In einem Kinosaal in Hannover sind einzelne Sitze mit Virus-Symbolen abgesperrt (Bild: dpa/Julian Stratenschulte)
Video: Abendschau | 24.07.2020 | Sabrina Wendling | Bild: dpa/Julian Stratenschulte

TU-Studie - Aerosol-Konzentration kann im Büro höher sein als im Kino

Kinos dürfen nur mit reduziertem Sitzplatzangebot öffnen - wegen der Gefahr einer Corona-Übertragung durch Aerosole. Ein Kinoverband hat nun eine Studie bei der TU Berlin in Aufrag gegeben. Ergebnis: Im Großraumbüro kann die Ansteckungsgefahr höher sein.

Die Konzentration der für die Übertragung von Corona-Viren infrage kommenden Aerosole ist laut einer Untersuchung in bestimmten Kinosälen meist niedriger als in einem zum Vergleich herangezogenen Büroraum. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Hermann-Rietschel-Instituts der Technischen Universität Berlin für den Hauptverband Deutscher Filmtheater HDF Kino.

Alhambra-Säle mit Großraumbüro verglichen

Untersucht wurden zwei Säle des Kinos Alhambra in Berlin-Wedding, in denen maximal 342 und 148 Plätze genutzt werden können. Mit Mindestabstand durch die Corona-Maßnahmen liegen die Zahlen bei 85 und 35 Personen. Das verglichene Büro hat 16 Plätze, von denen acht mit Abstand genutzt werden können.

Wichtige Kriterien für die Menge der Aerosole sind die Länge des Aufenthalts, die Frage, ob gesprochen wird oder nur geatmet sowie die Art der Raumlüftung. Berechnet wurden Werte für beide Kinos mit Szenarien von 45 bis 180 Minuten jeweils mit Sprechen oder nur Atmen. Zudem wurden für die Kinos unterschiedliche Zahlen Infizierter im Saal angenommen. Für das Büro wurde Sprechen berechnet mit einem Infizierten im Raum.

Luft im Kino ist sauberer

Wird im Kino nur geatmet, liegt die Zahl der Aerosole bei einem Infizierten im Saal selbst bei einem Film mit Überlänge noch deutlich unter der in dem Büro, in dem gesprochen wird. Wird im Kino gesprochen und sind mehr Infizierte unter den Besuchern (im kleineren Saal 15, im größeren 34) liegen die Werte jeweils nahe oder über dem verglichenen Büro mit einem Infizierten.

Die Kino-Werte hängen laut Untersuchung auch mit der in den Kinos anzutreffenden Quelllüftung zusammen, bei den untersuchten Sälen lag der Frischluftanteil nach den Angaben bei 100 Prozent. Sie führt dazu, dass die verbrauchte Luft durch die Kinobesucher erwärmt wird und sich unter der Decke sammelt. "Die Luft im Atembereich der Personen ist daher sauberer als die Luft bei gleichem Luftwechsel in einem Raum mit Mischlüftung", wie etwa im verglichenen Büro.

Kinobetreiber wollen mehr Plätze anbieten

Gleichzeitig schränkt die Untersuchung ein: "Bei allen Betrachtungen muss beachtet werden, dass die Aerosolkonzentration im unmittelbaren Ausatemvolumenstrom der Person deutlich höher ist und die Betrachtungen für diesen Bereich nicht angewendet werden können." Zudem sei keine Aussage über die Überlebensfähigkeit der Viren in der Raumluft zulässig, die etwa von Temperatur und Luftfeuchtigkeit abhänge.

Der Kino-Verband fordert nun, die der Untersuchung zugrundeliegende Abstandsregelung von 1,5 Metern bundesweit zu reduzieren. Kinos könnten derzeit nur maximal 20 Prozent ihrer Kapazitäten auslasten, was sich negativ auf die Starttermine neuer Filme auswirke. Aber nur mit höherer Ausnutzung und neuen Filme seien die Kinos in der Lage, die Krise zu überleben.

Sendung: Fritz, 24.07.2020, 05.30 Uhr

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23 Kommentare

  1. 23.

    Beim Lesen die Worte „kann“ und „meist“ beachten. Dann relativiert sich die Aussagekraft der Studie.

  2. 22.

    Das muss noch nicht mal asoziales Verhalten sein - bei einer lustigen Komödie wird laut gelacht. Bei einem Action-Film auch schon mal laut mitgefiebert. Da fliegen die Viren überall durch die Gegend. Grundsätzlich vom Nicht-Sprechen auszugehen und davon, dass die Menschen ihren Mund während des mit Werbung zweistündigen Aufenthalts im Kinosaal überhaupt nicht öffnen - vor allem, wenn sie mit Begleitung im Kino sitzen - ist IMHO komplett falsch.

  3. 21.

    Über die Schulen hat man sich doch Gedanken gemacht.
    Man reicht die Verantwortung weiter vom Bund in die Länder usw.
    Es wird dort alle 45 Minuten gelüftet und alle 45 Minuten wäscht man sich die Hände. Man könnte auch noch eine Duftkerze anmachen bringt genau so viel.
    Was lernt man daraus....
    Jedem wird vom Senat aufgebrummt .... du hast dich an das und das zu halten und wenn du das nicht kannst dann bleibt dein Laden geschlossen oder wir verhängen Strafen.
    Und der Einzige für den alles aber auch absolut alles nicht gilt ist der Senat selbst.

  4. 20.

    Im allgemeinen benehmen sich Kinogäger, entgegen Ihren Ausführungen, weitaus besser und sozial. Ausserdem, es geht auch einmal ohne Popcorn mit asozialem Spucken, egal, von welchen egenartigen “Kietz-Kinos und deren Besucher Sie sprechen.

  5. 19.

    Dem stimme ich absolut zu! Außerdem kann man in den meisten Büros - auch wenn sie keine moderne Lüftung haben, die Fenster öffnen und damit für Frischluftzufuhr sorgen. Wurde das bei der Studie berücksichtigt? Womit war derc "in einem zum Vergleich herangezogenen Büroraum" ausgestattet? Gab es eine Klimaanlage oder eine Lüftung? Waren die Fenster geöffnet oder geschlossen? War die Tür geöffnet oder geschlossen? War es ein Einzelbüro, ein Zweierbüro, ein Großraumbüro? Es hört sich für mich so an, als hätte man tatsächlich nur EINEN Büroraum mit den beiden Kinosälen verglichen - und es fehlt die Information darüber, was genau für ein Büroraum das war. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.

  6. 18.

    Die Studie hat einen Fehler. Sie geht davon aus, dass im Büro viel und im Kino überhaupt nicht gesprochen wird. Das ist jedoch genauso realitätsfern, wie zu glauben, dass man in der Innenstadt Abstände hält und halten kann. Im Büro wird bei weitem nicht permanent gesprochen, sondern ganz oft einfach nur am PC gearbeitet. Weiterhin haben moderne Großraumbüros auch meist moderne Lüftungsanlagen. Aber der größte Irrtum ist zu glauben, dass niemand im Kino spricht. Punkt 1 wird bis zum Film permanent gequatscht und auch beim Film wird durchaus noch gesprochen. Zumindest temporär...wie halt auch im Büro. Und es wird laut gelacht und geschrien...je nach Film...hinzukommt noch das Essen... meist schmatzend... und auch wird das Popcorn gerne mal in den Raum gespuckt... eigentlich müssten alle im Kino auch beim Film eine Maske tragen. Und noch ein Unterschied...zur Arbeit MUSS man... ins Kino nicht. Und es gilt weiterhin zusätzliche Risiken zu minimieren. Es ist halt wie es ist.

  7. 17.

    Ja und was ist mit Schulen? Ich glaube die Ansteckungsgefahr ist dort am Größten. Dort sitzen vielmehr Kinder zusammengepfercht zusammen als im Büro....darüber sollte man sich mal Gedanken machen.

  8. 15.

    Es sind beides öffentliche Räume, wobei die Situation im Nahverkehr ohne Lüftung zur Zeit viel gefährlicher ist als im Vergleich zu Kinos oder Büros.

  9. 14.

    Sie haben recht! Man kann doch ein Kino (Großraumkino, wie hoch nochmal : bis zu 4 Meter) nicht mit einem Büro vergleichen!

  10. 12.

    Die Busse sind wieder gut gefüllt und viele haben die Klimaanlage deaktiviert, alle Fenster sind zu und die Luft riecht verbraucht. Wir wäre es dort mit einer Studie? Ich kann nicht verstehen wie Busfahrer / BVG Management nicht mal das in den Griff bekommen. Es ist eigentlich ein Skandal, auch Beschwerden bewirken nichts.

  11. 11.

    Nun belegt eine weitere Studie, wie sinnfrei aktuell viele Entscheidungen der Politik sind.

    Viele tausende Existenzen wurden und werden sinnlos zerstört in Hype im Corona.
    Wann hört der Wahn endlich auf?

  12. 10.

    Der Studie nach zu urteilen müsste in den öffentlichen Verkehrsmitteln ja dann rein garnichts rumfliegen, da ja nicht gequatscht und gelacht wird. Ich glaube die obige Studie ist sehr mit Vorsicht zu genießen. Oder sind die Kinogänger alles Leute die in den KELLER gehen?

  13. 9.

    Es gibt dutzende große Hollywood-Filme, die lange fertig sind, aber nicht veröffentlicht werden, bevor es sich finanziell wieder lohnt. Die Kinos brauchen aber diese Filme, und zwar so schnell wie möglich. Tenet, Mulan, Wonder Woman 2, James Bond 25, Top Gun 2, Ghostbusters 3 etc. wären ohne Corona alle schon im Frühjahr/Sommer 2020 ins Kino gekommen. Ohne solche Filme geht die Masse nicht ins Kino. Europäische Arthouse-Filme reichen nicht aus.

  14. 8.

    Der Arbeitsort war doch von Anfang an der Ort, wo man sich nicht anstecken konnte und bisher kann.
    Arbeitgeber nehmen keine Rücksicht bzgl Arbeitsschutz. Im Notfall gibt's halt MNS aufgedonnert,
    was Lunge und Herz nach 40 und mehr Stunden die Woche dazu sagen, ist doch egal.
    Alle zurück ins Büro. So läuft's.
    Bin gespannt, wann es die ersten EU Renten wegen Corona gibt ....

  15. 7.

    Es werden derzeit viele Filme gedreht. Warum nur "alte" Filme laufen? Hollywood hat eben Angst, dass Filme wie der neue Bond oder "Tenet", die sehr viel gekostet haben (und von mir sehnlichst erwartet werden), wegen Corona nicht so viel einspielen werden, wie eingeplant. Ich muss gestehen: Ich traue mich auch noch nicht ins Kino (aber jeden Tag ins Büro)..

  16. 6.

    Wieviel Infektionsgeschehen haben wir denn im Büro? Da ausgiebig über jeden Coronafall berichtet wird, git es wohl keine. Wozu also noch mehr Masken?

  17. 5.

    Bin ja gespannt, was bei der Untersuchung der Belastung von Politikerhinterzimmern herauskommt.....

  18. 4.

    Oh, da habe ich aber noch ein paar Fragen, lieber @rbb: Da im Artikel auf das Sprechen Bezug genommen wurde: Dann sollte man sich im Kino also am besten Dramen und keine Komödien anschauen? Denn wenn alle laut und herzlich lachen fliegen bestimmt mehr Viren durch die Gegend als im Büro beim Sprechen. Hat man das bei der Studie auch untersucht oder ist man da grundsätzlich von einem Sprechverbot im Kino ausgegangen? Außerdem: In meinem Büro kann ich die Tür zu machen. Dann befinde ich mich alleine im Zimmer. Wurden bei der Untersuchung ausschließlich Großraumbüros angeschaut und grundsätzlich davon ausgegangen, dass die Menschen keine Einzelbüros mit Türen zum Schließen haben?

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