Polizeigewerkschaft fordert Konzepte - Bezirke wollen nicht mit Zäunen auf Park-Partys reagieren

Archivbild: Menschen sitzen im James-Simon-Park gegenüber der Museumsinsel in Berlin Mitte. (Quelle: imago images/P. Meißner)
Audio: JOURNAL | 29.06.2021 | R. Knop | Bild: imago images/P. Meißner

Tausende feiern an den Wochenenden in Berliner Parks, meist wird dort eng an eng getanzt. Aus den Reihen der Polizei werden Rufe nach Umzäunungen laut. Bei Bezirken stößt diese Forderung auf wenig Gegenliebe, sie wünschen sich andere Lösungen.

Der Vorschlag der Berliner Gewerkschaft der Polizei (GdP), Parks mit Zäunen gegen Partys zu schützen, stößt bei Bezirken auf Ablehnung. "Eine Umzäunung lässt sich nicht pauschal umsetzen", antwortete am Dienstag der Neuköllner Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) auf eine rbb|24-Anfrage.

In der Neuköllner Hasenheide hatten sich am vergangenen Wochenende wiederholt Tausende junge Menschen zum Feiern versammelt, die Polizei räumte weite Teile des Parks. Hikel verwies auf die Kosten von Umzäunungen: "Die Hasenheide mit 52 Hektar Fläche lässt sich nicht umsonst einzäunen."

Hikel will ungenutzte Flächen zur Verfügung stellen

Zudem müsse man dann auch am Abend dafür sorgen, dass die Menschen den Park verlassen, was bei Flächen wie der Hasenheide personell nicht darstellbar sei. Hikel forderte erneut, bislang ungenutzte Flächen für Partys unbürokratisch zur Verfügung zu stellen, beispielsweise über das Portal "Draußenstadt". "Nur so gibt es vernünftige Alternativen zur Fehlnutzung unserer Parks. Für die Hasenheide wäre das Vorfeld des Flughafens Tempelhof eine sinnvolle Alternative in räumlicher Nähe, zumal der Flughafen dem Land Berlin gehört. Leider wird diese Fläche immer ausgeklammert, was mir nicht verständlich ist", so Hikel.

Von Dassel: Ordnungsgelder verhängen

Der Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte, Stephan von Dassel (Grüne) lehnt Absperrungen und Zäune als Mittel gegen illegale Parties ebenfalls ab. Solche Überlegungen seien auch bei Anwohnerinnen und Anwohnern auf Ablehnung gestoßen, sagte von Dassel am Dienstag im Inforadio vom rbb. Er plädierte stattdessen für mehr gegenseitige Rücksichtnahme und ein konsequentes Einschreiten der Ordnungskräfte. Es reiche nicht aus, illegale Parties aufzulösen. Manche würden erst dann zur Einsicht kommen, wenn auch Ordnungsgelder verhängt werden.

Auch das Bezirksamt Mitte sprach sich gegen Zäune aus. Grünanlagen seien öffentliche Flächen und sollten der Allgemeinheit zur Verfügung stehen, teilte das Bezirksamt auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. "Wir möchten den Erholungs- oder Ruhesuchenden nicht vorschreiben, wann sie sich in den Parks aufhalten dürfen", hieß es weiter. Für den Volkspark am Weinberg sei bereits mit Anwohnern über eine Einzäunung diskutiert worden. Eine solche Maßnahme würde dort etwa 180.000 Euro kosten. Sie werde von einer Mehrheit der Anwesenden eher kritisch gesehen, hieß es vom Bezirksamt.

Herrmann fordert gesamtstädtische Lösung

Die Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, Monika Herrmann (Grüne), ist ebenfalls gegen Umzäunungen. "Wer meint, ein Zaun würde helfen, wird ganz sicher ganz schnell von der Realität eingeholt werden, weil diese Partys dann eben außerhalb der Parks stattfinden", antwortete Herrmann am Freitagmorgen auf eine rbb|24-Anfrage.

Ablehnend äußerte sie sich auch zur Forderung der GdP, die Bezirke müssten Alternativkonzepte vorlegen. Bei den Partys handele es sich nicht um ein bezirkliches Einzelphänomen, sondern vielmehr um ein gesamtstädtisches Problem, so Herrmann. Deshalb müsse die Senatsverwaltung für Inneres "gemeinsam mit den Bezirken, der Clubkommission, der Senatskulturverwaltung, Trägern der aufsuchenden Jugendarbeit und der Senatsjugendverwaltung sowie der Polizei an einem Tisch zusammenkommen, um Lösungen zu finden." Ob Träger der aufsuchenden Jugendarbeit etwas ausrichten könnten, wolle man in Friedrichshain testen, kündigte Herrmann an.

GdP und SPD-Innenpolitiker für Umzäunungen

Mit Blick auf ausufernde Partys in Berliner Parks hatte die Gewerkschaft der Polizei (GdP) alternative Angebote für Jugendliche angemahnt. GdP-Sprecher Benjamin Jendro forderte von den Bezirken entsprechende Konzepte und schlug Zugangskontrollen, Zäune und Security ab einer bestimmten Uhrzeit vor.

Auch der SPD-Innenpolitiker Tom Schreiber brachte eine Umzäunung des James-Simon-Parks in Mitte ins Gespräch. Dieser Park gegenüber der Museumsinsel solle dauerhaft eingezäunt werden, ab 22.00 Uhr sollte man nicht mehr reinkommen. Das spare große Polizeieinsätze, die Grünanlage könne sich erholen, empfahl Schreiber auf Twitter.

Nach wie vor rückt die Polizei wegen der Corona-Pandemie bei großen Partys aus, zuletzt am vergangenen Wochenende in der Hasenheide und im James-Simon-Park.

Sendung: rbb88,8, 29.06.2021, 09:00 Uhr

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48 Kommentare

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  1. 48.

    Ich bin in Berlin aufgewachsen und weiß dass solche Parties auch in meiner Jugendzeit standard waren. Alle Nichtberliner können sich hier gerne mal raushalten oder sollen den Jugendlichen Alternativen aufzeigen. Die 10,-€ Clubeintritt sind schon mal eben eine ganze Menge Getränke wenn man sie im Discounter holt, im Club bekommt man maximal 3 Getränke dafür, aber man hat den 10er schon am Eintritt hinterlassen. Clubleben in Berlin ist so durchkommerzialisiert, dass ein Jugendlicher aus ärmeren Familien da in die Röhre guckt.
    Gebt den Jugendlichen Räume wo sie feiern können und das Problem löst sich fast von alleine. In meiner Jugendzeit gab es hier noch richtig viele Leerstände. Da war es noch leicht auszuweichen, aber das geht heute nicht mehr. Einrichtungen müssen her.

  2. 47.

    Man wird die Partymacher nicht vertreiben können aber auch nicht die Panikmacher!
    Also entweder lernen wir endlich mit dem Virus zu leben oder es wird weiterhin eine Welle nach der anderen geben, genauso wie Lockdowns und Lockerungen, sowie das ewige geheule der Bevölkerung.

  3. 46.

    Ok, ich sehe das alles und erkenne trotzdem, dass die Parkpartys etwas moralisch verwerfliches sind.
    Einige Punkte von Ihnen sind reine Neidpunkte, Leistung und Verantwortung soll auch gut bezahlt werden, andere Punkte sind kriminelle. Wenn das die Kinder der kriminellen in der Hasenheide und sonstwelchen Parks sind, wird mir einiges klar …

  4. 44.

    Übertriebene Manager-Gehälter
    Bonuszahlungen
    Anzahl der Abgeordneten immer höher
    Stattliche Diäten + Pensionen für wenige
    Corona-Abzocke unter "Vorbildern"
    Steuerflucht
    Steuertricks
    Mehrfachidentitäten / Sozialleistungsmissbrauch
    Kriminellen-Schutz durch milde Strafen
    100% weiter Lohn + Homeoffice für die einen und 0% Lohn + Schulden für die anderen.
    u.v.m.
    Wer dies alles sieht, der kann natürlich nicht erkennen, dass eine nächtliche Party in der Hasenheide was moralisch verwerfliches sein soll.

  5. 43.

    "Außerdem waren die früher keinen Deut besser: Siehe zertrümmerte Waldbühne 1965."

    Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal... Die Waldbühne wurde aus Enttäuschung zerlegt, weil das Konzert so kurz war.

  6. 42.

    Zäune bauen, einsperren, "Zwangsarbeit", sedieren, mit Gülle zukippen, Anzeigen, Bußgelder, blödsinnige Verquickung von Partygängern und Demonstranten ... da kann einem Angst und Bange vor dem Bürgermob werden. Vll. ziehen demnächst noch mit Fackeln und Heugabeln bewaffnete, marodierende Horden von Musterbürgern durch die Parks. Manche Vorstellungen hier haben irgendwie schon was inquisitorisches.

  7. 41.

    Die Berliner, die sich Ordnung, Sauberkeit, und Sicherheit wünschen demonstrieren ganz sicher nicht gegen die Polizei.
    Und RRG oder Bezirkspolitikern da die Schuld in die Schuhe zu schieben in ablenken von unsere lieben egoistischen und verantwortungslosen Mitmenschen.

  8. 40.

    „ Eine Aufzählung wäre hier zu lang. Daher erspare ich Ihnen diese.“
    Die Aufzählung hätte ich gern …

  9. 39.

    Würde man stattdessen alle Polizeireviere einzäunen, hätte man das Faschismusproblem in dieser Stadt auf einen Schlag zum größten Teil beseitigt und man könnte endlich wieder entspannt im Park verweilen.

  10. 38.

    So ist es, wir haben auch schon mal draussen gefeiert. Damals nannte man sowas nicht Partys, Partys waren niveauvoller. Und es ist auch schon mal die Polizei gekommen, aber wir waren nie so blöd, uns mitten in der Stadt in Parks zu stellen, wo uns jeder hören und sehen konnte, und die Respektlosigkeit war noch nicht so schlimm.

  11. 36.

    Mit Verboten und Bußgeldern erreicht man eine gewisse Zeit etwas.
    Irgendwann aber kocht der Frust die Wut oder was auch immer über.
    https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/120450/Ausschreitungen-bei-Protesten-gegen-Ausgangssperre-in-den-Niederlanden
    Nach diesen Ausschreitungen wurde die Ausgangssperre ganz schnell abgeschafft.
    Solche Szenen gab es ebenfalls in Frankreich, Italien und Israel.
    Überall hat man die Erfahrungen gemacht, das sich die Bevölkerung nicht endlos drangsalieren lässt.

  12. 35.

    Die sollen doch einfach die Clubs mit Hygienekonzepten wieder öffnen. Gerade beim Einlass in den Club gibt es schon immer Einlasskontrollen, genau hier bietet es sich doch super an, nach einem negativen Test bzw Impfstatus zu fragen und per Luca oder was auch immer, die Kontakte nachzuverfolgen.

  13. 34.

    Vor garnicht allzu langer Zeit wurden Mauern und Zäune noch mit totalitären Systemen in Zusammmenhang gebracht! aCH WIE DIE zeITEN SICH ÄNDERN! Bitte liebe Wessis, hört auf uns zu erzählen, wie der Osten war!

  14. 33.

    Ich stimme Ihnen voll zu. Auch wir haben gefeiert und genau wie Sie sind wir bei Beschwerden weitergezogen um nicht zu stören. Ich habe nichts gegen Zäune, die Grünanlagen und Parks für die Allgemeinheit schützen. Öffnung von 06.00 - 21.00 Uhr wäre OK. Wir haben auch keinen Dreck und Müll hinterlassen. Trotzdem hatten wir unseren Spaß. Ohne Klub und mit nur wenig Möglichkeiten zum Tanz zu gehen. Also wo ist eigentlich das Problem.

  15. 32.

    "Ungenutzte Flächen zur Verfügung stellen !" Bürgermeisterbüro Rathaus Neukölln, Rathaus Friedrichshain-Kreuzberg, Reichstagswiese, Freibad Wannsee, Flußbadeanstalt an der Einheitswippe. Alternativ, Hasenheide umgraben und 1-Familien-Sozialhäuser errichten. Die neuen Bewohner sorgen dann schon für Ruhe und Frieden.

  16. 31.

    Bei diesen Provokateuren hilft nur ein Mugshot und bei Wiederholung ab zur gemeinnützigen Arbeit verdonnern.

  17. 30.

    Eigentlich müssten sich alle Polizisten zusammen schließen und sich dagegen wehren jedes Wochenende das gleiche Theater mitzumachen und dabei noch verletzt zu werden.
    Die sollen die ganzen "Bespassungsläden" wieder aufmachen und schon ist Ruhe im Karton. Die Zahlen sinken und wir leben immer noch wie bei Beginn der Pandemie.

  18. 29.

    Ich stimme Ihnen soweit zu, aber den Selbstbedienungsladen bekommen die Leute doch vorgelebt.
    Eine Aufzählung wäre hier zu lang. Daher erspare ich Ihnen diese.

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