Ein Mann fuehrt am 26.02.2021 in Berlin bei der Durchfuehrung eines Corona-Selbsttests von Siemens Healthineers den Tupfer mit seinem Nasenabstrich in ein Plastikroehrchen, in dem sich eine Loesung befindet. (Quelle: dpa/Zacharie Scheurer)
Audio: Inforadio | 01.03.2021 | O-Ton Christian Gaebler | Bild: dpa/Zacharie Scheurer

Selbsttests sollen Sicherheit bringen - Senatskanzlei erwartet Lockerungen auch über 35er-Inzidenz

Der Chef der Berliner Senatskanzlei hat angekündigt, dass es weitere Lockerungen geben könne, ohne dass dabei die 35er-Inzidenz unterschritten werde. Christian Gaebler setzt dabei vor allem auf Schnell- und Selbsttests. So könnte man etwa wieder ins Theater gehen.

Der Chef der Berliner Senatskanzlei, Christian Gaebler, hat sich dafür ausgesprochen, bei einer Öffnungsstrategie nicht allein auf die 7-Tage-Inzidenz zu setzen. Die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner sei zwar weiterhin ein wichtiger Faktor, aber auch nicht der einzige Richtwert, sagte der SPD-Politiker am Montagmorgen im rbb-Inforadio. Zuletzt galt ein Inzidenzwert von 35 als entscheidende Marke für Öffnungen.

"Die 35 und die 50 stehen weiterhin im Infektionsschutzgesetz, deswegen kann man sich davon auch nicht verabschieden", so Gaebler. Im vergangenen Frühjahr habe man erst bei viel niedrigeren Inzidenzwerten wieder schrittweise geöffnet. "Deshalb bleibt das ein Orientierungswert." Laut Corona-Lagebericht des Senats vom Sonntag liegt die aktuelle 7-Tage-Inzidenz in Berlin 65,5 [berlin.de] und damit wieder deutlich höher als noch vor einigen Wochen.

Auch Intensivbelegung und R-Wert entscheidend

Es gebe aber auch noch andere Kriterien, die für die Bewertung der Pandemielage ausschlaggebend seien, wie etwa die Stabilität des Inzidenzwerts, so Gaebler weiter. "Insgesamt werden wir in einer Spanne, die über 35 liegt, schon erste Öffnungsschritte machen." Dann werde man aber auch sehr genau beobachten, wie sich der Inzidenzwert, die Reproduktionszahl und die Auslastung der Intensivbetten mit Covid-19-Patienten entwickeln.

Für eine Öffnungsstrategie setzt Gaebler auch auf Corona-Selbsttests. "Zum einen kann dann jeder selber zuhause überprüfen, bin ich infiziert oder nicht", sagte der SPD-Politiker. Bei bestimmten Aktivitäten, bei denen nicht zu viele Menschen beteiligt sind, könne auch vor Ort getestet werden, um diese wieder zu ermöglichen. Außerdem sollen dann auch Veranstaltungen wie ein Besuch im Theater mit einem zertifizierten negativen Selbsttests wieder möglich sein. Der Senatskanzleichef rechnet damit, dass die Laien-Selbsttests ab Mitte März flächendeckend verfügbar sein werden.

Mit mehr Impfungen könne es mehr Freiheiten geben

Am Mittwoch beraten Bund und Länder gemeinsam über das weitere Vorgehen in der Corona-Pandemie. Anschließend wird der Senat die beschlossenen Maßnahmen für Berlin anpassen und umsetzen.

Derzeit gibt es nach Senatsangaben 292.888 Menschen in Berlin, denen bereits einer der zur Verfügung stehenden Impfstoffe gegen das Coronavirus verabreicht wurde. Bund und Länder gehen davon aus, dass es mit steigender Impfkapazität auch mehr Lockerungen geben könne – etwa ab April. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sagte am Donnerstag dazu "Zeit Online": Mehr Impfungen können gleichbedeutend sein mit mehr Freiraum für die Bürger. Ziel müsse es sein, einen Alltag zu ermöglichen, der Sicherheit bietet, aber auch praktikabel sei, so der CDU-Politiker.

Sendung: Inforadio, 01.03.2021, 8 Uhr

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28 Kommentare

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  1. 28.

    Nunja, es geht nicht um private Kontakte. Außerdem wurde die App für Erwachsene entwickelt ....

  2. 27.

    Also Mann will deutschlandweit eine App installieren die von allen ÖPNV Gastro Geschäften und bei jedem privaten Treffen genutzt wird mit einer Anbindung an alle Gesundheitsämter. Würden wir in utopia leben gäbe es dafür vielleicht sogar eine Chance das es unter Umständen klappen könnte.
    Aber bitte mal im Ernst .... wenn man sich privat trifft wer würde denn da sein Handy zücken um dies zu dokumentieren...
    es ist wie bei vielen Sachen.... was theoretisch gut auf dem Papier aussieht wird in der Praxis scheitern.

  3. 26.

    Dafür müsste man erstmal an der Reihe sein und Termine kriegen.
    Aber hey, daran ist ja auch der dumme leichtsinnigen Bürger schuld

  4. 25.

    Es wird ganz vorsichtig nach und nach geöffnet, da zu kommt massives testen. Ich finde bei derzeitigen Zahlen kann man es wagen. Die Menschen wollen nicht mehr nur Verbote, die Geduld wird bald zu ende sein.
    Schlimmer wäre wenn zu viele Menschen die Maßnahmen nicht einhalten, siehe Tschechien.

  5. 24.

    Lockerungen können doch erst möglich gemacht werden, wenn sichere Tests und vor allem das Impfen für Alle durchgeführt werden kann. Ohne eine vernünftige Strategie sind Öffnungen unverantwortlich! Astrazeneka, Biontech, Moderna, Johnson, es ist doch so scheiß egal wie dort die Konkurrenz der Aktien stehen. Es scheint Einigen hier der Ernst der Lage immer noch nicht klar zu sein, wie gefährlich die Mutation B117 ist! Last Euch impfen auch mit Astrazenika bis der Arzt kommt! Hoffentlich kommt Mittwoch endlich eine vernünftige Einigkeit zustande.

  6. 23.

    In Tschechien ist es passiert, obwohl fast gar nicht geöffnet ist. Warum dem so ist, liegt auf der Hand, weil zu viele Menschen die Verordnungen nicht eingehalten haben.

  7. 22.

    "Macht doch jetzt alles auf und dann mal sehen was passiert." Ein Blick nach Tschechien genügt.

  8. 21.

    So so "die meisten" sind "schon tot". Leben Sie in einem Horrorstreifen oder leiden Sie unter Burnout im Endstadium mit pathologischem Zynismus. Schon mal was von überlasteteten Intensivstationen gehört? Was hier mal wieder durch die Bürstung geht ist ja toll :(

  9. 20.

    Ach ja, die Luca-App. Brandneu dazu:
    " Eingesetzt wird "Luca" bereits an mehreren Orten, etwa auf Sylt, Amrum und Föhr. Die stark vom Tourismus abhängigen Inseln haben hier den Saisonstart im Blick und werben deshalb verstärkt für das Projekt. Auf Sylt setzen bereits 200 Betriebe die App ein, als nächstes sollen beispielsweise auch Arztpraxen, Fitnessstudios, Friseursalons, aber auch Schulen und Kitas mit dem System vertraut gemacht werden.
    Eine Modellstadt mit "Luca"-Unterstützung will Rostock werden. Die Nutzung der App soll Voraussetzung für die Öffnung von Kultur, Handel und Sport sein. So rechnet Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen bereits für diesen Monat mit Zuschauern beim Fußball-Drittligisten Hansa Rostock. Zudem würden gemeinsam mit den Verbänden immer mehr Betriebe in der Anwendung der App geschult." (Quelle: https://www.tagesschau.de/faktenfinder/hintergrund/luca-app-hintergrund-101.html).
    Haben Sie sonst noch mal was Konstruktives beizutragen?
    Beste Grüße!
    Schnucki

  10. 19.

    Das stimmt nicht.
    Denn die Politiker wollten ursprünglich nachschärfen, falls die Mutationen durchdringen.
    Nun aber wird geöffnet.

  11. 18.

    Mal sehen wie das ganze Trauerspiel noch weiter geht...
    Aber was ich ja jetzt interessant finde, ab nächster Woche können wir endlich die Testzahlen
    von Berlin mit denen von vor einem Jahr vergleichen.....In der
    KW10 2020 = 1.265 Test / Positivquote 0,5%
    KW11 2020 = 9.506 Test / Positivquote 4,2%
    KW12 2020 = 19.560 Test / Positivquote 5,2%
    KW13 2020 = 19.705 Test / Positivquote 7,4% danch sanken die Zahlen, typisch Saisonal etc...

    Zum Vergleich 2021
    KW07 2021 = 53.461 Test / Positivquote 5,9%
    KW 08 wird morgen bei ALM e.V. veröffentlicht....

    Also wir testen aktuell gut 35-40% mehr bei ähnlichen Positivquoten als vor einem Jahr....
    Mal ganz ehrlich, wann endet dieser Irrsinn endlich!?

  12. 17.

    Ja war nett anzusehen was man sich mit Luca da ausgedacht hat.... besonders anschaulich mit dem QR Code in der U-Bahn und bei Veranstaltungen....
    Und dann ist einer positiv.... und das Szenario beginnt.... alle (mindestens im Wagon) werden benachrichtigt.... und alle auf dem Konzert.... und es rennen tausende zum Test... oder kann die luca App Entfernungen messen ?

  13. 16.

    Da sind ja schöne Aussichten und schön weiter träumen.
    So langsam reicht es! Macht doch jetzt alles auf und dann mal sehen was passiert. Ein Versuch ist es doch wert, jetzt wo die meisten schon tot sind!

  14. 15.

    So ansteckend scheinen die nicht zu sein. Jedenfalls war das der Stand vor einer Woche.

    "Für die deutsche Lockerungsdebatte dürfte diese Ansage der WHO ein ermutigendes Signal sein. Vor allem der ängstliche Blick Deutschlands auf die Mutationen wirkt durch die WHO-Zahlen übertrieben. Kluge sagt, Mutationen seien "normal" und sie würden nicht dazu führen, dass das Virus außer Kontrolle gerate. Tatsächlich fallen die Infektionsraten in den Ländern mit hohen Mutationsinzidenzen ebenso stark wie anderswo - in Südafrika beispielsweise um 33 Prozent binnen einer Woche."

    https://www.n-tv.de/politik/politik_person_der_woche/Ist-das-der-Anfang-vom-Ende-der-Pandemie-article22380150.html

  15. 14.

    Na endlich hat es mal Hirn vom Himmel geregnet!!
    Endlich merken die Politiker mal ,das es mit dem Dauer lockdown nicht weiter geht!!

  16. 13.

    Mal wieder superpeinlich für die Politiker:
    Man hat im Januar vermutlich einfach mit dem Lineal die Kurve der Neuinfektionen weitergezogen und gedacht, man kann dann zu Ostern noch mal den Sommer 2020 herbeizaubern.
    Und jetzt steigen die Zahlen und auf einmal:
    Simsalabim Schnelltest, Guten Morgen!
    Politiker überbieten sich mit Öffnungsforderungen.
    Auf einmal alles kein Problem mehr???
    Und dann noch die Deutsche Impfkampagne als Öffnungsargument heranzuziehen???
    Alles sehr merkwürdig.
    Ich hoffe, die Sportstudios machen bald wieder auf.
    Sport hält gesund!!!

  17. 12.

    Richtiger neuer Ansatz, gestern Abend bei Anne Will hat Smudo sehr kundig begründet, wie es gehen kann und sollte und das trifft sich mit Argumenten des Chefs der Senatskanzlei. Was aber auch wichtig wäre, ist die Erfassung der positiven Sebsttests durch das RKI, also die Übermittlung der Daten dorthin, um das Infektionsgeschehen realistisch einschätzen zu können. Setze mal den LInk für die Sendung, die war tatsächlich mal ziemlich interessant:
    https://daserste.ndr.de/annewill/Die-grosse-Ratlosigkeit-gibt-es-einen-Weg-aus-dem-Dauer-Lockdown,annewill6902.html
    Und noch ein Hoffnungsschimmer: der in den USA neu zugelassene Impfstoff von Johnson & Johnson muss nur einmal injiziert werden und soll auch gegen die bekannten Mutationen schützen! Mitte März kommt wohl die EU-Zulassung.
    https://www.zdf.de/nachrichten/panorama/corona-johnson-johnson-impfstoff-100.html

  18. 11.

    Mutationen lass ich gelten, ok.
    Aber sind nicht "die vielen Leichtsinnigen eh an allem Schuld und schon immer leichtsinnig gewesen"?
    Mal ist es die Gastro, dann war es der Handel, dann die Sportler.... statt vielleicht einfach zu akzeptieren, dass Viren schon immer mutiert sind und es auch in Zukunft immer tun werden!
    Den Mist werden wir nie wieder ganz los, da kann man sperren und verbieten, so viel man will.
    Denn Impfen, Schnell- und Selbsttest und Schutz für die besonders Gefährdeten hat man bis heute noch nicht im Griff.
    Wird sich auch dies Jahr nicht mehr ändern.
    Aber daran ist wahrscheinlich auch der "leichtisinnige Bürger" schuld

  19. 10.

    Das ist wohl eher der Einsicht zu verdanken, dass die Bürger zunehmend Zweifel an den Maßnahmen hat und sich die Unzufriedenheit artikuliert, dass Vertrauen in die Regierung sinkt.
    Ein Jahr Dauerbeschallung mit Durchhalteparolen machen müde und stumpfen ab.

  20. 9.

    Es handelt sich um eine Bundesgesetz. Kann nur über den Bundestag geändert werden.

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