Auf einem Ortseingangsschild steht Lehnitz (Quelle: dpa/Paul Zinken)
Bild: ZB

Stadt Oranienburg - Erschwerte Bombenentschärfung unter Corona-Bedingungen

Sperrkreis, Evakuierung, Entwarnung - nach 211 Bombenentschärfungen in den letzten drei Jahrzehnten haben die Oranienburger schon Routine. Doch bei Bombe Nummer 212 ist es komplizierter: Es ist die erste Entschärfung in einer Pandemie. Von Stefanie Brockhausen

Am liebsten wäre es der Stadt Oranienburg wohl, wenn die Bombe 212 schon längst entschärft wäre. Eigentlich war das auch der Plan, vergangene Woche sollte es so weit sein - aber der Termin kollidierte mit einer Vollsperrung auf der nördlichen A10. Die Umleitung hätte ausgerechnet durch Lehnitz geführt, den Ortsteil, in dem die Bombe liegt. "Das war zu unsicher", sagt Eike-Kristin Fehlauer, Sprecherin der Stadt Oranienburg (Oberhavel). "Unter Umständen hätte das die Sicherheit der Menschen und den reibungslosen Ablauf der Entschärfung gefährdet." Die Stadt will kein Risiko eingehen - Corona ist Unsicherheitsfaktor genug.

"Wir haben aktuell zehn positiv Getestete sowie zwölf Kontaktpersonen Kategorie 1 im Sperrkreis", sagt Fehlauer. Für diese sollen individuelle Lösungen gefunden werden. Denkbar sei ein Verbleib in der Wohnung, "wenn sie denn weit genug und sicher entfernt von der Bombe wohnen", eine Unterbringung im Hotel oder in einer der kleinen Notunterkünfte. Wichtig sei, dass Infizierte und Nicht-Infizierte getrennt voneinander untergebracht sind. 5.000 Menschen müssen für die Zeit der Entschärfung in Sicherheit gebracht werden.

Mehr Notunterkünfte als sonst

Insgesamt sechs Notunterkünfte stellt die Stadt den Bürgerinnen und Bürgern zur Verfügung, mehr als bei vorherigen Bombenentschärfungen. Damit soll sichergestellt werden, dass die geltenden Abstands- und Hygieneregeln auch in den Notunterkünften eingehalten werden können. In allen Unterkünften, überwiegend sind es Turnhallen, gilt eine Maskenpflicht. Außerdem müssen die Menschen ihre Kontaktdaten hinterlassen und es gelten strenge Hygienekonzepte. "Die Menschen sollen sich bitte warm anziehen, weil wir wirklich regelmäßig lüften müssen", so Fehlauer. Shuttle-Busse zu den Unterkünften wird es – anders als sonst – nicht geben, auch Verpflegung sollen die Menschen selbst mitbringen.

Bei der Kontrolle des Sperrkreises setzen Polizei und Feuerwehr dieses Mal auch auf technische Unterstützung. Eine Drohne mit Wärmebildkamera wird im Einsatz sein, um den Sperrkreis aus der Luft zu kontrollieren. Bis 8 Uhr müssen die Menschen ihre Häuser und Wohnungen im gesperrten Bereich verlassen. Sollten Menschen sich weigern, droht ihnen ein Bußgeld bis zu 1.000 Euro.

"Die muss weg - Corona hin oder her"

Eines ist klar: Es wird eine Bombenentschärfung unter außergewöhnlichen Bedingungen. Aber eine erneute Verschiebung kommt für die Stadt nicht in Frage, sagt Eike-Kristin Fehlauer. "Das ist eine intakte, scharfe Bombe. Die muss weg - Corona hin oder her."

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Beitrag von Stefanie Brockhausen

2 Kommentare

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  1. 2.

    Wenn Infizierte und Kontaktpersonen bleiben dürfen, wenn sie "sicher und weit genug entfernt sind ", dann soll man doch einfach den Sperrkreis kleiner ziehen. Dann braucht man auch nicht so viele Notquartiere.
    Ich habe noch 1943 Bomben in Nachbarhäusern erlebt und überlebt, obwohl es keine Sperrkreise gab! Heute werden für die Entschärfung von 250kg-Bomben ganze Stadtteile entvölkert.
    Ich denke dann immer an das ausführende Personal - sollte wirklich mal was schief gehen.

  2. 1.

    Das klappt schon. Hat in Berlin letzte Woche auch funktioniert.
    Viel Erfolg und Dank denjenigen, die immer wieder diese Arbeit machen!

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