Schuldner-Atlas 2024 - Immer weniger Menschen verschulden sich freiwillig

Di 28.01.25 | 10:52 Uhr
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Symbolbild:Zwei junge Personen halten ein Handy und einen Leihroller.(Quelle:imago images/M.Gstettenbauer)
Audio: Antenne Brandenburg | 28.01.2025 | Holger Kessler | Bild: imago images/M.Gstettenbauer

Die Zahl der überschuldeten Menschen sinkt im sechsten Jahr in Folge. Das geht aus dem sogenannten Schuldner-Atlas 2024 hervor. Der Bundestrend gilt auch für Berlin und Brandenburg. Allerdings steigt die Zahl der Dauerüberschuldeten.

Die Überschuldungsquote in Deutschland ist in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen. Auch in Brandenburg bestätigt der am Dienstag veröffentlichte "Schuldner-Atlas 2024" diesen Trend. Demnach sank die Anzahl verschuldeter Menschen in Deutschland das bereits sechste Jahr in Folge auf einen neuen Tiefstwert. Bundesweit sind rund 5,6 Millionen Bundesbürger über 18 Jahren überschuldet. Der Schuldner-Atlas wird jährlich von der Wirtschaftsauskunftei Creditreform veröffentlicht.

Ein Vergleich zwischen 2024 und 2014 zeigt, dass sowohl insgesamt als auch in jedem einzelnen Brandenburger Landkreis die Verschuldung in diesen zehn Jahren zurückging - teilweise deutlich (die einzelnen Vergleichsdaten können Sie über die interaktive Grafik abrufen). Insgesamt sind in Brandenburg noch knapp unter 160.000 Menschen überschuldet. Das sind rund 5.000 Menschen weniger als im Vorjahr.

Auch in Berlin nahm die Zahl der Schuldner im Vergleich zum Vorjahr ab. Dennoch stieg hier die Überschuldungsquote leicht an. Das lag an einer statistischen Kuriosität: Als Folge der jüngsten Zensus-Daten wurde 2024 die Bevölkerungszahl von Berlin stark nach unten korrigiert. Entsprechend sank zwar die Zahl der überschuldeten Menschen, noch mehr sank aber die Zahl der Einwohner - die Quote stieg so leicht an. Der zehn-Jahres-Vergleich mit 2014 ist aber auch in Berlin klar positiv.

In Berlin stieg die Verschuldung in einigen Bezirken allerdings stark an, besonders in Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg. Am höchsten ist die Anzahl der verschuldeten Berliner allerdings nach wie vor in Spandau. In Brandenburg weist der Schuldner-Atlas vor allem zwei Städte als Sorgenkinder des Jahres aus: In Cottbus und Frankfurt (Oder) stiegen die Schuldnerquoten auffällig. Am höchsten sind sie seit Jahren in Brandenburg an der Havel.

Mehr Dauer- und Konsumverschuldete

Die Daten widerlegen auf den ersten Blick die Prognose, die der Report des Vorjahres gegeben hatte: Damals hieß es, aufgrund der verschlechterten Wirtschaftslage sei ein "verdeckter Trend" hin zu einer stärkeren Verschuldung zu erwarten. Das ist zwar in der Breite so nicht eingetreten, allerdings zeigen die Daten zugespitzt: Wer es sich leisten kann, vermeidet Schulden, wer keine Wahl hat, verschuldet sich weiter.

Denn die Zahl der Dauerverschuldeten ist gewachsen. Zwischen 2021 und 2024, also nach der Corona-Pandemie, dem Beginn des Krieges in der Ukraine und der daraus folgenden Energiekrise und Inflation in Europa, ist diese Zahl sogar deutlich angestiegen. Inzwischen sind 165.000 Deutsche mehr dauerüberschuldet als noch 2021. Die Studienautoren beschreiben diese Gruppe als Menschen mit geringen Einkommen, darunter Familien, in denen Schulden seit mehr als einer Generation bestehen und die aus dieser Spirale alleine meist nicht mehr herauskommen würden.

Auch die Zahl der sogenannten "Konsum-Überschuldeten" ist gestiegen. Als solche bezeichnen die Autoren junge Menschen, die ebenfalls vergleichsweise geringe Einkommen haben und sich für den Erwerb von Konsum- und Markenprodukten kurzzeitig verschulden. In diesen Fällen würden die Schulden allerdings häufig nach einiger Zeit wieder bedient.

Sparen liegt wieder im Trend

Die Überschuldung unter Personen, die besser verdienen - und daher in der Theorie eher selbst entscheiden können, ob sie sich verschulden - sinkt dagegen. So gibt es deutschlandweit einen klaren Aufschwung des Sparens, beschreibt der Schuldner-Atlas. Die Gruppe der "Überschuldungsvermeider" ist im Vergleich zum Vorjahr zwar leicht kleiner geworden, insgesamt aber deutlich größer als 2021. Und während die Überschuldung in Deutschland sinkt, steigt die bundesweite Sparquote und auch das Sparguthaben in den letzten Jahren deutlich.

Zu beobachten ist auch, dass weiterhin die mittleren Altersklassen, von 30 bis 50 Jahren, stärker von Überschuldung betroffen sind. Das kann an geplanten oder kalkulierten Investitionen, wie dem Erwerb eines Eigenheims oder der Finanzierung von Bildung liegen. Die Berliner Bezirke zeigen beispielhaft, dass parallelen in den Altersgruppen erkennbar sind. Flacher sind die Kurven nur in Bezirken wie in Charlottenburg-Wilmersdorf, das die niedrigste Schuldnerquote in Berlin aufweist.

Ost und West gleichen sich weiter an - Ausblick bleibt düster

Bundesweit lässt sich eine Annäherung von Ost und West beobachten. So sank die Überschuldungsquote im Osten stärker als im Westen. Dort ist sie insgesamt aber immer noch etwas geringer. Inzwischen haben sich die Werte mit 8,36 Prozent gegenüber 8,04 Prozent aber deutlich mehr angeglichen, als noch vor zehn Jahren - damals lag die Überschuldungsquote in Westdeutschland noch bei rund 9,6 und im Osten bei rund 10,5 Prozent.

In einem Ausblick erwarten die Experten der Wirtschaftsauskunftei ähnliches wie im Vorjahr: Nichts Gutes. "Für das laufende und kommende Jahr wird der Verlust von Arbeitsplätzen wieder mehr ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken", wird Creditreform-Sprecher Patrik-Ludwig Hantzsch in einer Pressemitteilung zitiert. Der Arbeitsmarkt habe sich den negativen konjunkturellen Entwicklungen lange widersetzt, nun werde der "dauerhafte Druck auf unsere Industrie" aber auch zum Verlust von gut bezahlten Arbeitsplätzen führen, so Hantzsch.

Sendung: Antenne Brandenburg, 28.01.2025, 10:00 Uhr

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46 Kommentare

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  1. 46.

    „So ein Quatsch. Das steht im BGB“
    Genau. Aber es ist nicht schlimm, wenn Sie das System des Geldverdienens der Banken nicht verstehen. Am Ende jeden Vertrages rechnen die wenigsten noch nach was es gekostet hat...

  2. 45.

    Das mag derzeit für Baukredite zutreffen, aber wie sieht es bei Konsumentenkrediten aus? Die liegen wohl so zwischen acht und neun Prozent bei Barkrediten, bei Dispo wohl noch deutlich höher, von der Überziehung des Disporahmens mal abgesehen. Die werten Banken müssen Geld verdienen und halten sich dabei hauptsächlich an die Kunden, die keinen Gegenwert zu bieten haben. Von Seiten der Ausfallbewertung zwar durchaus verständlich, für die Betroffen im Fall eines Falles aber fatal. Dazu die Vielfalt an Ratenzahlungsangeboten der Handelshäüser, querfinanziert über deren Hausbanken, und die Leichtigkeit der Inanspruchnahme dieser Angebote. Ein "wenig" Bankenbashing ist durchaus angebracht. Das Schuldenmachen ist zu einfach.

  3. 44.

    „So ein Quatsch. Das steht im BGB“
    Genau. Aber es ist nicht schlimm, wenn Sie das System des Geldverdienens der Banken nicht verstehen. Am Ende jeden Vertrages rechnen die wenigsten noch nach was es gekostet hat...

  4. 43.

    So ein Quatsch. Das steht im BGB. Mit welcher Intention schreiben Sie hier so einen Schmarrn? Hoffentlich nur Unwissenheit.

  5. 42.

    Janz entspannt. Wenn alle Stricke reißen, bleibt ja immer noch die Privatinsolvenz. Nach 3 Jahren "schuldenfrei". Das Geld ist aber wie immer nicht weg, es hat nur jemand anderes. In dem Fall die Gläubiger, die auf ihren Forderungen sitzen bleiben. Also ... think big

  6. 41.

    „Nach 10 Jahren hat man mit 6 Monaten Frist ein Sonderkündigungsrecht und kann jeden Immobilienkredit mit 10jähriger Zinsbindung komplett zurück zahlen“
    Auch Sie haben die Bankverträge nicht durchschaut? Die Sonderkündigung kostet (Ihr) Geld. Die Banken wählen da zwei Wege: Entweder zum Kündigungszeitpunkt oder aber in den kaum merklich wahrgenommenen Konditionen bei Vertragsabschluss.

  7. 40.

    Hören Sie doch bitte endlich mit Ihren Fakenews auf!
    Einfach mal lesen:
    Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) § 489 Ordentliches Kündigungsrecht des Darlehensnehmers

  8. 39.

    „Nach 10 Jahren hat man mit 6 Monaten Frist ein Sonderkündigungsrecht und kann jeden Immobilienkredit mit 10jähriger Zinsbindung komplett zurück zahlen“
    Auch Sie haben die Bankverträge nicht durchschaut? Die Sonderkündigung kostet (Ihr) Geld. Die Banken wählen da zwei Wege: Entweder zum Kündigungszeitpunkt oder aber in den kaum merklich wahrgenommenen Konditionen bei Vertragsabschluss.

  9. 38.

    Doch, ging es wohl. Sie schreiben korrekt, dass der Kredit gekündigt werden kann. Der Kredit muss jedoch nicht gekündigt, sondern kann auch mit einer Sondertilgung reduziert werden. Was am besten ist, kommt immer auf die individuelle Situation bestehend aus Darlehenskonditionen und aktueller Marktlage an und kann von außen nicht beurteilt werden.

  10. 37.

    ...sind Investitionen in ein "Nichts", reine Spekulation und enden im Totalausfall, sobald der Hype vorbei ist. Kryptowährungen werden sich etablieren, keine Frage, aber spätestens dann werden sich deren Wert und Wertschwankungen nicht von anderen Fremdwährungen unterscheiden.

  11. 36.

    Die Banken leihen sich selbst Geld zum Euribor. Nehmen wir an, dieser beträgt 2,534 %, das aktuelle Kreditzinsniveau zu dem Banken Geld verleihen liegt bei 3,6%, dann beträgt die Marge der Bank 1.066 % inkl. Risikoprämie, dass der Kreditnehmer den Betrag nicht zurückzahlt. Das ist mehr als ein faires Geschäft. Framing und Bashing von Banken sind hier unangebracht.

  12. 35.

    Es geht nicht um Sondertilgung. Nach 10 Jahren hat man mit 6 Monaten Frist ein Sonderkündigungsrecht und kann jeden Immobilienkredit mit 10jähriger Zinsbindung komplett zurück zahlen. Bitte erst informieren, dann schreiben. Danke.

  13. 34.

    Ein guter ETF Sparplan ist für den Normalbürger durchaus ausreichend. Es gibt beim Sparen kein richtig oder falsch. Es kommt immer auf die Situation des Sparers und das individuelle Sparziel an.

  14. 33.

    Das ist leider inkorrekt. Man muss Konsumschulden von Investitionsschulden unterscheiden. Für nicht aufgeschobenen Konsum Schulden zu machen kostet einfach nur viel Geld, bei Investitionen kommt Geld zurück oder man erspart sich zukünftige Ausgaben

  15. 32.

    Es muss ganz klar zwischen Schulden für Investition oder Konsum differenzieren. Geplante oder kalkulierten Investitionen zum Beispiel zum Erwerb eines Eigenheims sollten auch staatlich stärker unterstützt werden, wenn es sich um die erste eigengenutzte Wohnung oder das Eigenheim handelt. Konsumschulden sind hingegen schlechte Schulden. Hier sollte man nur Geld ausgeben, was man vorher angespart hat bzw. bereits zur Verfügung hat über aktuelle Einnahmen.

  16. 31.

    Gute Nachrichten: Bundesweit zeigen Sparquote und auch das Sparguthaben in den letzten Jahren deutlich. Laut Bundesbankbericht sparen viele Deutsche aktuell noch falsch! Es muss mehr in gut abgesicherte Depots gespart werden, ein einfacher ETF-Sparplan bei einem Onlinebroker ist kein wirklich diversifiziertes Sparen und Vermögensaufbau, sondern eher als Hobby anzusehen, ebenso verhält es sich mit den sehr volatilen Krypto-Investments.

  17. 30.

    Ganz meine Meinung, so ungefähr habe ich es auch geschrieben, leider habe ich den falschen Redakteur erwischt!

  18. 29.

    >"Dann haben Sie das 2-2,5 fache bezahlt. Immer."
    Denn: Die Bank gewinnt immer! ;-))
    Deswegen ziehen Banken beim Anheben des Leitzins sofort die Kreditzinsen an, aber fast nie oder sehr spät die Anlagezinsen.

  19. 28.

    Im "Schuldner-Atlas" geht es um die "Überschuldung" der Bevölkerung, also um den Umstand, dass aufgenommene Kredite von den Schuldnern nicht zurückgezahlt werden können (also klassisches Gebiet der Leistungsstörungen - von "Freiwilligkeit" kann in diesem Zusammenhang daher kaum gesprochen werden). Über einen Rückgang der Kredit- bzw. Darlehensaufnahme an sich sagt das indessen erstmal nichts aus.

  20. 27.

    Wie heißt die Bank?
    „Dreisatz reicht zum Nachrechnen. Verstehen wollen ist Voraussetzung“
    Sie sind „raus“!

    „200000 Kredit mit bis vor wenigen Jahren nicht unüblichen 1% Zinssatz lässt sich mit 1000 Euro monatlich innerhalb von 20 Jahren abzahlen“
    1% über 20 Jahre? Wo leben Sie denn?