Nach breiter Kritik - Berliner Senat beschließt Ausnahme für Kinder bei 2G-Optionsmodell

Zwei Kinder laufen in einem Park durch eine große Pfütze. (Quelle: dpa/Fabian Sommer)
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Video: rbb|24 | 15.09.2021 | Material: Abendschau | Bild: dpa/Fabian Sommer

Der Aufschrei war groß, nachdem der Senat am Dienstag das sogenannte 2G-Optionsmodell beschlossen hatte, mit dem Kinder unter 12 Jahren ebenfalls der Zutritt verweigert werden konnte. Nun hat der Senat nachgebessert.

Der Berliner Senat hat nach breiter Kritik am 2G-Optionsmodell eine Ausnahme für Kinder unter 12 Jahren hinzugefügt. Wie die Senatsgesundheitsverwaltung am Mittwochnachmittag mitteilte, dürfen Kinder nun auch an Veranstaltungen teilnehmen, die sonst nur für gegen Corona geimpfte und genesene Personen vorgesehen sind.

Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) twitterte am Mittwoch: "Die an uns herangetragenen Sorgen haben wir damit sehr ernst genommen und zügig gehandelt." Kinder ab sechs Jahren müssen demnach einen negativen Corona-Test vorweisen, soweit sie nicht im Rahmen des Schulbesuchs regelmäßig getestet werden. Das kann etwa in den Ferien der Fall sein.

2G-Optionsmodell soll ab Samstag gelten

Erst am Dienstag hatte der Senat beschlossen, dass ab kommenden Samstag in etlichen Bereichen Betreiber selbst entscheiden können, ob sie den Zutritt zu Innenräumen wie bisher Geimpften, Genesenen und Getesteten (3G) erlauben oder unter Wegfall etwa der Maskenpflicht und mit mehr Teilnehmern nur noch Geimpften und Getesteten (2G). Für Menschen, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können, gibt es weiterhin keine Ausnahme von der 2G-Regelung.

Die 2G-Regel mit mehr Freiheiten für geimpfte und genesene Menschen soll dabei nicht für lebensnotwendige Dinge im Alltag gelten. Grundsätzliche Versorgungsbereiche wie der Einzelhandel, das Versammlungsrecht, aber auch Wahlen und Gottesdienste seien von dem 2G-Modell ausgeschlossen, betonte Kalayci.

Kritik auch aus eigenen Reihen der Koalition

Kalayci hatte in einer Pressekonferenz am Dienstag noch betont, dass es bei der 2G-Regelung keine Ausnahmen für Kinder unter 12 Jahren geben werde. Für diese Altersgruppe ist bislang noch kein Impfstoff zugelassen. Widerspruch kam unter anderem von den Koalitionspartnern und aus der eigenen Partei. So forderten etwa SPD-Spitzenkandidatin Franziska Giffey, Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) und Kultursenator Klaus Leder (Linke) eine Änderung.

2G als Option sei im Prinzip in Ordnung, Kinder unter zwölf und ihre Familien dürften dabei aber nicht massiv bei der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben benachteiligt werden, argumentierten sie. Aus Koalitionskreisen hieß es dazu, im Senat sei über das Thema nicht formal abgestimmt worden. Vielmehr - und das sei bei vielen Themen üblich - habe der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) die Debatte in der Runde zusammengefasst, das sei mitgetragen worden.

CDU für 2G, AfD dagegen, FDP skeptisch

Die Opposition bewertet das 2G-Optionsmodell unterschiedlich. CDU-Spitzenkandidat und -Landeschef Kai Wegner hält das Modell für "grundsätzlich wünschenswert, um das Infektionsgeschehen weiter einzudämmen.

AfD-Fraktionschef Georg Pazdersk lehnt den 2G-Optionsbeschluss hingegen ab. "Den Preis zahlen die Bürger der Stadt mit weiteren wirtschaftlichen Einschränkungen, verwirrenden und komplizierten Regelungen sowie der damit verbundenen anhaltenden Beschneidung ihrer Freiheit", erklärte er.

Der FDP-Gesundheitsfachmann Florian Kluckert merkte an: "Wir können einen Barbesitzer oder Restaurantbetreiber nicht daran hindern, nur Geimpften und Genesenen den Zutritt zu gewähren." Es sehe aber so aus, als strebe der Senat eine "Impfpflicht durch die Hintertür" an.

Sendung: Abendschau, 15.09.2021, 19:30 Uhr

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