Coronabedingte Schließungen - Brandenburger Bibliotheken verlieren Leser

Bibliotheksleiterin Georgia Arndt sortiert im Grünen Salon der Wittstocker Stadtbibliothek die Bücher. (Quelle: dpa/Christian Bark)
Bild: dpa/Christian Bark

Weniger Öffnungszeiten, weniger Mitglieder, weniger Ausleihen - Corona sorgt in den Bibliotheken Brandenburgs für deutliche Rückgänge. Die Häuser reagierten mit Alternativen wie Bringediensten, brauchen nun aber neue Ideen, um Leser zurückzugewinnen.

Die Bibliotheken in Brandenburg haben zahlreiche Nutzer verloren. Das hat auch mit coronabedingten Schließungen zu tun.

Für rund 121.000 Stunden konnten Nutzer in die Bibliotheken des Landes, 35.000 Stunden, also knapp 30 Prozent, weniger als noch 2019. Die Zahl aktiver Nutzer sank prozentual ein wenig schwächer als die Öffnungszeiten: von 176.000 im Jahr 2019 waren im Jahr 2020 nur noch 149.000 Nutzer übrig, ein Verlust von etwa 15 Prozent. Zudem gab es 2020 mit 6,05 Millionen Entleihungen fast 1,7 Millionen weniger gegeben als noch im Jahr davor, ein Rückgang von knapp 30 Prozent.

"Merken Zurückhaltung der Kunden"

"Auch jetzt merken wir noch die Zurückhaltung der Kunden, auch wenn sie seit Frühjahr wieder in den Regalen stöbern dürfen", sagt Cornelia Stabrodt, Vorsitzende des Landesverbands Brandenburg im Deutschen Bibliotheksverband. Ihm gehören 144 Einrichtungen im Land an.

Zunahme bei E-Book-Leihen

In der Krise boten Bibliotheken unter anderem mobile Bücherbringdienste oder Abholung am offenen Fenster an. In der Stadtbibliothek in Wittstock (Ostprignitz-Ruppin) hatten Kunden beispielsweise Bücherbeutel mit einer Überraschungsauswahl erhalten. "Unsere 'Onleihe' ist auf jeden Fall verstärkt genutzt worden", berichtet Bibliotheksleiterin Georgia Arndt. In der Spitze seien im März 2021 über 460 E-Books entliehen worden, sonst seien es monatlich nur immer bis zu 230 gewesen. In der "Onleihe" werden elektronische Medien über das Internet angeboten.

Onleihe - an manchen Häusern zu mehr Zuspruch

Ein Plus von 35 Prozent bei der "Onleihe" konnte auch die Potsdamer Stadt- und Landesbibliothek mit einer Hauptbibliothek sowie zwei Stadtteilbibliotheken verzeichnen. 108.600 "Onleihen" 2020 stehen 78.700 im Jahr 2019 gegenüber, wie Stadtsprecherin Christine Homann informiert. "DVDs und CDs werden noch ausgeliehen, doch die Entleihungen waren schon vor Corona rückläufig - die Konkurrenz stellen hier Streaming-Angebote dar", sagt die Sprecherin.

Stärkere Online-Nutzung wird sich wohl fortsetzen

Ähnliches berichtet Cottbus' Stadtsprecher Jan Gloßmann von der Stadt- und Regionalbibliothek im Lernzentrum Cottbus. "Das Interesse an Hörbüchern ist in den letzten Jahren gleichbleibend hoch. In der Pandemie stieg vor allem die Nachfrage nach Hörbüchern für Kinder. Besonders begehrt sind die "Tonie-Hörfiguren", so der Sprecher. Im Vergleich zu 2019 zählte die Einrichtung im vergangenen Jahr 550 Nutzer, 600 Anmeldungen und 26.000 Besucher weniger. Allerdings habe es nur 1.200 Entleihungen weniger gegeben, weil Kunden die Angebote intensiver genutzt hätten.

Weit weniger Besucher zählte auch die Universitätsbibliothek der Viadrina in Frankfurt (Oder). "Es ist davon auszugehen, dass wesentlich mehr Benutzer die Bibliothek online nutzen", sagt der stellvertretende Bibliotheksdirektor, Henning Klauß. Das werde sich nicht einfach so wieder vollständig korrigieren lassen. Wer in der Einrichtung nicht an seinem Platz sitzt, muss derzeit noch eine Maske tragen. Immerhin gelten ab 4. Oktober wieder die alten Öffnungszeiten.

Imagekampagne in Vorbereitung

Nach Ansicht von Klauß müssten nun Maßnahmen geplant und realisiert werden, um die Attraktivität der Universitätsbibliothek zu steigern. Und nicht nur dieser. Der Bibliotheksverband bereitet gerade eine Imagekampagne für diesen Zweck vor. "Diese soll auf jeden Fall nachhaltig wirken", kündigt Stabrodt an. Wichtig sei, dass die Bibliotheken nach Arbeitsplatz und Zuhause wieder ein "Dritter Ort" werden.

"Bibliotheken sind nun mal ein wichtiger Baustein im Kulturleben einer Stadt", sagt auch die Wittstocker Bibliotheksleiterin Georgia Arndt. Deshalb sei es notwendig, bald wieder Kulturveranstaltungen wie Lesungen und Workshops zu ermöglichen. Wichtige Aufgaben seien zudem die Leseförderung und der soziale Austausch, gern auch über Gelesenes direkt am Bücherregal. Und selbst wenn die "Onleihe" an Bedeutung gewonnen habe, ersetzten "E-Books und Co." bei den meisten Nutzern das klassische Buch doch nicht vollständig.

Sendung: rbb Kultur, 25.08.2021, 14 Uhr

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7 Kommentare

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  1. 6.

    Da muß ich Ihnen aber hier widersprechen. Zum Beispiel beziehe ich zu 90% meine Bücher gebraucht Online bei Händlern. In Top Zustand. Manche davon für sehr wenig Geld. Also durchaus bezahlbar. Da ist dann der Versand teurer als das Buch. Meine Lieblingsbuchhandlung hat einen extra Raum für preiswertere Bücher. Bei mir in der Wilmersdorfer Straße gibt es schon seit eh u.je einen Buchladen, wo jedes gebrauchte Buch nur 1 Euro kostet. Die bekommen von mir in schöner Regelmäßigkeit ausgelesene Bücher geschenkt. Apropos: Lesen ist ein Geschenk. Zu guter letzt habe ich mir sagen lassen, das Online Bücher nicht immer vollständig sind. Sprich in gekürzter Fassung herausgegeben werden.

  2. 4.

    Ein gedrucktes Buch ist schön, aber für viele unbezahlbar. Die Onleihe ist die Zukunft und müsste viel mehr ausgebaut werden.

  3. 3.

    Das hängt extrem vom Buch und vom Gerät ab. Es lässt sich soviel besser in eBooks suchen, jeder Radgeber wird so viel brauchbarer. Und Literatur auf dem EReader ist auch ganz nett, zumal bei fremdsprachigen Texten super einfach Worte nachgeschlagen werden können. Terry Prattchett in Originalsprache macht so viel mehr Spaß.

    Muss aber auch zugeben: Ich nutze Onleihe vorallem für Audiobooks. Warum soll ich bei Audible 10€ im Monat bezahlen wenn ich in der Bib für ein ähnliches Angebot den selben Preis im Jahr hinlege. Und da noch viel mehr bekomme.

  4. 1.

    Nie im Leben werde ich Online Bücher lesen. Es gibt für mich nichts schöneres, als auf Papier gedruckte Buchstaben. Umso bedauerlicher finde ich es, wenn nach und nach so schöne Bibliotheken von der Bildfläche verschwinden. Wie wäre es denn mit einer fahrbaren Bibliothek? Vermutlich zu aufwendig.

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