Interview | Absage von Nena-Konzert - "Wir haben auch ganz, ganz viel Zuspruch bekommen"

Archivbild: Nena am 22.06.2018 in der Zitadelle in Berlin. (Quelle: imago iamges/Peng)
Audio: rbb 88.8 | 28.07.2021 | Interview mit Markus Pfeffer | Bild: imago images/Peng

Nach Nenas abgebrochenem Konzert am Wochenende in Berlin ist das nächste der Sängerin schon im Voraus abgesagt worden. Es gab einen Shitstorm - aber nicht nur, sagt Markus Pfeffer vom Orga-Team des Strandkorb-Open-Airs.

rbb: Bei ihrem Open-Air-Konzert in Berlin hat Nena am Wochenende ihre Fans aufgefordert, die Hygiene-Regeln zu missachten. Sie haben daraufhin das Strandkorb-Konzert der Sängerin in Wetzlar abgesagt. Warum?

Markus Pfeffer: Wir haben aufgrund der Äußerungen, die sie in Berlin getan hat, einfach gesagt, dass wir unser Hygienekonzept, die Veranstaltungen, nicht gefährden wollen. Wir haben 23 wunderbare Shows, unter anderem mit Johannes Oerding, Max Giesinger, Revolverheld. Wir wollen den Künstlern die Möglichkeit geben, aufzutreten. Und wenn ein Künstler der Meinung ist, er müsse dieses Konzept komplett boykottieren und nicht akzeptieren, dann gefährdet er die anderen Auftritte und schadet damit diesem Komplettkonzept. Das können wir einfach nicht machen. Dazu ist das Risiko zu hoch.

Wie haben Nena-Fans auf diese Absage reagiert?

Wir haben einen ziemlich veritablen Shitstorm, um das mal so zu sagen. Aber ich bin doch sehr froh, dass wir gestern gemeinsam drüber geguckt haben. Wir haben über 5.000 Kommentare. Es sind vielleicht 1.000 ganz extreme Nena-Fans und leider auch eine ganze Menge "Querdenker", die der Meinung sind, wir werden von Frau Merkel gesteuert, weil wir ein Hygienekonzept umsetzen wollen.

Aber wir haben ganz, ganz viel Zuspruch bekommen. Was uns sehr hilft, ist, dass die anderen Bands und die anderen Managements der Bands uns gesagt haben: Es ist der richtige Schritt, weil wir wissen, was ein Strandkorb-Konzert ist. Wir wissen, was da passiert. Und wir freuen uns, dass wir endlich wieder vor Publikum spielen können und direkten Kontakt zum Publikum haben. Und das ist uns wichtig. Da müssen wir leider bei einer Künstlerin sagen: Das streichen wir. Wir freuen uns aber darüber, dass alle anderen Künstler jetzt auftreten können und endlich wieder direkten Kontakt zum Publikum haben.

Auch Helge Schneider hat am Wochenende für Aufregung gesorgt, weil er mit dem Hygienekonzept eines Strandkorb-Konzerts nicht klargekommen ist. Aus künstlerischen Gründen hat er nun alle anderen Konzerte abgesagt. Können Sie verstehen, dass dieses Hygienekonzept – so wichtig es auch ist – künstlerisch nicht ganz so befriedigend ist?

Das Hygienekonzept war es, glaube ich, beim Helge gar nicht. Das Problem ist bei ihm, dass die Bühne 5,20 Meter hoch ist und er keinen Kontakt zum Publikum hat – den er aber braucht. Ich habe Helge selbst zweimal produziert und das hat immer sehr gut geklappt. Allerdings ist er auch kein einfacher Mensch. Einmal hatte die Bühnenfirma eine falsche Bühne geliefert, über einen Meter kleiner, da mussten wir Umbauten machen.

Das ist auch alles verständlich. Das sind Künstler. Wenn er keinen Kontakt hat zum Publikum, weil es zu weit weg sitzt, dann kann ich das verstehen: In 15 Metern [Entfernung; Anm. d. Red.] ist der erste Strandkorb, er selbst sitzt 5,20 Meter hoch – weil man das eben vom Winkel her, von der Sichtachse her braucht.

Aber es hat ihn auch gestört, dass Getränke verteilt worden sind während seines Konzerts. Doch das gehört nun mal zum Strandkorb-Konzert dazu, dass die Leute aufstehen und sich was zu trinken holen oder die Getränke auch geliefert bekommen. Das ist schwierig. Helge ist ein ganz, ganz lieber Kerl – aber auch kein einfacher.

Vielen Dank für das Gespräch.

Mit Markus Pfeffer sprach Tim Koschwitz, rbb 88.8. In diesem Beitrag ist das Interview leicht bearbeitet. Das Originalgespräch können Sie mit Klick auf das Audiosymbol im Aufmacherfoto nachhören.

Sendung: rbb 88.8, 28.07.2021, 07:00 Uhr

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77 Kommentare

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  1. 77.

    Jetzt kommen sie wieder aus allen Ecken und verkünden ihr Wissen. "Nena hat sich unter anderem abwertend gegenüber unsere Schwule Community geäußert einem Videointerview. Zudem gehört sie der Esoteriker Szene an." "Nena gehört leider längst den Querdenkern an." - teilt uns der Lackierer aus Charlottenburg mit, dass "Nena eine Möchtegern-Diva ist" weiß ein geistiges Zäpfchen, während ein Anderer "99 mal seinen Kopf schüttelt" - hoffendlich gibt es kein Schleudertraumer. Gut, dafür müsste es etwas zum Schleudern geben.
    Des Volkes Wut ist unberechenbar.

  2. 76.

    Nena, eine charakterstarke Persönlichkeit. Recht hat sie. ,,Entscheidend ist es, was wir mit uns machen lassen. "

  3. 75.

    neben Meinung sagen (oder singen) ging das aber einen Schritt weiter (zu weit): Leute öffentlich zum Gesundheitsgefährden aufrufen läuft nicht mehr über Demokratie https://www.bundestag.de/services/glossar/glossar/D/demokratie-245374
    und kann auch nicht unter Kunst einsortiert werden, ist nur voll doof und Äss-Zeh-Haah oder wie das heißt.

  4. 74.

    Es ist die richtige Entscheidung. Endlich Mal mit "Hintern in der Hose"!
    Ich gehe in keine Veranstaltung ohne die wichtigen Hygienevorschriften einzuhalten. Und wenn die vom Veranstalter angekündigten nicht eingehalten werden, verlasse ich den Ort und will mein Geld zurück!
    Und ich erwarte auch, dass der/die Künstler bezw dort Agierenden all diese Vorschriften ebenfalls einhalten. Denn der Veranstalter trägt die gesetzl. Verantwortung.
    Ich kann zwar verstehen, dass man die Regeln mittlerweile leid hat - doch das Verhalten mancher Künstler ist einfach nur egoistisch, bockig und letztlich unerträglich.
    Ich werde diese empathielosen charakterechwachen Geschöpfe nunmehr meiden.
    ( Von so manch einen/einer hätte ich DAS nicht erwartet,)

  5. 72.

    Martin: Es wird aber wohl so sein, das die Veranstalter sie nicht mehr aussuchen. Im übrigen hat sie bei Vertragsabschluss die Möglichkeit gehabt, ihre Meinung zu sagen. Und @ Prenzlauer: diejenigen, die hier das Verhalten dieser Frau für fragwürdig halten, sagen auch nur ihre Meinung.

  6. 71.

    Wo bei "alles dichtmachen" noch eine Mischung von Sprachwitz und Galligkeit zusammenkam, dass ich das zwar nicht gut fand, doch auch nicht ganz verübeln konnte, ist bei Nena der Rubikon klar überschritten. Das Verhalten hat Methode: Alles, was ihr im Wege steht, gehört weggeräumt.

  7. 70.

    So eine bereichert uns nicht.

  8. 69.

    Das kann die Gute sich nicht leisten, denn dann bleibt sie zu Hause und steht bald in der Hartz4 Schlange. Sie kann nichts mehr verkaufen und diese Auftritte waren nicht mal ausverkauft. Ihre Zeiten sind vorbei, falls sie überhaupt mal da waren. Mit Aussuchen ist da nichts.

  9. 68.

    Verbrecherin? Ein Verbrechen äußert sich schon etwas anders. Man darf nicht mutwillig falsch verstehen. Nené ist eine Querdenkerin. Punkt. Private äußern, na ja eine Bühne zu nehmen ist auch noch zu differenzieren!

  10. 67.

    Und wieder hacken einige Kommentatoren gegen den CSD und haben bis heute nicht verstanden dass Feiern die absolut richtige Form der Demonstration dafür ist. Der CSD ist eine Demonstration!
    Nena hingegen ist sehr egoistisch. Anstatt mit den Veranstaltern zusammenzuarbeiten und die Kollegen in ihren Auftritten nicht zu gefährden geht es nur um sie. Es ist völlig verständlich dass die Veranstalter zum Schutz ihres Ortes und der anderen Künstler dann entsprechend agieren. Hätte ich auch.
    Die Querdenker sind ein sehr bunter Haufen. Von "Es gibt keinen Virus" bis "Existenzen gehen Pleite" ist da alles dazwischen (die fahren gelegentlich vor meinem Fenster lang). Ich sortiere grundsätzlich niemanden in die Gruppe es sei denn die Person macht es selbst. So lange sich die ernsthaften Belange aber nicht von den Abstrusen der Gruppe abtrennen kann ich die Gruppe als Ganzes nicht ernst nehmen.

  11. 66.

    Das haben viele viele Fans nie von Nena gedacht
    Wir sind alle enttäuscht gerade Nena
    Sie hat Kinder und denkt nicht daran an ihr gegenüber
    Alles gute Nena

  12. 65.

    Nena hat sich unter anderem abwertend gegenüber unsere Schwule Community geäußert einem Videointerview. Zudem gehört sie der Esoteriker Szene an. Für mich ist diese Sängerin einfach untragbar geworden.

  13. 64.

    Das ist korrekt diese Leute müssten wegen Aufhetze und Verstoß der Reglung richtig zahlen

  14. 63.

    ...Wer nicht mitmacht, wird diffamiert. An Nenas Stelle würde ich dem Veranstalter in Zukunft die kalte Schulter zeigen.

    Ich glaub, anders herum, wird eher ein Schuh daraus.

  15. 62.

    Solche Leute denken nicht weiter
    Nicht mal an das Gegenüber
    Sie hat ihre Villa ihre Kohle kann sich gut abschirmen
    Was soll solch ein Verhalten
    Damit hat sie sich tausende von Fans verloren
    Soll sie mit ihren Auftritten Impfungen spenden in arme Länder das wär doch was

  16. 61.

    Irgendwie ist es immer das selbe. Es wird sich eine Bühne gesucht ( in diesem Falle wörtlich), geschwurbelt, aufgehetzt und am Ende rumgeheult. Frau Kerner würde ich sogar zutrauen, dass dieses Theater schon im Vorfeld geplant war. Möge sie doch einfach im Stile eines Wendlers oder Naidoos die Öffentlichkeit nicht weiter behelligen.
    Egal ob AfD, Querdenker aller Couleur - alles wiederholt sich.......

  17. 60.

    Wer vor versammeltem Publikum, also öffentlich, dazu aufruft die Hygienekonzepte zu missachten, die derzeit die Grundlage für mögliche Kulturveranstaltungen sind, sagt nicht „privat seine Meinung“.
    Die Entscheidung des Veranstalters, seine Konzertreihe nicht zu gefährden, da Missachtungen des Hygienekonzeptes nicht nur zu erwarten sind, sondern von Frau Kerner gefordert werden, ist nachvollziehbar und richtig.

  18. 59.

    Die ist doch nicht mehr 100 Prozent bei sich
    Das merkt man bei ihren Auftritten spricht wie berauscht

  19. 58.

    Privatneinung ja, aber sie steht auch für eine Branche und hat Verantwortung zu zeigen, dass die Branche mit Regeln umgehen kann

    Sie ist ein Mensch der Öffentlichkeit. Wir kämpfen seit fast zwei jahren mit den Einschränkungen. Jeder verzichtet, lenkt ein, akzeptiert, überdeckt, beachtet Regeln... dann kommt Nina und macht auf 80er Revolte.

    Ob sie es gut findet, interessiert nicht. Die Leute kaufen eine Leistung ein (das konzert) und nicht ihre Meinung.
    Und wenn sie auf die Bühne tritt, hat sie die Regeln zu befolgen, die der Veranstalter setzt und nicht allen in den Rücken zu fallen.

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