Nach mehreren Wahlgängen - Alexander Tönnies (SPD) wird neuer Landrat in Oberhavel

Mi 06.04.22 | 17:16 Uhr
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Alexander Tönnies (SPD), Landrat Oberhavel
Bild: Karsten Zummack

Im ersten Wahlgang wurde die nötige Wahlbeteiligung von 15 Prozent nicht erreicht. Jetzt steht der neue Landrat der Oberhavel mit Alexander Tönnies (SPD) fest. Geheime Absprachen im Vorfeld der Wahl sind dafür nicht unbedeutend. Von Karsten Zummack

Seit Ende November bereits wurde im Landkreis Oberhavel ein neuer Landrat gesucht. Nach mehr als 18 Wochen steht der Sieger nun endlich fest. Da die Wahlbeteiligung in der Bevölkerung zu gering war, wurde der Job offiziell ausgeschrieben. Jetzt haben die Kreistagsabgeordneten entschieden und den SPD-Kommunalpolitiker Alexander Tönnies zum neuen Verwaltungschef bestimmt.

"Ich gehe mit Vorfreude und auch großem Respekt an die neue Aufgabe", sagte der 50-Jährige in einer ersten Reaktion auf das eindeutige Votum. Nach einigen Umwegen ist er nun endlich am Ziel angelangt, darf in den kommenden Jahren die Geschicke der Kreisverwaltung im Landkreis Oberhavel leiten. "Es war ein anstrengendes und langes Prozedere", räumt Tönnies ein. Umso mehr freue er sich nun aber über das Ergebnis.

Jahrzehntelange Verwaltungserfahrung

In der abschließenden Briefwahl unter den verbliebenen drei Kandidaten erhielt Alexander Tönnies 37 Stimmen, bei insgesamt 56 Kreistagsabgeordneten ist das die absolute Mehrheit. Seine Mitbewerber Michael Krauße und Peter Zeitler erhielten lediglich vier beziehungsweise drei Stimmen. Damit kann Alexander Tönnies Ende April vom Kreistag zum neuen Landrat ernannt werden.

Alexander Tönnies ist in Berlin-Pankow aufgewachsen, hat ursprünglich Facharbeiter für Werkzeugmaschinen gelernt. Später wurde er Polizist und Sprecher der Berliner Polizei. Seit mittlerweile 20 Jahren lebt er in Hohen Neuendorf. Dort war er zuletzt Erster Beigeordneter und Stellvertretender Bürgermeister.

Schon im Wahlkampf verwies er gern auf seine Berufserfahrung, die ihm in seinem neuen Amt als Landrat nun zu Gute kommen soll. "Ich habe umfassende kommunale Verwaltungserfahrung", sagt Tönnies selbstbewusst und verweist auf seinen Diplom- und Masterabschluss der öffentlichen Verwaltung.

Quorum verfehlt

Dass Alexander Tönnies bei der Wahl zum neuen Landrat quasi eine Ehrenrunde drehen musste, hängt offenbar mit der Politikverdrossenheit in Oberhavel zusammen. Amtsinhaber Ludger Weskamp (ebenfalls SPD) war vorzeitig aus dem Amt geschieden, um an die Spitze des Ostdeutschen Sparkassenverbandes zu wechseln. Deshalb waren fast 182.000 Wahlberechtigte Ende November 2021 zum Urnengang aufgerufen. Dabei setzte sich Tönnies gegen seine drei Konkurrenten Sebastian Busse (CDU), Clemens Rostock (Grüne) sowie Vasco Piehl (AfD) durch. Zwei Wochen später entschied er auch die Stichwahl gegen seinen christdemokratischen Herausforderer für sich.

Problem nur: Die Wahlbeteiligung war zu niedrig, Tönnies verfehlte das festgeschriebene Quorum von 15 Prozent aller Wahlberechtigten. Der Posten wurde daher öffentlich ausgeschrieben. 31 Bewerbungen gingen ein. Mitte März stellten sich 24 Interessenten in einer Kreistagssitzung in Oranienburg vor, jeder hatte fünf Minuten Redezeit. Nach der Marathon-Runde blieben drei Kandidaten übrig — unter ihnen der 50-Jährige SPD-Politiker, der zum Schluss von gleich fünf Fraktionen unterstützt wurde. Offenbar mit Erfolg!

Geheime Absprachen im Vorfeld der Wahl

Für Aufsehen sorgten Absprachen, die zwischen den einzelnen politischen Kräften im Vorfeld der Briefwahl geführt wurden. Dabei ging es um konkrete Ziele und Versprechen, die womöglich im Gegenzug zu einem Tönnies-Votum vereinbart wurden. Themen unter anderem: neue Wohnungen, ein besserer ÖPNV sowie zusätzliche Gewerbeflächen.

Unterzeichnet wurde das Papier von den Fraktionen SPD/LGU/Tierschutz, FDP/Piraten, Grüne und Linke. Die AfD kritisierte die Vorabgespräche scharf. Tönnies selbst verteidigte sie als "demokratisches Ringen um Mehrheiten und damit legitim".

Öffentlichen Nahverkehr verbessern

Tönnies hatte im Wahlkampf bereits einige dieser Themen auf seine Agenda gehoben. Vor allem das Bus- und Bahnangebot in Oberhavel will er verbessern. "Ich glaube, das ist jahrelang nicht richtig beachtet worden. Und da müssen wir massiv investieren", so Tönnies. Er will auch dafür sorgen, dass der strukturschwache Norden des Landkreises nicht abgehängt wird. Schließlich leben gut 77 Prozent im industriegeprägten Süden von Oberhavel.

Die Kreisverwaltung hat in seinen Augen generell einen größeren Entscheidungsspielraum als allgemein angenommen. "Wir sind Maschinenraum, Herzkammer und Gehirn gelebter Demokratie", sagt Alexander Tönnies etwas pathetisch. Ende April soll er offiziell zum neuen Landrat in Oberhavel ernannt werden.

Sendung: Antenne Brandenburg, 06.04.2022, 10:44 Uhr

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1 Kommentar

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  1. 1.

    Der sollte sich mal fragen, warum das Interesse der Menschen vor Ort an wichtiger Kommunalpolitik offenbar so gering ist, dass die Politikverdrossenheit und Ignoranz vieler Bürger zu drei Vierteln überwiegt. Wenn er das versteht und abstellen kann, also die Einwohner für kommunalpolitische Themen wieder begeistern und mitreißen kann, hat er einen guten Stand im Falle einer Wiederwahl.

    Leider schauen die Menschen nur nach Berlin. Was wird im kreis entschieden? nun, immerhin die Preise für Taxis, Ausbau und Anbindung des öffentlichen Personennahverkehrs, die Kreisumlage usw.

    Wenn 75 Prozent nicht wählen gehen, spricht das für sich.

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