19.03.2020, Berlin: Eine Läuferin überquert die nahezu leere Straße des 17. Juni vor dem Brandenburger Tor (Quelle: dpa/Nietfeld)
Bild: dpa/Nietfeld

Autofahrer und Fußgänger - So hat sich der Berliner Verkehr in den letzten Tagen verändert

Wie schnell man nervige Staus vergisst: Durch die Corona-Krise haben sich die Verkehrsströme drastisch verändert. Neue Daten zeigen, was auf Berlins Straßen derzeit los ist. Sogar ein einzelner Gehweg wurde untersucht. Von Götz Gringmuth-Dallmer

Was Sie jetzt wissen müssen

Die einen rackern im Supermarkt, in der Logistik oder im Krankenhaus. Viele andere dagegen fahren nicht mehr wie gewohnt zur Arbeit und bleiben zu Hause. In Berlin und Brandenburg gelten seit dem 23. März Ausgangsbeschränkungen - und auf den Straßen ist sichtbar weniger los.

Der Navigationsgerätehersteller TomTom hat anonymisierte Verkehrsdaten zur Verfügung gestellt. Diese zeigen, wie sich das Stauaufkommen seit Anfang Februar in einzelnen Regionen entwickelt hat. rbb|24 hat die Daten für Berlin ausgewertet.

Deutlicher Rückgang seit Mitte März

Bereits seit dem 14. März, einem Samstag, durften in Berlin keine Bars, Kneipen, Kinos oder Theater mehr öffnen. Dazu haben immer mehr Menschen ihren Arbeitsplatz nach Hause verlegt. Ab dem darauffolgenden Montag gingen die Zahlen für den Straßenverkehr dann auch sichtbar nach unten. Die Zeit, die Menschen länger für eine Strecke brauchen, als bei einem ungehinderten Verkehrsfluss, nimmt seither stetig ab. Oder anders gesagt: Freie Fahrt auf Berlins Straßen!

Die Hauptverkehrszeit auf den Straßen Berlins am Morgen ist die Zeit zwischen 8 und 10 Uhr. Die folgende Grafik zeigt, wie sich das Verkehrsaufkommen in den vergangenen fünf Wochen an Wochentagen in dieser Stunde verändert hat. Bis zum 9. März war am Morgen mehr los als zu selben Zeit im Jahr 2019. Doch seit diesem Tag geht das Staulevel in den Hauptverkehrszeiten stetig zurück.

Am Nachmittag rauscht der meiste Verkehr auf den Straßen Berlins in der Stunde zwischen 16 und 17 Uhr - zumindest wochentags. Die folgende Grafik zeigt, wie sich das Verkehrsaufkommen in den vergangen fünf Wochen an Werktagen in dieser Stunde verändert hat. Besonders deutlich wird der Rückgang vor- und nachmittags ab dem 16. März.

Nicht nur der Autoverkehr hat zählbar abgenommen, es sind auch deutlich weniger Fußgänger unterwegs. Zwei Samstage im Vergleich: Am 7. März hatten in Berlin noch alle Geschäfte offen. Da wurden am Ku'damm zwischen Café Kranzler und Fasanenstraße noch mehr als 14.000 Fußgänger gezählt.

Als zwei Wochen später nur noch wenige Geschäfte geöffnet waren, wurden auf diesem Abschnitt nicht mal mehr 20 Prozent davon gezählt. Zwischen dem darauf folgenden Montag (23. März) und dem Donnerstag dieser Woche waren es etwa 3.000 Menschen am Tag, die diesen Abschnitt zu Fuß passiert haben (Quelle: hystreet.com).

Anmerkung

Die Staulevel und Fußgängerdaten gibt es in der Region in dieser Form nur für Berlin bzw. den dargestellten Kudamm-Abschnitt. Die Staudaten hat das Datenteam vom NDR recherchiert und rbbI24 zur Verfügung gestellt.

Beitrag von Götz Gringmuth-Dallmer

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15 Kommentare

  1. 15.

    "Ein kleiner Vorgeschmack auf eine autofreie Innenstadt. Das wird schön!"

    ??? Wird ??? Gibts da irgendwelche Pläne?
    Wie sollen die ganzen Malls, Geschäfte, Hotels und Gastronomie etc. in der Innenstadt in so einem Plan versorgt werden? In der Berliner Innenstadt sind ja bis auf ein paar Ausnahmen vorallem Touristen, die versorgt werden müssen.

  2. 14.

    Die Chance: Man verkehrt jetzt häufiger.

  3. 13.

    @rbb Trotz "weniger" Fußgänger*innen ist es in Kreuzberg vs KuDamm häufig unmöglich die vorgeschriebenen 1,50m Abstand zu Fuß einzuhalten, da viele "Gehbahnen" nur 1,50m breit sind. Allen Entgegenkommenden auf die Straße auszuweichen ist etwa auf der Oranienstraße auch bei dem geringeren Verkehr nicht ungefährlich. Die von FUSS e.V. und anderen seit vielen Jahren geforderten mindestens 3m breiten barrierefreien "Gehbahnen", würden zumindest im Gänsemarsch einen 1,50m Abstand beim aneinander Vorbeigehen ermöglichen.
    Unter den aktuellen Bedingungen (1,5m Breite) könnten hier die Abstände nur auf "Einbahngehwegen" (wie Einbahnstraßen) mit Überholverbot eingehalten werden. Polizeilich freundlich zum Verlassen des Wassertor-Platzes/Park aufgefordert worden - obwohl dort Mindestabstände eingehalten wurden :)
    https://www.berlin.de/ba-friedrichshain-kreuzberg/politik-und-verwaltung/aemter/strassen-und-gruenflaechenamt/strassen/strassenverkehrsbehoerde/flyer-sondernutzung-pdf.pdf

  4. 12.

    Stimmt, kaum noch rasende Blechkisten zu sehen. Ein kleiner Vorgeschmack auf eine autofreie Innenstadt. Das wird schön!

  5. 11.

    Endlich freie Fahrt für die vielen vielen Menschen die mit dem Rad unterwegs sind. Kaum noch Blech im Weg.
    Man merkt dass es auch täglich mehr Leute nutzen, der Frühling bringt auch Gutes.

  6. 10.

    Ich stelle mir gerade vor, wie BMW seine Motorräder hier in Heimarbeit montieren lässt. ;-)
    Und in den Clubs als wichtige Stütze der Berliner Wirtschaft wird zukünftig der DJ und die freien Mitarbeiter hinter dem Tresen von zu Hause aus arbeiten.

  7. 9.

    Ich merke es persönlich beim Autofahren weniger Staus weniger Probleme und vor allen Dingen merkt man es an Spritverbrauch ist auch etwas gesunken, muss weniger tanken aber bei den Spritpreisen die momentan sehr billig sind.

  8. 8.

    Vielleicht liegt es auch mit an der derzeitigen Wetterlage, aber die Stadt ist hier im Moment wirklich schockierend leiser. Die Umweltbelastungen in Europäischen Städten sind ja wohl auch massiv zurückgegangen. Ich wohne nähe B1 und Märkische Allee und deren und Berlins "Grundrauschen" ist in den letzten 10 Jahren extrem, teilweise unerträglich angewachsen. Auch der Fluglärm. Ich weiss aber nicht wieviel von der derzeitigen Lärmreduktion auf Home-Office zurückzuführen ist. Beim berufsmäßigen Flugverkehr bestimmt einiges, aber was den Straßenverkehr betrifft, da ist der Lärm den ganzen Tag und nicht nur zur Berufszeiten. Und die systemrelevanten Berufe sind ja derzeit auch nur teilweise im Home-Office. Eventuell sind ja auch Transitverkehr, Tourismus, Freizeitverkehr viel, viel größere Lärmfaktoren als man so vermutet.

  9. 7.

    Anders als vom Bezirksamt Kreuzberg behauptet, hat auch der Radverkehr erheblich abgenommen. Dies belegen die im Internet frei zugänglichen Daten der automatischen Zahlstellen des Senates, wenn auch nur tagesgenau.

  10. 6.

    Warum wertet man nicht einige der Dauerzählstellen der VMZ aus? Die Datenbasis von Tom Tom hat kaum Aussagekraft.
    Was heißt "Stau" laut Tom Tom? ("Apfel mal Birne ins Quadrat" oder... ?). Den offiziellen Stau nach dem HBS wird Tom Tom nicht auswerten können.
    Die "Hauptverkehrszeit" ist nicht zwischen 8 und 10 Uhr. Wir haben offizielle Früh- und Spätspitzen. Die Frühspitze ist zwischen 7 und 8 Uhr, kann sich praktisch aber je nach Örtlichkeit und anderen Gründen zwischen 7 und 9 Uhr bewegen.
    Ansonsten ist das ein spannendes Thema, wo man mit dem richtigen Material und den Leuten vom Fach interessante Ergebnisse aufzeigen könnte.

  11. 5.

    Und endlich keine E-Roller mehr überall!

  12. 4.

    Zumindest Fahrrad zu fahren hat noch nie soviel Spaß gemacht wie zur Zeit.

  13. 3.

    Das mit dem Müll ist leider sehr ortsabhängig - habe heute beim Walken viele Stellen gesehen, wo ich dachte ... OMG ...

  14. 2.

    Die Autohasser wollen immer Parkplätze reduzieren und Autofahrer schikanieren dabei ist die Lösung so einfach: Home Office und Telearbeitsplätze ausweiten, wo es möglich ist.
    Dann muss niemand quer durch die Stadt fahren und der Standort des Arbeitgebers ist zweitrangig.
    Dank neuester Meeting Software wie MS Teams und andere, kann man dennoch produktiv sein. Allerdings muss in Leitungen für die Datenübertragung investiert werden.

  15. 1.

    Ich bin auch überrascht, wie leere Straßen oder auch die Stadtautobahn aussehen. In der S-Bahn sitze ich fast alleine. Und was mir noch sehr aufgefallen ist: kein Müll auf den Straßen, Bürgersteigen, Bahnhöfen.

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