am Mittwoch auf einer Pressekonferenz. "Das liegt zum Teil natürlich auch und vor allen Dingen an der Ausbreitung der Deltavariante."

In Brandenburg dominiert diese deutlich ansteckendere Variante mittlerweile 75 Prozent des Infektionsgeschehens. Dennoch würden die geringen Inzidenzzahlen eine Rücknahme von manchen Einschränkungen erlauben. Für den Schulbereich allerdings gilt das erstmal nicht.

Maskenpflicht jetzt auch für Grundschüler

Generell soll in Brandenburg der Unterricht wieder in der Schule stattfinden, also als Präsenzunterricht. Trotzdem oder gerade deswegen aber ist die Landesregierung hier besonders vorsichtig. So gilt auch zum Start in das neue Schuljahr weiterhin die Testpflicht für alle Schülerinnen und Schüler sowie für das gesamte Schulpersonal. Hinzu kommt, dass bereits in der ersten bis sechsten Klasse eine medizinische Maske getragen werden muss.

Grundschülerinnen und Grundschüler waren bislang von der Maskenpflicht ausgenommen. Für diese Altersgruppe jedoch ist die Maskenpflicht vorerst ausdrücklich begrenzt bis zum 20. August. Man will also offenbar erstmal abwarten, wie sich das Corona-Geschehen nach der Rückkehr aus den Ferien und aus den verschiedensten Urlaubsländern entwickelt.

Mittlerweile, so betonte Bildungsministerin Britta Ernst (SPD), habe man auch jeder Lehrkraft ein Impfangebot gemacht und diese würden auch gut genutzt. "Aus Rückmeldungen von Schulleitungen gehen wir von einer Impfquote von 75 bis 90 Prozent bei den Lehrkräften aus", so Ernst. "Das hat die Schule maßgeblich verändert."

Einschränkungen für private Feiern werden fast vollständig gestrichen

Der großen privaten Party dagegen steht - fast - nichts mehr im Wege. Die einzige Auflage, die es noch gibt, lautet: In geschlossenen Räumen dürfen maximal 50 Personen feiern, unter freiem Himmel liegt die Obergrenze bei hundert Menschen. Vollständig Geimpfte oder Genesene werden hier nicht mitgezählt. Dadurch können also nochmal deutlich mehr Gäste zusammenkommen. Es braucht dafür zudem keine besonderen Anlässe mehr für die Feiern, auch aus wie vielen Haushalten die Menschen kommen, spielt keine Rolle mehr.

Mit deutlich mehr Besuchern können ab August auch wieder Veranstalter von Kulturevents, Konzerten oder Sportereignissen rechnen. Eine feste Höchstzahl für Besucherinnen und Besucher gibt es nicht. Sie richtet sich nach der Größe der Veranstaltungsorte. Die Kapazität der Orte darf zu 50 Prozent ausgenutzt werden.

Bei Festivals allerdings gibt es eine Obergrenze von 7.000 Besuchern. Hier fürchtet die Landesregierung, dass der Charakter solcher Veranstaltungen und das Verhalten der Besucherinnen und Besucher dort die Verbreitung des Virus eher begünstigen als bei anderen Veranstaltungen.

Sorge vor Impfmüdigkeit

Die Landesregierung tastet sich eher vorsichtig heran an weitere Schritte hin zur Normalität. Ziel, so Ministerpräsident Woidke, sei auf jeden Fall einen weiteren Lockdown zu verhindern. Die größte Sorge bereitet ihm dabei eine immer mehr verbreitete Impfmüdigkeit. "Das ist ein fataler Trend", klagt auch Michael Ranft vom Gesundheitsministerium. Derzeit sind in Brandenburg 47,5 Prozent der Menschen vollständig geimpft. Das ist deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. Ministerpräsident Woidke hofft, dass das Land noch auf eine Impfquote von 65 bis 70 Prozent kommt. Ein zwar realistisches, aber eher bescheidenes Ziel.

"Wir alle können gemeinsam dafür sorgen", bittet Woidke fast inständig, "dass der Herbst und auch der Winter auch weiterhin mit großer Normalität verbunden sind. Dafür ist es nötig, dass sich möglichst viele Menschen impfen lassen."

Noch in dieser Woche will die Landesregierung für das Impfen eine Werbekampagne starten. Diese soll am Freitag starten, wie Gesundheitsstaatssekretär Michael Ranft nach der Kabinettssitzung am Mittwoch mitteilte. Dazu wird es landesweit Plakataktionen, Filme, aber auch Online-Werbung und Radiospots geben.

Man wolle zeigen, dass die Impfung allen ein weitgehend normales Leben in der Corona-Pandemie ermögliche, so Ranft. Anreize seien besser als staatlicher Zwang.

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Beitrag von Andreas B. Hewel

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