Abgase Lockdown
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Stickstoffdioxidwerte in Berlin - Die Luft ist besser – das muss aber nicht am Lockdown liegen

Die Luftqualität in Berlin ist während der Kontaktsperre besser geworden. Ob das jedoch auch wirklich an der Kontaktsperre lag, bleibt unklar. Von Arne Schlüter, Götz Gringmuth-Dallmer und Haluka Maier-Borst

Dieser blaue Himmel, die zwitschernden Vögel, die gute Luft – hat der Lockdown nicht auch etwas Gutes? Man neigt dazu schnell alles, was sich verändert hat, auf die besonderen Gegebenheiten zurückzuführen. Tatsächlich ist die Luftqualität an Straßen, die vom Berufsverkehr viel frequentiert werden, besser als letztes Jahr zu dieser Zeit. Ob das am Lockdown lag, kann man dennoch nicht sagen.

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Wer verstehen möchte wieso, der kann sich zum Beispiel die Werte für den Februar dieses Jahres anschauen und sie mit den Februar-Werten des Vorjahres vergleichen. Dort zeigt sich nämlich, ganz ohne Lockdown, dass sich der Monatsmittelwert halbiert hat.

Der Grund dafür ist, laut Wolfgang Frenzel, Forscher an der TU Berlin für Luftreinhaltung, dass das Wetter Einfluss auf die Messwerte hat. Insbesonder Windstärke und Windrichtung seien entscheidend. "Die verkehrsbedingten Abgase werden bei stärkerem Wind besser, effizienter ausgetragen. Und da beim Stickstoffdioxid der Straßenverkehr die Hauptquelle ist, führt das dann zu geringeren Konzentrationen."

Wer sich anschaut, wie sich die Messwerte über das Jahr verteilen, sieht, wie sehr die Messwerte hin- und herschwanken. Während man im Winter Höchststände sieht, sind sechs Monate später im Sommer die Stickstoffdioxid-Werte nur halb so hoch. Endet der Winter also früher als üblich und setzen dazu noch die richtigen Winde ein, kann ein Wert im Februar deutlich niedriger sein als in den Vorjahren.

Aus der Tatsache, dass selbst beim Lockdown der Rückgang an Stickstoffdioxid so niedrig ist, konstruieren nun manche einen gewagten Schluss: Fahrverbote für gewisse Dieselklassen würden überhaupt nichts bringen. Schließlich sei ja selbst bei einem Ausnahmezustand mit Zehntausenden Menschen im Homeoffice nur ein kleiner Effekt zu sehen. Doch nur weil man nicht sagen kann, ob durch den Lockdown die Luft besser wurde, heißt das nicht zwangsläufig im Umkehrschluss, dass der Verkehr keinen oder fast keinen Einfluss auf die Luftqualität hat.

Zum einen durften trotz Lockdown weiterhin Menschen zur Arbeit fahren und haben dies auch getan. Zum anderen zeigen Maßnahmen gegen Abgase anscheinend sehr wohl eine Wirkung, wenn man sich längere Zeiträume anschaut. Nimmt man nämlich die Jahresmittelwerte der letzten vier Jahre für Berlin, so zeigt sich deutlich, dass an 16 der 17 Messstationen die Werte 2019 niedriger waren als 2015. "Fahrverbot und andere Einschränkungen bringen was. Es gebt aber bei Grenzwerteinhaltung um Jahresmittelwerte und nicht um einzelne Monate oder Wochen oder gar Tage", sagt Frenzel

Der Lockdown mag in anderen Bereichen eine große Auswirkung gehabt haben. Aber um herauszufinden, welche Autotypen welchen Einfluss auf die Luftqualität haben, müsse man aus Forschungsperspektive sich deutlich längere Zeiträume anschauen.

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Beitrag von Arne Schlüter, Götz Gringmuth-Dallmer und Haluka Maier-Borst

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25 Kommentare

  1. 25.

    In Berlin sind die Werte aktuell tatsächlich deutlich gesunken. Allerdings ist das in anderen Städten und an anderen Messstellen nicht überall so. Teils wurden sogar höhere Werte gemessen oder Spitzenwerte zu Zeiten, zu denen der Verkehr nahezu ruht. Was die aktuelle Situation uns zeigt ist, dass es den einfachen Zusammenhang "wenig Verkehr = weniger Luftschadstoffe" in der Form nicht gibt. Es gibt zusätzliche Einflussfaktoren, die teils deutlich höhere Ausschläge verursachen. Das entlastet nicht unbedingt und zu 100% die Autofahrer, deren Emissionen sind ja unstrittig, es zeigt aber, dass noch andere Faktoren eine erhebliche Rolle spielen. Das muss meines Erachtens genauer erforscht werden, wollen wir diese Schadstoffe wirklich wirksam weiter reduzieren. Es kann vielleicht sogar zur Erkenntnis führen, dass sich Luftschadstoffe überhaupt nicht unterhalb von bestimmten Werten bringen lassen.

  2. 24.

    Ich hoffe, Sie haben sich für diesen Artikel gut von der Autolobby bezahlen lassen.

  3. 23.

    Das die Luft reiner wird, kann ich mir vorstellen. Wenn man bedenkt, was an Luftverschmutzer nicht mehr unterwegs ist. Ausflugsdampfer, Flugzeuge, Touribusse, Taxen, Sightseeingbusse und bestimmt noch andere. Es ist so schön ruhig. Es kann immer so bleiben, vor allem im Regierungsviertel.

  4. 22.

    Ich fand den Artikel lesenswert. Interessanterweise habe ich kürzlich im "Spiegel" einen Artikel gelesen, dass in manchen Bundesländern die Werte geblieben sind; manchmal sich sogar erhöht haben.

  5. 21.

    Was heißt das genau? Wenn die Stille am Himmel und in den Straßen die Stickstoffwerte nicht verringert hat, können "wir" dann nach der Krise einfach so weiter machen wie zuvor? Oder weil die Luft jetzt sowieso so gut ist, könnten wir noch mehr
    Autos , Flugzeuge, Kohlekraftwerke, etc. in Betrieb nehmen? Der Artikel ist nicht schlecht, mir fehlt nur ein größerer Blick auf die Situation.

  6. 20.

    Nicht entmütigen lassen der Artikel ist gut. Es gibt leider immer wieder Personen die nicht über den eigenen Tellerrand sehen wollen. Dann nähmlich müssten sie sich ja auch Gedanken machen welche anderen Wege es noch gibt.

  7. 19.

    Ein interessanter Artikel mit gut differenzierter Darstellung verschiedener Aspekte, die man normalerweise nicht so deutlich liest. Eine Stellungnahme für oder gegen Fahrverbote o. ä. sehe ich darin nicht.

  8. 18.

    Gut zu wissen, dass es nicht an Lockdown liegt. Dann können wir ja weiter bedenkenlos Auto fahren, fliegen, Bus fahren...

  9. 17.

    Die Autos sind TROTZ der Autoindustrie sauberer geworden, nicht wegen. Sie erinnern sich zum Beispiel vielleicht an die Proteste zur Einführung des Katalysators? Viel zu teuer, kein Bedarf etc etc, genau die selben Argumente die bei jeder Verschärfung von Grenzwerten noch immer kommen.

  10. 16.

    Jaja das gute Alte Auto ist wirklich Der Klima und Gesundheit killer wie immer.
    Nur schade das vergessen wird das unsere Autos in den letzten Jahrzehnten saubere, Sparsamer und Effizienter geworden sind, kaum kam der Dieselskandal raus 2015 wird das alles wieder vergessen, die Autolobby natürlich der böse Bube.

  11. 15.

    Ein gestammelter Artikel ohne weiteren Informationsgehalt.

  12. 14.

    Wenn man ein so hochsensibles Thema wie Luftreinhaltung aufgreift, dann ist dieser Artikel zu kurz gegriffen und gefährlich, weil er zu viel Interpretationsspielraum in alle Richtungen lässt.

  13. 13.

    Liebe Leserinnen und Leser,

    weder verharmlosen wir, noch sagen wir, dass Dieselfahrverbote nichts bringen. Wir stellen die Ergebnisse dar, wie sie sind. Wir legen dar, dass sich die Werte nicht stark in den vier Wochen des Lockdowns verändert haben. Wir erklären aber auch, wieso das so sein kann und dass das eben nicht gleichbedeutend ist mit: "Fahrverbote bringen nie etwas". Es ist etwas frustrierend, wenn man recht klar und abwägend das berichtet und noch einen Experten auf diesem Fachgebiet zitiert – und am Ende jeder schlicht rausliest, was er will.

  14. 12.

    Gott sei Dank, wurde nicht auf das unsinnige Dieselfahrverbot hingewiesen und als Grund für die Verbesserung benutzt.
    Denn in Stuttgart, ist die Luftqualität nicht gesunken, trotz Dieselfahrverbot und Corona-Kiese.
    Na ja, in jeden Fall können sich die Verantwortlichen auf die Schulter klopfen.

  15. 11.

    Gott sei Dank, wurde nicht auf das unsinnige Dieselfahrverbot hingewiesen und als Grund für die Verbesserung benutzt.
    Denn in Stuttgart, ist die Luftqualität nicht gesunken, trotz Dieselfahrverbot und Corona-Kiese.
    Na ja, in jeden Fall können sich die Verantwortlichen auf die Schulter klopfen.

  16. 10.

    Was kritisieren Sie denn genau? Das sollten Sie schon darlegen!
    Hier geht es darum, dass der extrem reduzierte Auto- und LKW-Verkehr, der fast nicht mehr stattfindende Flugverkehr und auch die gedrosselten Industrie sich nicht eindeutig in sinkenden Luft-Schadstoff-Werten niederschlagen, so wie DUH und Politik es uns weismachen wollten. Es gibt Messstellen, die verzeichnen Spitzenüberschreitungen zu Uhrzeiten, wo weder Autos noch Flugzeuge in nennenswerter Anzahl unterwegs sind. Auch solche Dinge sollte ein öffentlich rechtlicher Sender ansprechen und das hat der RBB hier getan. Ist klar, dass das nicht allen passt, weil es ein Feindbild ins Wanken bringt, gehört aber zu einer neutralen Berichterstattung. Offenbar bewirken Fahrverbote fast gar nichts.

  17. 9.

    Dieser Artikel ist treffend und auch mal richtig soetwas anzusprechen und zu Schreiben. Das es manch Ignoranten nicht in den Kram passt, na ja.
    Wichtig und richtig ist jedenfalls alles auch mal zu hinterfragen und darzulegen. Das gehört zu gutem Journalismus nicht immer nur einseitig zu Berichten.

  18. 8.

    Mein Tip: PFLANZT BÄUME!

  19. 7.

    Mein Tip: PFLANZT BÄUME!

  20. 6.

    Hier wird nur allein über Autos gesprochen. Was ist mit Flugzeugen und Co?
    Hört einfach auf, solchen Blödsinn zu schreiben. Das Luftbewegungen immer auch eine Rolle spielen, ist doch klar. Aber mit derartigen Meldungen gießt Ihr einfach nur „Benzin ins Feuer“. Das ist keine gute Veröffentlichung seitens guter Medien

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