Stickstoffdioxidwerte in Berlin - Die Luft ist besser – das muss aber nicht am Lockdown liegen

So 26.04.20 | 14:54 Uhr | Von Arne Schlüter, Götz Gringmuth-Dallmer und Haluka Maier-Borst
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Abgase Lockdown
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Die Luftqualität in Berlin ist während der Kontaktsperre besser geworden. Ob das jedoch auch wirklich an der Kontaktsperre lag, bleibt unklar. Von Arne Schlüter, Götz Gringmuth-Dallmer und Haluka Maier-Borst

Dieser blaue Himmel, die zwitschernden Vögel, die gute Luft – hat der Lockdown nicht auch etwas Gutes? Man neigt dazu schnell alles, was sich verändert hat, auf die besonderen Gegebenheiten zurückzuführen. Tatsächlich ist die Luftqualität an Straßen, die vom Berufsverkehr viel frequentiert werden, besser als letztes Jahr zu dieser Zeit. Ob das am Lockdown lag, kann man dennoch nicht sagen.

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Wer verstehen möchte wieso, der kann sich zum Beispiel die Werte für den Februar dieses Jahres anschauen und sie mit den Februar-Werten des Vorjahres vergleichen. Dort zeigt sich nämlich, ganz ohne Lockdown, dass sich der Monatsmittelwert halbiert hat.

Der Grund dafür ist, laut Wolfgang Frenzel, Forscher an der TU Berlin für Luftreinhaltung, dass das Wetter Einfluss auf die Messwerte hat. Insbesonder Windstärke und Windrichtung seien entscheidend. "Die verkehrsbedingten Abgase werden bei stärkerem Wind besser, effizienter ausgetragen. Und da beim Stickstoffdioxid der Straßenverkehr die Hauptquelle ist, führt das dann zu geringeren Konzentrationen."

Wer sich anschaut, wie sich die Messwerte über das Jahr verteilen, sieht, wie sehr die Messwerte hin- und herschwanken. Während man im Winter Höchststände sieht, sind sechs Monate später im Sommer die Stickstoffdioxid-Werte nur halb so hoch. Endet der Winter also früher als üblich und setzen dazu noch die richtigen Winde ein, kann ein Wert im Februar deutlich niedriger sein als in den Vorjahren.

Aus der Tatsache, dass selbst beim Lockdown der Rückgang an Stickstoffdioxid so niedrig ist, konstruieren nun manche einen gewagten Schluss: Fahrverbote für gewisse Dieselklassen würden überhaupt nichts bringen. Schließlich sei ja selbst bei einem Ausnahmezustand mit Zehntausenden Menschen im Homeoffice nur ein kleiner Effekt zu sehen. Doch nur weil man nicht sagen kann, ob durch den Lockdown die Luft besser wurde, heißt das nicht zwangsläufig im Umkehrschluss, dass der Verkehr keinen oder fast keinen Einfluss auf die Luftqualität hat.

Zum einen durften trotz Lockdown weiterhin Menschen zur Arbeit fahren und haben dies auch getan. Zum anderen zeigen Maßnahmen gegen Abgase anscheinend sehr wohl eine Wirkung, wenn man sich längere Zeiträume anschaut. Nimmt man nämlich die Jahresmittelwerte der letzten vier Jahre für Berlin, so zeigt sich deutlich, dass an 16 der 17 Messstationen die Werte 2019 niedriger waren als 2015. "Fahrverbot und andere Einschränkungen bringen was. Es gebt aber bei Grenzwerteinhaltung um Jahresmittelwerte und nicht um einzelne Monate oder Wochen oder gar Tage", sagt Frenzel

Der Lockdown mag in anderen Bereichen eine große Auswirkung gehabt haben. Aber um herauszufinden, welche Autotypen welchen Einfluss auf die Luftqualität haben, müsse man aus Forschungsperspektive sich deutlich längere Zeiträume anschauen.

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