Böller und Raketen steigen auf der Straße an der Oberbaumbrücke in die Luft, während Passanten vorbeigehen. (Quelle: dpa/Paul Zinken)
Bild: dpa/Paul Zinken

Jahreswechsel während Corona-Pandemie - Pro und Contra zum Böllerverbot an Silvester

In diesem Jahr wird die Corona-Pandemie für ein Böllerverbot angeführt. Andreas Reuter hält das für völlig einleuchtend. Uwe Lueb lässt nicht mal das Argument gelten, dass es ohne Böller weniger Arbeit für das Krankenhauspersonal gäbe.

"Das ist die harmloseste Einschränkung meiner Grundrechte" - Pro Böllerverbot

Wochenlang tauchen wir in den Winter-Lockdown ab, verzichten auf Kontakte, Kultur und Cafés. Aber in der Silvester-Nacht – da sollen wir es ordentlich krachen lassen? Wie absurd ist das denn? Ach, im Freien steckt man sich nicht an mit Corona? So sicher bin ich mir da nicht, wenn wir Schlag zwölf alle auf die Straße laufen, uns in Grüppchen zusammenrotten, johlend den umstehenden um den Hals fallen.

Also: lieber keine Knallerei an Silvester. Das ist so ungefähr die harmloseste Einschränkung meiner Grundrechte, die ich mir vorstellen kann. Zumal man damit auch sonst so viel erreicht. Wir würden so viel Feinstaub einsparen, wie Deutschlands Autoverkehr in zwei Monaten erzeugt, wir verhindern Bürgerkriegs-ähnliche Szenen auf den Straßen. Ja, und wir vermeiden Verbrennungen, weggesprengte Finger, verletzte Augen. Und unsere Ärztinnen und Krankenpfleger, die schon jetzt an der Belastungsgrenze arbeiten und auf die noch schlimme Wochen zukommen, die werden es uns danken.

Andreas Reuter, ARD-Hauptstadtstudio

"Wer böllern will, soll das verantwortlich tun" - Contra Böllerverbot

Gleich mit Böllerschmauch und atemstockender Luft ins Neue Jahr – es gibt sicher Schöneres. Aber viele Menschen freuen sich trotzdem auf ihr Feuerwerk. Zu den Fakten: Das Problem ist in der Regel nicht der Böller, sondern der Alkohol und vernachlässigte Aufsicht von Kindern.

Dazu kommt, dass immer wieder nicht zertifizierte gefährliche Sprengkörper in Umlauf sind. Das zu unterbinden ist der richtige Weg. Darüber hinaus lohnt ein Blick in die Statistik der Gesellschaft für Unfallchirurgie. Die erfasst Bölleropfer erst gar nicht - mit der Begründung, dass die wenigsten intensivmedizinisch behandelt werden.

Hier tauchen vor allem Verkehrsunfallopfer auf. Und die haben allzu oft nichts mit Böllern zu tun, sondern mit Alkohol. Höher als rund um Silvester sind die Unfallzahlen danach übrigens am 1. Mai. Dazu tragen stark Motorradfahrer bei. Und jetzt? Verbieten wir Alkohol, Auto- und Motorradfahren, Wintersport und überhaupt alles, was zu Verletzungen führen kann? Nein. Wer böllern will, so, soll das verantwortlich auch dieses Jahr tun.

Uwe Lueb, ARD-Hauptstadtstudio

Sendung: Inforadio, 19.11.2020, 17:05 Uhr

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48 Kommentare

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  1. 48.

    Wenn ich nicht so viele Schäden gesehen hätte... Ein Beispiel; Unter parkende Autos auf einem Discounterparkplatz warfen Jünglinge Blitzknaller und anderen Kram. Medimax in Strausberg und viele angrenzende Läden sind abgebrannt durch ähnliche Brandkörper. Es passiert doch jedes Jahr, dass Ärzte helfen müssen. Ihren seltsamen Mario will ich erst gar nicht kennen. Kaufen sie sich eine Wunderkerze.

  2. 46.

    Vielleicht in der momentanen Situation einfach mal an die Mitarbeiter denken!!!!???
    3500 Leute sind dann von heute auf morgen arbeitslos und die Kommunen , in denen die Werke stehen, kriegen dann auch keine Gewerbesteuer mehr!!! Sind das 0,0003 Prozent Belastung wert???

  3. 45.

    Erst informieren, dann meckern. Ist auf meinem Planeten so.
    https://www.br.de/nachrichten/wissen/feuerwerk-produziert-laut-studie-weniger-feinstaub-als-gedacht,S5HSnYe

    Die Ballerei mag ich trotzdem nicht.

  4. 44.

    Wenn man das Alles liest, was verboten oder umweltschädlich ist, darf man gespannt sein wann es Atemluft auf Zuteilung gibt..... einfach nen Gang runterschalten und ein wenig denn Jahreswechsel feiern und sei es nur im Familienkreis.

  5. 43.

    Das mag auf deinem Planeten so sein aber nicht auf unserer Erde.
    #2, #5, #9 usw, ach man lese selber, falls du es kannst

  6. 41.

    Es hatte sich ja herausgestellt, dass die Feinstaubbelastung durch Feuerwerkskörper kaum ins Gewicht fällt. Insofern wäre es schön, wenn man den Menschen den Spaß zum Jahreswechsel nicht nimmt.

  7. 40.

    Es kommt immer darauf an, in welcher Ecke von Berlin man Wohnt. Es wird mal mehr und mal weniger geknallt und jeder der jetzt dagegen ist, sollte mal überlegen, das er selber mal jung war und sich auf Silvester gefreut hat. Leute, der eine Tag oder Sorry wollt Ihr Euch alles verbieten lassen.

  8. 39.

    Offensichtlich gibt es für Sie außer der Knallerei nichts Seligmachendes an Silvester...
    Ich werde mit "Huetchen auf, traetae" sicherlich noch bis weit in den Morgen beschäftigt sein.

    Champagnerkorken knallen auch und produzieren dabei keinen Feinstaub.

  9. 38.

    Ob Verbote immer gut tun? Ich weiß es nicht, aber jeder soll doch selbst entscheiden, ob er Knallzeug kaufen möchte und will. Vielleicht gibt es derzeit wichtigere Themen?!

  10. 37.

    Ich verstehe nicht, wie die BRD es schaffen will, das Knallen zu verbieten? Selbst die schon verbotenen "Polenböller" finden doch Jahr für Jahr wieder ihren Weg in die Stadt. Und das sind die die gefährlich sind. Wegen Knallerbsen und Sumsebienen werden die Krankenhäuser sicher nicht überflutet. Für mich könnten gerne alle Böller verboten werden, aber Fontänen und Raketen sind ja wohl was anderes!
    Und noch ein Gedanke zu Corona: Hygiene und Selbstisolation bringen mir einen Scheiß, wenn ich jeden morgen auf dem Weg zur Arbeit mit 500 anderen Haushalten in einem Waggon in der S-Bahn kuschele!
    #Weihnachtsfeier in der BVG, denn da ist es ja anscheinend erlaubt

  11. 36.

    Da waren aber auch noch Freunde und Bekannte dabe und Heute??? Huetchen auf, traetae12uhr, ab ins Bett.
    Kein Gefunkel auch nicht ueber der Stadt armselig.

  12. 34.

    Jaja, seit zwei, drei Jahren ist es ganz groß Mode, sich plötzlich für Umwelt und Tiere zu interessieren.
    Schade nur, dass die immer nur zu Silvester so viel Aufsehen erregen.
    Und wofür man sein Geld ausgibt, sollte doch bitte jedem selbst überlassen sein oder?

  13. 33.

    Soso.... "Ihr Ballermänner".... ganz typisch.
    Nur weil man etwas verteidigt oder gut findet, ist man selbst gleich einer derjenigen, der übertreibt.
    Wie gut, dass wir jedes Jahr ein paar Raketen in die Luft steigen lassen und alles andere nicht anfassen. Aber klar, jeder der Feuerwerk machen will, knallt wie ein Gestörter :)

    Dinge, die nur "bumm" machen und verboten laut sind, mögen wir auch nicht. Aber was ist gegen ein bisschen Bunte Farbe am Himmel zu sagen?
    Jetzt wird wegen Silvester groß geschrien, aber bei der nächsten Hochzeit, Fußball EM/WM, Konzerten, Shows von Mario Barth im Olympiastadion - da findet man es wieder toll. Bisschen scheinheilig, meinen Sie nicht?

  14. 32.

    Komplette Zustimmung! Meine 360°-Aussicht über die Dächer Berlins ist nicht nur zu Silvester schön... ein Silvester in Toronto zeigt, daß ein offizielles Feuerwerk zu diesem Anlaß ausreicht und diverse andere Bräuche durchaus auch ein "inneres Feuerwerk" auslösen können.

  15. 31.

    Verbot ja: Feiern und Spaß sollte nicht vom knallen abhängen! Tiere, Menschen die Natur leiden unter diesen Bedingungen nur der Mensch kann nicht verzichten weil es ja immer so war, aber die Zeiten ändern sich und das Geld sollte sinnvoll ausgegeben und oder gespendet werden, so kommen wir alle ruhig ins neue Jahr.

  16. 30.

    Das sehe ich genauso. Eines möchte ich noch ergänzen. Die Handhabung ist ganz einfach sicherer. Es wird einmal angezündet (oder falls erforderlich die zweite Sicherheitszündschnur) und das Teil muss auf der Erde stehen. Das gefährliche in der Hand zünden, dass schon zu schweren Unfällen geführt hat, entfällt.
    Nur noch Batterien an Pyrotechnik. Der "Kleinkram" (Wunderkerzen, Knallerbsen usw.) kann bleiben.
    Außerdem wären die "überladenen" Polenböller, die zwar sowieso verboten sind aber trotzdem genutzt werden, endlich wirksamer ausgegrenzt. Ich hasse dieses Dreckzeug (siehe auch #2).

  17. 29.

    Die Überschrift des Artikels spricht vom Böllerverbot, in der Abstimmung soll man aber sagen, ob das Feuerwerk verboten werden soll. Für mich ist der Unterschied aber entscheidend.
    Ich bin dafür, Batterien und Raketen zu erlauben. Davon hat man nämlich länger etwas, es sieht schön aus und es stört wenn dann nur wenig. Das entsorgen ist auch für jeden einfach zu machen. Stumpfsinnige Böller, die man anzündet, nur damit es einmal rums macht und alle in der Umgebung stört, würde ich verbieten. Diese rote Flut auf den Gehwegen, die das hinterlässt, macht doch keiner weg.
    Also pro Böllerverbot, aber contra Feuerwerksverbot. Dann hätte auch die Feuerwerksindustrie immer noch etwas, was sie verkaufen kann.

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